Der Kampf gegen individuelle Mobilität war von Anbeginn ideologischer Kitt der Grünen. Besonders die Autobahnen gelten ihnen als sündhaft teures Teufelswerk für Raser. In Wirklichkeit wurde das wichtigste Transportnetz des Landes grob vernachlässigt. Lesen Sie pars pro toto die Chronik einer Autobahn, von der nach 53 Jahren Planungs- und Bauzeit ganze 15,5 Kilometer befahrbar sind.
Frage: „Deutschland scheint voller Autobahnbaustellen zu sein. Werden die denn 2023 weniger werden?“
Krenz: „In den Erhalt der Infrastruktur wurde in der Vergangenheit zu wenig investiert. Daher haben wir aktuell ungefähr 552 Baustellen, an denen länger gearbeitet wird.“
(Stephan Krenz, Chef der bundeseigenen Autobahn GmbH, im Gespräch mit der FAZ.)
1970 war einiges los in der Bundesrepublik. Die Baader-Befreiung in Berlin markierte die Gründung einer linken Terrortruppe namens RAF. Bestürzung herrschte auch unter deutschen Jugendlichen nach der Beatles-Trennung. In der ARD lief der erste „Tatort“ („Taxi nach Leipzig“). In Moskau unterzeichnete Willy Brandt den deutsch-sowjetischen Vertrag über „Gewaltverzicht und Anerkennung der in Europa bestehenden Grenzen“. In Warschau fiel der Kanzler am Ghetto-Denkmal auf die Knie. Mit der Premiere des ersten „Schulmädchen-Reports“ begann eine 13-teilige, äußerst erfolgreiche Softsexfilmserie. Die Bundesrepublik beschloss „Grundsätze zur Integration ausländischer Arbeitnehmer.“
Mit 21.322 Verkehrstoten hielt das Jahr 1970, in dem nur ein Drittel der 2019 zurückgelegten Kilometer gefahren wurden, den blutigen Spitzenplatz der Nachkriegszeit. Die Bundesstraße 73 von Hamburg nach Cuxhaven wurde als „Todesstraße“ berüchtigt. Nirgendwo verunglückten mehr Menschen als auf dieser dicht befahrenen Strecke.
In jenem Jahr wurde eine Autobahn zwischen dem niedersächsischen Stade – etwa auf der Hälfte zwischen Hamburg und Cuxhaven – und Hamburg in den sogenannten Bundesfernstraßen-Bedarfsplan aufgenommen. Sie sollte das Kürzel A 26 tragen.
Die Bedenkenträger kommen
Grund war nicht allein die heillose Überlastung der B 73. Es zeichneten sich auch schon Konturen des heute boomenden Industriegebiets Bützfleth bei Stade ab. Der weitläufige Komplex mit seinem Seehafen setzt gewaltige Gütermengen um. Dass er bis jetzt keine Autobahnanbindung hat, verdankt sich einer Mischung aus Trägheit, Ignoranz und Sabotage.
Zum dickfelligen deutschen Beamtenapparat mit seinen ungezählten Baurechtsparagrafen gesellten sich diverse EU-Ausschreibungsverordnungen, durch die viel Zeit vergeudet wurde. Tonnenweise Sand ins Getriebe warfen unterschiedlich motivierte Bedenkenträger. Sie blockierten das Projekt manchmal aus reiner Abzockerei (Landbesitzer zögerten den Verkauf für die Autobahn benötigter Flächen heraus, um dem Staat Höchstpreise abzupressen), manchmal aus politischer Ranküne.
Eher wertkonservative Naturschützer sowie Vorfeldorganisationen des linken SPD-Flügels und der sich allmählich ausbildenden Grünen überzogen die Planungen mit immer neuen Einwendungen. Immer neue Kreaturen wurden entdeckt, die erfasst und umgesiedelt werden mussten. Flussquerungen wurden ebenso gerichtlich beklagt wie Zufahrtstraßen zur Autobahn. Private Interessen verbanden sich da faktisch mit ideologischem Sperrfeuer. Durch Letzteres hofften Politiker, die grünlinke Wählerschaft zu keilen.
Ein Witz mit ellenlanger Zündschnur
Frage: Ist die Planung für diesen Neubau (eine Brücke an der A 45, W.R.) ein Beispiel für die vielen Verzögerungen in Deutschland?
Krenz: Wenn Sie in Deutschland planen, haben Sie eine ganze Liste an Themen, die Sie bearbeiten müssen, bevor Sie überhaupt einen Bauantrag stellen dürfen. Sie müssen den Artenschutz beachten. Das heißt, Sie müssen für jedes einzelne Tier, das Sie vorfinden, eine Strategie entwickeln, zum Beispiel umsiedeln. Sie haben Wasser- und Lärmschutz. Sie haben die landschaftspflegerischen Elemente, Sie haben Naturschutz, Sie haben Brandschutz, Sie haben die ganzen Versorgungsleitungen, Sie haben die persönlichen Betroffenheiten. Das ist hochkomplex.
