In Zeiten der Wohnungsnot sollen ältere Eigentümer auch durch entsprechende Medienberichte dazu überredet werden, zugunsten junger Familien ihre Häuser zu verkaufen. Dass sie dabei vor allem nur draufzahlen, wird übersehen. Zum Beispiel neulich beim SWR.
Am 20. Dezember 2023 veröffentlichte Achgut meinen Artikel, der sich mit der Frage beschäftigte, welche Folgen es hat, wenn alte Hauseigentümer ihr Eigentum zugunsten junger Familien aufgeben und in kleinere Wohnungen ziehen. Jener Beitrag betraf nicht so sehr den Aspekt der Wohnraum-„Gerechtigkeit“, sondern primär die finanziellen Folgen einer Weitergabe von alten Immobilien an junge Familien. Hingewiesen wurde im Text auf die erheblichen Vorteile, die dem Staat durch Windfallprofits bei der Steuer erwachsen.
Zur gleichen Thematik erschien am 19. Dezember 2023 ein Beitrag beim SWR, dieser jedoch mit eher sozialem Schwerpunkt. Das Team der „SWR-Reporter:innen“ betrachtete ebenfalls diesen durchaus denkbaren Lösungsansatz, Alt (ehemals große Wohnung) gegen Jung (ab jetzt große Wohnung) zu tauschen. Inbegriffen war auch der Wohnungstausch bei Mietern.
Geschildert wurde beispielsweise die Situation eines Ehepaares („Rentner:innen“), das sein Haus verkauft und in ein Miet-Wohnprojekt zieht. Diese erhoffen sich für das alte Haus mit 2.000 m² Grundstück einen Verkaufspreis von 500.000 Euro, den sie dann zukünftig gegen eine Monatsmiete von derzeit mehr als 1.300 Euro auflösen müssen; jährlich also etwa 19.000 Euro. Gleichzeitig wird der Verkaufspreis, wenn er aufs Sparkonto kommt, mit Kapitalertragssteuer besteuert werden (halbe Million bei 3 Prozent Zinsen anfänglich ergibt jährlich 3.750 Euro Steuerlast).
Wer findet so etwas sinnvoll?
In geschätzten runden Zahlen bedeutet das, dass der Verkaufspreis jährlich mit fast 25.000 Euro (neue Belastung durch Miete plus Quellensteuer) aufgefressen werden wird, wodurch (ebenfalls ohne Zinseszins geschätzt) das Kapital in 20 bis 25 Jahren verbraucht sein wird. Das selbstbewohnte Eigenheim hingegen würde seinen Wert behalten, ohne Mietausgaben zu verursachen. Wer findet so etwas sinnvoll? Diese mit dem Wechsel verbundene Kapitalvernichtung wird nicht erwähnt. Auf die Frage, wie viele Ausgaben der Käufer für öffentliche Kosten (Grunderwerbsteuer, Notar) aufwenden muss, verzichtet der Bericht.
Ein anderes Paar entscheidet sich dafür, die 200 m² große Wohnung zu teilen und einen Mieter in einer nachträglich geschaffenen Einliegerwohnung mit circa 80 m² aufzunehmen. Dass anschließend dann progressiv-aufgepimpte Einkommensteuer gezahlt werden muss, verschweigt der Bericht (wobei man gleichzeitig sagen muss, dass Werbungskosten für den Umbau geltend gemacht werden).
Die genannten Investitionskosten von mehr als 100.000 Euro für die Aufteilung eines Hauses in zwei getrennte Wohnungen werden sich vermutlich nicht rentieren und zudem spätere Verkaufsverhandlungen deutlich erschweren, denn welche junge Familie mit Platzbedarf wird sich im eigenen Gebäude einschränken wollen, um fremde Leute in einem Teil des eigenen neuen Hauses wohnen zu haben? Die werden doch lieber gleich kleiner und damit billiger kaufen, zumal sie dann keinen Mieter betreuen und die Einnahmen der Miete zusätzlich versteuern müssten.
Dieser Umbau wird nach der Darstellung des SWR von einer Architektin betreut, die zu diesem Zweck beschäftigt wird. Träger ist die „Energieagentur Freiburg“, die unter anderem von der Stadt Freiburg und der EU finanziert wird, also durch Steuern. Das beispielhaft dokumentierte Projekt ist das einzige, welches nach 22 Beratungen verwirklicht wird – 95 Prozent der Bemühungen waren mithin vergebens.
„Nehmen die Alten den Jungen den Wohnraum weg?“
Ein weiteres Beispiel liefert ein Senior, der seinen Wohnraumbedarf vorbildlich gesenkt hat. Für die räumliche Einschränkung hat er eine Lösung gefunden. „Wenige Kilometer entfernt“ von seiner neuen Wohnung hat er noch einen Lagerraum angemietet.
