Tesla darf roden, Storck nicht

Der „Hambi“ und der „Danni“ sind wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch jetzt gibt es den „Steini“. So heißt ein bisher namensloses Waldstück im westfälischen Halle, in dem das Süßwarenunternehmen Storck, das einstweilen noch in Deutschland produziert, auf 23 Hektar die Erweiterung seines Traditionsstandortes plant. Dafür soll nach jahrelanger Planung und Abwägung aller möglichen Interessen ein Waldstück, eingeklemmt zwischen Industriegebiet, Wohnsiedlungen und Autobahn, gerodet werden. Außerdem ist vorgesehen, einen kleinen Bach zu verlegen – alles Ökoverbrechen der schlimmsten Art, wogegen sich ein „breites“ Bündnis von Umwelt- und Waldschützern formiert hat. Aktivisten, die zum Teil vom inzwischen für den Weiterbau einer Autobahn abgeholzten „Danni“ herübergemacht hatten, besetzten kurzerhand den Wald, den sie „Steini“ tauften, nach dem Steinhausener Weg, der an ihm vorbeiführt.

Ein Bruder im Geiste der taz telefonierte mit den „Naturschützer:innen“ und fand heraus, dass 40 bis 50 von ihnen „vor Ort“ seien, darunter auch ein pensionierter Arzt namens Thomas Müller-Schwefe, der als Sprachrohr der radikalen Weltenrettergruppe „Extinction Rebellion“ fungiere. Es gebe Plattformen in den Bäumen, Tripods (Panzersperren nachempfundene Elemente aus drei oben zusammengebundenen Baumstämmen), weitere Blockaden sowie eine Mahnwache der Fridays for Future (FFF) an der angrenzenden Landstraße. Müller-Schwefe sprach von der Klimakatastrophe, die „riesige Fichtenbestände in Ostwestfalen“ vernichtet hätte und dass man sich „die Zerstörung eines gesunden Mischwaldes einfach nicht mehr leisten“ könne. Soweit die Situationsbeschreibung von der Front der selbsternannten Stadtguerilla.

Doppelgesichtigkeit der Umwelt- und Klimaschützer

Die Manager von Storck, die wahrscheinlich befürchten, dass ihr beliebtes Naschwerk („Toffifee“, „Merci“, „Knoppers“) demnächst Opfer eine bundesweiten Boykottaktion werden könnte, knickten schnell ein und verzichteten im Einvernehmen mit Halles Bürgermeister Thomas Tappe (CDU) bis auf weiteres darauf, das künftige Baugelände räumen zu lassen. Damit dürfte, so freute sich die taz, die Abholzung für die nächsten Monate „vom Tisch“ sein. Ab Anfang März können nämlich wegen des Beginns der Brutsaison keine Baumfällungen vorgenommen werden.

Auch die US-Firma Tesla hatte vor einem Jahr Druck gemacht, damit ein ungleich größeres Kiefernareal in Grünheide bei Berlin für den Bau einer riesigen Elektroautofabrik gerodet werden konnte, ebenfalls vor Beginn der Brutsaison. Damals gab es zwar auch Proteste, doch die kamen von unerwünschter Seite wie dem Energiewende-kritischen Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) und wurden von Politikern und Mainstream-Ökos wie dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) gnadenlos niedergemacht (Anm.d.Red.: Der BUND betont sogar, dass das betroffene Waldstück nicht besonders wertvoll sei. Siehe auch hier). Auch die wackeren Wald- und Klimaschützer von Extinction Rebellion und FFF ließen sich nicht blicken, gilt doch Tesla als Vorzeigeunternehmen der „Verkehrswende“ und dessen Gründer Elon Musk als Lichtgestalt der internationalen Ökoszene, wobei die Liebe unterdessen etwas abgekühlt sein mag: Musk hatte sich jüngst für Kernkraft stark gemacht.

Die Doppelgesichtigkeit der Umwelt- und Klimaschützer zeigt sich immer auch dann, wenn Waldgebiete für Windkraftwerke gerodet werden sollen. Auch hier halten sich BUND, NABU und Grüne auffällig zurück, selbst wenn wie im oberhessischen Reinhardswald ein wahres Schmuckstück der Energiewende geopfert werden soll, eine noch völlig unzerschnittene, ökologisch, historisch und landschaftsästhetisch hoch bedeutsame Region, gegen die „Hambi“, „Danni“ und „Steini“ nur vergleichsweise unbedeutende Ansammlungen größerer Bäume sind.

Persönliche Betroffenheit schärft den Verstand

Das gilt auch für einen nicht besonders wertvollen Staatsforst nahe Weiden in der bayerischen Oberpfalz, wo die Stadt ein neues Gewerbegebiet entwickeln wollte. Dagegen strengten Umweltverbände im Verbund mit den Grünen sogar ein Bürgerbegehren an, das am Ende erfolgreich war. Ludwig Hartmann, Grünen-Fraktionschef im bayerischen Landtag, jubilierte: „Unser Klimawald ist ihr (der Bevölkerung) ein hohes Gut, sie ist nicht bereit, ihn für oft zu viel ausufernde Gewerbegebiete zu opfern.“ Der Rodung des Klimawaldes durch die Firma Tesla in Brandenburg – fünfmal so groß wie der in Weiden – hatte die Ökopartei zugestimmt.

