Interview / 25.09.2019 / 12:00 / Foto: Achgut.com / 24 / Seite ausdrucken

Steckt der Antisemitismus in der christlichen DNA?

Der Judaist und Talmudgelehrte Hyam Maccoby (1924–2004) wirkte zu Lebzeiten als Bibliothekar am Leo Baeck College in London sowie als Professor für Judaistik an der Universität Leeds. Seine Forschung befasste sich vor allem mit Formen des alten und neuen Antisemitismus. Dieser im englischen Sprachraum bekannte Gelehrte ist in Deutschland nahezu unbekannt. Peter Gorenflos hat im Hentrich & Hentrich – Verlag Hyam Maccobys Ein Pariavolk. Zur Anthropologie des Antisemitismus erstmals auf Deutsch heruasgegeben. Dieser Band bildet den Auftakt einer Trilogie, deren weitere zwei Teile 2020 erscheinen werden.

Peter Gorenflos spricht im Interview über Maccobys hellsichtige Analyse des christlichen Antisemitismus und beantwortet die Fragen, warum Judenfeindlichkeit größtenteils eine christliche und muslimische Spezialität ist und worin sich der Pariastatus der Juden von dem der Unberührbaren des indischen Kastensystems unterscheidet. Das Gespräch führte Ulrike Stockmann.

Ulrike Stockmann: Herr Gorenflos, Sie haben Hyam Maccobys „Ein Pariavolk. Zur Anthropologie des Antisemitismus“ kürzlich erstmals auf Deutsch herausgebracht. Das englische Original erschien bereits 1996. Wie kamen Sie darauf, dieses Buch neu zu veröffentlichen und warum ausgerechnet jetzt?

Peter Gorenflos: Ende der 1990er Jahre hatte ich von Maccoby „Jesus und der Jüdische Freiheitskampf“ und „Der Heilige Henker“ gelesen. Diese Bücher waren echte „Augenöffner“, man versteht plötzlich, wie das Christentum entstanden ist, wie es sich entwickelt hat, aber auch, dass Jesus gar nicht der Gründer dieser Religion ist, sondern Paulus. Maccoby ist ja im angelsächsischen Raum vor allem durch sein Theaterstück „The Disputation“ bekannt geworden, aber im überwiegend katholischen Kontinental-Europa ist er tabu.

Auch die drei anderen Werke sind erst mit erheblicher Verzögerung in der Bundesrepublik erschienen und nur bei kleinen Verlagen. Maccoby entmythologisiert das Christentum und stellt es auf seine historischen Beine. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei Nora Pester bedanken, in deren Verlag (Hentrich & Hentrich) „Ein Pariavolk“ veröffentlicht wurde und bei Wolfdietrich Müller für die ausgezeichnete Übersetzung dieses sicher nicht einfachen Textes. Geplant ist übrigens eine Antisemitismus-Trilogie mit Band 2 im Januar 2020 und Band 3 für Herbst 2020.

In Ihrem Vorwort und auch im Text von Maccoby fungiert Paulus als Dreh- und Angelpunkt des christlichen Antisemitismus. Woraus speist sich diese Betrachtung?

Maccoby macht durch seine kritische Analyse der Evangelien klar, dass Jesus ein jüdischer Widerstandskämpfer mit messianischem Anspruch war, Anhänger der Pharisäer-Bewegung (politisch-religiöse Strömung des antiken Judentums, Anm. d. Red.), der bei seinem Kampf gegen die römische Besatzung verhaftet und gekreuzigt wurde, wie das bei den Römern üblich war, wenn jemand deren Machtanspruch in Frage stellte. Maccoby zeigt, dass Paulus, der eigentliche „Erfinder“ des Christentums, mit dem Judentum nur oberflächlich vertraut war, dass er keineswegs ein „Pharisäer der Pharisäer“ war, wie er selbst von sich behauptete. Er kam aus Tarsus in Kleinasien, das keine Hochburg des Pharisäertums war. Dort standen die Mysterienkulte im religiösen Mittelpunkt und genau in diesem Sinne deutet Paulus das Leben und Sterben von Jesus um. Bei ihm wird Jesus zu einem geopferten Gott wie Attis, Adonis, Osiris und viele andere, der für die Gläubigen einen stellvertretenden Sühnetod stirbt und ihre Unsterblichkeit bewirkt.

