Stefan Frank / 21.06.2022 / 16:00 / Foto: Pixabay / 5 / Seite ausdrucken

Niemand will Israel boykottieren

Nachdem der von der BDS-Bewegung versuchte wirtschaftliche Druck gegenüber Israel keine Erfolge zeigt, greift sie zu unlauteren und verleumderischen Mitteln, die von den betroffenen Firmen vehement zurückgewiesen werden.

Die maßgeblich von palästinensischen Terrororganisationen wie der Fatah, der Hamas, der PFLP, der DFLP und dem Islamischen Dschihad getragene Anti-Israel-Kampagne BDS, die den Staat Israel durch einen Boykott von Menschen und Waren zerstören will, basiert erklärtermaßen auf drei Hauptstrategien: dem akademischen Boykott, dem Sportler- und Künstlerboykott sowie dem Wirtschaftsboykott. Erfolge erzielt BDS vor allem auf ersterem Gebiet, also dabei, Professoren und Studenten an zumeist nordamerikanischen Universitäten für Anti-Israel-Resolutionen zu gewinnen und unter den dortigen jüdischen Studenten ein Klima der Furcht zu schaffen.

Was den Boykott gegen Sportler und Künstler betrifft, schaffen es die BDS-Unterstützer zumindest, immer wieder als Ärgernis wahrgenommen zu werden und die Karrieren mancher palästinensischer Musiker zu zerstören. Ein totaler Flop ist hingegen der Aufruf zum Wirtschaftsboykott. Kein Mensch boykottiert israelische Produkte, nicht einmal die BDS-Aktivisten selbst. Und falls es doch unter irgendeinem Stein jemanden gibt, der konsequent auf alles verzichtet, was aus Israel kommt, dann ist das dem Rest der Welt bislang verborgen geblieben.

BDS-Scheinerfolge

Um von diesem Fehlschlag abzulenken, setzen BDS-Demagogen Meldungen über fiktive Erfolge in die Welt. 2010 etwa verbreitete die deutsche Pro-BDS-Gruppe Pax Christi, sie habe der Deutschen Bank so viel Angst eingejagt, dass diese sich von einer angeblichen Beteiligung an dem israelischen Rüstungstechnologiekonzern Elbit Systems getrennt habe. Wiltrud Rösch-Metzler, die Bundesvorsitzende von Pax Christisagte damals:

„Das Ende der Beteiligung an Elbit ist ein großer Erfolg. Die Deutsche Bank hat uns versichert, dass sie keine Beteiligungen an Elbit hat. Sie gab sich alle Mühe, zahlreiche Standards und internationale ethische Verpflichtungen aufzulisten, an denen die Bank beteiligt ist, und betonte, wie Elbit-Investitionen gegen sie verstoßen würden. Diese Aussage ist eine wegweisende Position, die andere deutsche, europäische und globale Finanzinstitute leiten sollte.“

Die Frankfurter Firmenzentrale des Kreditinstituts stellte den Sachverhalt allerdings etwas anders dar: Ein Pressesprecher erklärte mir damals telefonisch, dass die Deutsche Bank keine israelischen Unternehmen boykottiere und sich schon allein deshalb nicht von einer Elbit-Beteiligung habe trennen können, weil es eine solche nie gegeben habe.

Die fraglichen 50.000 Aktien (0,1 Prozent aller Elbit-Aktien), die Rösch-Metzler und ihre Mitstreiter in einer Pflichtmitteilung der Deutschen Bank an die US-Börse NASDAQ entdeckt hätten, seien im Auftrag eines Kunden gehalten worden. So teilte es die Deutsche Bank damals auch der israelischen Tageszeitung Jerusalem Post mit, wo man es nachlesen kann. Der Boykotterfolg von Pax Christi war also frei erfunden.

Niemand will Israel boykottieren

Zwölf Jahre später: BDS ist, was den Wirtschaftsboykott betrifft, immer noch auf einer Durststrecke. Niemand will Israel boykottieren. Boykottaufrufe, die es immer wieder gab, etwa gegen koscheren israelischen Wein, führen nur dazu, dass die Verbraucher noch mehr davon kaufen und sich in den sozialen Medien über die Boykotteure lustig machen.