(Aus dem FAZ-Interview, siehe oben)
Der Bau der A 26, bereits 1961 vom damaligen Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm gefordert und 1970 in den Straßenbedarfsplan aufgenommen, verlief wie ein Witz mit ellenlanger Zündschnur. 1976 kündigte das Straßenbauamt Stade den ersten Spatenstich an. Und zwar, Trara und Tusch, für das Jahr des Herrn 1979. Dieses verstrich, und zehn weitere Jahre dazu, bis die Bundesregierung den Bau 1990 offiziell beschloss.
15,5 Kilometer in zwölf Jahren
Nur acht Jahre später kam es tatsächlich zum unerhörten Akt, mit dem kaum einer mehr gerechnet hatte (der vielen Autobahnsympathisanten freilich nichts mehr nutzte, weil sie über die Planungen bereits verstorben oder ins Altenheim umgezogen waren): Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann tat den ersten Spatenstich!
Nunmehr (sprich: vier weitere Jahre später) wurde in die Hände gespuckt. Zwischen 2002 und 2008 entstand das erste, 11,3 Kilometer lange Teilstück der A 26 von Stade nach Horneburg. 2014 ein neuer Triumph für das mobile Deutschland! Sage und schreibe weitere 4,2 Kilometer der A 26 waren nun befahrbar, wenn auch bis heute nur für PKW.
And more to come! Wenn nicht alle Stricke reißen, wird die Verkehrsfreigabe für die Bauabschnitte 2b und 2c zusammen mit dem Bauabschnitt 3, die für Ende 2022 vorgesehen war, im Laufe des Jahres 2023 tatsächlich erfolgen. Es wäre dann wunderbarerweise möglich, noch ein paar weitere Kilometer auf der Autobahn Richtung Hamburg zurückzulegen.
Und dann sind da noch die Grünen...
Ob die A 26 jemals wie geplant an das Autobahndreieck Hamburg-Süderelbe andocken wird? Das steht natürlich in den Sternen. Bei Beibehaltung des bisherigen Bautempos wäre damit jedenfalls kaum vor 2076 zu rechnen. Man muss in die Rechnung jedoch zusätzlich einbeziehen, dass inzwischen sowohl in Niedersachsen als auch in Hamburg Grüne mitregieren, die alles daransetzen, Verkehrsprojekte zu torpedieren.
Unter diesen Umständen ist eine Fertigstellung der A 26 vor der Jahrhundertwende wohl allein für Optimisten vorstellbar. Und, jetzt mal ehrlich, wozu braucht es überhaupt Autobahnen? Haben wir nicht unsere fabelhafte Bahn?
Frage: „In der politischen Diskussion sagen nun vor allem viele Grüne: Steckt das Geld nicht in den Straßenbau, sondern in die Schienen.“
Krenz: „Wenn man die Daten über den Verkehr ansieht, ist die Realität so, dass drei Viertel des Personen- und des Güterverkehrs über die Straßen laufen. Die Realität ist auch, dass alle Verkehrsprognosen für die Straße nach oben zeigen. Ich sehe keine Reduzierung im Personenverkehr und schon gar nicht im Güterverkehr. Wir werden auf der Straße nach wie vor viel Verkehr haben, und der wird auch weiter anwachsen. Signifikante Verlagerungen auf die Schiene sehen wir nicht.“
(Aus dem FAZ-Interview, siehe oben.)
Unbewusster Wunsch nach Dämonenaustreibung
Von dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt – ich vertraue bei der Quelle auf den geschätzten Kolumnisten Jan Fleischhauer – stammt der Witz: Sagt ein Grüner zum anderen: Der Hitler war in manchen Dingen gar nicht so übel. Bloß das mit den Autobahnen hätte er nicht machen sollen.
Der Scherz enthält eine dicke Portion Wahrheit, wenn man bedenkt, dass braun und grün „erhebliche Schnittmengen“ aufweisen. Der Naturschutz zum Beispiel sei „in mehrfacher Beziehung anschlussfähig an das Ideologienkonglomerat der Nazis“ gewesen, soll sogar mal auf der Website des Ex-Maoisten und Energieexperten Jürgen „Eiskugel“ Trittin zu lesen gewesen sein. Ob es der unbewusste Wunsch nach einer Dämonenaustreibung war, der die Grünen in den blanken Anti-Autobahn-Fanatismus trieb?