Blick über den „monotheistischen Tellerrand“ hinaus

Er wird entpolitisiert, hellenisiert, wenn man so mag. Maccoby macht auch auf die zahlreichen Widersprüche im Neuen Testament aufmerksam. Weshalb lehrt und predigt Jesus überhaupt, wenn der Sinn seines Lebens der Sühnetod am Kreuz ist? Weshalb brüstet sich Paulus damit, ein Pharisäer zu sein, womit er sich ja Autorität und Ansehen verleihen will, wenn er deren Bewegung gleichzeitig als legalistisch und heuchlerisch verleumdet? Diese und viele andere Widersprüche sind der Schlüssel zum Verständnis des Neuen Testamentes. Paulus macht zum ersten Mal „die Juden“ verantwortlich für den Tod Jesu, obwohl das historisch natürlich die Römer waren. Damit setzte er den Auftakt zum christlichen Antisemitismus. Aber wirklich virulent wurde der christliche Antisemitismus erst mit den Evangelien, die nach der Zerstörung des Tempels entstanden (70 n. Chr., Anm. d. Red.), während die Paulusbriefe vor diesem einschneidenden Ereignis geschrieben wurden. Das paulinische Christentum hat dieses Ereignis als Bestrafung der Juden interpretiert, die Jesus nicht als Messias anerkennen wollten.

Wodurch zeichnet sich der christliche Antisemitismus aus?

Der Antisemitismus steckt im Grunde in der christlichen – und etwas weniger zentral in der muslimischen – DNA. Christentum und Islam leiten sich vom Judentum ab und wollen es ersetzen, sind laut Maccoby Usurpationsmythen, die auf Grund ihrer Genese dem Judentum verächtlich bis hasserfüllt gegenüberstehen. Ein Usurpationsmythos ist die Inanspruchnahme der Erzählung einer anderen religiösen Gruppe für eigene Zwecke, bei welcher die Anhänger der usurpierenden Religion die Stellung der usurpierten Religion übernehmen und deren Mitglieder auf einen niederen Status herabstufen. Der christliche Usurpationsmythos ist deswegen so tiefgreifend, weil dessen Gründer Paulus, im Gegensatz zu Mohammed, die gesamte Hebräische Bibel für seinen neuen Bund mit Gott in Anspruch nahm, zur Propädeutik (Vorbildung, Anm. d. Red.) seiner neuen Religion herabstufte und die Juden – als kollektive Prügelknaben – auf das Prokrustes-Bett von Gottesmördern zwang, die das entsetzliche, aber für die Erlösung der Christen notwendige Opfer vollbrachten.

Im christlichen Mittelalter wurde der Mythos vom jüdischen Übel für die jüdische Bevölkerung zur prekären sozialen Realität. Aber auch nach der Französischen Revolution verblieb das Stigma wie ein Instinkt, ein Reflex in den Köpfen und bekam mit der Rassenlehre einen pseudowissenschaftlichen Anstrich. Der von den Kirchen konstruierte Grabenbruch zwischen mittelalterlichem und modernem Antisemitismus ist nur eine Apologie. Will man Judenhass dauerhaft überwinden, dann muss man sich der historischen Rolle des Christentums stellen. Maccoby verweist darauf, dass das Christentum glücklicherweise kein Naturphänomen ist, wie ein Gewitter, sondern ein gesellschaftliches Konstrukt. In „Antisemitism and Modernity“ empfiehlt er eine Art von Psychoanalyse, bei welcher die unbewussten Wurzeln in Mythos, Folklore und Kunst offengelegt werden und dadurch ein rationales Verständnis der langen Geschichte des Judenhasses möglich gemacht wird. Das gilt zumindest für die westliche und muslimische Welt, denn in Hindu-Indien, China oder Japan hat sich aus genannten Gründen Antisemitismus nie entwickelt oder – wenn importiert – nie gehalten. Maccobys Blick über den „monotheistischen Tellerrand“ hinaus, ist sehr aufschlussreich für das Verständnis des Antisemitismus.

Die dämonischen Züge fehlen

In der heutigen Zeit werden vor allem von öffentlicher Seite die Juden gern in Verbindung mit anderen Minderheiten gebracht, die angeblich einer ähnlichen Verfolgung ausgesetzt seien. Hyam Maccoby erklärt jedoch, dass nicht einmal die Unberührbaren im indischen Kasten-System einen ähnlichen Pariastatus wie die Juden innehätten. Woran macht er das fest?

