Volker Seitz / 28.12.2020 / 06:00 / 10 / Seite ausdrucken

Afrika-Dossier: 60 Jahre unabhängig

1960 gilt als das „Jahr Afrikas“. Nicht weniger als 17 ehemalige europäische Kolonien erlangten damals ihre Unabhängigkeit. Sie nahmen recht unterschiedliche Entwicklungen, leider nur allzu häufig keine gute. Wie die 17 afrikanischen Staaten heute dastehen, wird in unserer zehnteiligen Reihe erläutert, die wir hier noch einmal in gesammelter Form präsentieren. 

Teil 1 über Mauretanien und Senegal finden Sie hier.

Teil 2 über Mali finden Sie hier.

Teil 3 über Niger und Tschad finden Sie hier.

Teil 4 über Burkina Faso und Elfenbeinküste finden Sie hier.

Teil 5 über Togo und Benin finden Sie hier.

Teil 6 über Nigeria finden Sie hier

Teil 7 über Kamerun und Zentralafrikanische Republik finden Sie hier

Teil 8 über Gabun und Republik Kongo finden Sie hier

Teil 9 über Demokratische Republik Kongo finden Sie hier

Teil 10 über  Somalia und Madagaskar finden Sie hier.

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Volker Seitz / 28.12.2020

@ Torsten Müsch Danke für Ihren Kommentar. Ich habe immer noch Hoffnung, dass sich die meisten Staaten in Afrika nicht wie Liberia entwickeln werden. Es gibt ja positive Beispiele wie Ruanda, Botswana, Mauritius, um nur diese zu nennen. Liberia (etwas größer als Österreich) wurde als unabhängiger Staat von ehemaligen Sklaven aus den Vereinigten Staaten gegründet. Es liegt an der westafrikanischen Atlantikküste (Pfefferküste) und grenzt an Sierra Leone, Guinea und die Côte d’Ivoire. Neben Äthiopien ist es der einzige Staat in Afrika, der nie unter Kolonialherrschaft stand. Seit 1822 wurden nach und nach etwa 10.000 freigelassenen Sklaven mit Hilfe weißer Philanthropen angesiedelt. Die American Colonization Society widmete sich der Rückführung befreiter Afrikaner. Der erste Vorsitzende dieser Gesellschaft war der spätere US-Präsident James Monroe. Nach ihm ist die Hauptstadt Liberias, Monrovia, benannt, in der heute ein Drittel der Bevölkerung lebt, mit der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Über 80 Prozent der Bevölkerung Liberias ist in der informellen Wirtschaft beschäftigt und damit von regelmäßigen Lohneinkommen und sozialen Leistungen ausgeschlossen. 70 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 35 Jahre. Die Kriminalitätsrate ist hoch, ethnische Spannungen weit verbreitet. Die Bevölkerung hat wenig Vertrauen in Behörden, Polizei und Gerichte. Die bildungspolitischen Versäumnisse sind offenbar gravierend. In Liberia sind 2013 (neuere Zahlen wurden nicht mehr veröffentlicht) alle 25.000 angehenden Studenten durch die Aufnahmeprüfung der staatlichen University of Liberia gefallen. Nicht ein einziger Kandidat hatte die obligatorische Englischprüfung bestanden. Der Sprecher der staatlichen University of Liberia, Momodu Getaweh, sagte der BBC am 26. August 2013, dass „einfach schlichtweg alle Bewerber zu schlecht waren“. Den Studenten fehle es an Enthusiasmus und sie hätten nicht einmal Grundkenntnisse der englischen Sprache, die essentiell für das Studium seien.

Volker Seitz / 28.12.2020

@ Peter Herrmann Nachtrag: “Sie schreiben, dass mit einzelnen Ländern kooperiert werden soll”. Das sage und schreibe ich schon seit Jahren. Sie haben absolut recht. Seit Jahren besteht die Entwicklungspolitik in Deutschland und in Europa vor allem darin, die Wirklichkeit in Afrika zu verdrängen und zu beschönigen. Afrika hat und hatte für die Bundesregierung politisch trotz aller wohlfeilen Bekenntnisse keine wirkliche Priorität. Allerdings macht ein Gesamtkonzept von Tunis bis Kapstadt, ein Pauschalansatz der deutschen Afrikapolitik, auch wenig Sinn. Es müssen differenzierte länder- und regionalspezifische Antworten entwickelt werden.