Wie auch immer, die Sache hatten sie in den falschen Hals gekriegt. Nein, nicht Hitler hat die ersten richtigen Autobahnen gebaut. Das tat, ab 1923, der Italiener Mussolini. Und die erste deutsche Autobahn wurde 1932 vom Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer eingeweiht.
Wo Stuss kursiert, ist der Öko nicht weit
Und nein, die Autobahnen wurden von den Nazis nicht primär als Kriegsaufmarsch-Adern betrachtet. Weil es unsinnig gewesen wäre, darauf Panzer oder Geschütze zu transportieren – die wurden auf die Schiene verfrachtet. Und nochmals nein, Autobahnen sind keineswegs Killing fields. In Relation zur Kilometerleistung passieren darauf die weitaus wenigsten Unfälle. Kurz, über Autobahnen ist fürchterlich viel Stuss in Umlauf. Und wo Stuss kursiert, ist der Öko nicht weit.
Eine „Klimagerechtigkeitsbewegung“ von Gretas Gnaden halluziniert, Finsterlinge würden in Deutschland jede Menge neue Autobahnen in Wald, Feld und Moor stellen wollen. In Wahrheit ist das letzte Quäntchen von geplantem Autobahnneubau ein Fliegenschiss gegen die großräumige Vernichtung ökologisch wertvoller Flächen durch riesige Windradfelder und Photovoltaikwüsten.
Frage: Bauen Sie in den nächsten zehn Jahren noch ein paar Kilometer durch die grüne Landschaft?
Krenz: Solche Projekte können Sie an einer Hand abzählen. Wir machen relativ wenig echten Neubau. Etwa die A 14 zwischen Schwerin und Magdeburg oder ein paar kleine Lückenschlüsse wie an der A 72 bei Leipzig. Wir verbreitern viele Strecken bedarfsgerecht von vier auf sechs Spuren, und wir investieren in Verkehrssteuerung.
(Aus dem FAZ-Interview, siehe oben.)
Dabei wären mehr Autobahnen vonnöten, legte man es tatsächlich darauf an, ökonomisch zukunftsfähig zu werden.
Bananisierung der Republik
Frage: Reicht die Kapazität der Infrastruktur für die Zukunft?
Das ist ja das Grundproblem. Die Verkehrsprognose zeigt insbesondere beim Güterverkehr nach oben, während die Kapazität der Autobahn relativ konstant bleibt. Wir haben insgesamt 13 200 Autobahnkilometer in Deutschland. Das können noch 100 oder 200 mehr werden, aber es werden sicher nicht 14 000 oder gar 16 000.
(Aus dem FAZ-Interview, siehe oben.)
Ist das nicht ungerecht? Alle benennen zuvörderst die Berliner Verhältnisse, wenn von der Dysfunktionalisierung Deutschlands die Rede ist. Doch wer sich über die ewigen Blindgänger im „Reichshauptslum“ (Don Alphonso) scheckiglacht, darf Stade nicht schnöde ausgrenzen. Was, bitte, ist denn die Bauzeit des BER (schlappe 14 Jahre) gegen die der A 26?
Ich, als gebürtiger Stader, lege Wert auf folgende Leistungswürdigung: Die Bananisierung der Republik mit anschließender Demontage des ehedem Weltniveau aufweisenden Industriestandorts D. begann sehr lange vor der Flughafenklamotte an der Spree. Und zwar bei Stade in der Elbmarsch.
Mögen die dafür verantwortlichen Clowns auch mehrheitlich unter der Erde ruhen, ihr jecker Geist lebt immerfort. Sind wir nicht alle ein bisschen stade?

Welcher edle Wilde hat gesagt: „Erst wenn die letzte Autobahn gesperrt, der letzte Verbrenner versenkt ist und der Durchbruch in Wasserstoff- und Batterietechnologie dabei immer noch kurz bevorsteht werden die Grünen merken, dass man Betonmassen und Stahl für Windräder, Photovoltaikplantagen und Ladesäulen nicht in den letzten Waldwinkel kriegt…“
Von Inzuchtälern werden wir in Zukunft noch viel hören. Ein tragfähiger Begriff, lieber Herr @Schröder. Ein sehr aufschlussreicher Artikel. Danke Herr Röhl.
Ein paar kleine Anmerkungen: Die Natur zerstörerische Wirkung des Autobahnneubaus wirkt linear, die der Landschaftsverspargelung der Grünen für den Ausbau der Windmühlen jedoch flächig, also erheblich zerstörerischer. Der spezifische Flächenverbrauch von Verkehrsinfrastruktur, also die Frage, wieviel Tonnen- oder Personenkilometer ist pro Zeiteinheit und Flächeneinheit realisierbar (also Verkehrsleistung / qm Verkehrsfläche) spricht eindeutig gegen die Bahn. Die die Fläche zerteilende Wirkung der Bahn ist größer als die der Autobahn mit ihren kreuzungsfreien Ein- und Ausfahrten ca. alle 15 km. Die Aussage, die BAB seien aus militärischen Gründen gebaut worden (Aufmarsch und rasche Versorgung), stimmen wohl nicht mit der Kriegsrealität überein, denn die ersten gebauten BAB spielten dabei keine Rolle. Diese Einschätzung hätte auch von Frau Lambrecht oder UvdL oder AKK stammen können, alles ausgewiesene Miltärexpert : innen (wo sind da die Miltärexperten?) oder sind das jetzt Militärexpertende? Fragen über Fragen.
