Fabian Nicolay / 22.10.2022 / 06:00 / 118 / Seite ausdrucken

Revolution der angeklebten Hand

Wie bei Mao Zedongs Irrweg zwischen 1966 und 1976 fühlen sich heute junge „Rotgardisten“ aus ideologischen Gründen dazu berufen, mit alten Gewiss- und Gewohnheiten aufzuräumen.

In meinem letztwöchigen Text hatte ich den Parteienstaat als eine demokratie- und verfassungsfremde Unwucht beschrieben. In Deutschland ist ein bereits vollzogener, unumkehrbarer Strukturwandel von einem liberal-repräsentativen Parlamentarismus zu einem deformierten Staatsgebilde aus parteipolitischen Einflusszonen festzustellen. Die etablierten Parteien haben die Gewaltenteilung „unterwandert“ und mit dieser verfassungsrechtlich katastrophalen Vereinnahmung das ausgewogene Kräfteverhältnis im Staat gestört, das als System der Machtkontrolle und austarierten Verhältnisse gedacht war und jede Form von Ermächtigung und politischer Gleichschaltung eigentlich verhindern sollte.

Die deutsche Demokratie hat seit einigen Jahren also Schlagseite, da Selbstverständlichkeiten nicht mehr gewährleistet sind. Eine selbstständige parlamentarische Willensbildung ist nicht mehr möglich, weil auch die Autorität des Parlaments massiv geschwächt wurde, das nahezu abseits seiner öffentlichen Konstitution und Aufgabenstellung von Parteigremien, Ausschüssen und Konferenzen – zum Beispiel der zu Corona-Zeiten einberufenen Ministerpräsidenten-Konferenz – zum demokratischen Feigenblatt verkommen ist, in dem „Beschlussvorlagen“ und Gesetze nur noch „abgenickt“ werden. Debatten und Entscheidungen finden in einer Art geheimen, virtuellen Sphäre des Hinterzimmer-Parlamentarismus statt. Dazu kommt ein Bundespräsident, der ein marionettenhaftes Dasein fristet, das von seiner eigenen Parteilichkeit überschattet wird.

Die schleichende Annexion staatlicher und verfassungsrechtlicher Institutionen hat sich als selbstsüchtiger Systemerhaltungstrieb der politischen Klasse durchgesetzt. Anders kann man es nicht nennen – sie kommt einem Kartell gleich, das sämtliche Bereiche des Öffentlichen Dienstes, des Beamtentums, der Exekutive und Judikative sowie staatlich alimentierte Institutionen umfasst, welche gezielt politisiert und zu penetrantem, ideologischem Erfüllungsgehilfentum instrumentalisiert werden.

Parteien als zeitgeistige Projektionsflächen

Purer Machterhalt und Selbstbedienung stehen im Vordergrund, nicht das Wohl des Volkes, auf das Minister, Polizisten und Richter eigentlich vereidigt werden. Die Parteien sind keine Institutionen der freien Willensbildung mehr, sondern Interessensgruppen, die ihren Einfluss auf das Wahlvolk aus den ideologischen Elfenbeintürmen staatlich okkupierter Organe ausüben. So weit so schlecht. Aber es geht noch weiter ...

Die Parteien selbst befinden sich in einem Zustand der inhaltlichen Paralyse und geistigen Leere, die von Lobbygruppen und NGOs ausgefüllt wurde, was nicht nur die oben beschriebene Strukturproblematik verfestigt, sondern auch noch dezidiert antidemokratische Einflussnahmen begünstigt. Die Politikziele werden auf wenige Zielkorridore verengt, womit die Entscheidungsfindung im Parlament zu einer Frage zeitgeistiger Haltung und machtpolitisch kurzfristiger Effekte wird, was vor allem verfassungsrechtliche Garantien auszuhebeln imstande ist (Corona-Notstand, Klima-Notstand, Energie-Notstand).

Man muss sich ehrlich fragen, ob die Parteien noch Inkorporationen der Willensbildung sein können, ob sie überhaupt noch Eigenschaften von Parteien im ursprünglichen Sinn besitzen. Als zeitgeistige Projektionsflächen können sie jedenfalls ihren parlamentarischen Aufgaben kaum gerecht werden. Unter der Ägide des NGO-Parteienstaates ist die systemische Konstitution der Demokratie nur noch pro forma vorhanden, da sie bereits in jedem privaten Lebensbereich und jedem politischen Raum ideologischem Druck ausgesetzt ist.

Mögliche Zukunft im Terror-Milieu

Der Druck entsteht so: Das Klima ist nicht verhandelbar, der Wohlstand hingegen ist es. Die Freiheit des Individuums muss sich höheren Zielen unterordnen, der Einzelne muss sich deshalb überlegen, ob er von seiner Meinungsfreiheit Gebrauch machen möchte oder nicht – im Zweifelsfall wird sie bereits zu einem Problem, wenn er in den Massenmedien der Sozialen Netzwerke aufmuckt. Der Souverän ist nicht mehr souverän, er hat angeblich den Überblick verloren. Die Gewaltenteilung schützt den Bürger nicht mehr vor diesen inkriminierenden Behauptungen.

Hier treten junge, selbstbewusste Kulturrevolutionäre auf die Bühne, die uns die neue Welt(ordnung) erklären, in der wir wieder unmündige Schutzbefohlene eines „Vollkasko-Staates“ sind. Die „Aufklärung“ ist nicht mehr der „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, sondern seine selbstverschuldete Zurückberufung in das Kollektiv, dessen Zukunft als Abkehr von überkommenen, zu überwindenden Kulturen neu diktiert wird. Industriestaat, Innovationsschmiede, Exportnation, Wohlstand, Mittelstand, Fortbestand: ade.

Der Marsch durch die Institutionen ist gelungen. Wir befinden uns anscheinend in einem Prozess der Kulturrevolution, wie ihn China vor einem halben Jahrhundert leidvoll erfahren musste. Wie bei Mao Zedongs Irrweg zwischen 1966 und 1976 fühlen sich heute junge „Rotgardisten“ aus ideologischen Gründen dazu berufen, mit alten Gewiss- und Gewohnheiten aufzuräumen, betreiben „Pi-dou“, das Anprangern und Bekämpfen unschuldiger Bürger als Volksschädlinge und Konterrevolutionäre (heute „Leugner“, „Egoisten“, „Rechte“) und das Beschädigen oder Beseitigen von Kulturgütern. Die sogenannte „Cancel-Culture“ ist der Negativ-Ausschlag zur Kreativ-Kultur des positiv schöpferischen Geistes. Die Kultur-Revolutionäre des Klimastreiks sind „Cancel-Culture-Aktivisten“ mit einer möglichen Zukunft im Terror-Milieu.

Drohung an die träge Mehrheitsgesellschaft

Man muss natürlich festhalten, dass die kulturrevolutionären Umtriebe bei uns nicht oder noch nicht so gewalttätig und menschenverachtend sind wie damals im „kommunistischen“ China. Junge Klima-Rotgardisten kleben sich heute „nur“ auf Straßenkreuzungen und an berühmte Gemälde und wollen damit provozieren. Unsere „altehrwürdige“ Kultur ist in ihren Augen nichts wert vor dem nahen Ende der Welt. Das wollen sie uns sagen.

Die Sachbeschädigungen und Nötigungen sind neben den juristischen Tatbeständen aber auch als Drohung an die träge Mehrheitsgesellschaft adressiert, deren Klassensymbole (Kunst, Mobilität, Bequemlichkeit, Konsum) infrage gestellt werden sollen. Die Klima-Rotgardisten wollen uns belehren und prangern unseren Lebensstil an, den sie als Bedrohung sehen und nun selbst handgreiflich ins Visier nehmen. Als Gesten des Konjunktivs kündigen sich hier Tatrechtfertigungen an, die die Dialektik des Terrors in sich tragen. (Sie könnten die Bilder auch richtig, unwiederbringlich zerstören, wenn sie wollten.)

Als Vertreter der „Letzten Generation“, die die Zukunft der Kultur als Erbe mit horrender Hypothek betrachten und deshalb ablehnen, stellen sich diese Rebellen gegen eine als „sicher“ geglaubte Auslöschung des Lebens. Dabei werden sie von Gefälligkeitswissenschaftlern und einer wohlwollenden Medienmaschinerie unterstützt. In den Parteiapparaten demoskopie-abhängiger Polit-Karrieristen wird dieser dystopische Zeitgeist dann zu Politstrategien hochgejubelt. Nichts kommt der mediokren „Polit-Elite“ intellektueller vor als der drohende Untergang, dem man sich begeistert zuwendet, weil er von einer Art morbider Weisheit getragen wird, für die man keine weitere Lösungskompetenzen benötigt. Denn das Ende ist nahe. Damit blendet man junge Wähler.

Aus den Zeltlagern der Kapitalismuskritik

Mit langfristig gedachter Politik hat das nichts zu tun: Die Eignung der Parteien schwindet mit der Infantilisierung ihrer Politikkonzepte. Sie folgen kleinen, wütenden Mädchen auf YouTube, Twitter und Instagram. Sie aggregieren die neue Wut auf die fossil-begeisterte Vergangenheit als Bekenntnis zu besonnenen Zukunftskonzepten und tragen die Phantasiegebilde einer karbonfreien Wirtschaft und eines fossilfreien Wohlstands in ihre Parteien hinein – unbedacht der Schäden, die sie mit der Abkehr von kluger Energiepolitik, weitsichtiger Industriepolitik und verbindlicher Standortsicherung betreiben.

Das ist Zeitgeist-Philosophie für angstgestörte Mittelstands-Hypochonder aus urbanen Akademikerkreisen und aufgeputschte Weltrettungs-Missionare aus den Zeltlagern der Kapitalismuskritik. Diese beiden Zielgruppen kommen damit auf schaurige Touren, aber nicht der Handwerker, der für Aufträge mit dem Werkstattwagen in die Innenstadt eilt und nun im Stau vor festgeklebten „Klima-Aktivisten“ steht. Er wird zur Geisel gemacht. Oder die alleinerziehende Pendlerin, die sich keine Wohnung im innerstädtischen Hipster-Kiez leisten kann, wo die kinderlosen Gewinnler des Vollversorgungsstaates eine Vervierfachung der Strom- und Heizungskosten locker wegstecken. Die Pendlerin ist das Opfer des Energiegeizes, der nun um sich greift.

Die Kulturrevolution der Klima-Rotgardisten hat einen Pakt mit der saturierten Mitte geschlossen, nicht mit den unteren, sozial benachteiligten Schichten. Es ist paradox: Aus dem Milieu der Bessergestellten werden später die Heißsporne und Gewaltaffinen rekrutiert werden, die im festen Glauben sind, dass Terror gerechtfertigt ist, wenn er die „Zukunft“ rettet. So war es auch im Deutschen Herbst 1977, die Täter kamen aus der Bildungsbürgerschicht.

Kunst und Kulturgüter in Ungnade gefallen

Der aktuelle Angriff auf Kunstwerke ist der Anfang eines Bildersturms gegen unsere Gegenwartskultur. Sie ist das verhasste Ziel einer Zivilisation, die auf Verbrauch getrimmt und deren Struktur im Kapitalismus verankert ist, so die Diktion des neuen Klassenbewusstseins. Die Denkrichtung entspricht dem religiösen Fanatismus von Islamisten, die Buddha-Statuen und römische Tempel sprengen, weil das Weltkulturerbe angeblich ihren Gott beleidigt. Der Gott der westlichen Rotgardisten ist das Klima, er wird von unserem Wohlstand beleidigt.

Klimaschutz vor Kulturleistung, das ist die Devise der Klima-Kulturrevolution. Der Klimaschutz ist also eine Frage des Klassenbewusstseins, denn die Ausbeuter des alten Systems müssen bekämpft werden. Der Begriff „Kulturrevolution“ meint nach sino-marxistischer Auffassung ursprünglich eine proletarische Revolution gegen „Ausbeutersysteme“ auf allen Gesellschaftsebenen. Die Ausbeutersysteme der westlichen Kultur sind energetischer, produktionstechnischer und kapitalistischer Natur, allerdings auf viel höherem Niveau als damals in China, wo weitgehend bittere Armut herrschte, die vom kommunistischen System noch forciert wurde.

Der anstehenden Kulturrevolution geht es um unseren, nicht nachhaltigen Wohlstand als Feindbild, der aus Wachstum entsteht und dessen Insignien auch Kunstgegenstände sind, die vom wohlhabenden Bürgertum gefördert, gekauft, ausgestellt und geliebt werden. Diese Kultur-Objekte gilt es anzugreifen, um das Klassenbewusstsein zu schärfen, so die „Logik“. Exempel werden also zunächst an wertvollen, nicht lebenden Gegenständen statuiert. Diese „Zurechtweisungen“ bedeuten gleichzeitig, dass der in Kunst verkörperte Überfluss – sie ist meist ein Wohlstands-Produkt – zum Ziel gemacht wird. Die propagierte Verzichtskultur der „Klima-Aktivisten“ steht dazu im Widerspruch. Man macht also klar, dass Kunst und Kulturgüter als Gegenstände der Wohlstandsbezeugung und indirekte Konsumverehrung in Ungnade gefallen sind. Das ist äußerst bedenklich.

„Nur“ Wühltische in Kaufhäusern in Brand gesetzt

Die Klimafront hat es sich in Schützengräben bequem gemacht, die von Linksradikalen für sie ausgehoben wurden. Die Eskalation ist bei der Prämisse „Klimakatastrophe“ klar: Keine Kompromisse, weg mit dem „Plunder“ der ausbeuterischen Kultur, Verzicht als Klassenbewusstsein, Ende Gelände, der Planet muss von (fossiler) Ausbeutung, die Gesellschaft von Globalisierung und Kapitalismus befreit werden, Kulturrevolution jetzt. Das zugehörige Klassenbewusstsein wird von den Klima-Rotgardisten streng eingefordert. So twitterte die Scharfmacherin der Szene, Luisa Neubauer, neulich auf Twitter:

„Wenn ihr zu den Leuten gehört, die ,eigentlich immer für Klimaschutz’ waren, und jetzt von einer Tomatensuppe auf Van Gogh ,total abgeschreckt’ seid, naja, dann frage ich mich ehrlicherweise ob ihr wirklich für Klimaschutz wart – und was das für euch bedeutet.“

So wird das korrekte Klassenbewusstsein eingepeitscht. Moral- und Schuldkomplex-Rhetorik. In den Milieus saturierter Mittelstandsfamilien entsteht eine neue „Elite“ von Soziopathen, denen am Ende jedes Mittel recht sein wird.

Auch die Baader-Meinhof-Bande, die sich als RAF, Rote-Armee-Fraktion, in die Geschichte der jungen Bundesrepublik Deutschland mit mörderischem Terror einbrannte, hat in ihrer Geburtsstunde der späten 60er Jahre zunächst „nur“ Wühltische in Kaufhäusern in Brand gesetzt. Wie es damit weiterging, wissen die Kinder, die in den 70er Jahren im Westteil Deutschlands aufgewachsen sind.

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Ralf Berzborn / 22.10.2022

Wer:In es sich ( noch ) leisten kann Naturgesetzlichkeiten und den Markt anzuprangern , und religöse oder ideologische Maßstäbe als Gesellschaftsmodell propagiert , wird irgendwann auch an dem Punkt ankommen an dem es:In feststellt daß man Moral nicht essen kann , Alles hat seine Zeit , Alles hat seinen Preis und Alles will verdient sein , früher oder Wumms später . Viel erfüllenden Spaß  dabei , wenn`s allzuheftig wird habecken wir eben bis der Spuk vorbei ist .

Fred Burig / 22.10.2022

Betreff: vorangestelltes Bild – Man sollte den jungen Menschen die Chance geben, nachhaltige Erfahrungen zu machen -  wenn man sie einfach liegen lassen und ggf. den Verkehr umleiten würde. Sollen die Idioten doch selber sehen, wie sie da wieder loskommen! Dumm geboren - und scheinbar noch nichts dazu gelernt - ideal zum “Politiker- Nachwuchs” geeignet! MfG

Lutz Liebezeit / 22.10.2022

“Die Gestrigen, die Revolutionäre, sind inzwischen Reaktionäre geworden, ihre Lava ist erkaltet und überdeckt junges, grünendes Leben.” Zitat / Die Antifa war eine Organisation, die Stalin ins Leben gerufen hat, um die Kriegsgefangenen umzuerziehen.  Die Antifa ist heute eine Reaktionärer-alter-Knacker-Club, noch dazu eine Kaderorganisation von reaktionären alten Weibern und Knackern, deren Konzepte us seit geraumer Zeit gehörig nerven. Auch der Feminismus ist nur noch die ewige Totgeburt, die zu immer mehr Zwängen und Einschränkungen führt. Die erkaltete Lava trampeelt ihre eigene Daseinsberechtigung längst in Grund und Boden. Bei den Grünen sprang einem der Rückfall ins Reaktionäre mit der ersten rotgrünen Bundesregierung sofort ins Auge, Senkung von Spitzensteuersatz und Spekulationssteuer, Deregulierung der Börse, VISA-Affäre und schließlich die Ursünde, der erste Krieg nach dem Krieg in Jugoslawien war völkerrechtlich nicht mal gedeckt. Da arbeiteten die Grünen mit dem Patriarchen der Amerikanischen Ölindustrie und Mitglied bei Scull&Bones; zusammen, George W. Bush. / Merkel konnte dem Kulturmarxismus keinen neuen Esprit geben, das war alle hartes Brot. Wo der Marxismus in der Sowjetunion und der DDR gescheitert ist, bei der Gängelung der Bevölkerung, bei Überwachung und Parteisäuberung. Merkel war das übrig gebliebene Böse des Marxismus. SED und Sozialdemokratie fügen sich in die Methoden alter Weiber und Knacker mühelos ein. Im Alter zeigen sich Charakterzüge, die in der Jugend eine Tugend waren, gerne verhärtet, Sparsamkeit wird zum Geiz, Belesenheit zu Rechthaberei, Sauberkeit zum Waschzwang, usw. An den alten Propheten beißt man sich heute die Zähne aus. / Der Worte sind genug gewechselt, die Rettung, die ich sehe, daß jeder selber denkt und die Gegenöffentlichkeit darüber zu gemeinsamer Strategie und gemeinsamen Taktiken kommt. Das Internet ist nur so gut, wie das, was man findet, aus eigenem Antrieb umgesetzt wird.

Arne Ausländer / 22.10.2022

Vielleicht nochmal zur Perspektive des apokalyptisch-allwissenden Zuschauers, ob nun religiös begründet (wie bei Irene Luh) oder anders: Das ist doch eine Selbsttäuschung, wenn man meint, all das drohende Elend ungerührt mit ansehen zu können, weil man es zu verstehen meint. So krank ist kaum jemand, denn es trifft ja stets auch Nahestehende. (Auch in der Bibel kann man entsprechendes nachlesen.) - Man schaue sich doch mal die Ankündigungen von Gates, Schwab etc. von März/April 2020 an: Die “alte Normalität” käme nie zurück usw. Ist sie aber zu weit über 90%! Weil sich Millionen aktiv gegen den Wahn gestellt haben, z.T. auch weil die verrückten Pläne schon in sich nicht funtionierten. Der Blitzkrieg kam ins Stocken, wie in früheren Kriegen. Und wie damals mögen die Angreifer noch lange nicht aufgeben. Es bleibt zu hoffen, daß getreu der Analogie auch diesmal das halbwegs glimpfliche Ende sicher ist. “Halbwegs glimpflich” schloß und schließt dabei aber sehr viel Leid ein. Um dessen Minimierung geht es. Wer meint, sich dafür einzusetzen, wäre nicht im Sinnes Gottes, hängt wohl einem anderen Gott an, nicht dem, den ich zu kennen meine. Einem GANZ anderen. - Angst um mich habe ich nicht. Ich habe solch Unheil seit langem kommen gesehen (natürlich nicht die Einzelheiten). Aber mir graust sehr wohl vor all dem Elend, das uns droht. Das uns umgeben wird. Die Ukraine ist ja nicht das ersten Beispiel, das zeigt, wie schnell das kommen kann. Und nur, wer solches schon selbst erlebt hat, mag behaupten, das aushalten zu können. Bei den anderen ist es leeres Geschwätz. Ich selbst war da nur öfter in der Nähe, das ist immer noch ganz anders, als drin zu stecken. Ich lege keinen Wert darauf, auch das kennenzulernen. Was ich kann, tue ich, das zu stoppen. (Wenig genug.)

Lutz Liebezeit / 22.10.2022

@ Bernd Michalski, ja, die nützlichen Idioten. Das sehe ich auch so. / Sind wir wirklich anders als die Gegenöffentlichkeit in anderen Tyranneien zu jeder anderen Zeit? Oder reagieren wir immer gleich, also damit, daß wir im Kampf mit den Egoisten deren Fehler übernehmen? Den Boden unter den Füßen, ich würde sagen, den haben wir schon verloren. Die Methoden, die wir anwenden, scheinen mir bis dahin wenig erfolgversprechend und für die Zukunft sehe ich auch eher schwarz? Die Gegenöffentlichkeit ist verstreut, da sehe ich keinen gemeinsamen Willen. Und ich sehe niemanden, der da die Führung übernehmen könnte? Mit zunehmendem Fortschritt wird die Welt komplexer, und mit zunehmender Reaktion, auch. Es sind sehr viele Fehler gemacht worden und die Elitären verstehen es, neue Zerwürfnisse anzustiften und darunter die alten Zerwürfnisse zu begraben. Was wir haben, ist ein Zerwürfniswachstum, das man jetzt tatsächlich mal als negatives Wachstum bezeichnen kann. Diese Eliten sind natürlich abgründig, denn sie betrügen gerade die einfachen Leute, die niemandem was tun und die mit ihren Händen arbeiten. Die aber eben weder die Komplexität, noch die Lügenhaftigkeit und abgrundtiefe Bosheit dahinter verstehen. Dafür würde sich sagen, gehört jeder aus der oberen Etage schon mal 1000 Jahre ins Gefängnis. .

Karl-Heinz Boehnke / 22.10.2022

Mit dem Verhältniswahlrecht und der fehlenden Gewaltenteilung - nur die Legislative darf vom Bürger gewählt werden - war der Weg zur Parteiendiktatur von Anfang an geebnet, vielleicht sogar geplant und wurde nur infolge der Konkurrenz mit der DDR verlängert, weil die sympathisierenden Roten ablehnende Schwarze stark hielten. Mit der Wende vom Zweiparteien- - FDP war ja nur jeweils ein Teil von beiden - zum Einparteiensystem - AFD ist ja vom Parteienblock erst garnicht anerkannt - sind wir wieder bei der DDR angekommen, wo allerdings jetzt die Gewalt durch politisch finanzierte Drangsalierung seitens NGOs ersetzt ist. Vor 50 Jahren war der Unterschied von “Tagesschau” und “Aktuelle Kamera” der zwischen Wahrheit und Lüge. Heute ist die “Tagesschau” die “Aktuelle Kamera”, was der klarste Ausweis für die politischen Verhältnisse ist. Die Bürger machen das alles mit, weil sie es nicht bemerken wollen in ihrem wohligen Nest jahrzehntelanger Erfolgsgeschichten auf Pump, der jetzt allerdings nicht mehr bedient werden kann, so daß die Konkursmasse von Deutschland und Europa schnell noch über den Atlantik geschafft wird. Der Bürger spielt keine Rolle, weil er zu gerne auf schrille Führung anspringt, um Masse zu werden. Denn der Mensch ist in großer Mehrheit nicht so gerne Denker, wie er instinktiv oder noch unbewußter unterwegs ist. Straff geführte Masse ist sein Glückszustand, und jeder, der das antastet und gefährdet durch Zweifel an seiner vergötterten Führung, wird erbittert bekämpft, wobei auch die fähigsten Geister keine vernünftigen Gedanken mehr zulassen.

Jürgen Schäfer / 22.10.2022

Ich kann das Gerede vom ach so bösen Parteienstatt nicht mehr hören. Wo -in welcher Staatsform- können denn die Bürger sich persönlich und politisch so entfalten wie bei uns! Immerhin sind mit den GRÜNEN und der AfD 2 Parteien aus dem Nichts entstanden, wo gibt es denn das sonst?? Nichts gegen Refomen mit mehr direkter Demokratie (ist aber -siehe Schweiz- gar kein Heilungsrezept per se), aber wie ich auch rechten Autoren ins Stammbuch schrieb: Mit dem Parteienstaat unzufrieden sind vor allem diejenigen, die in ihm keinen Erfolg haben, und das trifft dann auch auf gewisse Professoren zu! Wenn aber 90% der Wähler ewig sich an den herrschenden Parteien orientieren und die Mehrheit wirtschaftlich zufrieden ist (siehe letztes ZDF-Politbarometer), kann es so schlimm nicht sein!  Die jetzigen Mißstände sind kein Struktur-, sondern ein Mentalitätsproblem!!

Winfried Jäger / 22.10.2022

Der Brandstifter ist nicht Luisa Neubauer. Was diese ungebildete Göhre absondert, würde niemanden außerhalb ihres Kreises interessieren. Verantwortlich sind die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten, die solchen Leuten ein Forum bieten. Genau da sitzen die verkommenen Alt68er mit ihren obszönen Gehältern. In der Mehrheit: meinungsstark, vollversorgt, halbgebildet und persönlich faul.

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