Gunter Weißgerber / 13.10.2019 / 14:00 / Foto: Pixabay / 9 / Seite ausdrucken

Afrika-Kritik: Ein Botschafter der Vernunft

Afrika und die Afrikaner lieben und die gegenwärtige gut gemeinte „Entwicklungshilfe“ ad absurdum führen – passt das zusammen? Im Falle von Volker Seitz und seinem immensen Erfahrungsschatz kann die Frage nur eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden! Der Mann gehört in die Entwicklungspolitik und in die Hörsäle der in bester Absicht falsch helfenden westlichen Welt. Der Afrikafreund Seitz müsste mehrfach geklont werden. Was ebenso wenig möglich ist, wie die von ihm sympathisch und sehr logisch angemahnte Reform des Entwicklungshilfegedankens in Theorie und Praxis möglich erscheint.

Weitermachen wie bisher, beruhigt das westliche Gewissen und schützt vor intensiver Hinterfragung eigener Positionen: Der „alte weiße Mann (sicher auch die alte weiße Frau)“ ist schuldig am Übel dieser Welt, Afrika ist das Opfer des „Westens“. Koloniales Subjekt sind „Wir“, beherrschtes Objekt sind „Die“. Die arabische Welt und China erfahren in dieser verqueren Denke nicht einmal eine Erwähnung als (böse) Subjekte. So einfach ist das aber nicht. Wie Volker Seitz, flüssig geschrieben, klarmacht.

Wer ist Volker Seitz? Ein Mann des fernen Schreibtisches oder ein Experte, der mit fundierter Erfahrung seine Mission unermüdlich Politik und Gesellschaft nahebringt? Die Friedrich-Ebert-Stiftung schreibt auf ihrer Seite „Internationale Politik und Gesellschaft“ zu seiner Person:

„Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Volker Seitz gehört zum Initiativ-Kreis des „Bonner Aufrufs“ zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“, welches im Herbst 2014 in erweiterter siebter Auflage bei dtv erschienen ist.“

„Das ist eben Afrika?“

Der Deutsch-Äthiopier Asfan-Wossen Asserate schreibt in seinem Vorwort zur Taschenbuchausgabe besagten Buches auf Seite 20 „Afrika ist für Europa eine riesige Herausforderung. … Wenn man den Strom der Flüchtlinge reduzieren will, muss man die Lebensverhältnisse der Menschen vor Ort … verbessern.“ Auf Seite 21 führt er weiter aus:

„Umso erstaunlicher ist es, „bemerkt nun Volker Seitz“, dass die Frage, ob und wie Entwicklungshilfe wirklich hilft, auf so wenig Interesse stößt. Entwicklungshilfe wird ja ebenfalls durch die Bevölkerung finanziert, und sie wird ständig erhöht. Doch die schlechten Nachrichten aus Afrika werden nicht weniger. Da liegt es eigentlich auf der Hand nachzufragen, was mit diesem Geld geschieht, wofür es eingesetzt wird und was damit erreicht wird.“

Asfan-Wossen Asserate: „Genau diesen Fragen geht Volker Seitz in diesem Buch nach. ‚Afrika wird armregiert – Wie man Afrika wirklich helfen kann‘ ist inzwischen in die Riege der Klassiker unter den Sachbüchern über Afrika aufgestiegen.“ 

Volker Seitz: „Ich möchte vor allem dazu beitragen, dass vermeintlich unergründbare Fragen nicht mit einem Schulterzucken und der Erklärung „Das ist eben Afrika“ beantwortet werden. Dieses fröhliche Afrika hat mich über 40 Jahre nicht losgelassen....„Afrika ist ein faszinierender Kontinent, der von freundlichen, dem Leben zugewandten Menschen bewohnt wird. … Für mich ist Afrika der Kontinent der improvisierten Problemlösungen und der Heiterkeit auch am Abgrund.“  

Gäbe es die Ehrung „Afrikanischer Ehrenbürger“, Volker Seitz wäre aus meiner Sicht ein heißer Anwärter. Selbstverständlich weiß ich, dass Afrika ein riesiger Kontinent mit derzeit fünfundfünfzig anerkannten Staaten ist, die sich vielfach mindestens so unterscheiden, wie es die europäischen Staaten vom Atlantik bis zum Ural tun. Was die Einführung so einer Ehrung wohl eher unmöglich macht. Aber denken darf man das ja noch?

