Bernhard Lassahn / 19.06.2022 / 12:00 / Foto: Andrius Petrucenia / 18 / Seite ausdrucken

Was haben Männergewalt und Corona-Zahlen gemeinsam?

Angesichts des Falles Johnny Depp habe ich mir die Zahlen zur Männergewalt noch einmal angesehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass bei der Berichterstattung über Corona in dieselbe Trickkiste gegriffen wurde.

Es gibt schockierende Nachrichten: Die Darstellungen von Männergewalt sind falsch. Die Zahlen stimmen nicht. Männergewalt ist ein Mythos. 

Sie glauben das nicht – stimmt’s? Ich habe es auch lange nicht glauben können. Doch inzwischen kann ich nachvollziehen, wie das Trugbild entstanden ist. So war ich auch besser vorbereitet, die schwindelerregenden Zahlen, die uns im Zuge der Corona-Panik serviert wurden, richtig zu einzuordnen.

„Der Mann schlägt die Frau.“ So hat es eine Zusammenfassung in „einfacher Sprache“ auf den Punkt gebracht. So einfach. So einprägsam. 

Es entspricht unserem einfachen Denken und gehört inzwischen zu unseren festen Glaubenssätzen, es wird es von den Dächern gezwitschert und gegackert: Gewalt ist männlich. Die angeborene Gewaltbereitschaft macht die Männlichkeit toxisch. Alle Männer sind so. Dass in dem sensationellen Urteil Johnny Depp dennoch nicht für schuldig gehalten wurde, hatten viele unter diesen Umständen nicht mehr für möglich gehalten. 

Die Zahlen kommen aus derselben Trickkiste

Bei der Gelegenheit habe ich mir den Zahlen-Zauber, der uns das Märchen von der Männergewalt aufgetischt hat, noch einmal angesehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass bei der Berichterstattung über Corona in dieselbe Trickkiste gegriffen wurde. Auch hier wurden wir mit Zahlen von zweifelhaftem Aussagewert in Angst und Schrecken versetzt. 

Die Zahlen mochten sogar richtig ausgerechnet sein, jedoch die Rechenaufgabe war falsch gestellt. So kann man sich täuschen lassen. Doch man kann den Täuschungen auf die Schliche kommen, wenn man folgende Punkte beachtet: Erstens, werden falsche Gruppenbildungen vorgenommen (zu große Gruppen, Doppelpackungen)? Zweitens, fehlen anschauliche Vergleiche (oder gibt es irreführende)? Drittens, belässt man es bei passiven Erhebungen (oder gibt es pro-aktive)?

Da ich die Zahlen zur Männergewalt schon lange im Blick habe und mit den Tücken der Darstellung vertraut bin, war ich vorgewarnt und war von der ersten Minute an skeptisch gegenüber Zahlen zu Inzidenzwerten, zum R-Wert, zur Ansteckungsgefahr und zu den erwarteten Millionen von Toten. Auch zur Harmlosigkeit der Impfung. 

Oder anders gesagt: Hätten wir schon früher laut gegen falsche Darstellungen zur Männergewalt protestiert, hätten wir uns die Panikmache verbeten und bei jeder Gelegenheit die Rhetorik des Bangemachens entlarvt, dann wären wir womöglich widerstandsfähiger gewesen, als die Corona-Welle kam und wir dem nächsten Angriff von Killer-Zahlen ausgesetzt waren. Ist das etwa eine naive Vorstellung? Nun ja… ich gelte ja sowieso als Traumtänzer. Also dann: Ich bitte zum Tanz.

Was ist eine Frau?

Bestimmt haben Sie schon die Formel gehört: „Jede vierte Frau wird Opfer von häuslicher Gewalt.“ Darunter kann man sich sofort etwas vorstellen. Wenn wir 40 Millionen Frauen zugrunde legen, kommen wir, ohne großartig rechnen zu müssen, auf 10 Millionen Opfer von Gewalt. Damit ist sofort klar, dass wir es mit einem gigantischen Problem zu tun haben. Aber stimmt das überhaupt?

