Bernhard Lassahn / 24.12.2019 / 06:29 / 4 / Seite ausdrucken

Advent: Der lauschige Kalender mit Laterne (24)

Nun ist es soweit. Heute kommt der angekündigte Weihnachtsmann, der sich längst schon gelegentlich vor seinem angekündigtem Auftrittstermin zu Erkennen gegeben hatte, der bringt nun endlich die Geschenke. Na gut. Doch was feiern wir eigentlich? Die gute Mär, dass uns ein Kindlein geboren ist.

Das steht schon so in der Bibel … äh, sorry, da bin ich gar nicht so belesen … ich meine, es steht so bei Karl Ove Knausgård … nee, auch nicht, da bin noch nicht weit gekommen, bleibe aber dran. Es steht bei – richtig! – Peter Handke in der Kindergeschichte, in der er schreibt: „Sind Kinder allen Menschen doch die Seele. Wer dies nicht erfuhr, der leidet zwar geringer, doch sein Wohlsein ist verfehltes Glück.“

Was ist eigentlich so toll an Kindern?

Ganz einfach. Das Format. Wir lieben die Kleinen, weil sie winzig sind. Das gilt nicht nur für das Christkind. So erklärt sich auch – allen Spöttern zum Trotz – der zeitlose Erfolg von Bettina Wegners Lied Sind so kleine Hände. Es sind eben auch ganz, ganz kleine Hände. Stimmt. Ganz, ganz kleine Finger, die schon einen großen Finger umfassen und daran festhalten können.

Gerade das Kleine ist es, was so großartig an Weihnachten ist. Die stille Nacht findet nicht bei Flutlicht statt, sondern im Glanz vieler kleiner Lichter, die den Paradies-Staub simulieren. Auf dem Einwickelpapier sind kleine Engelein, die in winzige Trompeten blasen. Oder maßstabsverkleinerte Rentiere, die wie freundliche Insekten wirken. Oder kleine, grinsende Schneemänner. Schokoladenweihnachtsmänner gibt es in den Größen „small“, „extra small“ und „tiny“.

Warum hatten die berühmten Modelleisenbahnen, die gelegentlich mehr den Vater als das beschenkte Kind erfreuten, so eine legendäre Beliebtheit? Weil sie klein waren. Auch die Matchbox-Autos – „Matchis“ genannt – waren bei den kleinen Brüdern im Osten nicht nur deshalb beliebt, weil sie aus dem Westen kamen, wo es ja auch große Autos gab, sondern weil sie klein waren. Bei den kleinen Eisenbahnen und kleinen Autos gab es viele „liebevolle Details“ zu bewundern. Warum werden solche Kleinigkeiten und Details gerne als „liebevoll“ bezeichnet? Na, warum wohl? Weil sie winzig sind.

Auch das Glück sollte das richtige Format haben. Die richtige Größe. Wir sind es gewohnt, uns zum Neuen Jahr möglichst viel Glück zu wünschen. Dabei gibt es das Glück sowieso nur in der kleinen Dosis. Darum ist es auch so kostbar. Weil es winzig ist.

Den ganzen virtuellen Adventskalender mit den bereits geöffneten Türchen 1-24 finden Sie bei o-gott.com.

 

Noch ein Tipp: Geschichten und Gedichte zu Weihnachten von den so genannten Dienstagspropheten (das ist eine Gruppe von Literaten und Musikern – Martin Betz, Sebastian Krämer, Bernhard Lassahn und Georg Weisfeld –, die im Zebrano-Theater in Berlin am zweiten Dienstag des Monats auftreten) gibt es hier: Diesmal wird Weihnachten ein Dienstag.

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M. Schneider / 24.12.2019

Ein wunderbarer Abschluss! Dem gesamten Team von Achgut die besten Wünsche für ein friedvolles Weihnachtsfest und ein gutes erfolgreiches neues Jahr, vor allem aber Dank für Ihre stets äußerst lesenswerten Beiträge und Analysen, durch die wir uns immer bestens informiert fühlen und auf die wir keinen Tag verzichten möchten Wir freuen uns auf weiter gute “Zusammenarbeit” 2020 .

Hjalmar Kreutzer / 24.12.2019

Wunderschön. Einfach vielen Dank.

Rudolf Dietze / 24.12.2019

Danke

Andreas Müller / 24.12.2019

Vielen Dank für Ihren Kalender, der mir zu einem originellen Begleiter im Advent geworden ist ! Alles Gute für Sie !

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