Volker Seitz macht es dem Leser leicht, Afrika verstehen zu wollen. „Es ist eine andere Welt, eine Welt, in der der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten selten eine Gerade und Geduld eine lebensnotwendige Tugend ist. … Afrikaner haben keine Eile, aber oft ein überraschend gutes Gedächtnis. … wenn ein weiser Mann stirbt, ‚brennt eine Bibliothek ab".

„Nur aus der Distanz sind Antworten einfach. Schön wäre es, wenn mit mehr Kapital die Probleme … gelöst werden könnten. Oberstes Ziel darf nicht länger ein Mehr an Entwicklungshilfe sein, das die Kräfte der Selbsthilfe lähmt, sondern so wenig Geld wie möglich, nur halb so viel wie dringend nötig. Entwicklung, daran habe ich keinen Zweifel, kann nur über die tatkräftige Mitwirkung und Eigeninitiative eines jeden Einzelnen stattfinden.“ 

Wenn Europa ein Stück zu Afrika wird

Seitz‘ Credo wird noch immer zu wenig wahrgenommen. Im Gegenteil, angesichts  der irreführenden Kampagne für eine sogenannten „Klimagerechtigkeit“ laufen Seitz Thesen Gefahr, noch weniger beachtet zu werden. Wo Seitz sagt, es komme auf die Afrikaner selbst an und wir sollten ihnen nach dem Prinzip des Förderns und Forderns wohldosiert helfen, werfen die Klimagerechtigkeitspropheten alles in einen Topf, machen den Westen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hauptverantwortlich für das Elend Afrikas und belassen die Afrikaner in deren Nehmerstatus.

Unwissenschaftliche „Klimagerechtigkeit“ schlägt Differenzierung. So die momentane Situation. Kein Wort von Bevölkerungswachstum, kein Wort vom Recht der Afrikaner, so in ihrem Afrika leben zu können, wie die Europäer es in Europa tun. Rassismus unter dem Deckmantel angeblich wünschenswerter Bedürfnislosigkeit und die Wiederauflage des unguten Bündnisses zwischen weißen Helfern des Westens und den „Flusspferden“ Afrikas (siehe weiter unten).

Da der Westen an allem schuld ist, muss er auch alles bezahlen und wenn die Leute nach Europa kommen, statt in ihren Ländern ihre Dinge selbst in die Hand zu nehmen, soll das auch richtig sein? Denn – der Westen ist schuld?

Volker Seitz widerspricht dieser These, macht den Westen eher mit dessen anhaltend falscher Entwicklungspolitik mitschuldig am ausbleibenden afrikanischen Aufbruch. Gäbe es diesen Aufbruch, gäbe es nicht mehr den aktuellen Druck auf Europas Südgrenzen. Niemandem ist geholfen, wenn Europa ein Stück zu Afrika wird und damit dem afrikanischen Niveau nach unten näherkommt. Allen wäre dagegen geholfen, würde Afrika zu Europas Lebens- und Demokratiestandards aufschließen. Das allerdings müssen die Afrikaner sämtlich selbst entscheiden.

„Bei einer ehrlichen Bestandsaufnahme stellt man fest, dass das Gros der Hilfe unter der Sonne Afrikas verdunstet. Mangels guter Regierungsführung, d.h. Transparenz, Verantwortlichkeit, Effizienz, demokratischer Teilhabe an den Entscheidungen und vor allem Rechtsstaatlichkeit, haben die meisten Länder Afrikas auch nach fast 60 Jahren Unabhängigkeit den Kampf gegen Armut und Korruption und die Überwindung ihres Stillstandes nicht angepackt.“ 