Wenn man wissen will, was an der Formel faul ist, sollte man zunächst zwei Fragen stellen: Was ist „Gewalt“? Was ist eine „Frau“? (Bei der Frage nach der „Frau“ übergehe ich die Auffassung, dass man sich selbst als Frau definieren kann). Also, was haben wir hier vorliegen? Wir haben es hier mit zwei Gruppen zu tun, die so sehr verallgemeinert und ins Übergroße aufgeblasen wurden, dass ein differenziertes Verständnis verhindert wird und wir die Gefahr, die mit den Zahlen beschrieben werden soll, nicht mehr richtig erkennen können. 

Mit „Frauen“ wird Weiblichkeit jeden Alters aus jedweder Umgebung zusammengefasst. Dabei werden besonders gefährdete Jahrgänge mit weniger gefährdeten in einen großen Topf geworden. Die Bedrohung – so soll es suggeriert werden – betrifft alle gleichermaßen. Das stimmt nicht. Die Bedrohung wird uns außerdem als allgegenwärtig dargestellt. Auch das ist falsch. Besonders gefährliche Orte und Umstände werden mit sicheren Orten und geschützten Zonen gleichgesetzt. „Nebel hier, Nebel da“, heißt es gelegentlich in den Regieanweisungen bei Federico Fellini. So auch hier. 

Was ist Gewalt?

Bei der Frage, was als „Gewalt“ gilt, wurde Leitungswasser mit teurem Wein vermischt. Als Fälle von Gewaltanwendung wurden beispielsweise Erlebnisse wie „angebrüllt werden“ oder „ignoriert werden“ hinzugerechnet. Damit wurde der Gewaltbegriff so stark vergrößert, dass er zu einem wertlosen Ergebnis führt. Wir kennen das Sprichwort: „Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.“ Hier ist es umgekehrt: Die Bäume, die wir uns näher ansehen müssten, werden in einem unübersichtlichen Wald versteckt. Wir gehen nicht mehr von tatsächlichen Gegebenheiten aus, sondern von einer vorgefassten Vorstellung, die so weit abgehoben ist, dass sie nicht mehr die Wirklichkeit abbildet.

Wie war es bei Corona? Was wurde dabei als gefährlicher „Covid-Fall“ angesehen (die Frage entspricht der Frage nach der „Gewalt“)? Wir erinnern uns: Alles vom falschen positiven PCR-Test bis hin zum Tod auf der Intensivstation. Wer war gefährdet (die Frage entspricht der Frage nach den „Frauen“)? Na, wer wohl? Jeder. Unabhängig vom Alter und seinem Gesundheitszustand.

Zu große Gruppen auch hier. Zu wenig Wissen über die tatsächlichen Fälle. Aber möglichst große Zahlen, wenn es darum geht, ein Unglück anzukündigen. Wir scheinen das zu mögen, regelrecht süchtig danach zu sein.

Je größer die Zahlen, desto größer der Schrecken

Große Gruppen liefern große Zahlen und große Angst. Sie machen den Eindruck, als könne man sowieso nichts gegen das Unheil tun – wo sollte man da auch anfangen? Man kann sich nur noch ängstlich verkriechen. „Alle fünf Minuten wird eine Frau misshandelt, gestalkt oder bedroht.“ So hat es Franziska Giffey, die damals Familienministerin war, im Jahr 2017 verkündet; etwa 150 Frauen würden pro Jahr von ihren Partnern umgebracht. 

Neuerdings wird sogar täglich eine umgebracht. Das kann man sich leichter merken. Das sind dann 365 Tote pro Jahr durch Männergewalt. Täglich – so sagte Lauterbach neulich – haben wir „immer noch 50 bis 100 Tote“, das wären dann bis zu 36.500 Tote pro Jahr durch Corona.

Wenn ein „oder“ auftaucht, haben wir es mit einer Mogelpackung zu tun. Stellen wir uns vor: Wenn ein Geschäft seine Waren nur noch im Zweierpack anbieten würde (nach dem Motto: wenn Sie A kaufen wollen, müssen Sie auch B kaufen) und wir gezwungen wären, für etwas zu zahlen, das wir nicht wollen, dann wäre das kein erfolgreiches Geschäftsmodell. Bei Nachrichten geht das. Die werden uns häufig nach dieser Masche angedreht: Frauen wurden „missbraucht oder bedroht“. Sie werden schlechter bezahlt „für gleiche oder für gleichwertige“ Arbeit. Jemand ist „an oder mit“ Corona gestorben. Hier gilt nicht etwa: „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ Hier müssen wir sehr viel mit dazu nehmen, ob wir wollen oder nicht.