Der entscheidende Unterschied beim Vergleich der jüdischen Bevölkerung im Christentum mit den Unberührbaren Indiens ist deren Selbstverständnis. Die Unberührbaren waren fester Teil des Kastensystems und hatten sich in der Regel mit dem niederen Status abgefunden. Sie wurden in Ruhe gelassen, wenn sie sich an die religiösen Spielregeln hielten. Man träumte vom individuellen Aufstieg im Kastensystem durch Reinkarnation. Die Juden sind von ihrem religiösen Selbstverständnis her das Gegenteil, ein Priestervolk, das die anderen Nationen durch ihr Vorbild aus deren Knechtschaft herausführt. Die Charta des Judentums, wie Malinowski das nannte, ist die eines erfolgreichen Sklavenaufstandes, der Auszug aus Ägypten. Das Elend der Juden im Mittelalter war von außen aufoktroyiert, sie waren subjektiv eher Brahmanen – um bei dem Vergleich zu bleiben – die durch miserable Umstände, mit Gewalt und zeitlich beschränkt zu Parias degradiert wurden.

Wann immer sie die Gelegenheit zum Aufstieg hatten, haben sie diese auch genutzt. Ihr Traum war eher von kollektiver Natur, denn die Tora ist ja auch eine Art früher Gesellschaftsvertrag, was der Aufklärer Rousseau, der ihnen mit Hochachtung begegnete, sofort begriff. Der Unterschied zu anderen Pariagruppen besteht vor allem darin, dass die dämonischen Züge fehlen, welche Christen in geradezu paranoider Weise den Juden unterstellten. Für Paulus, vor allem für die Evangelisten, später für die Kirchenväter, waren Juden die Mörder Christi, Opfervollbringer im Sinne der Mysterienreligionen, den eigentlichen religiösen Wurzeln des Christentums. Diese Opferung, war (und ist!) für die subjektive Erlösung der Christen zwingend erforderlich. Die damit verbundenen Schuldgefühle – man will den Tod des göttlichen Meisters selbst – werden auf „die Juden“ abgeladen. Sie werden zu den kollektiven Prügelknaben. Der christliche Usurpationsmythos ist, anders als der gnostische oder muslimische, vom Typ „Heiliger Henker“, eine fatale, hochexplosive Mischung, die am Anfang einer Entwicklung steht, die im Holocaust kulminierte.

Maccoby bezieht sich in seinen Analysen auch auf die Theorien des bekannten Soziologen Max Weber (1864-1920). Dieser empfindet die Juden als eine Pariakaste, die ihren marginalisierten Status durch ihre separatistische Religion pflegen würde. Maccoby lehnt diesen Standpunkt entschieden ab und hält dagegen, dass die Juden sich niemals freiwillig der Ausgrenzung ausgesetzt hätten. Wie kommt es zu derart entgegengesetzten Standpunkten unter Gelehrten, selbst wenn man berücksichtigt, dass Weber und Maccoby einen Altersunterschied von rund 60 Jahren aufweisen?

Im „Pariavolk“ widmet Hyam Maccoby Max Weber ein ganzes Kapitel und widerlegt ihn eigentlich in jeder Hinsicht. Er zeigt, wie universalistisch das Judentum in Wirklichkeit ist, dass der Vorwurf des Separatismus eher auf das Christentum zutrifft. Auch die Idee vom „Ressentiment“ der Juden durch deren historische Niederlagen wird detailliert widerlegt, denn wann immer der äußere Druck nachließ, nahmen sie begeistert am gesellschaftlichen Leben teil. Gerade dann, wenn sie Webers Idee vom Separatismus und der Rachsucht widerlegen, nach der Französischen Revolution, kippt die gesellschaftliche Stimmung in eine ganz andere Richtung. Jetzt gewinnt der Neid der christlichen Mehrheitsgesellschaft die Oberhand, die Angst vor einer feindlichen Übernahme und der mittelalterliche Antisemitismus bekommt sein „modernes“, rassentheoretisches Gewand. Nach Maccoby gibt Webers Porträt der Juden nur die jahrhundertealte christliche antijüdische Polemik wieder, maskiert in Soziologie. Weber hält auch an der Theorie fest, dass Juden mit zweierlei Maß messen, was – jedenfalls in dieser Form – völlig unhaltbar ist.

Eine Leerformel ohne Wurzeln

Wie betrachtet Maccoby eigentlich den muslimischen Antisemitismus?