In Sachen „Steini“ war die Ratsfraktion der Grünen im westfälischen Halle laut taz gespalten, schließlich ist Storck mit rund 3.200 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber vor Ort. Und es ist nicht auszuschließen, dass sich unter den betreffenden Lokalpolitikern auch Liebhaber von Toffifee, Merci und Knoppers finden. Manchmal schärft eben persönliche Betroffenheit den Verstand, was man bei den Aktivisten vor Ort, die sich wohl lieber an veganem Studentenfutter laben, nicht beobachten kann.

Sie beriefen sich dreist auf ein persönliches Widerstandsrecht, was das „Westfalen-Blatt“ zu einem harschen Kommentar animierte: „Über Einzelheiten mag man ja weiter streiten. Aber wenn man sieht, was junge Menschen teilweise von demokratischen Prozessen halten, kann einem vor dem Hintergrund weltweiter Bedrohungen für die Demokratie angst und bange werden.“

Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht auf dem Umwelt-Watchblog des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB).

Foto: Bundesarchiv/ Mehmet Sonal CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Heiko Stadler / 01.03.2021

Wenn dann mal das Merkelregime kollabiert ist, könnte man ja auf der Bauruine des Elektromurks-Werkes einen dringend benötigten Dual-Fluid-Reaktor bauen.

Rainer Hanisch / 01.03.2021

Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht das selbe (altes deutsches Sprichwort)! Und das “Bürgerbegehren” wird wie gewünscht ausfallen! Sicher. Dank der Denkfaulheit der Deutschen und der jahrzehntelangen Gehirnwäsche. Wälder können bedenkenlos hektarweise gerodet werden, Hauptsache, es dient der grünen Ideologie! Sinnhaftigkeit spielt da keine Rolle. Möglicherweise hat Storck aber auch die falschen Lobbyisten?

Engelbert Gartner / 01.03.2021

Es gibt doch für die Fa. Storck (  auch für ander deutschen Firmen ) einfache Lösungsmöglichkeiten. Von Halle bis nach Stubice in Polen sind es doch nur 240 km. Einfach den Bau des neuen Werkes in Halle absagen und in Stubice anfragen . Damit könnte man 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen. Alle wären zufrieden:  Die Waldschützer in Deutschland, die den Wald geschützt haben, und die Menschen in Stubice über neue Arbeitsplätze.

Gudrun Meyer / 01.03.2021

Der Reinhardtswald (naturnah, also mit lokalen Insektenarten, die es nicht mehr gibt) lag in einem Schwachwindgebiet. Und weil es da kaum je weht, sind die Zulagen für den die Windräderversammlung besonders hoch. Das muss nicht jeder stimmig finden. es überzeugt jedoch Grüne, FFF, XR usw. usw. Und weil diese Vereine ja der Demos sind, ist ihre Machtausübung auch ganz besonders demokratisch.

Claudius Pappe / 01.03.2021

Steini darf ( nicht) sterben

Claudius Pappe / 01.03.2021

Wetten das ? Storck demnächst in Polen, Ungarn oder Tschechien produziert ? Ich würde es so machen ! Bei mir in der Stadt wird viel Gewerbegebiet frei, zwei stahlverarbeitende Firmen mit ca. 700 Mitarbeitern befinden sich in der Insolvenz.

Marcel Seiler / 01.03.2021

Telsa ist eben “gut” und darf deshalb roden, ebenso wie Windräder alles dürfen und “Freitags für Zukunft”. Ebenso dürfen die Linken Menschen verprügeln, weil es ja für “das Gute” ist. Da sagt nicht einmal ein Bischof etwas. Das Recht ist dem Linkspopulismus gewichen. Es wird noch schlimmer werden. Wer kann, baut sich eine Basis im Ausland.

Arthur Dent / 01.03.2021

Wie sagte Ekel Alfred (die Grünen gab es damals noch nicht): “Der Sozi ist nicht grundsätzlich dumm, er hat nur sehr viel Pech beim Nachdenken”

Andreas Zöller / 01.03.2021

Wenn schon, dann aber auch richtig blöd: “Stoney”

W. Hoffmann / 01.03.2021

Es geht den Grünlinken doch gar nicht um Natur- oder Umweltschutz. Hier soll der Staat unterminiert und schließlich abgeschafft werden. Eines allerdings fehlt bei denen immer: ein Konzept, wie es nach ihrer Zerstörung weitergehen soll. Wie man hört, setzt sich der Genuss von Schokolade langsam auch in China durch. Die haben einen Plan…

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