Giuseppe Gracia, Gastautor / 05.12.2018 / 16:00 / Foto: Pixabay / 13 / Seite ausdrucken

Weihnachtsmann non grata

Seit 30 Jahren publiziere ich als Schriftsteller und bin Kolumnist für verschiedene Medien. Während der Zeit meiner Romane "Riss", "Kippzustand" und "Santinis Frau" (1992 bis 2008) wurde ich regelmäßig zu literarischen Anlässe eingeladen, mit Förder- und Anerkennungspreisen ausgezeichnet und in den Feuilletons besprochen. Im Jahr 2011 trat ich meine Stelle als Mediensprecher des Bischofs von Chur an. Seither werde ich vom Literaturbetrieb gemieden, sei es von Veranstaltern, Kritikern oder Literaturverlagen. Wer für den Bischof von Chur arbeitet, muss mit der Exkommunikation aus dem Kreis genehmer Schriftstellerinnen und Schriftsteller rechnen.

Dementsprechend wurde kürzlich von der Präsidentin eines Kulturvereins, die auch im nationalen Parlament für die Sozialdemokraten politisiert, entschieden, dass ich nicht an einem Adventsanlass in meiner Heimatstadt St. Gallen auftreten darf. Der Wirt, der für diesen Anlass sein Lokal zur Verfügung stellt, hatte mich für eine Lesung gebucht (Weihnachtsgeschichten). Das Auftrittsverbot wurde in einigen Medien dahingehend kommentiert, ich sei aufgrund meiner „Entfremdung“ von der Kulturszene inzwischen eine persona non grata, ja ein „unbeliebter Autor“. Und natürlich ist es so, dass ich wohl für viele ehemalige Kultur-Kollegen mit meiner Arbeit fürs Bistum Chur das katholische Reich des Bösen vertrete. Ganz so, als wäre ich der Kommunikationschef von Kim Jong-un. Dagegen kann ich nichts machen, außerdem ist die Schweiz bekanntlich ein besonders demokratisches, freies Land. Hier dürfen alle in ihrer geistig-weltanschaulichen Echokammer verweilen, solange sie wollen. 

Das Ganze erinnert an mein neues Buch „Das therapeutische Kalifat", in dem es um die Gefährdung der Meinungsfreiheit durch die politische Korrektheit geht. Eine Passage daraus lautet:

"Die weltanschauliche Toleranz unter Kulturschaffenden ist in etwa so ausgeprägt wie die Selbstlosigkeit in Hollywood. Wenn diese Kreise von Toleranz, Vielfalt oder Diversitysprechen, dann meinen sie die Vielfalt von Hautfarben, Nationalitäten und sexuellen Vorlieben. Sie meinen nicht die Vielfalt des Denkens und der Ideen. In der Abteilung Weltanschauung herrscht im Gegenteil eine geistige Monokultur." 

Nun durfte ich diese These sozusagen mit der eigenen Person empirisch prüfen und verifizieren. Und das beste dabei ist, dass mir wieder einmal der Wert der Exkommunikation im kirchlichen Sinn klar wurde: Diese ist eine Beugestrafe mit dem Ziel, dass der Mensch, der vom Weg zu Gott abkommt, bereut und umkehrt, bevor es zu spät ist. Es wäre zu prüfen, ob die linksgrüne Variante der Exkommunikation aus der Literatur- und Kulturgemeinschaft wesentlich unbarmherziger ist – und unumkehrbar. 

Vielleicht teste ich es einmal aus, indem ich einen reumütigen antikatholischen Roman schreibe. Oder indem ich lyrische Hymnen zur Frauenordination und zum Recht auf Abtreibung komponiere. Poetische Verse, in denen offene Grenzen gepriesen, Israel und die USA verdammt sowie Gendervielfalt und Kopftücher besungen werden, vor dem Hintergrund eines progressiv-umweltbewussten, multikulturell-transhumanistischen Europa. Wer weiß, vielleicht winkt am Schluss noch der Literaturnobelpreis.

Foto: Pixabay

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Leserpost (13)
Helmut Bühler / 05.12.2018

Ich kann verstehen, dass Sie unter Ihrer Exkommunikation leiden (oder das zumindest sollten !!!). Wenn der Leidensdruck zu groß wird weiß ich Rat. Konvertieren Sie doch zum Lutheraner, kommen ins Reich und stellen sich dann der esoterischen Abteilung der Grünen Partei, vulgo Evangelische Kirche in Deutschland, zur Verfügung. Entweder als Ghostwriter für Frau Käßmann oder als Pressesprecher für Bischof Bedford-Strohm, unser geliebter Ratsvorsitzender und Träger des nur manchmal abgelegten Kreuzes der Glaubensfestigkeit. Dann hat Sie auch der Schweizer Literaturbetrieb wieder lieb. P.S., falls Sie den Wechsel zu den Protestanten dann doch nicht übers Herz bringen, einfach mal bei Kardinal Wölki von den Papisten nachfragen. Vielleicht braucht er für seine diesjährige Weihnachtsbotschaft mal wieder ein Flüchtlingsboot. Das könnte auch helfen.