Transparenz und ein Ende der Korruption

Volker Seitz gibt einen interessanten Hinweis: "Afrikas Machthaber und Eliten bekommen es zunehmend mit ihrer Geparden-Generation zu tun. Die Jugend Afrikas bewegt sich schneller als die Flusspferd-Generation, die vielerorts noch an der Macht ist. Flusspferde beklagen sich noch über den Kolonialismus und Imperialismus, während die schnelleren Geparden Demokratie, Transparenz und ein Ende der Korruption fordern.“

Das dürfte sogar für die antiimperialistische dogmatische Linke der westlichen Welt ein Problem werden. Mit den „Flusspferden“ ließ es sich gut gegen den eigenen Westen aufmischen. Mit den „Geparden“ wird das simpel nicht laufen. Im Gegenteil, diese Geparden werden die mit den Flusspferden verbandelten dogmatischen Linken nachhaltig fragen, wie es zu dieser gemeinsamen Front bar jeglicher Moral kommen konnte. Man darf gespannt sein.

„Wir sollten endlich auf die Afrikaner hören, die die Entwicklung ihrer Länder vorantreiben wollen und die uns sagen: 'Entwicklungshilfe ist in vielen Ländern nicht die Lösung, sondern das Problem.'“ 

Volker Seitz verweist auf die schulische Bildung, die die wichtigste Grundlage für eine wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Entwicklung der dort lebenden Menschen sein muss. Das müssen wir fördern. Doch nur, „wenn wir auf der anderen Seite auch dafür sorgen, dass Eigenverantwortung eingefordert wird.“ Unter Eigenverantwortung versteht Seitz definitiv nicht die Tatsache, dass wohlhabende Afrikaner ihre Kinder ins westliche Ausland, statt auf eigene Schulen und Universitäten schicken. An denen fehlt es nämlich generell.

„Wir sollten vor allem die Frauen fördern. ... dass Frauen, die nichts fordern, beim Wort genommen werden. Sie bekommen nichts.“ Und das, obwohl sie das Land bearbeiten, die Familien ernähren, Geschäfte machen! Wir sollten besonders auf die afrikanischen Frauen setzen – auf die Frauen und die Geparden.

Entwicklungshilfe ist noch immer Ablasshandel. Altruismus, Mitleid, Großzügigkeit werden gezeigt, indem eine florierende Hilfsbranche immer wieder und immer mehr Geld gibt. Damit wird christliche Nächstenliebe gezeigt, um die Ursachen der Misere wird sich herumgewunden. Moralisch überlegen ist der, der fordert. Emotionale Aufwallung verhindert das Denken. „Die Täter sind immer die anderen, die Opfer immer die Afrikaner. ‚Das Ritual des Beschönigens und Beschuldigens verbindet schwarze Eliten und weiße Helfer' (Axelle Kabou)“. Auch hier sollten wir auf die „Geparden“ setzen. Die ehrenwerte Gesellschaft aus schwarzer Elite und weißen Helfern zu lasten der afrikanischen Bevölkerungen bedarf der Erosion.

Seitz: „Daher überrascht auch die Idee afrikanischer Meinungsführer nicht, dass die USA und Europa, die vom Sklavenhandel profitierten, eine offizielle Entschädigung zahlen sollten, um den wirtschaftlichen Schaden wiedergutzumachen und den Staaten zu helfen, ihre Wirtschaft aufzubauen. Merkwürdigerweise schlägt aber niemand vor, die arabischen Staaten, ebenfalls zu einem Schadenersatz aufzufordern, obwohl ihr Anteil viel höher ausfallen müsste.“

Mein Zusatz an dieser Stelle: An solchen Entschädigungen müssten sich fairerweise auch die Clans und Eliten beteiligen, die ihre Nachbarn an die Sklavenhalter verkauften. Das war ein einträgliches Geschäft für Afrikas Eliten.

