Henryk M. Broder / 02.09.2011 / 06:20 / 0 / Seite ausdrucken

Aachen, die neue Hauptstadt der Bewegung

Je länger der letzte Krieg zurückliegt, umso stärker wird die deutsche Friedensbewegung. So wie die Antifa nur ohne Fa gedeihen kann, so läuft auch die Friedensbewegung in Friedenszeiten zur Hochform auf. Osnabrück, Augsburg, Tübingen schmücken sich mit dem Zusatz “Friedensstadt”, die österreichische Landeshauptstadt Linz hat sich bereits 1986 zur “Friedensstadt” erklärt.  Und pünktlich zum Jahrestag des WW2-Beginns wurde in Aachen der Friedenspreis 2011 verliehen. Nothing to write home about, wenn der Vorsitzende des Aachener Friendenspreis e.V., K.H. Otten, nicht eine Rede gehalten hätte, in der er seine ungebrochene Solidarität mit dem Kölner Luftverschmutzer und Antisemiten W.H. bekräftigte.

“In diesem Jahr musste sich der Vorstand des Aachener Friedenspreises innerhalb des Friedenspreises und in der Öffentlichkeit mit dem Vorwurf des Antisemitismus auseinandersetzen”, der natürlich völlig aus der Luft gegriffen war, sagte Otten, denn, “im konkreten Fall kollidierte die Unterstützung eines Friedenspreisträgers durch Vorstandsmitglieder mit einer nicht weit genug gehenden Distanzierung von einem Teil seiner Provokationsmaterialien, die antisemitische Inhalte transportierten”, deswegen “konnte in der Öffentlichkeit von bestimmten Personen, interessierten Kreisen und Medien der Vorwurf des Antisemitismus im Aachener Friedenspreis in die Welt gesetzt werden …”

Nun ist Otten nicht der einzige, dem es nicht reicht, keine Gedanken zu haben und der deswegen den Beweis antreten muss, dass er nicht in der Lage ist, sie auszudrücken. Im vorliegenden Fall kollidiert die Unterstützung eines aktiven Antisemiten mit der Tatsache, dass seine “Provokationsmaterialien… antisemitische Inhalte transportierten”, was den Penner von der Domplatte freilich nicht disqualifiziert, sondern Otten dazu bringt, “von bestimmten Personen, interessierten Kreisen” zu raunen, die den “Vorwurf des Antisemitismus” in die Welt gesetzt hätten, weswegen er nun Klarheit schaffen will und deswegen einen in Aachen weltberühmten Psychoanalytiker zitiert, der seinerseits den Antisemitismus folgendermaßen definiert hat: „Antisemitismus ist eine geistige Haltung, die nur aus dem Verhalten einer Person erschlossen und gedeutet werden kann. Sie ist immer eine Interpretation und unterliegt dadurch der Möglichkeit einer Fehldeutung…”

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, der Antisemitismus auch; ist eben alles eine Frage der Interpretation. Und so wie sich Pädophile als Kinderfreunde verstehen, meinen es auch manche Antisemiten gut mit den Juden, wenn sie zum Beispiel, wie der Aktionskünstler aus Köln, die Juden davor warnen, in die Fußstapfen der Nazis zu treten. Wenn das schon Antisemitismus ist, dann ist Aachen die neue Haupstadt der Bewegung. Der Friedensbewegung.

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