Womit werden die Zahlen verglichen?

Schlimm genug. Es kommt noch schlimmer. Damit die großen Zahlen eine möglichst große Wirkung haben, vermeidet man, sie genauer anzusehen und sie ins Verhältnis zu setzen mit anderen Zahlen, die einen ebenso erschrecken könnten. Man darf schließlich nicht verharmlosen. Deshalb dürfen die Zahlen nicht in ein richtiges Verhältnis gesetzt werden – höchstens in ein falsches. 

So geschah es bei der Formel, dass jede vierte Frau ein Opfer von Gewalt ist. Wie ist so eine Zahl zustande gekommen? Man hat einer überschaubaren Gruppe von Frauen, die man für repräsentativ hielt einen Fragekatalog vorgelegt, als wäre es eine Einkaufsliste. Es wurden ausschließlich (!) Frauen befragt. Dann hatte man eine Zahl. Allerdings eine, die nicht ins Verhältnis gesetzt war. 

Würde man denselben Fragebogen einer Gruppe von Männern vorlegen, die man ebenfalls für repräsentativ hält, wären alle Männer Opfer von Gewalt. Zu hundert Prozent. Das Ergebnis müsste man dann so zusammenfassen: „Frauen sind deutlich weniger von Gewalt betroffen als Männer.“ Oder „Frauen werden wirksam vor Gewalterfahrungen geschützt, wie Männer sie normalerweise erleben“. Doch solche Schlagzeilen druckt die Sensationspresse nicht, sie eignen sich auch nicht, um Frauen und kleine Mädchen zu erschrecken. 

So darf man das nicht sagen. Ein Gewalt-an-Frauen-Leugner gilt als Frauenhasser; er kann sich sofort einreihen in die Ausgestoßenen, die sich als verdammte Klimawandel-Leugner zu erkennen geben, als Corona-Leugner, als Verschwörungstheoretiker, als Putin-Versteher, oder als böse, böse, böse Es-gibt-mehr-als-zwei-Geschlechter-Leugner.

Immer daran denken: Es ist gefährlich, eine Frau zu sein

Damit ein für alle Mal festgelegt ist, dass Gewalt immer und überall von Männern ausgeht, wurde ein Gedenktag eingerichtet, den Sie sich schon mal im Terminkalender vormerken können: Am 25. November begehen wir den „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“. Ich möchte jetzt schon verkünden, dass ich Gewalt gegen Frauen und Mädchen auch an anderen Tagen verurteile. Aber – ist das nicht selbstverständlich?

Offenbar nicht. Es wird immer wieder so getan, als müsste ein Unglück, das bisher im Verborgenen geblieben ist, endlich ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden, als wäre bisher nie etwas zu dem Thema gesagt worden. „Wir müssen über Gewalt gegen Frauen reden. Um sie endlich zu bekämpfen. Brecht das Schweigen!“, hieß es etwa in der Zeitschrift emotion‘:

„Es darf nicht lebensgefährlich sein, Frau zu sein. Eines der größten Lebensrisiken für eine Frau ist, Frau zu sein. Wir leben in einem hochentwickelten Land, das nach wie vor die Hälfte der Bevölkerung schutzlos lässt. Frauen sind zuhause nicht sicher ... Wir müssen klar sehen“, lesen wir weiter, „von den 138 893 Opfern häuslicher Gewalt im Jahre 2017 waren 82 % weiblich“. 

Was sagt uns die Zahl?

Wow: 82 Prozent! Das ist beeindruckend, das geht auf die 100 zu. Alles, was in die Nähe von 100 kommt, gilt praktisch als 100. Wir erinnern uns vielleicht, dass einst davon die Rede war, dass eine Impfung zu 95 Prozent schützt oder, wie es Frank Ulrich Montgomery sagte, die Impfung, das Risiko, an Corona zu versterben, um 99 Prozent senkt. Das gilt als 100 Prozent.

Mir hat mal jemand, der sich mit Waschmaschinen auskannte, erklärt, dass nur deshalb nicht die Temperaturwahl „100 Grad“ angeboten wird, weil die Hausfrau das für gefährlich hält. Sie fühlt sich wohler, wenn es nur bis nahe an 100 herangeht. 

Doch die imposante 82 ist bedeutungslos, sie zeigt lediglich das Verhältnis zur Menge der männlichen Opfer von Gewalt. Doch über diese Menge wissen wir wenig, wir wollen es auch nicht wissen. Außerdem sind die ständigen Vergleiche zwischen der fiktiven Gruppe „der“ Frauen und der Gruppe „der“ Männer nicht hilfreich. Sie werden dennoch gerne vorgenommen, um Ungleichheiten aufzuspüren und zum Skandal auszurufen.

„Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“, sagte der Filmvorführer, als der Strom ausfiel. Schauen wir uns den Statistikbetrug näher an. Die 82 hat keinen Aussagewert. Es ist eine große Zahl. Mehr nicht. Sehen wir darüber hinweg, dass es bei häuslicher Gewalt in Wirklichkeit einen viel höheren Anteil von männlichen Opfern gibt, weil Männer gewalttätige Übergriffe nicht so häufig zur Anzeige bringen wie Frauen (dazu gleich mehr). Klammern wir außerdem die Frage aus, was überhaupt als Gewalt gilt (in den Statistiken werden sogar Blicke als Gewaltakte gerechnet, s.o.). Klammern wir weiterhin die Frage aus, von wem die Gewalt ausgeht. Sie geht nämlich gegenüber Kindern unverhältnismäßig oft von Müttern aus. Schon deshalb, weil Väter abwesend sind. Gerade in lesbischen Beziehungen wird auffällig oft geprügelt. Klammern wir all das aus und betrachten wir lediglich die ermittelte Zahl der weiblichen Opfer von Gewalt. Warum um alles in der Welt sollte man die in Bezug zur Menge der männlichen Opfer von Gewalt setzen?

Wie groß ist das Risiko? 

Stellen wir lieber einen Bezug her zur „Hälfte der Bevölkerung“, von der „emotion“ gesprochen hat, um einen möglichst großen Rahmen vorzugeben. Setzten wir also circa 80 Prozent von circa 140.000 Fällen von häuslicher Gewalt ins Verhältnis zu circa 40 Millionen Frauen. Dann kommt heraus, dass nur 0,3 Prozent aller Frauen überhaupt von häuslicher Gewalt betroffen sind. 

Anders gesagt: Frauen können zu 99,7 Prozent vor häuslicher Gewalt sicher sein. Na, das ist doch mal eine gute Nachricht, die uns allerdings als schlechte verkauft wird; als Horrormeldung, die einem einflüstern will, dass Frauen nirgendwo sicher sind, auch nicht zuhause. Im Englischen gibt es die Redewendung: to call the wedding a funeral. Das geschieht hier: Eine Hochzeit wird fälschlicherweise als Beerdigung bezeichnet, ein Grund zur Zuversicht wird den Leserinnen als Katastrophe angedreht, um ihre Angstlust zu stimulieren. 

Und bei Corona? Wie hoch ist das Risiko, zu den unzähligen Toten zu gehören, die „immer noch täglich“ durch die größte Gefahr seit dem Zweiten Weltkrieg dahingerafft werden? Wie groß ist im Vergleich dazu beispielsweise die Gefahr, an Krankenhauskeimen zu sterben oder als Radfahrer (mit oder ohne Helm)? Wie hoch ist überhaupt der Anteil der Corona-Patienten bei den Intensivbetten, die sowieso unterbelegt waren? Fragen über Fragen.

Ich erinnere mich an einen Comic, in dem auch die Zahl 99,7 genannt wurde (oder 97,3, oder 98,3, oder eine ähnlich hohe Zahl, ich weiß es nicht mehr …). Da sah man einen Mann in einem Superman-Kostüm, in der Denkblase stand sinngemäß: Was macht es für einen Sinn, in die Welt hinauszugehen, wenn die Überlebenswahrscheinlichkeit nur bei 99,7 Prozent liegt? Ich vermute, dass es Fake News waren und inzwischen längst gelöscht ist. 

James Bond geht nicht zur Polizei

Die Schieflage, die dem Mythos von Männergewalt zugrunde liegt, kommt zustande, weil man auf der einen Seite (Gewalt gegen Frauen) übertreibt und auf der anderen (Gewalt gegen Männer) keine richtigen Erhebungen macht. Man begnügt sich mit dem, was bei der Polizei gemeldet und zur Anzeige gebracht wird.