Dieser Text ist ein wichtiges Stück Heimatkunde, zumal die „Autobahn“ ja weit mehr als eine Straße ist, eher schon ein Mythos. Danke auch für die Entmythologisierung des „ersten Spatenstichs“, den man sich natürlich rückwirkend lieber von „Adenauer“ als von „Adolf“ wünscht! Die A29 zwischen OL und WHV wurde übrigens etwa zur gleichen Zeit geplant und ist schon rund 30 Jahre in Betrieb! Die A31 im Emsland wurde dank privater Initiative sogar ca. 2003 (?) vorzeitig fertig. In Stade hingegen hat man sich vermutlich nie von der Niederlage bei der Seeschlacht gegen Hamburg im Mittelalter erholt und stagniert seither neben dem übermächtigen Nachbarn!
Grüß Gott Herr Röhl, das grüne Mitleid mit den Molchen kommt von der Vergötterung der Umwelt, insbesondere des Habitats von Lustmolchen, des braunen Schlammes. Der natürliche Verkehr der Straßen stört da nur.
Die Grünen wollen alles individuelle kontrollieren und reglementieren, nach Ihren Vorstellungen. Verbieten ist deren Lieblingswort. In neuen Autos werden zunehmend Steuergeräte verbaut (verordnet natürlich über die EU – die Schattenlegislative der BRD für unbeliebte Themen), welche jegliches Fahrverhalten und Geodaten erfasst und mit Sicherheit per Telematik Fremdzugriff erlaubt. Die rechtlichen Voraussetzung für diesen Fremdzugriff werden aktuell vorbereitet. Natürlich immer zu unserem Schutz. (Im Kampf gegen den Terror oder was auch immer :)). An anderer Stelle will man den Einbau „intelligenter“ Smartmeter für den Stromkonsum etablieren. Na sowas. Wer braucht denn das? Wieder Fremdzugriff. „Smart“ – nur für wen?
Dass Handys und Kommunikation über Messengerdienste in Echtzeit ausgelesen werden und offen sind wie Das Schreiben von Postkarten ist ja bekannt. Überall lückenlose Kameraüberwachung wohin man sieht – ob privat oder im Straßenverkehr. Die totale Kontrolle ist schon eine tolle Sache für diejenigen die die Macht und die Kohle dafür haben.
Die Verteufelung des Autos und der Autobahnen war nur ein Teil einer teuflischen Strategie der SED die totale Überlegenheit der bundesdeutschen Wirtschaft zu stoppen und Sand ins Getriebe des demokratischen Rechtsstaats zu streuen, denn all das, was man dort durch das Heer von Stasi-Einflussagenten torpedieren wollte, wurde in der DDR gar nicht kritisiert. Ganz im Gegenteil! So ließ man sich den Bau der A 24 von Berlin nach Hamburg und die Totalsanierung der A 2 von Berlin in Richtung Hannover sogar vom bundesdeutschen Steuerzahler finanzieren, der bei Transitfahrten oder bei Einreisen in die DDR zusätzlich noch mit Straßenbenutzungs- und Visa-Gebühren zur Kasse gebeten wurde. Im Westen wurden die „Atomgegner“ randalierend auf die Straße geschickt und wenn jemand in der DDR es wagte, dort gegen die unsicheren AKW nur ein einziges Wort zu sagen, dann landeten der/die oder das im Knast. So könnte man stundenlang referieren, aber nun haben die, die uns Bürger zum wiederholten Male den Boden unter Füßen wegziehen wollen, dank ihrer politischen „Eltern“ die Ämter, die Justiz und die Medien gekapert und höhlen unseren Staat ganz dreist mit Duldung der Justiz und Applaus der Medien von innen aus. Das ist teilweise so grotesk und durchsichtig, dass man in den höchsten Ämtern politische „FührerInnen“ braucht, die das entweder aus purer Dummheit oder aus kriminellen Motiven, aber immer mit tiefer moralischer Haltung umsetzen. Schauen Sie sich nur die Figuren der Bundesrepublik an, die aber von denen im Berliner Senat sogar noch übertroffen werden, wobei von Kompetenz und Integrität nicht die Rede ist.