Volker Seitz / 30.09.2020 / 16:00 / Foto: Zenman / 4 / Seite ausdrucken

Währungswechsel in Westafrika verschoben

Der französische Präsident Macron verkündete kurz vor Weihnachten 2019, dass sich 2020 acht westafrikanische Länder vom Franc CFA verabschieden wollen: Cote d'Ivoire, Benin, Burkina Faso, Guinea Bissau, Mali, Niger, Senegal und Togo. Der „Eco“ sollte 2020 eingeführt werden und sollte nach dem Euro „die größte Gemeinschaftswährung weltweit“ werden. Die Bindung an die Euro-Währung bliebe erhalten. Die Ex-Kolonialmacht Frankreich werde sich aus den Gremien der gemeinsamen Währung zurückziehen.

Ich wurde damals öfter um einen Kommentar gebeten. Zwar bin ich kein Ökonom, aber ich kenne mich ein bisschen in Westafrika aus. Und ich hatte mehr Fragen als Antworten:

„Der Eco ist erst einmal ein großer Plan, der angeblich schon 2020 eingeführt werden soll. Ich sehe bislang nicht mehr als eine politische Willensbekundung.

Macht es ökonomisch und währungspolitisch überhaupt einen Sinn, so unterschiedliche Länder wie die ECOWAS-Länder (Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft) in eine gemeinsame Währungsunion zu stecken? Welche ECOWAS Zentralbank soll das koordinieren? Wie unabhängig wird die Zentralbank sein? Muss bei einer gemeinsamen Währung nicht ein freier Kapital- und Warenverkehr eingeführt werden? (Ohne ein Zusammenwachsen des Wirtschaftsraums verpufft die positive Wirkung einer Gemeinschaftswährung. Der intra-regionale Handel der ECOWAS konnte in den letzten 40 Jahren nur wenig erhöht werden. Nach meinen Informationen stagniert er bei ca. 20 Prozent). Kann man eine Einheitswährung einführen, wenn man nicht Steuer-, Industrie-, Handels- und Arbeitspolitik vereinheitlicht? 

Die Regionalmacht Nigeria will sich – wenn überhaupt – dem ECO nur anschließen, wenn die übrigen Partner Budgetdefizit, Staatsschulden und Inflation eingrenzen. Ghana will nicht, dass der ECO an den Euro gekoppelt wird, und Nigeria fordert, dass die ehemaligen französischen Kolonien alle finanziellen Beziehungen zu Paris abbrechen.

Ich halte das Projekt nach meinen langjährigen Erfahrungen in afrikanischen Ländern für unrealistisch. Es gab schon öfter derartige gescheiterte Versuche."

Eine Verschiebung um fünf Jahre sei realistisch

Leider habe ich recht behalten, wenn auch Covid-19 als Grund für die Verschiebung herhalten muss. Der Präsident der Cote d'Ivoire, Alassane Ouattara, sagte Ende September 2020, die Coronavirus-Pandemie habe das Projekt zur Einführung der neuen Währung in diesem Jahr zum Scheitern gebracht. Eine Verschiebung um fünf Jahre sei realistisch.

Ich erinnere an meinen Achgut.com-Artikel „Armut im frankophonen Afrika: Ist die Währung schuld?“ vom 24.9.2019. Dort zitiere ich eben diesen Alassane Ouattara, der sich in einem Interview mit der französischen Zeitschrift Jeune Afrique äußerte (Nr. 2995 vom 3.-9. Juni 2018, S. 25): „Le franc CFA est une monnaie solide, adaptée aux besoins des pays qui l’utilisent. Sinon, ils y auraient renoncé depuis longtemps. Maintenant, des réformes s’imposent, auxquelles nous sommes en train de réfléchir sereinement.“ (Der CFA-Franc ist eine stabile Währung, geeignet für die Länder, die ihn nutzen. Andernfalls hätten sie ihn schon längst aufgegeben. Jetzt sind Reformen nötig, über die wir unvoreingenommen nachdenken.) 

 

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe erschien im September 2018. Drei Nachauflagen folgten 2019 und 2020. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

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Leserpost

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N.Lehmann / 30.09.2020

Diese interessanten Ausführungen verwundern mich doch sehr?! Nigeria wird sich sicher intensiv mit der Erfolgs-währung Euro befasst haben und ist froh das es Covid für alles gibt. Vielleicht ist der von unseren Politidioten propagierte wirtschaftliche Nutzen eine Milch-mädchenrechnung, damit der Steuerzahler beruhigt weiter schlafen kann und natürlich nicht in Badehose zum nächsten Wechselbüro gehen muss, so sagte das unser di..er König damals. Wenn die Kaiserin gerade erfolgreich die Wirtschaft schleift, dann bleibt für den lustigen August noch das kurze Hemd. Die Deutschen als Weltzahler lieben sich!

Wilfried Cremer / 30.09.2020

Große Staatsgebilde wachsen und gedeihen mit dem Ausbau von Verkehrswegen (s. altes China, Rom etc.). Der Gedanke ist für Afrikaner scheinbar kolonial kontaminiert.

Wolfgang Kaufmann / 30.09.2020

Unter dem Strich habe ich die Vermutung, dass die enge Bindung an Frankreich dafür sorgt, dass Frankreich für fast 200 Millionen Menschen den großen Macker heraushängen kann und Wirtschaftssysteme stützt, die auf sich allein gestellt sowie mit sauberer Bilanzierung sofort einstürzen würden. Vor dem Euro sicherlich auf Kosten des Französischen Franc, aber inzwischen natürlich auf Kosten Deutschlands. Die verdeckten Gelder aus krummen Geschäften mit Diamanten und anderen Bodenschätzen bleiben natürlich in Paris hängen. – Frankreich ist seit langem der kranke Mann der europäischen Wirtschaft, doch aus politischen Gründen durfte man nicht laut sagen, dass Paris ganz systematisch eine Beggar-your-Neighbor-Policy fährt. Erst seitdem Frau Merkel die deutsch-französische Freundschaft an die Wand gefahren hat und auch die Franzosen selber nur noch ein geringes Interesse an Deutschland haben, wird offensichtlich, wie weit die überbordenden Sozialleistungen und globalen Ambitionen der Grande Nation am Tropf der deutschen Produktivität hängen. Die lateinischen Bürger werden immer reicher und die Bürger der Nordländer immer ärmer. Le boche paiera.

Christian Sporer / 30.09.2020

Herr Seitz, ich verstehe nicht ganz was der Unterschied zwischen Eco und CFA wäre wenn beide an den Euro gebunden bleiben? Oder will man die Bindung des CFA an den EUR aufgeben? Und was wären die Folgen für Exporteure aus dem Euroraum in die Eco Zone? Oder geht es nur um eine Vereinheitlichung der BEAC BCAO Zonen?

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