Ein neuer Fake-Erfolg muss also her. Dafür glauben die Möchtegern-Boykotteure, die Tatsache nutzen zu können, dass sich der amerikanische Lebensmittelkonzern General Mills aus dem israelischen (wie auch aus dem europäischen) Teiggeschäft zurückzieht. Dem Unternehmen war von BDS-Aktivisten vorgeworfen worden, in einer „illegalen Siedlung“ zu produzieren.

Gemeint ist das Gewerbegebiet Atarot zwischen Jerusalem und Ramallah. Die Siedlung Atarot wurde 1914 gegründet. Im Mai 1948 wurde sie von jordanischen Truppen geplündert und niedergebrannt, die Bewohner vertrieben.

Weil General Mills in Atarot Backteige herstellt, die unter dem Namen Pillsbury verkauft werden (in Deutschland bekannt als Knack & Back), hatten BDS-Gruppen wie das American Friends Service Committee (AFSC) unter dem Slogan „Kein Teig für die Besatzung“ eine Kampagne geführt, in der General Mills aufgefordert wurde, seinen Standort in Atarot aufzugeben. Noam Perry von der AFSC sagte nun:

„Der Rückzug von General Mills zeigt, dass öffentlicher Druck sogar bei den größten Unternehmen funktioniert.“

Auf der BDS-Website heißt es:

„SIEG! General Mills trennt sich von Apartheid-Israel. Gestern gab General Mills bekannt, dass das Unternehmen seinen Anteil an seinem Joint Venture in Apartheid-Israel verkauft hat, nach mehreren Jahren des BDS-Drucks.“

Daran ist richtig, dass General Mills seinen 60-Prozent-Anteil an dem israelischen Joint Venture an den israelischen Joint-Venture-Partner Bodan Holdings verkauft hat, nachzulesen in einer Pressemitteilung vom 31. Mai.

Ein ganz anderer Grund

Dass der Verkauf etwas mit „BDS-Druck“ zu tun habe, ist Fiktion. Der Konzern begründet den Schritt vielmehr mit seiner im letzten Jahr beschlossenen Firmenstrategie, sich von margenschwachen Produkten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, zu trennen, und dafür die „globalen Plattformen“ zu stärken, „zu denen mexikanische Lebensmittel, Super-Premium-Eiscreme und Snackriegel gehören“.

Die Mitteilung zu der geplanten Veräußerung folgte auf den im November 2021 von General Mills angekündigten Verkauf des Teiggeschäfts in Europa und ist also folgerichtig: Warum sollte General Mills sich von Knack & Back trennen, weil das deutsche Geschäft mit Croissant- und Pizzateigen aus Sicht der Konzernzentrale in Minneapolis nicht groß genug ist, an dem viel kleineren israelischen Pendant aber festhalten?

Mittlerweile hat General Mills auf die Story aus der BDS-Gerüchteküche reagiert. Gegenüber dem Jewish Insider teilte das Unternehmen mit:

„Wir haben die globale Geschäftsstrategie deutlich gemacht, die hinter dieser Entscheidung steht. Alle Behauptungen von anderen, die sich diese Entscheidung anrechnen, sind falsch. Wir verkaufen unsere Produkte weiterhin in Israel und freuen uns darauf, die israelischen Verbraucher weiterhin mit unseren anderen Marken zu bedienen.“

Was werden die Israel-Boykotteure nun an ihrer Darstellung ändern? Nichts. Sie bleiben bei ihrer Story. Sie müssen an eingebildeten Erfolgen festhalten, weil es nichts anderes gibt, an das sie sich klammern könnten.

Man kann an die Geschichte den Gedanken knüpfen: Was wäre eigentlich gewesen, wenn General Mills tatsächlich dem Druck von BDS nachgegeben – und entschieden hätte, die Fabrik im Industriegebiet Atarot zu schließen? Ein großer Teil der dortigen Angestellten sind arabische Männer und Frauen, die zur Arbeit aus den Palästinensischen Autonomiegebieten kommen. