Von Max Leonard Remke.
Das grüne Denken krankt an einer verengten Weltsicht, die sich auch viele Nicht-Grüne zu eigen gemacht haben: den Menschen in erster Linie als Schädling zu betrachten.
Nachdem sie lange die Lieblinge der Presse waren, mehren sich zunehmend kritische Stimmen über die Grünen und ihre übergriffige Politik. Gerade Liberale und Konservative werfen ihnen dabei gerne „Hypermoralismus“, „moralischen Imperialismus“, „moralische Hybris“ oder auch „moralisches Strebertum“ vor.
Aber was genau sagt eigentlich jemand, der „Hypermoral“ kritisiert? Doch eigentlich, die andere Seite sei zu moralisch, zu edel, zu gut. Dass sie vor lauter Gutheit den Blick für das Praktische verloren hat (daher auch „Gutmenschen“). Wir kennen diese Art von Moralkritik zahllos aus alltäglichen Redewendungen: „Man kann nicht immer ein Engel sein“, „Man muss auch mal Fünfe gerade sein lassen“ oder besonders prosaisch verpackt durch den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck: „Unser Herz ist weit, doch unsere Möglichkeiten sind endlich.“
Ist diese Kritik wirklich erfolgversprechend? Zum einen gibt, wer „Hypermoral“ kritisiert, seinem Gegner unbeabsichtigt den moralischen High-Ground. Man sagt ihm faktisch, dass er recht habe, aber die Umsetzung zu schwierig oder zu aufwändig wäre. Nicht zu unrecht ist daher gefragt worden, was denn das Gegenmodell des „Gutmenschen“ sei? Etwa der „Schlechtmensch“ oder der „Erst-Fressen-und-dann-die-Moral-Mensch“? Das ist ein Narrativ, welches bei moralisch integeren Menschen nicht verfangen dürfte. Um auf das Zitat von Joachim Gauck zu unseren „endlichen Möglichkeiten“ zurückzukommen – rein technisch hat Deutschland problemlos die Kapazitäten, gut 80 Millionen Flüchtlinge mehr aufzunehmen. Allein in meine Wohnung ließen sich, mit etwas Knautschen, sicherlich noch rund ein Dutzend Flüchtlinge hineinstapeln.
Wenn sich selbst die AfD mit den Grünen einig ist
Genau dies führt direkt zum nächsten Problem: Wer dem anderen „Hypermoral“ vorwirft, der erkennt seine Ziele grundsätzlich als erstrebenswert an. Zur Diskussion bleibt dann nur noch die Frage, wie und wie schnell das noble Ziel des „Hypermoralisten“ zu erreichen sei. Und genau dieses Phänomen können wir aktuell in der Politik beobachten. Egal welche Partei wir wählen, wir können nur eine Variante von grüner Politik wählen. Die mag dann bei den Linken „Ökosozialismus“ heißen, bei der FDP „sozial-ökologische Marktwirtschaft“ und bei der CDU wird sie etikettiert als „Bewahrung von Gottes Schöpfung“, aber der Inhalt ist der gleiche: Wir Menschen müssen für „die Natur“ zurückstecken, wir Menschen sind eine Gefahr für „die Natur“.
Selbst die Alternative für Deutschland ist keine echte Alternative. Was sie von den anderen ergrünten Parteien trennt, ist zumeist nicht ein grundsätzlich anderer Blick auf „die Natur“, sondern die Frage, was wichtiger sei: Klimaschutz oder klassischer Naturschutz. Ähnlich sieht es bei der liberalkonservativen Opposition aus. Ich selbst habe zum Beispiel vor etwa einem halben Jahr einem gut besuchten Vortrag von Vera Lengsfeld in Magdeburg beigewohnt, der sich gegen die „grüne Unvernunft“ wandte. Zentrale Argumente gegen die ökologische Energiewende waren der ebenfalls ökologische Vogelschutz und der Schutz gewachsener Landschaften. Das ist eben keine antigrüne Kritik auf der moralischen Ebene (die Vera Lengsfeld als altgediente Öko-Aktivistin vermutlich auch nicht beabsichtigt), sondern nur erneut die Diskussion, wie die grüne Moral am besten umzusetzen sei.