Wenn Hilfe lähmt

Seitz: „Die Länder unseres Nachbarkontinents haben sich mit wenigen Ausnahmen daran gewöhnt, dass für Entwicklung das Ausland zuständig ist. … Hilfsgelder heizen in vielen Ländern die Korruption an und halten Afrika in Abhängigkeit. … Nicht fehlende Mittel und kolonialistische Spätfolgen hemmen den Fortschritt, sondern mangelnder politischer Wille der Regierungen, … Statt die Ärmel hochzukrempeln, um aufzuholen, stilisieren sich die afrikanischen Führer als Opfer des Kolonialismus, Rassismus, der Globalisierung etc. … Alle Probleme werden durch weißen Rassismus usw. erklärt, niemals werden die Ursachen für die Rückständigkeit bei sich selbst gesucht.“ 

Na, das wäre aber auch schön dumm von dieser Elite. Würde die das so zugeben, wäre Schluss mit dem Geldstrom aus dem ewig schuldigen Westen, und die Elite müsste den Schulterschluss mit ihrer Zivilgesellschaft suchen, um mit dieser Afrika selbst aufzubauen. Für den Westen kann es bezüglich Afrikas nur heißen: Hilfe zur Selbsthilfe und das zu konkreten Konditionen.

Seitz: „Die Verfassungen und Gesetze der jeweiligen Länder helfen auch nicht weiter. Auf dem Papier findet sich dort fast alles, was das Herz eines Demokraten höher schlagen lässt. … Wir müssen Afrika ernst nehmen und an die Reformierbarkeit glauben. Wer keine Reformanstrengungen unternimmt, sollte künftig auch nicht mehr gefördert werden. … Die Verantwortung für Afrika liegt zunächst bei den Afrikanern selbst. … 'Kein Volk der Welt darf auf Dauer zum Hilfsempfänger herabgewürdigt werden', sagt der ehemalige deutsche Bundespräsident Hort Köhler.“ 

Mir als ehemaligem SPD-Bundestagsabgeordneten fällt dazu die AGENDA 2010 ein. Ohne Fördern und Fordern belassen wir die Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger für immer in ihrer abhängigen prekären Situation. So unsere damalige Intention. Der Erfolg gab uns recht, was uns politisch nichts nützte, Deutschland entwickelte sich vom EU-Schlusslicht nach 2004 zur EU-Lokomotive, die in der weltweiten Finanzkrise 2008 den geringsten Wasserstand oberhalb der Unterlippe durchlitt. Nur so kann es national und international gehen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ und „Fördern und Fordern“ sind Leitlinien zu Aufbau und Erhalt solider Volkswirtschaften.

Als Haushaltspolitiker hatte ich immer meine Probleme mit dem Thema „Schuldenerlass“. Stark in Erinnerung ist mir die weltweite Initiative des Erlassjahres 2000. Unser Haushaltstaatssekretär Karl Diller wies uns bei allem Verständnis für die hoffnungslos überschuldeten Staaten auf den Umstand hin, dass staatliche Schuldenerlasse die Situation der betroffenen Länder keineswegs bessern helfen. Zwar entfällt der Schuldendienst für Schulden bei staatlichen Geldgebern, die Schulden bei Privatbanken bleiben unberührt. Die müssen weiterhin getilgt werden, die betroffenen Länderhaushalte bleiben ungedeckt, die Privatbanken werden faktisch abgesichert.

Volker Seitz: „Nach übereinstimmender Einschätzung der Geber kam höchstens ein Drittel der freigewordenen Mittel überhaupt bei den Bedürftigen an. … Die Erwartungen der Geber, dass die staatlichen Ausgaben sich auf wachstumsfördernde und effiziente Maßnahmen fokussieren, hat sich … nicht erfüllt.“ (ab S. 73)

"Babysitting Africa"

Seitz: „Das Samariterverhalten des Nordens schwächt oder zerstört die Anreize der Empfänger zu eigenen Anstrengungen. Mit unserem Dauermitleid verstärken wir nur eine Sozialhilfementalität … Theorien wie die der Benachteiligung Afrikas wegen der Tropenlage sind wenig stichhaltig, andere Kontinente mit ähnlichen Problemen haben den Sprung geschafft.“ 

Volker Seitz mahnt eine gesamtpolitische Zielsetzung an und schlägt deshalb eine Eingliederung des BMZ in das Auswärtige Amt vor.