Auch hier wird der zusätzliche Aufwand durch Miete des Lagerraums und Trennung von Wohn- und dem räumlich getrennten Nutzraum nicht erkennbar beschrieben. Die Analogie, dass junge große Familien ebenso einen Lagerraum in einigen Kilometern Entfernung nutzen könnten, um Freizeitgerät und so weiter außerhalb einer zu kleinen Wohnung zu lagern, wird nicht aufgegriffen. Warum auch, wenn die Abstrusität offenkundig ist?
Bei der Vorbereitung der „Story“ wird man einen (hoffentlich neutralen) Arbeitstitel gewählt haben. Dieser wird dann nach Abschluss der Nachforschungen in einen knackigen Titel geändert worden sein, damit sich das Fazit der Erkenntnisse der „Reporter:Innen“ publikumswirksam widerspiegelt.
Der Titel der Reportage nach Abschluss der journalistischen Fleißarbeit lautet: „Raus aus dem Haus!“, Ausrufezeichen inbegriffen. Das Fazit, welches der öffentliche Rundfunk seinen Konsumenten präsentiert, ist damit klar. Versöhnlicher ist der Untertitel „Nehmen die Alten den Jungen den Wohnraum weg?“, wobei zwei Fragen auftauchen.
Eine totgeborene Idee
Erstens ist die Fragestellung im Untertitel logisch vollkommener Unsinn, weil die Quintessenz bereits eindeutig der Schlagzeile zu entnehmen war; die untergeordnete Fragestellung mit „nein“ zu beantworten, würde der Überschrift widersprechen.
Zweitens nehmen die sogenannten Alten mit Eigentum niemandem irgendwelchen Miet-Wohnraum weg. Im Gegenteil gehört ihnen das Verdienst, bereits langjährig für ihren Wohnraum gesorgt zu haben, wenn auch beschränkt auf das eigene Wohl. Wenn die Alten ihren Wohnraum verringern sollen, damit die Jungen mehr Platz bekommen, dann wird vielmehr einerseits den Alten Wohnraum entzogen und andererseits der Mietmarkt mit jedem suchenden Senior stärker belastet werden.
Das mag sinnvoll sein, moralisch geboten oder einfach ein netter Zug der Oldies, aber dennoch ist der Untertitel vollkommen irreführend, denn der Verlust an Platz belastet die Alten, während die Jungen von einem unverdienten Zugewinn profitieren würden. Der Wechsel von Mietern großer Wohnungen in kleinere Wohnungen entlastet ebenfalls nicht, er verschiebt lediglich. Und ein Alter in einer kleineren Wohnung nimmt einem Single den kleineren und damit erschwinglicheren Wohnraum weg – ein Nullsummenspiel. Journalismus kann so einfach sein, wenn das Ergebnis schon von Anfang an festgelegt ist.
Wirkliche Abhilfe schaffte nur der Tod der Alten und die folgende Belegung großer Wohnungen durch vielköpfige Familien, um es brutal zu sagen. Oder aber die Bereitschaft der Alten, ihr Erspartes in neu geschaffenen Wohnraum zu investieren, was sich aber derzeit aus verschiedenen wirtschaftlichen, rechtlichen und zuletzt auch politisch geschaffenen Gründen nicht lohnt.
Wer sich für die Meinung des Volks interessiert – vielleicht die Politik –, der sollte die Kommentare unter der beschriebenen Reportage lesen. Die betroffenen Alten scheinen für die dargestellte Art der Problemlösung der Wohnungskrise kein Verständnis zu haben. Damit wäre derzeit jeder Euro und jede politische Initiative zugunsten eines solchen Lösungsvorschlags eine totgeborene Idee und die Werbung dafür Geldverschwendung. Insofern vermittelt der Inhalt der Reportage immerhin doch Erkenntnisse.
Rainer Mohr, Diplom-Verwaltungswirt, arbeitete 30 Jahre lang in der niedersächsischen Kommunalverwaltung, unter anderem als stellvertretender Behördenleiter. Aktuell ist er als selbstständige Aushilfskraft im Öffentlichen Dienst tätig.
Beitragsbild: Pixabay
@A.Lisboa
Keine Sorge! Man braucht einen Führerschein für das Wohnmobil! Und den bekommt man über 60 dann nur noch verlängert zu Konditionen, die die (vor allem körperlich) abgearbeiteten über 60-Jährigen dann nicht mehr erfüllen können. Das wäre doch gelacht – im Alter mobil sein dürfen, um dem Wahnsinn zu entrinnen? Was erlauben Bürger?
Rentner*innen? Was ist mit den Rentner*außen? Vorsicht: Diskriminierungsgefahr! Dasselbe gilt für die Reporter…
Die großangelegten Corona-Spritzen- und die aktuellen Boosterkampagnen mit der hierdurch verursachten Übersterblichkeit sollten doch – beabsichtigt? – Wohnraum für die grün-linke Klientel freimachen.