Volker Seitz / 28.12.2020

@Peter Herrmann Besten Dank für Ihr Streiflicht aus Togo. Selbstverständlich gibt unter den 55 Staaten Afrikas große Unterschiede. Ich hoffe, ich konnte das deutlich machen. Allerdings gibt es auch interessante Parallelen. z.B.: Der Lebenswirklichkeit von Frauen in Afrika kann man sich literarisch nähern. Vier Bücher aus unterschiedlichen Gegenden Afrikas empfehle ich sehr: „Ein so langer Brief „ von Mariama Ba (Senegal), „Zwanzig Säcke Muschelgeld“ von Buchi Emecheta, „Blauer Hibiskus“ von Chimamanda Ngozi Adichie (beide Nigeria) und „Der Preis der Freiheit“ von Tsitsi Dangarembga (Simbabwe). Alle genannten Bücher sind mit einem außergewöhnlichen Blick für die Nuancen des Lebens prägnant und sinnlich erzählt. Obwohl über tausende von Kilometern voneinander entfernt und in unterschiedlichen Traditionen und Lebensweisen aufgewachsen, schildern vier Frauen ähnliche Schicksale. Die Bücher sind mal witzig, mal melancholisch und ironisch geschrieben. Trotzdem sind sie immer optimistisch. Einige Bücher sind vergriffen, sind aber antiquarisch zu finden. Direkt zu Togo: Auch eine Delegation aus Togo ( neben anderen afrikanischen Staaten wie Benin und Senegal) hat in letzter Zeit in Kigali besucht, um sich von der glänzenden Bilanz Ruandas in den Bereichen wirtschaftliche und soziale Entwicklung, Qualität der Regierungsführung und dem Kampf gegen Korruption inspirieren zu lassen. Ich habe ja auch geschrieben, dass Togo seit 2014 im Kampf gegen Korruption Fortschritte macht. Die Behörden mit dem größten Unterschleif, Zoll und Steuern, wurden zusammengelegt und ein Ausländer als Direktor berufen. Der Ruander mit kanadischem Pass, Henry Gapéri, gilt als unbestechlich. Die Einnahmen des Staates haben sich seither stetig erhöht. Es freut mich sehr, dass es kaum noch Strompannen gibt. Auch in der Metropole des Nachbarlandes Benin, in Cotonou gibt es seit zwei Jahren kaum noch Stromabschaltungen, und wenn,  dann nur für ein paar Minuten. Das ist ein großer Fortschritt.

Brigitte Miller / 28.12.2020

Danke an Herrn Seitz , der kenntnisreich über Afrika berichtet für Interessierte (sein Buch habe ich gelesen) und Danke@Peter Herrmann für diese ergänzenden Ausführungen über Togo.

Steffen Huebner / 28.12.2020

Wenn man bedenkt, dass das Exportvolumen Afrikas nur dem halben der Niederlande entspricht - und da sind die Rohstoffe durch ausländische Konzerne schon mit dabei - dann ist in den letzten sechzig Jahren dort faktisch keine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung gewesen. Und das trotz des erlangten gewaltigen Entwicklungsschub durch das faktisch kostenlos hinterlassene wissenschaftlich- technische Know how der Kolonialmächte und der gewaltigen fiskalischen Zuwendungen von Entwicklungshilfe. Nein, die Kolonialzeit ist keine Begründung mehr, um immer noch mehr Geld zu fordern. Und wenn man alles mit der Entwicklung von Ländern Südostasiens, wie Korea vergleicht (1955 ärmer als Afrika) - dann kommt man letztlich wieder zu Sarrazin…

Torsten Müsch / 28.12.2020

Vielleicht hätte man auch mal kurz auf Liberia eingehen können, dann könnte man abschätzen wie es in 100 Jahren in Afrika aussieht, wenn nicht endlich eingesehen wird,  daß sich etwas ändern muss im Umgang mit der herrschenden Klasse in Afrika . Auf jeden Fall kann ich das Buch von Ihnen nur weiterempfehlen für jeden, der sich weiter mit der Materie befassen will.