In Band 2 der Trilogie, „Der Antisemitismus und die Moderne“, widmet Maccoby diesem Thema ein ganzes Kapitel. Zunächst einmal muss man festhalten, dass der muslimische Antisemitismus bis zur Gründung des Staates Israel weit weniger bösartig war als der christliche. Deshalb haben auch viele Juden aus dem mittelalterlichen Europa Zuflucht in muslimischen Ländern gesucht, sind zum Beispiel nach 1492 aus Spanien ins Osmanische Reich geflohen. Das hängt mit dem speziellen muslimischen Usurpationsmythos zusammen. Man deutet die Akedah (Opferung Isaaks, Anm. d. Red.) um und betrachtet Ismaël statt Isaak als das Opfer, das der Gott zunächst gefordert und dann verhindert hat. Ismaël wurde so nach muslimischer Lesart zum Stammvater der Araber. Mohammed ist kein göttlicher Gründer des Islam und sein Tod wurde nie jüdischen Machenschaften zugeschrieben. Im Islam waren die Juden eine erfolglose, besiegte religiöse Gruppierung, die man eher verachtete, als hasste.

Und wie lautet Maccobys Urteil in Bezug auf asiatische Länder, in denen der Islam und das Christentum nicht tonangebend sind?

Maccoby zeigt uns, wie die Juden im südindischen Kochi jahrhundertelang in wirklicher Freundschaft mit ihren Hindu-Nachbarn lebten und sich der Gunst der Rajas erfreuten. Sie dienten auch im Militär, wo sie am Sabbat von Kampfeinsätzen ausgenommen wurden. Bei allen wichtigen Anlässen wurden jüdische Vertreter zur Teilnahme eingeladen. Ihre Speisevorschriften wurden respektiert. Erst als 1502 die katholischen Portugiesen kamen, begann das Desaster, Synagogen und heilige Bücher wurden verbrannt und es war nur dem Eingreifen und dem Schutz der Rajas zu verdanken, dass sie vor der totalen Katastrophe bewahrt wurden. Das endete erst mit der Ankunft der Holländer 1663, die zwar auch christlich-protestantisch waren, aber zu diesem Zeitpunkt vor allem Repräsentanten der weltlichen Bewegung der Tolerierung waren, die auf die Emanzipation der Juden in Europa hinarbeitete.

In Japan wurde Antisemitismus aus Deutschland importiert durch das Bündnis mit Hitler und Mussolini. So richtig Fuß gefasst hat er dort aber nicht. Es war im Grunde das Konstrukt einer angeblich angestrebten jüdischen Weltherrschaft, das Eindruck in der Bevölkerung machte, weil man in Wahrheit selbst imperialistische Absichten hatte und Südost-Asien unter seine Kontrolle bringen wollte. Antisemitismus bestand dort, sehr moderat, in Form erfolgreicher Unterhaltungsliteratur fort, welche die Machenschaften einer weltweiten jüdischen Verschwörung verbreitete. Und in China gab es durch die Kooperation mit der Sowjetunion einen Antisemitismus, der sich als „zionistischer Imperialismus“ maskierte. Da er dort aber keine wirklichen Wurzeln hat, wurde er eine Leerformel, wie Maccoby erkennt, und wird die weitere politische Entwicklung wahrscheinlich nicht überleben.

Was erhoffen Sie sich als Herausgeber und Maccoby-Experte von der Veröffentlichung?

Das Buch ist ja erst seit Mai auf dem Markt und ich bin selbst gespannt auf die Resonanz. Von den anderen bisher erschienen Maccoby-Büchern ist mir bekannt, dass sie nie die öffentliche Aufmerksamkeit bekamen, die sie eigentlich verdienen. Eine Aufführung seines Stückes „Die Disputation“ in der Bundesrepublik wäre übrigens ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, ein Kontrapunkt zu den Oberammergauer Passionsspielen, die nächstes Jahr wieder stattfinden. Welche Rolle Passionsspiele in der historischen Entwicklung des Antisemitismus spielen, beleuchtet Maccoby im für 2020 geplanten Band 3 der Trilogie, „Judas Ischariot und der Mythos vom Jüdischen Übel“.

„Ein Pariavolk. Zur Anthropologie des Antisemitismus“ von Hyam Maccoby, herausgegeben von Peter Gorenflos, 2019, Hentrich & Hentrich: Berlin, Leipzig, hier bestellbar.

