Im weltweiten Vergleich hat Afrika bisher eher wenig registrierte Coronavirus-Fälle. Allerdings gibt es Zweifel, ob alle Atemwegsinfektionen schon entdeckt wurden. Bislang ist das Virus in 30 der 55 Länder (mit gut 400 Infizierten/Stand 17.03.2020) bekannt geworden. Schwerpunkt sind bislang Ägypten mit 67 Fällen und Südafrika, wo es 61 sind. Das liegt an der schlechten Anbindung an den Rest der Welt. Es gibt täglich nur wenige Verbindungen nach Europa und Asien. Viele afrikanische Fluglinien haben den Flugverkehr nach China eingestellt.
Trotzdem haben Südafrika, Kenia, Namibia, Madagaskar und Botswana für Deutsche und andere Reisende aus den Risikogebieten Italien, Frankreich, China, Südkorea, Großbritannien, Spanien, USA und Iran Einreiseverbote verhängt. Die meisten Ansteckungsfälle wurden auf Reisende aus Europa oder den USA zurückgeführt. Befeuert wird in den sozialen Netzwerken, dass der Convid-19 von Weißen nach Afrika gebracht wird. Chinesen werden diskriminiert, weil sie das Virus entwickelt hätten. Simbabwes Verteidigungsminister hielt es für angebracht, auf einer öffentlichen Versammlung das Coronavirus als „Strafe Gottes“ für Europa und die USA wegen deren Sanktionen gegen Simbabwe zu bezeichnen.
Gefährlich sind Gerüchte, dass „schwarze Haut“ oder „afrikanische Gene“ gegen das Coronavirus schützen. Auch gibt es falsche medizinische Hinweise im Netz: „Das Virus überlebt nicht in warmen Regionen bei 26 Grad.“ Das ist nicht bewiesen und hindert Menschen, vorsichtig zu sein. Auch wird als „sichere“ Möglichkeit behauptet, regelmäßiges Trinken verhindere eine Infektion mit dem Virus. Das bestreiten alle Ärzte.
In Kenia, Ruanda und Senegal wurden alle öffentlichen Veranstaltungen untersagt. In der Demokratischen Republik Kongo müssen Reisende zunächst in Quarantäne.
Chinese sagt Äthiopien Corona-Hilfspaket zu
Fachleute befürchten, dass sich die Pandemie in Afrika wegen der schlechten Gesundheitsfürsorge und den hygienischen Zuständen (fehlendes Wasser) in Slums rasch ausbreiten könnte. Es gibt in Kliniken kaum Schutzmaterial wie Desinfektionsmittel, Masken, Schutzanzüge und Handschuhe. Eine Mikrobiologin (Humboldt-Stipendiatin) aus Lagos in Nigeria hat einem meiner Kollegen erzählt, dass es in ganz Subsahara-Afrika nur drei zertifizierte Labore gebe, die überhaupt in der Lage seien, das Virus nachzuweisen.
In allen Ländern, in denen ich gearbeitet habe, gab es zu wenige Krankenhäuser, mangelnde Hygiene in diesen Häusern, administrative Unzulänglichkeiten, mangelhaft ausgebildetes medizinisches Personal, keine Nothilfestationen, kaum Krankenwagen, keine medizinische Hilfe ohne finanzielle Vorleistung, teure Medikamente, die oft durch unsachgemäße Aufbewahrung unbrauchbar werden. Selbst die größten Krankenhäuser haben nicht immer Strom, fließendes Wasser oder Isolierstationen. Vielen Ländern südlich der Sahara ist gemein, dass Kranke kilometerweit bis zum nächsten Arzt oder Krankenhaus gehen müssen.
Der chinesische Online-Unternehmer und Multimilliardär Jack Ma hat Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed ein Corona-Hilfspaket für den gesamten Kontinent zugesagt: 100.000 Schutzmasken und bis zu 20.000 Diagnosetests für jedes Land. Dazu Handbücher zur Behandlung von Infizierten, basierend auf den Erfahrungen chinesischer Mediziner der vergangenen drei Monate. Eine feine Geste.
Weltweit gibt es viele hochqualifizierte afrikanische Ärzte, die im eigenen Land nicht vernünftig arbeiten können. Afrikanische Staaten müssen endlich reagieren und zeigen, dass sie den Braindrain umkehren möchten und die Gesundheitssysteme verbessern, indem sie in medizinisches Personal investieren.
Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe erschien im September 2018. Drei Nachauflagen folgten 2019 und 2020. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.
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In Verbindung mit dem aktuellen Corona-Virus sterben im Mittel Menschen um die 80 Jahre mit Vorerkrankungen. Die wenigen Jüngeren, die daran sterben oder schwer erkranken, haben nahzu alle eine oder mehrere schwere Vorerkrankungen. Da die Bevölkerung in Afrika im Durchschnitt sehr, sehr jung ist, wird Corona dort kaum ein Problem werden. Italien hat übrigens die älteste Bevölkerung Europas. Auch dieser Fakt wird in der aktuellen Hysterie kaum irgendwo in den Blick genommen. Das Durchschittsalter bzw. Medianalter der angeblichen "Corona-Toten" entspricht in allen Ländern bisher ziemlich genau deren durchschnittlicher Lebenserwartung.
@ Heinrich Rabe Manche afrikanische Eliten haben viel zu sehr das Gefühl, dass sie vom Schicksal regiert werden. Das Leben selbst in die Hand zu nehmen tritt dadurch in den Hintergrund. Bei Problemen wird nicht sofort nach einer Lösung gesucht, sondern man sieht sich lieber als Opfer. Aber es gibt andere Regierungen wie in Ruanda, Botswana, Äthiopien, Mauritius, Senegal und Ghana, die versuchen die Lebensverhältnisse der breiten Masse zu verbessern und damit auch die Gesundheit. In jedem Land in dem ich tätig war gab es exzellente Ärzt. Ein Herzspezialist hat einem meiner Vorgänger in Benin das Leben gerettet. Leider emigrieren seit Jahrzehnten afrikanische Ärzte nach Europa, USA, Kanada. 30 Prozent haben ihre Heimat verlassen. Beispiel: Es gibt mehr Ärzte aus Sierra Leone in Chicago als in ihrem Heimatland. 95 Prozent der angolanischen Ärzte in Portugal. Der kamerunische Herrscher Biya hat in meinem Beisein öfter gesagt, dass er offene Grenzen in Europa für Auswanderer wünscht. Er will das unruhige Jugend weggeht und sein autoritäres Regime nicht in Frage stellt.
Meines Erachtens liegt die geringe Zahl der Infizierten daran, dass aufgrund des Klimas Grippe in Afrika eher unbekannt ist. Dass sie nun auch in Afrika verstärkt auftritt liegt daran das auch in Afrika immer mehr Klimaanlagen Verwendung finden, das ist auch hier bei uns eine der Möglichkeiten sich im Sommer eine handfeste Grippe einzufangen.
@ Frank Theimer Besten Dank für Ihren Situationsbericht aus ZA. Was ich aus anderen Ländern höre entspricht eher Ihrer Bemerkung zu den „ärmeren Schichten“ am Kap.
Auch gegen Aids hatte der Afrikaner seine eigenen Therapien, aus dem afroomedizinisch-traditionellen Fundus abgeleitet. Als Ebola grassierte, stahl der findige Afrikaner die (verseuchten) Matrazen aus den Behilfsspitälern, um mal was „Anständiges“ zum Ausruhen zu ergattern. Es ist in Afrika nicht anders als in Europa. Die Regierenden nutzen das Virus für ihre Interessen und schaut man genau hin, kümmern sich die wenigsten Staaten wirklich um die Belange der Menschen. Im Westen nichts Neues, - und im Osten, Süden und Norden auch nichts. An Afrika könnte man, so tatsächliches wissenschaftliches Interesse bestünde, bestätigen können, daß in den von Chinesen wirtschaftlich beherrschten Gebieten mehr Tote zu verzeichnen sein werden, ähnlich wie in Italien. Ich glaube, daß in Italien viel mehr Menschen an Influenza sterben, als am Coronavirus, denn ein positiver Corona-Abstrich sagt nichts über die wirkliche Todesursache aus. Deshalb müßte es, so denke ich, aufgrund weniger Influenza-Erkrankungen in Afrika wegen des wärmeren Klimas, auch weniger Tote geben, als in Italien. Also mehr Tote als in ´Chinesen-freienˋ afrikanischen Staaten, aber weniger als in Italien (verhältnismäßig). Warten wir ab.
Im relativ weissen (und vergleichweise "reicheren") Western Cape scheint sehr viel Vernunft zu walten, viele Laeden haben Markierungen zum Abstand halten, die Mitarbeiter tragen EInweghandschuhe und jeder, der einen Laden betritt muss die Haende desinfizieren. Das ist natuerlich nicht ueberall so. Das Problem: wenn der Virus einschlaegt, dann richtig, denn Ausgangssperren sind hier nicht machbar. Die aermeren Schichten muessen tagtaeglich aus dem Haus, um was zwischen die Zaehne zu bekommen. aus Somerset West/Kapstadt
Die Seuche kann sich in Afrika nicht so rasant ausbreiten, weil es da weniger TV gibt.