„Die Kompetenz der Entwicklungsexperten muss an die Botschaften verlagert werden. ... Auch der frühere Staatsminister Werner Hoyer fordert den längst fälligen Schritt Die jetzige Trennung in zwei unterschiedliche Ministerien – AA und BMZ – sei von der Sache her künstlich und führe zu Kompetenzgerangel. …

Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Armutsbekämpfung und dafür wiederum muss Druck auf verantwortungslose Regierungen und Eliten ausgeübt werden. … Die Ursache der Krise Afrikas ist nicht nur die mangelnde Effizienz der Entwicklungshilfe, sondern vor allem die Politik afrikanischer Machthaber und Führungseliten, die zum Teil allzu sehr und allzu lange von den Gebern unterstützt wurden. … Der Erfolg muss überprüft werden. … Ein Übermaß an Hilfe lähmt die Betroffenen. Auch die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NGO) sollte regelmäßig überprüft werden. … Die NGOs sollten keine moralische Immunität genießen und nicht über Kritik erhaben sein. … Grundsätzlich sollte öfter abgefragt werden, ob jedes Hilfsangebot zweckmäßig ist.“

Ich habe Volker Seitz mit großem Gewinn gelesen und empfehle Afrika wird armregiert einer breiten Öffentlichkeit. Wir leben in einer Welt und sollten den Versuch unternehmen, diese eine Welt mit Wärme im Herzen und nüchtern im Kopf zu betrachten.

Afrika wird armregiert“ von Volker Seitz, 2019, dtv: München

Foto: Pixabay

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Robert Loeffel, Bern / 13.10.2019

Ein ehrliche und messerscharfe Analyse zu Afrika. Jenseitz von Flüchtlingsschlepperin Rackete und Sea Watch Romantik. Das Buch werde ich kaufen.

Jörg Klöckner / 13.10.2019

@Klaus-Dieter Grün: Vielleicht wissen Sie ja wirklich nicht, was ein Klimagerechtigkeitsprophet ist. Sie haben aber wohl mitbekommen, dass die Industrieländer an allem Schuld sind, niemand sonst. Das sind schon prophetische Worte, lauten sie doch übersetzt: ihr habt auf Heller und Pfennig abzuzahlen… und bleibt trotzdem auf ewig schuldig. Biblische Geschichten könnte man aus solchen Narrativen weben. Sünder, Sünde, Strafe und Apokalypse. In der Bibel kamen ja Propheten vor. Aber ich zeige Ihnen mal einen modernen Propheten. Ottmar Georg Edenhofer, Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, von 2008 bis 2015 einer der Ko-Vorsitzenden der Arbeitsgruppe III des Weltklimarates (IPCC), hatte 2010 der NZZ im Interview gesagt: “Zunächst mal haben wir Industrieländer die Atmosphäre der Weltgemeinschaft quasi enteignet. Aber man muss klar sagen: Wir verteilen durch die Klimapolitik de facto das Weltvermögen um. [...] Man muss sich von der Illusion freimachen, dass internationale Klimapolitik Umweltpolitik ist. Das hat mit Umweltpolitik, mit Problemen wie Waldsterben oder Ozonloch, fast nichts mehr zu tun.” Herr Grün, fällt Ihnen wirklich nicht die religiöse Kraft dieser Worte auf. Ein weltumspannendes Gerechtigkeitsprojekt, das Herr Edenhofer in seinem unendlichen Ratschluss seiner Gemeinde nur noch meint verkünden zu müssen. Nun noch ein Tipp, Herr Grün. Dass Sie Ihre Filterblase verlassen haben, war schon ein guter Anfang. Versuchen Sie es demnächst jedoch einfach mal mit weniger Herablassung… die steckt nämlich an!

Anders Dairie / 13.10.2019

Wir können es uns offenbar nicht wirklich vorstellen, dass und wie Staatskassen ohne allen Umstände ausgeräumt werden. Es ist ganz einfach, der Präsident o.a. gibt während einer Sitzung Bündel mit Bargeld an die Anwesenden aus. Ohne besonderen Grund, ohne Begründung, nach Gütdünken in der Höhe und, natürlich, ohne Quittung.  Unter europ. Verhältnissen gibt es das auch.  Ich habe es in gleicher Form über Frankreich gelesen.  Der Staat kann auch alle möglichen Verbind-lichkeiten übernehmen, wie für Käufe, Wohnungen und Häuser,  Bodygards,  Mieten, Reisepreise, Ausbildungskosten etc.. Dies ohne erkennbaren Rechtsanspruch. Es ist klar, dass dies zu einer enormen Umverteilung führt und einer Benachteilung Ärmerer sowie der Negation der Armen,  als wären sie gar keine Mitbürger.