Der Beitrag erschien zuerst in der Jüdischen Rundschau.

Foto: Achgut.com

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Alexander Mazurek / 25.09.2019

“...als aufgeklärter Heide…” - it’s not a bug, it’s a feature?! “Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, dann glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der Propheten - und sie kommen in Scharen.” schrieb einst G. K. Chesterton, Propheten wie Robespierre, Lenin, Stalin, Hitler, Mao, Pol Pot, Club of Rome, Obama/Trudeau/Merkel/Macron und zuletzt Greta beweisen den tiefen und unerschütterlichen Glauben an jeden, seit der “Aufklärung” immer “wissenschaftlichen” Unsinn. Das ist gelebter Darwinismus, denn “Anpassung sichert das Überleben” und erst Recht die Karriere … The Captive Mind ...

Alexander Mazurek / 25.09.2019

Siehe auch “Über die Ursprünglichkeit des Judentums (auch Contra Apionem „Gegen Apion“) ist ein Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. von Flavius Josephus verfasstes apologetisches Werk. Es ist in den Handschriften nur unvollständig und schlecht überliefert. Die seit 1720 unternommenen Versuche, den originalen Text zu rekonstruieren, waren problematisch, da nur einzelne Textpassagen losgelöst vom Gesamtzusammenhang verbessert wurden, zudem ergänzt mit Inhaltsvermutungen. Ein tieferer Einblick in die gesamte Bandbreite aller Texte, die auf das Werk zurückgehen, war daher bis zu der im Jahr 2008 erfolgten Neubearbeitung nicht möglich.” Lesenswert, prüfe alles, glaube wenig und denke selbst ...

Thomas Schneller / 25.09.2019

“Maccoby macht durch seine kritische Analyse der Evangelien klar, dass Jesus ein jüdischer Widerstandskämpfer mit messianischem Anspruch war, Anhänger der Pharisäer-Bewegung (politisch-religiöse Strömung des antiken Judentums, Anm. d. Red.), der bei seinem Kampf gegen die römische Besatzung verhaftet und gekreuzigt wurde, wie das bei den Römern üblich war, wenn jemand deren Machtanspruch in Frage stellte. “ ——— Diese Interpretation kannte ich bisher nicht. Werde aber sicher diese Wissenslücke auffüllen. Fair enough würde ich sagen, wenn dann auch Jesus Christus selbst etwas dazu sagen kann. In Form eines Zitates: ——— „Eine Voraussage des Herrn über unsere jetzige Zeit. Die Notwendigkeit göttlicher Offenbarungen 1 Sagte Ich: ,,Freund, wie es jetzt steht, also wird es in nahe 2000 Jahren nach uns wieder stehen, und der Anfang dazu wird schon um vieles früher dasein! Hier ist das Judentum nun um vieles ärger denn das Heidentum - denn bei den Heiden gilt doch noch die Vernunft etwas, während sie bei den Juden mit Füßen getreten wird -; in jener Zeit aber wird Meine Lehre, also das Christentum, ärger sein als jetzt das Judentum und Heidentum zusammen. Da wird dann sein eine große Drangsal unter den Menschen. 2 Das Licht des wahren, lebendigen Glaubens wird erlöschen und die Liebe völlig erkalten. Der Hochmut der wohlhabenden Menschen wird alle Grenzen übersteigen, und die Herrscher und Priester werden sich für um vieles höher halten als nun die Juden ihren ungekannten Jehova und die Heiden ihren Zeus. Auszug aus: Jakob Lorber. „DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 6.“ ————— Ja wo er recht hat, hat er recht. Wer gerne mehr aus dem Strom der Wahrheit lesen möchte, ich bin sicher, Google wird die Fortsetzung des Zitates zu Tage fördern. Da steht dann mehr von und über Jesus Christus, der da war der Geist des Alleinen Gottes Jehova Zebaoth im Menschenfleische. Ich wünsche dem Achgut Team allzeit gutes Wetter…....

Georg Reuter / 25.09.2019

Sehr interessant! Ich habe schon einmal, ich glaube es war in „Der ferne Spiegel“ von Barbara Tuchman, ähnliches gelesen. Es ist in dem Buch eigentlich eher eine Randbemerkung, daß die ersten Christan ja Juden waren, und um sich als eigene Glaubensrichtung vom Judentum abzugrenzen, quasi den Antisemitismus begründet haben. Das wäre natürlich ein Treppenwitz der Geschichte. Seither bin ich auf der Suche nach vertiefender Lektüre, und da scheint mir dieses Buchsehr geeignet.