Roger Moore spielte auf der Gitarre, seine Freundin fand offenbar keinen Gefallen daran, sie war der Meinung, er würde ihr nicht richtig zuhören, riss ihm die Gitarre aus den Fingern, schlug damit auf ihn ein und zertrümmerte sie. Können wir uns vorstellen, dass Roger Moore zur Polizei geht? Der Beamte würde sagen: Oh, ich weiß schon, Ihr Name ist Bond, James Bond. Möchten Sie einen Gin? 

Scherz beiseite. Es wird Männern schwer gemacht, zur Polizei zu gehen. Sie machen sich lächerlich. Es gibt sogar Fälle, da hat ein Mann als Opfer von häuslicher Gewalt versucht, eine Anzeige zu erstellen, und wurde daraufhin selber als Täter verhaftet. Wenn man nur die Mengen der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt vergleicht, sieht man gleich, dass es mehr Gewalt gegen Frauen gibt. So sieht es aus.

Wie ist das mit Impfschäden? Da wird es einem auch nicht gerade leicht gemacht, einen Schaden zu melden. Auch da wird nur gezählt, was gemeldet wird. So großzügig, wie man verfährt, um Tote als „Corona-Tote“ zu rechnen, so pingelig ist man andererseits, wenn es darum geht, Krankheits- und Todesfälle in Zusammenhang mit der Impfung zu bringen. So haben wir eben viele Tote durch Corona und kaum Beeinträchtigungen durch die Impfung. Die meisten Nebenwirkungen werden weggesteckt, wie es auch James Bond machen würde. 

Welche Zahlen stimmen denn nun?

Wie müsste man es richtig machen? Man müsste pro-aktive Erhebungen machen, man müsste auf die Geimpften zugehen und sie fragen, was sie für Erfahrungen gemacht haben. Das müsste systematisch erforscht werden. Die bedingte Zulassung des Impfstoffes sieht das sogar ausdrücklich vor, aber… Man könnte auch Männer befragen, ob sie schon Gewalt von ihrer Partnerin erlebt haben, statt immer nur mit einseitigen Horrormeldungen von gewalttätigen Männern aufzutrumpfen. Das könnte man tun – und hat es auch getan.

Bei der Gelegenheit ist der Mythos von der Männergewalt zusammengebrochen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Gewalt geht zu 25 Prozent von Männern aus, zu 25 Prozent von Frauen, zu 50 Prozent von beiden. Eine Studie aus dem Jahr 2007 zeigt sogar, dass Frauen häufiger zuschlagen als Männer. Es gibt außerdem Studien, die zeigen, dass Frauen beim Provozieren eines Streites vorne liegen. Fälle wie der von Greg Ellis, der wegen einer Falschbeschuldigung verhaftet wurde, werden natürlich nicht berücksichtigt. Er hat ja auch keine Gewalt angewendet. Seine Frau auch nicht. Sie hat allerdings Gewalt anwenden lassen, indem sie die Polizei gerufen hat.

Arne Hoffmann ist so etwas wie der Protokollführer für Männerthemen. Ein Faktenchecker. Auch er war zunächst skeptisch. Als er zum ersten Mal bei Warren Farrell (der das Buch „Mythos Männermacht“ geschrieben hat) gelesen hatte, dass es die überall verkündete Männergewalt so nicht gibt, hat er sich im Stillen gedacht: Warren Farrell in allen Ehren, aber hier irrt er bestimmt.

Ärger und Hassmails

Warren Farrell hatte sich nicht geirrt. Hier sind die Zahlen – es gibt etwa 500 solcher Studien. Hier ist eine Zusammenfassung von Arne Hoffmann aus seinem „Lexikon der feministischen Irrtümer“. Obendrein empfiehlt er das Buch „Der 'geschlagene Mann'. Männliche Opfer im Kontext häuslicher Gewalt‘“. Was machen wir nun damit? Lesen wir das etwa alles in Ruhe durch und sagen uns anschließend: Oh, das hätte ich aber nicht gedacht, da werde ich wohl meine Meinung ändern müssen? Oder sagen wir uns: Egal, ich bleibe dabei. Gewalt ist männlich? Lässt sich wirklich jemand, der starke Gefühle hat, die über einen langen Zeitraum von eindrucksvollen Bildern und vergifteten Zahlen befeuert wurden, durch langweilige, wissenschaftliche Studien umstimmen?

