Henryk M. Broder / 24.02.2007 / 08:43 / 0 / Seite ausdrucken

Aber na ja - Die taz und das Ende des Berufsjudentums

Es hat schon immer fürsorgliche Nichtjuden gegeben, die genau wußten, was das Beste für die Juden wäre, die nicht in der Lage waren, für sich selbst zu sorgen: Mal war es die Konversion, mal die Deportation, heute ist es die Distanzierung von Israel, die öffentliche Selbst-Entzionisierung der Juden sozusagen. Nachdem sich in London ein Verein mit dem Namen “Independent Jewish Voices” gegründet hatte, erschien in der taz, dem Kinder-Stürmer aus Kreuzberg, dessen Chefredakteurin der Ansicht ist, wenn Israel eine Politik habe, dann ist es “eine unbarmherzige Politik”, ein Kommentar über das Ende “des organisierten Berufsjudentums”.  Darin hieß es u.a.:
“Aber es ist doch die einzige Möglichkeit, dem Alleinvertretungsanspruch des organisierten Berufsjudentums und seiner publizistischen Bannerträger zu begegnen. Denn dieses hat sich in neokonservativen Allianzen verrannt.”
Genau. Dem Alleinvertretungsanspruch des organisierten Berufsjudentums und seiner publizistischen Bannerträger zu begegnen, ist das primäre Anliegen eines alternativen Sesselpupsers, der Dank der Gnade der späten Geburt um das Glück gekommen ist, Plakate in die Schaufenster jüdischer Geschäfte kleben zu dürfen, um seine Landsleute zu warnen, bei Juden ainzukaufen.  Jetzt warnt er die Juden davor, sich in neokonservativen Allianzen zu verrennen. Das ist viel schicker und das geht ihm runter wie ein heiße Tasse Kaba, der Plantagentrank.
Ben Weinthal, ein in Berlin lebender Amerikaner und Journalist, hat daraufhin einen Leserbrtief an den Verfasser des taz-Kommentars geschrieben und die folgende Antwort bekommen:

lieber benjamin weinthal,
sie haben recht mit ihrer kritik, dass der begriff “organisiertes
berufsjudentum” vielleicht etwas zu flaspig gewählt war. das bedaure
ich. mir ging es vor allem um die gegenüberstellung von individuellen
jüdischen intellektuellen auf der einen seite und den organisierten
interessenvertretungen auf der anderen seite….

... aber jüdische organisationen wie der ajc und die anti-defamation
league in den usa oder der zentralrat der juden in deutschland fahren
doch einen explizit “wir-unterstützen-israel-um-jeden-preis”-kurs - und
sind auch nicht gerade zimperlich in ihrem umgang mit abweichenden
meinungen. ich dachte, “organisiertes berufsjudentum” wäre eine
angemessen ironische bezeichnung dafür, aber na ja.

was den ajc angeht, habe ich dessen haltung ja erwähnt. die
anti-defamation league stand hinter der kampagne gegen tony judt, und
der zentralrat der juden hat im vergangenen jahr ihr präsidiumsmitglied
rolf verleger ausgeschlossen, weil dieser eine kritische haltung zum
libanon-krieg geäußert hatte.

vielleicht habe ich zu sehr versucht, das thema auf die leichte
schulter zu nehmen, und sollte es noch einmal in einem ausführlichen beitrag
aufgreifen.

viele grüße

Ein Antisemit? Kaum.  Nur ein weiteres Würstchen, das gerne eine dicke Salami sein möchte und deswegen nach den Juden greift.
Rolf Verleger wurde wurde übrigens nicht aus dem Präsidium des Zentralrates der Juden ausgeschlossen, da sitzt er immer noch.
Aber wahrscheinlich war auch das nur ironisch gemeint.

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