Gereon Stupp / 25.09.2019

Als aufgeklärter Heide kann ich immer nur wieder staunen, wieviel Macht der ideologische Schwachsinn, den auf ihre jeweilige Weise alle Religionen verbreiten, über die Menschen heute wie schon zu allen Zeiten hat. Am Spannendsten wird es naturgemäß, wenn sie sich untereinander in die Wolle kriegen. Und je näher sich die jeweiligen Religionen stehen, desto verbissener geht es zur Sache. Die Religionstoleranz des Imperium Romanum war schon zu ihrer Zeit beispielhaft und stünde auch heute jedem modernen Staat gut zu Gesicht. Aber immer wieder streben die Gottesanbeter an die Fleischtröge der Macht, denn einzig und alleine darum geht und ging es ihren Vorturnern, reich und/oder mächtig zu werden ohne arbeiten oder kämpfen zu müssen. Nur warum fallen die Menschen auch heute – auch hierzulande – immer noch und immer wieder herein auf diesen Mumpitz? Das werde ich wohl nie verstehen.

Alexander Mazurek / 25.09.2019

Interessant, aber nicht ganz richtig und zu allgemein, siehe “Der Judenstaat” (1895) von Theodor Herzl, “Unser heutiger Antisemitismus darf nicht mit dem religiösen Judenhasse früherer Zeiten verwechselt werden, wenn der Judenhaß auch in einzelnen Ländern noch jetzt eine konfessionelle Färbung hat. Der große Zug der judenfeindlichen Bewegung ist heute ein anderer. […]” Ja, der Prophet hat den Massenmord an jüdischen Stämmen befohlen und war dabei anwesend. Ja, Dr. Luder hat, nachdem die Juden seine Rechtfertigungslehre nicht annahmen, da er den “Glauben” von der Tat befreite, diese so verdammt, wie den Papst, siehe “Von den Juden und ihren Lügen”. Beide Religionsstifter, und zuletzt noch die “Aufklärer” haben dieselben Fehler in ihrem Ursprung: a) die Lüge, dass vor ihnen “Dunkelheit” herrschte, b) den Massenmord an Juden oder Katholiken im 30-jährigen Krieg und in der Vendée, c) Unterwerfung, unter die Scharia, die Fürsten, den Republikanischen Rechtspositivismus. Zuletzt haben auch protestantische Angelsachsen wie die Cousins Darwin (Rassenkunde) und Galton (Eugenik) mitgewirkt - gegen den Tanach und die allesamt jüdischen Evangelien … “Die Moderne und der Holocaust”, Zygmunt Bauman, das muss näher untersucht werden.

J. Polczer / 25.09.2019

Eine einfache Frage gebiert eine einfache Antwort: Ist es nicht. Weder wird der Antisemitismus in den heutigen Kirchen gelehrt - was ja ,falls es in der “DNA” stecken würde, der Fall wäre - noch verstand sich der Urheber als etwas anderes als ein Jude. Die Kirchen sind vielleicht eine andere Geschichte. Aber die Kirche ist nicht Christus und die Kirche ist nicht die einzige Autorität dieser Religion, wobei es “die Kirche” sowieso nicht gibt. Ich wurde sehr religiös erzogen und kann mich an keine einzige Situation erinnern, wo mir Antisemitismus vermittelt wurde.

Roland Müller / 25.09.2019

So viele Blutsverwandten kann der Martin Luther gar nicht haben. Ich denke der Antisemitismus steckt nicht in der DNA, sondern im schadhaften Hirn. Mit Religionsabhängigkeit hat das eher nichts zu tun. Meine Favoriten sind ungebildete Dummköpfe.

Helmut Rott / 25.09.2019

Christen verstehen immer noch nicht, dass dieser Jesus verzweifelt daraus aus war, sein Leben zu verlieren. Hätte er sein Leben nicht verloren, wäre die neue Religion nicht entstanden. Ohne Tod keine Auferstehen (also das vermeintliche Alleinstellungsmerkmal dieses Glaubens; in Wirklichkeit gibt es diese Phantasien von Auferstehung und ewigem Leben schon in früheren Gotteswahnvorstellungen).