Klaus-Dieter Grün / 13.10.2019

Ich frage mich immer wieder, warum in der “Achse des Guten” fast jeder Beitrag ganz merkwürdige Querverbindungen zu Ogranisationen, andersdenkenden Gruppen ziehen muß. Die “Klimagerechtigkeistpropheten” - dieser Begriff ist so vage wie ungenau - haben nun aber überhaupt nichts mit der Form der Entwicklungshilfe zu tun, über die Herr Seitz offensichtlich klagt. Die “Klimagerechtigkeitspropheten” waren vorgestern nicht für Entwicklungshilfe zuständig, sie waren es gestern nicht und sie sind es heute nicht. Also: Was soll dieser Querverweiss ? Offensichtlich soll er Stimmung machen, sonst nichts. Die Probleme Afrikas angesichts einer globalisierten Wirtschaft, deren politische Helfer, wie in der EU geschehen, den Afrikanern (genauer dem südlichem Afrika) einseitige Handelsverträge aufzwängen, finden im Artikel so gut wie keine Beachtung. Es wird über korrupte afrikanische “Eliten” geredet - aber das alles soll in keinerlei Beziehung zum Kolonialismus stehen, einem Kolonialismus bei dem beispielseise die netten Belgier im Kongo Ende des 19.Jahrdunderts bis ins das 20.Jahrhundert hinein, mal so eben 10 Millionen “Kongolesen” umgebracht haben? Das ist Geschichtsblindheit sondergleichen, eine Geschichtsblindheit die die Beiträge der “Achse des Bösen” in Hinsicht auf den Nationalsozialismus oder auf Israel plötzlich dann nicht mehr aufweisen. Hier geht es dann plötzlich um 70 oder um 100 oder sogar um 2000 Jahre zurück, um irgendetwas zu begründen. Also, kurz und gut: auf Ideologisierung verzichten und sauber berichten.

Marc Blenk / 13.10.2019

Lieber Herr Weißgerber, Volker Seitz ist für Afrika das, was Herr Scholl Latour für die islamische Welt (ua) war.  Nach meinem Dafürhalten der größte Afrikaexperte des Landes.

Werner Arning / 13.10.2019

Liest man die Artikel von Volker Seitz auf der Achse, spürt man, wie sehr er diesen Kontinent liebt, wie sehr ihm die Afrikaner and Herz gewachsen sind. Er kennt und versteht Afrika. Ihm geht es darum, Afrika seiner Identität nicht zu berauben und gleichzeitig in ehrlicher Weise die Probleme zu benennen, anstatt mit oberflächlichen, gutgemeinten Ratschlägen kostbare Zeit zu vergeuden. Wer Afrika wirklich helfen will, verschließt nicht seine Augen vor der Realität. Und genau das tut zu einem großen Teil unsere sogenannte Entwicklungshilfe. Man hilft keinem Abhängigen, indem man die Dosis erhöht, indem man ihn in seiner Abhängigkeit bestärkt, ihn in einer Opferrolle bestärkt, ihm Stoff besorgt, und sich selber die eigene Hilfsbereitschaft und Güte hoch anrechnet. Ich werde mir Volker Seitz‘ Buch kaufen.

Alexander Schmidt / 13.10.2019

Man muss sich nur mit   Leuten unterhalten die jahrelang in Afrika gearbeitet haben unterhalten.