Gibt es also keinen Ausweg? Werden die Grünen am Ende doch gewinnen und uns in eine postindustrielle Armutsgesellschaft der Baumkuschler oder Windradumarmer verwandeln? Ich denke nicht. Aber wenn wir der grünen Bevormundung wirklich ein Ende setzen wollen, müssen wir bereit sein, eine wirkliche moralische Kritik der Ökoideologie zu üben – eine Kritik an ihren Zielen und nicht bloß eine an ihren Mitteln.
Ayn Rand und die Natur des Menschen
Ein hervorragender Einstieg kann hierfür das Buch „The Anti-Industrial Revolution“ (Deutsch „Zurück in die Steinzeit“) der US-amerikanischen Philosophin und Bestseller-Autorin Ayn Rand sein. In ihm geht sie mit analytischer Schärfe und spitzer Feder der Ökobewegung auf den moralischen Grund. Ihre Hauptthese: Bereits der grüne Grundgedanke basiert auf einem folgenschweren Missverständnis über das Verhältnis von Mensch und Natur.
Sie argumentiert, dass der Mensch anders überlebt als andere Tiere. Bloßes „Fressen und gefressen werden“ kommt für ihn nicht infrage. Seine natürlichen Waffen – wie Gebiss und Krallen – sind alles andere als furchteinflößend, und schlechtem Wetter hat er mit seinem spärlichen Fell – das dazu im Alter oft noch spärlicher wird – wenig entgegenzusetzen. Wie kommt es dennoch, dass er inzwischen selbst an den lebensfeindlichsten Orten lebt, den luftleeren Weltraum ebenso bereist wie die Tiefen das pazifischen Marianengrabens? Die Antwort: Die spezifische Überlebensstrategie des Menschen ist die Benutzung seines Verstandes zur produktiven Veränderung der Natur. Der Mensch passt sich nicht der Natur an wie die Tiere, er passt die Natur sich an. Er legt Sümpfe trocken, gräbt Bodenschätze aus und züchtet Nutztiere.
Für ein menschengerechtes Naturverständnis
Gerade deshalb aber ist sein Verhältnis zur Natur alles andere als harmonisch, es ist feindlich. Raubtiere wollen uns gerne fressen, kalte Winternächte lassen uns erfrieren, und in der mondfinsteren Dunkelheit sind wir aufgeschmissen. Diese offensichtliche Tatsache lässt sich ganz leicht überprüfen, indem man sich selbst die Frage stellt: Wo habe ich als Mensch die besseren Überlebenschancen? In meinem nackten Naturkleid in der Mitte des Amazonas-Dschungels oder in meiner unnatürlich-erdölbasierten Kleidung in Berlin-Mitte? Die Antwort dürfte leicht fallen.
Tatsächlich zeigt sich überall auf der Erde, dass der Mensch umso besser lebt, umso länger lebt und dass umso mehr Menschen leben, wo der Prozess der menschlichen Einhegung, Gestaltung und Nutzung der Natur am weitesten fortgeschritten ist. Dort, wo ein Waldspaziergang eben keine Gefahrenquelle ist, sondern ein netter Luxus, der durch Wanderwege, Rettungshelikopter, die Ausrottung von Raubtieren, Thermokleidung und Satellitennavigation harmlos gemacht wurde. Würden wir die Maßstäbe einer „artgerechten Haltung“ einmal so an den Menschen anlegen, wie wir sie ganz selbstverständlich bei Tieren anlegen, dann zeigt sich unschwer, dass eben nicht „die Natur“ das Lebenshabitat des Menschen ist, sondern die Zivilisation. Die Zivilisation, die als schöpferische und produktive Leistung vom Menschen erst über hunderte Generationen hergestellt wurde.
Gerade aber diese offensichtlichen Wahrheiten kommen in der Moral der Grünen nicht vor. Im Gegenteil, statt als heroisches und zivilisationsschaffendes Geschöpf erscheint der Mensch als Parasit und Schädling der Erde. Genau die Natur unserer Spezies, genau unsere Überlebsstrategie, spielt kaum eine Rolle im grünen Denken. Ich glaube daher, die beste Waffen gegen grüne Bevormundung, Ökokitsch und klimabewegte Menschen- und Wohlstandsfeindlichkeit ist die Natur des Menschen selbst und nicht der leicht vorgebrachte Vorwurf der „Hypermoral“. Dieser sagt oft mehr Negatives über den Sagenden, als über den Angeworfenen.