M. Koecher / 25.09.2019

Das Bild Jesu als Widerstandskämpfer hat (der Theologe und Moslem) Rezo Arslan auch in “Zelot” verfestigt. Wenn man Nero als urchristliches Feindbild (Code “666”), in diesem Zusammenhang den großen Brand von Rom und nicht zuletzt und besonders den Diasporaaufstand berücksichtigt, gab es keine (juden-)“christliche” Abneigung gegen die Juden, sondern einen abgrundtiefen römischen Hass (der auf Gegenseitigkeit beruhte). Die interessante Frage sollte dabei sein, wie das paulinische “Neo”-Christentum entstand und welche Querverbindungen es dabei zur Installation des (v.a. militärischen) Mithras-/ Sol-Invictus-Kultes gab. Ein weiterer möglicher Punkt für christliche Abneigung: Lt. Karl Bosl (“Frühformen der Gesellschaft…”) erkläre sich das Wort “Sklave” statt einer lateinischen Abwandlung aus dem regen Handel der christlichen Könige mit heidnischen Slawengefangenen aus ihren regelmäßigen Kriegszügen, welcher über die reichsunmittelbaren nichtchristlichen Juden abgewickelt worden wäre (Ziel sei das andalusische Kalifat gewesen). Die Wikinger schafften das aber auch ganz alleine. Sollte Bosl richtig raten, wäre sicher ein deutliches Auseinanderfallen von geschäftlichem Erfolg und gesellschaftlichem Ansehen entstanden - und zwar nicht bei den christlichen Königen… Im Endeffekt ist da wohl jede Menge schmutziges Grau statt beruhigendem Schwarz-Weiß.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Interview / 21.06.2021 / 06:15 / 95

“Sie wurden recht spät zum Antisemiten befördert”

Hans-Georg Maaßen, von 2012 bis 2018 Präsident des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz, wird beschuldigt, antisemitisches Gedankengut zu verbreiten.  Der Vorwurf kommt aus dem Umfeld der Fridays-for-Future-Bewegung.…/ mehr

Interview / 04.06.2021 / 12:00 / 17

Israel: Überleben im Raketenhagel

Der jüngste Raketenterror der Hamas gegen Israel hat vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass jeder Israeli Zugang zu einem sicheren Ort hat. Seit…/ mehr

Interview / 11.03.2021 / 06:25 / 52

Operation Gesundheit: Deutschland und Israel im Vergleich

Das Interview führte Orit Arfa Am 24. Februar führte Orit Arfa ein Interview mit Professor Moshe Schaffer, der einen deutsch-israelischen Blick auf das israelische Impfprojekt…/ mehr

Interview / 28.02.2021 / 17:00 / 13

„Viele Maßnahmen der Orbán-Regierung entsprechen klassisch linker Politik“

Der parteilosen Sozialdemokrat (und Achgut.com-Autor) Gunter Weißgerber sprach mit der Budapester-Zeitung über das schwierige deutsch-ungarische Verhältnis. Aufgeschrieben von Jan Mainka. Was sind die wesentlichen Gründe für…/ mehr

Interview / 12.05.2020 / 06:15 / 102

Wer hat Angst vor Professor Ioannidis?

Professor John Ioannidis, Epidemiologe und Statistiker, lehrt und arbeitet an der Stanford University. Er ist einer der meistzitierten Wissenschaftler der Welt und gilt als Koryphäe seines Faches. In einem…/ mehr

Interview / 13.02.2020 / 10:00 / 74

Das Thüringen-Chaos ist besser als jeder Tatort

Henryk.M Broder, Mit-Herausgeber und Fachmann für asiatische Fast-Food-Spezialitäten, wurde von BILD zu einem Interview eingeladen. Anlass war sein neues Buch „Wer wenn nicht ich“. Nach…/ mehr

Interview / 28.01.2020 / 11:00 / 21

Afrika und das Helferbusiness

Das Ludwig von Mises Institut Deutschland sprach mit Volker Seitz über Probleme und Chancen Afrikas und die Falle, in der sich der Kontinent befindet. Seitz war von 1965 bis 2008…/ mehr

Interview / 24.08.2019 / 16:41 / 18

Venezuela: Interview mit einem Schüler aus Caracas

Von Niclas Bensberg. Wie ist die Situation mit Lebensmitteln und Medikamenten, ist es immer noch so knapp? Schüler aus Venezuela: Medikamente und Lebensmittel zu finden, ist…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com