Mit dem Lied von der Männergewalt kann man Geld verdienen, man kann sich einschmiegen in einen Chor von Millionen von Gleichgesinnten, man kann Anwälte beschäftigen, und Frauen können das Lied als Trumpfkarte in Unterhalts- und Umgangsprozessen einsetzen. Wer dagegen darauf hinweist, dass es aus lauter falschen Tönen besteht, fühlt sich wie ein Geisterfahrer und steht ganz allein da. Kritik am Mythos von der Männergewalt bringt einem nur Ärger und Hassmails.

Ich weiß auch nicht, wie man aus der Schieflage wieder herauskommt. Es wird bestimmt nicht ausreichen, den falschen Zahlen richtige entgegenzuhalten. Doch man sollte nicht darauf verzichten, es trotzdem zu tun. Gerade weil wir heutzutage so zahlengläubig sind. Gerade weil wir große Zahlen leichtfertig für verlässliche, unbestechliche Überbringer von Wahrheiten halten. Als wären Zahlen die Heiligen von heute. Gerade deshalb sollten wir sie kritisch sehen und den Scheinheiligen unter ihnen den Heiligenschein nehmen.

Ich schließe mit einem Gedicht, das zusammenfasst, was Platon dazu gesagt hätte:

Über das Lachen der Heiligen

Wenn von den Zahlen,
die du zur Begründung deines Handelns nennst,
du weder den Erfinder
noch die Geltungsgrenzen kennst,
dann lösche dein Licht
und gehe nach Haus.
Dann lachen dich die Zahlen aus
.

 

Von Bernhard Lassahn ist erschienen: Frau ohne Welt, Teil 3: Der Krieg gegen die Zukunft. Trilogie zur Rettung der Liebe.

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Leserpost

netiquette:

Michael Hinz / 19.06.2022

„Es darf nicht lebensgefährlich sein, Frau zu sein. Eines der größten Lebensrisiken für eine Frau ist, Frau zu sein. ....” Jetzt werfen wir mal einen Blick auf den Arbeitsmarkt - ich möchte nicht wissen, auf wie viele Stellen bei gleicher Qualifizierung sich Männer gar nicht zu bewerben brauchen, weil die Stelle dem schönen Geschlecht vorbehalten ist. Das fing an der Uni an mit der Einstellung von “wissenschaftlichen Hilfskräften”: In etlichen, wenn nicht den meisten, Fachbereichen gab es nicht einen Studenten, der Kaffee kochen durfte, weil ihm etwas fehlte….

Cyril Sneer / 19.06.2022

Der Islam wird das Problem hier lösen.

Arthur Sonnenschein / 19.06.2022

Menschen mit Uterus können sich einfach mehr erlauben, weil die sexuelle Dynamik hinter den Geschlechter-Streitigkeiten zugunsten der holden Weiblichkeit wirkt. Die ist nämlich ein Engpass und macht sich rar wie die männlichen Mitmenschen bei ihrer Jagd auf die Dose immer wieder feststellen müssen. Vertrackte Sache das, weshalb die Lanzenträger inzwischen routinemässig beide Augen zudrücken. Das zerrüttet die Substanz auf allen Ebenen und sorgt für Stirnrunzeln (google ‚Ostseezeitung‘ und ‚80%‘ und ‚in Rostock nur vorgetäuscht‘). Eindämmen geht nur, wenn [processing error]. Nichts zu machen.

P. Wedder / 19.06.2022

Was die männliche, häusliche Gewalt angeht möchte ich nur ergänzen, dass es auch genügend weibliche häusliche Gewalt gibt. Hier ist die Scham der Opfer extrem ausgeprägt. Obwohl mein Cousin von seiner Frau geschlagen wurde, durfte sie mit dem Kind aus voriger Beziehung in der Wohnung bleiben und er bekam von der Polizei drei Tage Kontaktverbot. Ansonsten muss ich gestehen, dass für mich häusliche Gewalt (egal von welchem Geschlecht es ausgeht) persönlich derzeit nicht so tangiert. Das sieht bei der, hauptsächlich männlichen, Gewalt, die seit 2015 zunehmend auf den Straßen herrscht anders aus.