Max Leonard Remke, ist 1990 in Peine geboren und hat an der Universität Göttingen sowie an der Korea University in Seoul Politik & Geschichte studiert. Er ist Begründer der deutschen Ayn Rand Gesellschaft sowie der freiheitlichen Jugendorganisation Liberty Rising. Er hat unter anderem als militärhistorischer Autor für die Militär & Geschichte geschrieben sowie als wöchentlicher Kolumnist für das libertäre Magazin eigentümlich frei.
Beitragsbild: martinak15 Flickr CC BY 2.0 via Wikimedia
Ich bin schon lange der Überzeugung, dass wenn alle zum Förster gehen würden, deren Hirn derart verwurschdeld ist, die Welt gerettet wäre. Denn damit wären auch die dümmlichen Technikfeinde weg und deutsche Ingenieure und Wissenschaftler könnten sich daran machen, funktionierende und den Wohlstand der Bevölkerung sichernde Lösungen auf allen Gebieten zu entwickeln und umzusetzen. Nur ein kleines Beispiel wäre der Dual-Fluid-Reaktor, von Deutschen erdacht, völlig sicher zu handhaben und eine der „grünsten“ Möglichkeiten massenhaft und billig Energie zu erzeugen. Also Ihr linksgrünen Gutmenschen, denkt darüber nach und ab zum Förster!
Den größten Schaden an diesem Land richten die unsäglichen GRÜNEN an. Leider gibt es noch um die 13 Prozent der Wähler, die entweder zu dumm („woke“) sind, dieses zu erkennen oder den angerichteten Schaden vorsätzlich herbeiführen wollen. Das wäre denn Hochverrat am Land und gehört strafrechtlich verfolgt.
Wie war das doch gleich mit der „Schädlingsbekämpfungsbewegung“ vor rund 80 Jahren? Und der Auferstehung der Bewegung seit 2020? Ähnlichkeiten sind nicht zufällig, sondern beabsichtigt. Die Schädlingsbekämpfer haben deshalb so viel Erfolg, weil sich die als Schädlinge („Kolonialisten“, „Rassisten“ „Nazis“ … ) ausgemachten autochthonen Deutschen selber andauernd an ihre Brust schlagen und sich den Heerscharen nicht-autochthoner „deutscher“ Herrenmenschen willig (oder resigniert) unterwerfen. Allahu akbar! Die Grünen gehören für mich allesamt (ich weiß von keiner Ausnahme) zu harter Arbeit ohne technische Hilfsmittel in der grünen Natur (Waldarbeit, Erntehilfe etc.) verurteilt. Fünfzehn Jahre oder so lange, bis der Grünschimmel abfällt.
„Selbst die Alternative für Deutschland ist keine echte Alternative.“ Wäre ja schön, das mit Fakten zu belegen…
Grüne und Ayn Rand haben eines gemeinsam : Ein wenig zu viel von der eigenen Droge . Rand hätte
sich mal die Beine vertreten können , wenigstens in einem der grandiosen Nationalparks ihres Heimatlandes . Nach einem Besuch im Glacier National Park , Montana ( meine Wenigkeit hat da
mal einige Wochen verbracht , hauptsächlich zu Fuß ) sieht die Welt deutlich anders aus und die gewaltige zivilisatorische Leistung der USA , nicht einfach alles zu Geld gemacht zu haben ,auch . Und was die Grünen betrifft wäre der Hinweis geboten , daß man nicht alles so hemmungslos umsetzen
muß , was einem so „zugeflüstert“ wird und schon gar nicht in diesem unmenschlichen Tempo . Es
wird auch langsam reichlich happig .
„grünes denken“???? OXIMORON!!!… ;-)
Fast jede Kulturleistung des Menschen besteht in einer Emanzipation von der uns umgehenden Natur, die zumindest für den Menschen lebensfeindlich ist. Die wenigsten Kinder würden auch nur einen Tag überleben ohne Hilfe. Ein Blick auf den Globus und die Größenordnungen zeigt schon die Bedeutungslosigkeit des Menschen. Die Natur braucht unseren Schutz nicht, wir jedoch Schutz vor der Natur und ihren Gewalten. Wir scheitern an ein paar Zentimetern Schnee im Dezember, glauben aber, das Wetter entscheidend beeinflussen zu können. Seit dem Turmbau zu Babel war der Größenwahn des Menschen nie gewaltiger und damit selbstzerstörerischer.