Bernhard Lassahn / 19.12.2019 / 06:37 / 0 / Seite ausdrucken

Advent: Der lauschige Kalender mit Laterne (19)

Viele Geschäfte können heute gar nicht alles aufzählen, was man bei ihnen kaufen kann, und sie behelfen sich dann mit dem Hinweis: „ … und mehr“.

So gibt es etwa von den Berliner Verkehrsbetrieben Läden, die „Fahrkarten und mehr“ anbieten: Regenschirme, Kissen, Kaffeetassen … Gerade Cafés bieten heute gerne „coffee & more“ und machen damit deutlich, dass da noch mehr zu holen ist und dass da noch mehr dahintersteckt. Mehr, viel mehr.

Was genau? Das weiß man nicht. Coca-Cola hatte einst den Werbespruch: „Coke macht mehr draus“. Mehr also! Aber was? Mehr halt. Sicher etwas Gutes. Etwas, das womöglich noch besser ist als das Erfrischungsgetränk selber. Aber …

Weniger ist mehr

So sagt man. Es stimmt. Es gibt durchaus Situationen, in denen diese auf den ersten Blick widersprüchlich wirkende Formel ihre Berechtigung hat. Weniger ist manchmal tatsächlich mehr, und was zu viel ist, ist zu viel. Man muss sorgsam zwischen gutem Mehr und schlechtem Mehr unterscheiden, es gibt ja auch gutes Cholesterin und schlechtes Cholesterin. Wann ist denn nun das Mehr gut?

Die Frage lässt sich leicht beantworten: zu Weihnachten. Da wird der Baum keinesfalls schmucklos gelassen, der Gabentisch soll nicht öd und leer sein. Im Gegenteil: Der Baum wird geschmückt, bis er zusammenbricht. Die Geschenkpakete unter dem Baum stapeln sich in bisher nie gekannte Höhen. Bis schließlich der Punkt erreicht ist, an dem man sagen kann: Mehr geht nicht. Das ist das gute Mehr. Wo kommt es her?

Vom Himmel hoch

Das gute Mehr kommt vom Himmel. So hatte ich jedenfalls als Kind den Text von Martin Luther verstanden. Vom Himmel hoch, da komm ich her, heißt es da, ich bring euch gute, neue Mehr. Das Luther-Deutsch ist recht altmodisch, die alte Schreibweise entspricht nicht der aktuellen Schreibweise, wie wir sie heute nach der Rechtschreibreform haben. Da wurde „Mehr“ noch „Mär“ geschrieben und es hieß damals noch „die gute Mehr“ statt „das gute Mehr“.

Egal. Die Botschaft kommt rüber. Das Lied ist klasse. Der guten Mehr bring ich so viel,
Davon ich singen und sagen will
, heißt es weiter.

Na, dann wollen wir mal. Singen wir das Lied von dem guten Mehr:

Fahrkarten und mehr

Café und mehr. Coffee & more

Coke macht mehr draus

Vom Himmel hoch, da komm ich her.
Ich bring’ euch gute neue Mär,
Der guten Mär bring ich so viel,
Davon ich singen und sagen will.

Es gibt eben doch Situationen, in denen es nicht gilt, dass weniger mehr ist, sondern mehr ist mehr. Es gibt das gute Mehr.

Also, dann singen wir das Lied von dem guten Mehr und der guten Mär.

Der Tannenbaum wird geschmückt, da wird mehr draus gemacht. Er wird mit Lametta behängt. Sonst ist er kahl und öde.

Den ganzen virtuellen Adventskalender mit den bereits geöffneten Türchen 1-19 finden Sie bei o-gott.com.

 

Noch ein Tipp: Geschichten und Gedichte zu Weihnachten von den sogenannten Dienstagspropheten (das ist eine Gruppe von Literaten und Musikern – Martin Betz, Sebastian Krämer, Bernhard Lassahn und Georg Weisfeld –, die im Zebrano-Theater in Berlin am zweiten Dienstag des Monats auftreten) gibt es hier: Diesmal wird Weihnachten ein Dienstag.

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