Stefan Hofmeister / 19.06.2022

“Es wird Männern schwer gemacht, zur Polizei zu gehen. Sie machen sich lächerlich.” - was sollen sie auch tun? Ich war mehrfach Opfer häuslicher Gewalt, meine Ex stand sogar einmal mit dem Messer vor mir. Gründe: Keine. Bzw. ihre psychische Verfassung. Würde man nun zur Polizei gehen, wären Haus, Auto, Kinder, alles weg. Letztlich ging es (für mich) gut aus und für sie waren Haus, Auto und Kinder weg. Aber in einer solchen Situation?

Michael Müller / 19.06.2022

In dem Beitrag heißt es, dass es Studien gebe, wonach Frauen beim Provozieren eines Streites vorne liegen. Ich setze eins drauf: Wenn eine Beziehung zu “harmonisch” ist, also irgendwie kurz vorm “Einschlafen” der Beziehung, dann setzt beim Weibchen ein von der Natur angelegtes Programm ein: Es streitet. Hierbei geht es zunächst verbal aggressiv gegen das Männchen vor. Reagiert dieses nicht, schlägt es auch gerne mit den Fäusten auf das Männchen ein oder kratzt es mit seinen langen blutrot bemalten Krallen. Im Idealfall geht das in eine von beiden Seiten verbal und körperlich aggressiv geführten Auseinandersetzung über, die am Ende im Bett mit dem Vollzug des Geschlechtsverkehrs endet. Fälschlicherweise wird das oft als “Versöhnungsgeschlechtsverkehr” bezeichnet. Mit Versöhnungswillen hat das allerdings nix zu tun - die beiden sind nach vorherigen Anstrengungen “scharf” aufeinander. Gewalt macht geil. Gewalt ist das zweitstärkste Aphrodisiakum. Der Geschlechtsverkehr ist übrigens nach Freud ein sadomasochistischer Akt. Also, so ganz harmlos geht’s da auch nicht zu; fragen Sie mal Ihre Kinder, die ganz aufgeregt ins Schlafzimmer gestürzt kommen, nachdem sie Geräusche gehört zu haben glaubten, als würde Papi die Mami abmurksen. Übrigens: Auch Alice Schwarzer kennt Gewalt in der Beziehung. Wie sie selbst sagte, hat sie früher die Männer geschlagen, mit denen sie in Beziehung lebte, allerdings nur solche, bei denen sie sich sicher war, dass sie nicht zurückschlagen. Es wäre besser für ihre Entwicklung gewesen, sie hätte es auch mal bei den anderen probiert.

Ilona Grimm / 19.06.2022

Mein Mann lebte als Student eine Weile in einer Mietskaserne in München. Mit Vergnügen erzählte er von der Familie, die nebenan wohnte. Jeden Samstag, wenn der Familienvater (betrunken) nach Hause kam, gab’s Dresche. Nicht er vermöbelte sie, sondern umgekehrt, was das ganze Haus mitbekam. Jeden Samstag! Das ist auch ein geregeltes Leben. - - Die Statistik kann und will ich nicht beurteilen. Ich denke aber, Frauen können sehr wohl ebenfalls gewalttätig sein, trotz geringerer Muskelmasse. Es gibt ja subtile Formen von Gewalt, wie wir sie alle im Covidzän am eigenen Leib erleben. Der eine schüttelt das Leiden ab, der andere geht daran zugrunde. - - Tatsache ist aber, dass es sehr gefährlich ist, eine Frau zu sein. Immer dann nämlich, wenn sie allein unterwegs ist und ihr grinsende „Männer“ mit „gebräuntem Teint“ breitbeinig entgegenkommen oder ihr an unübersichtlichen Stellen des Weges auflauern. Mich hat diese Gefahr, von der ich täglich bei „politikversagen.net“ lese, verändert und mein vormals überwiegend unbeschwertes Leben seit 2015 nachhaltig vergällt.

Dr. med. Jesko Matthes / 19.06.2022

Also, ich glaube alles Feministische sofort: Die Welt ist ja auch durch Frau Merkel und Frau von der Leyen und Frau Lagarde viel multilateraler und friedlicher geworden.

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