Susanne v. Belino / 05.12.2018

So abstoßend die Schilderung Ihrer persönlichen Erlebnisse auch klingen mag, ist es dennoch irgendwie tröstlich, zu erfahren, dass “gewisse Kreise” wohl überall nach demselben Muster vorgehen. Man denkt und handelt im Rahmen der kleingeistigen, undemokratischen Vorgaben der Politischen Korrektheit und grenzt dabei allzu oft selbst langjährige, vormals geschätzte Kollegen mit Genugtuung aus. Es mag dem einen oder anderen Betroffenen vielleicht ein wenig helfen, wenn er erfährt, dass es noch andere gibt, die dem heute so populären Meinungs-Mobbing ebenfalls zum Opfer gefallen sind. Ein Trost, gewiss, wenn auch ein schwacher. Kopf hoch, Herr Gracia, und bleiben Sie sich treu!

Marc Blenk / 05.12.2018

Lieber Herr Gracia, strengen Sie sich erst gar nicht an. In diesen totalitären Zeiten empfehle ich Ihnen die Motti : Viel Feind, viel Ehr. Oder auch: was stört es die stolze Eiche, wenn sich ein Borstenvieh dran wetzt. Es entwickelt sich längst eine Gegenkultur kritischen Geistes, die tatsächlich sehr vielfältig ist. Da ist für Sie als Katholiken genauso Platz wie für mich Alltagsagnistiker. Da tummeln sich noch ganz andere geistige Eigenbrötler und Freigeister. Und sie tauschen sich immer intensiver aus. Voller gegenseitigem Respekt und Interesse am unbekanntem Gedanken.

Sabine Schönfelder / 05.12.2018

Entschuldigung, aber irgendwie kapiere ich ihre weltanschauliche Situation nicht ganz. Sie arbeiten für den Bischof von Chur, also für die katholische Kirche, dessen oberster Vertreter ein Befürworter und Förderer des Migrationspaktes ist, der für die Islamisierung Europas Eintritt und europäischen Frauen in der französischen Zeitung ‘la croix’ rät, sich mit muslimischen Männern zu vereinigen? Kommen Sie zu uns nach Deutschland, ich versichere Ihnen mit dieser Visitenkarte können Sie bei uns vorlesen bis zur Stimmbandreizung. Ihr neues Buch allerdings mit dem vielversprechendem Namen ‘Das therapeutische Kalifat’, wird auch bei Ihren deutschen Kollegen Mißfallen erregen. Nichts trifft die Menschen so hart wie die Wahrheit. In der von Ihnen vorgestellte Passage beschreiben Sie den ‘Kulturschaffenden’ treffsicher und präzise. Er ist leider nur ein trauriger Mitläufer des Zeitgeistes und mißbraucht seinen höheren Bekanntheitsgrad, um ein System zu stabilisieren, von dem er sich Erfolg und Geld verspricht. Er prostituiert sich. Kann man das Buch auch auf der Achse bestellen?

toni Keller / 05.12.2018

also wir müssen uns furchtlos der Tatsache stellen, dass die vielbesungene Toleranz und die vielbesungene Vielfalt ihre Grenzen hat,  weiße, heterosexuelle Männer und Frauen die das gut finden, fallen nicht drunter. Und auch alles was nach klassisch katholisch riecht, auch das gehört natürlich in das Reich des Bösen, man muss halt,. wie in Orwell’s 1984 lernen wann man was zu verdammen und wann man das gleiche zu loben hat. Also Marienbild mit Kopftuch zeigt wie frauenverachtend die Kirche schon immer ist und immer sein wird. Muslimische Frau mit Kopftuch, deren Mann dafür ist, dass sie zuhause bleibt, und Kinder kriegt, beeindruckendes Beispiel selbstbewusster, emanzipierter Frau, die sich dem kapitalistischen Betrieb verweigert und deren Mann sie dabei unterstützt. Katholisches Verbot am Karfreitag Fleisch zu essen, ganz böse, zeigt es wie sehr die Kirche sich in die innersten Angelegenheiten der Menschen hineinmischt. auch ist ja so ein Eintopf mit Wurst billiger als Lachs und deshalb ist diese Vorschrift komplett sinnlos. Ramdan dagegen ist total klasse, und dass man tagsüber fastet um abends zu schlemmen, und deshalb während des Ramadan mehr Geld für Essen ausgibt, als sonst,,  gerade daran sieht man wie aufregend das alles ist, und jeder der sich darüber mokiert ist, ein ganz böser, Die Beispiele sind beliebig erweiterbar

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