Steuerliche Abschreibung, Hamburg, mindestens 1 Millionen Quadratmeter Leerstand von Gewerbeimmobilien. Nun konnten sie nicht alle durch die Spritze töten aber die Erbschafssteuer ordendlich anheben. Und nun versuchen sie mit infantilem Geplapper und Überredungskunst für die Umvolkung, die eindeutig europaweit stattfindet. Der Startschuss war damals als der Allianz Chef der lieber in Waffengechäften (Hermes) investiert, sagte „Die Überalterung ist schlimmer als der Klimawandel“. Beides verkehrt und restlos gelogen. Siehe Prof. Mathematiker Bosbach „Lügen mit Zahlen. Wie wir mit Statistiken manipuliert werden“ zum Thema Überalterung. Seit ca. 1996 ist es bekannt das nicht nur der Hochwasserschutz auch Schleusen etcpp. marode ist. Und aktuell plappern sie wieder und wollen Geld für Fahrradwege in Peru. Oder das hier „Vietnam Naturbasierte Lösungen für Anpassung in der Landwirtschaft durch Transformation des Privatsektors (VN-ADAPT) Programm Schutz und I“, „Urban-Act: Integrierte städtische Klimaschutzmaßnahmen für kohlenstoffarme und widerstandsfähige Städt China, Indonesien, Indien, Phillipinen, Thailand“ alles einzig für die Hochfinanz, Börse. Siehe Bundestagsdrucksache 13.12.2023 20/9176. Schwerverbrecher sind es. P.S. Indonesien ordert lieber Panzer als Löschfahrzeuge.
Würde man die idiotische Häuslebauerromantik ad acta legen und rein ökonomisch argumentieren, dann gäbe es auf einem Wohnungsmarkt im Gleichgewicht sehr wohl Gründe, im Alter eine große Wohnung aufzugeben. Denn auf einem Markt im Gleichgewicht, wäre die kleinere Wohnung entweder günstiger oder böte einen besseren Ausstattungsstandard.
Gleichzeitig ist die Behauptung der Nullkosten für selbst bewohnte Eigentumswohnungen nicht richtig, da zum Werterhalt auf einem ausgeglichenen Markt Investitionen in die Instandhaltung nötig wären. Der Werterhalt trotz Verschleiß ist der fortschreitenden Preisexplosion geschuldet, die gleichzeitig das Haupthindernis eines Umzugs darstellt.
Das Problem ist durch die Politik verursacht, die Wohnraum künstlich verknappt. Das müsste nicht sein, durch die Freigabe von Bauflächen, die Entbürokratisierung des Bauprozesses und die drastische Reduzierung der ideologisch aufgeladenen Bauvorschriften, ließe sich schnell viel Wohnraum schaffen, wie man dies in den 70er Jahren in ganz Europa geschafft hat.
Doch da man – sowohl links wie rechts – eine absurde Häuslebauerromantik vergleichbar der eskapistisch-historizistischen Verklärung der Geschichte im 19. Jahrhundert als Gegenbewegung zur industriellen Moderne praktiziert, ist man nicht in der Lage, reale Nachfragesituationen konstruktiv zu kanalisieren und damit eine effiziente Ressourcenallokation am Markt zu ermöglichen.
Letztlich wird die Demografie das Problem lösen.
@J. Harms
Hervorragender Kommentar.
Ein Senior hat also seinen „Wohnraumbedarf vorbildlich gesenkt“.
Geht’s noch? Entscheidet der Autor darüber, was „vorbildlich“ ist? Schreiberlinge wie auch der grün-rote Werbefunk schreiben und sprechen über uns Alte, als wären wir gar nicht da, oder schon in Demenz versunken. Die Alten haben mit Abstand am meisten geleistet für dieses Land, und mit was müssen sie im Alter fertig werden? Mit fast den miesesten Renten in Europa, der längsten Lebensarbeitszeit, unbezahlbaren Alters- und Pflegeheime, und zum Schluss bekommen wir noch die Verachtung der jungen, ach so eloquenten Idioten zu spueren, die nur zu überlegen scheinen, wie man diese alten Trottel am leichtesten um ihr Eigentum bringen kann. Von verwahrlosten Politikern und ihren Hilfstruppen dürfen wir uns nicht beeindrucken lassen. Und an den Autor: Warum nicht mal einen Artikel über einen der größten Skandale der letzten Jahrzehnte: Die himmelschreitende Ungerechtigkeit zwischen Renten und Pensionen!
Und ich vergass: Der Islam gehört nicht zu Deutschland.
Immer sind die Alten Leute an allem schuld. Sie wohnen zu groß, die Vergreisung ist an allem Schuld.
Ich bin echt alt, wohne in den Niederlanden , und habe eine sehr grosse soziale Wohnung. Zum Glück kommt man bei uns nicht mit so dummen Vorschlägen. Wenn ich nicht genug Einkommen habe, bekomme ich Mietzuschläge. Ich fühle mich sehr wohl ,da ich auch liebe Nachbarn habe.