Christian Feider / 13.10.2019

Ich lese die Artikel von Herrn Seitz immer gern,so viele liebe und weniger liebgewonnene Erinnerungen aus rund zehn Jahren overseas-Arbeit in Afrika,Arabien und Asien kommen wieder in den Kopf… unvergessen mein damaliger Assistent, der bei meiner Ankunft im Brustton der Überzeugung meinte,2 Kinder waeren mehr als genug. Gut gebildet, im Fachbereich studiert, Clan-Chef-Sohn. Jedes Jahr,das ich verweilte, wurde es ein Junior/eine Juniorin mehr :) ich fragte immer wieder mal,wie denn d nun mit der 2 Kind Lösung sei. Mal war die Pille vergessen,mal jenes,mal das… Nebenher war er jährlich in unerer Company auf Trainings-Austausch in der Schweiz,Belgien,Holland und natürlich D. Ein Kind von Traurigkeit auch da natürlich nicht ... kurz und gut, nach knapp 6 Jahren hatte er 7 Junioren und flirtete mit dem Gedanken an eine Zweitfrau. Es sind weder Bildung,noch Armut,noch Medikamente. Die soziale Prägung, das “Prestige”,das selbst in einer wirklich wohlhabenden Sippe (umfasste in etwa 4000 engere Verwandte) durch eine reiche Kinderschar entsteht…das ALLES haben Europaeer schlicht und ergreifend nicht auf dem Schirm, verstehen es rational nicht und setzen darum völlig falsch an. Auch nett war die deutsche EU-Fördergeldverteilerin, die uns in Oberägypten allen Ernstes fragte,wie denn unser “Recycling/Composting und die Mülltrennung” laufe…..abgehobener als dieses frisch aus dem NGO/EU-Ei gekrochene Küken konnte man das Ganze gar nicht antreffen. Also,bitte mehr von den realistisch-ironischen Beiträgen, helfen werden Sie bei den gegenwaertigen Politikern zwar keineswegs, aber sie bringen die Realität wenigstens zum geneigten Leser

Sven Krüger / 13.10.2019

Ich stimme dem Artikel voll und ganz zu, vor allem, was das Fördern und Fördern betrifft und die Unterstützung von Frauen und Geparden. Und eines ist sicher, solange die Entwicklungshilfe nur mit den Flusspferden zusammenarbeitet, werden sich nur die Konten der Flusspferde entwickeln. Ich selbst bin häufig im Senegal unterwegs und habe festgestellt, dass es dort viele Geparden gibt. Nur gibt es dort und in vielen anderen Ländern auch strukturelle Probleme. So konnten die asiatischen Tropenstaaten jederzeit ihre Währung abwerten, um weltmarktfähig zu werden, zu bleiben. In der FCFA-Zone ist das schlicht nicht möglich, weil der FCFA an d’en Euro gebunden ist. Jede Nullzinsrunde verhindert also direkt eine Entwicklung der Staaten dieser Zone. Ein anderes Problem ist die Liberalisierungs-/ Privatisierungspolitik von IWF un WB in den 90ern Viele vor allem westafrikanische hatten funktionierende Gesundheits- und Schulsysteme. Dankt IWF, Weltbank und Public Private Partnership wurden diese kaputt gespart. Ein weiteres Thema ist die EU-Politik. Was was auf der einen Seite mühsam durch (Entwicklungs-)hilfe zur Selbsthilfe aufgebaut wurde, wird durch Marktpolitik wieder zerstört. Stichwort Hühnerfarm und Hühnerfleischexporte nach Afrika oder Schneiderkurse und Exporte von Alttextilien, welche afrikanische Textilindustrien zerstört. Und auch die gut gemeinte Entwicklungshilfe der Bill & Melinda Gates Stiftung ist zu hinterfragen. So ehrenhaft die Bekämpfung von Malaria durch entsprechende Moskitonetze ist, warum müssten diese subventioniert aus den USA geschickt werden, warum konnten nicht west- und zentralafrikanische Produzenten dafür genutzt werden? Keinen Platz habe ich mehr für die Überschwemmung afrinischer Märkte mit chin. Billigprodukten oder den Landkauf weltweiter Hegdefonds und arabischer und asiatischer Staaten, die zu weiterer Armut führt. Meine Schlussfolgerung, lasst uns endlich unsere Hausaufgaben machen und eine Afrika-Politik, die den Namen auch verdient!

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