Robert Jankowski / 28.12.2020

Was ich bei der “Entwicklungspolitik” der letzten 60 Jahre gegenüber den afrikanischen Staaten nicht verstehe, ist die Gießkannenförderung. Anstatt Staaten zu fördern, die tatsächlich versuchen demolkratische Strukturen aufzubauen und zu fördern, die Geld in den Ausbau ihrer Bildung stecken und aktiven Schutz ihrer Minderheiten betreiben, wird irgendwie jeder Staat mehr oder minder gefördert. Staaten, die in den Islamimus verfallen und christliche Minderheiten verfolgen gehören auf eine Schwarze Liste. Genauso wie Staaten, die an mafiösen Klanstrukturen festhalten. Herr Herrmann nenn das Beispiel Togo, ich werfe Ghana dazu. Sicherlich ist nicht Alles Gold, was da glänzt, aber das Streben ist vorhanden und genau diese Staaten müssen in ihrem Streben nach Demokratie und Unabhängigkeit unterstützt werden. Eine leider gegenteilige Entwicklung nimmt momentan leider Südafrika. Da fürchte ich, dass die Entwicklung in Richtung Simbabwe gehen wird. Alle Weißen raus und danach verfällt da Land in Klanstrukturen und fällt massiv in seiner Entwicklung zurück.

Ulla Schneider / 28.12.2020

Guten Morgen Herr Seitz, ich bedanke mich für die Zusammenfassung und dafür, daß sie schnell auffindbar sind. Ich werde sie kopieren und zum Jahreswechsel lesen. In meinen jungen Jahren wurde wesentlich mehr über diesen großen Kontinent, der direkt vor der Haustür liegt, berichtet. Oder lag es an meiner Schule? Hinzu kam, daß mein Bruder, der Master Mariner war, diesen Kontinent in den letzten 20 Jahren seiner Berufszeit rundum befahren hatte und natürlich sehr viel berichten konnte, d.h. aus” 1. Hand”.  So auch einen direkten Überfall auf See und schwere Verletzungen,  da er das Schiff samt Inhalt des Reeders erfolgreich verteidigte. Ich wünsche Ihnen einen gesunden Rutsch ins Neue sowie durchs Neue Jahr.

P. Wedder / 28.12.2020

Vielen lieben Dank für diese Serie.

Peter Herrmann / 28.12.2020

Schwierige Kost, diese Serie. Auf der einen Seite begrüße ich, dass Länder einzeln dargestellt wurden, auf der anderen Seite entsteht aber dennoch der stereotype Eindruck, dass in Afrika alles gleich wäre. Ich möchte mit dem Beispiel Togo diesem Eindruck etwas entgegenstellen. Im Vergleich zu der korrupten Diktatur von Eyadema bis 2005 wandelte sich das rohstoffarme Land enorm. Ich wage die Behauptung, dass mittlerweile Togo weniger korrupt ist als Deutschland und seine Hilfsstrukturen. Behördengänge finden ohne Repressalien und Schmiergeld statt. Rechtssprechung ist einfach gestrickt, aber theoretisch jedem zugänglich. Es gibt bis zu 120 Schüler in einer staatlichen Klasse aber auch viele Privatschulen. Dass man ein Problem im Verkehr direkt vor Ort lösen kann, ich weiß, nicht political correct, ist durchaus auch von Vorteil, solange Delikte nicht erfunden werden. Togo hat keine Probleme mit islamischem Terror obwohl hier alle Religionen vertreten sind. Die letzten Wahlen fanden demokratischer statt als in den USA. Dass der „Diktator“ gewählt wurde, schien im Ablauf korrekt und dass er länger als zwei Amtszeiten beansprucht, macht ihm Frau Merkel vor. Aus dem Ausland überwiesene Gelder fördern Bauboom und das Internet hat sich die letzten Jahre angenehm entwickelt. Gerade wird die Nationalstraße nach Benin von Chinesen und Tunesiern verbreitert. Versorgung mit Nahrung, Sprit oder Strom funktioniert und ist sehr viel günstiger als in Deutschland, weil der Steuerraub sehr viel weniger ist. Was das deutsche Gejammere über Schuld und Sühne wegen der kolonialen Vergangenheit anbelangt, versteht man in Togo nicht. Ich erlaube mir den Suchhinweis auf die bebilderte Seite im Netz mit meinem Namen und „Togoer feiern Gustav Nachtigal“ Nicht immer alles im gesamtafrikanischen Kontext sehen. Kooperiert man mit einzelnen Ländern, dürfte das weitaus effektiver sein, als ständig mit der Gießkanne den ganzen Kontinent und seine Eliten zu berieseln.

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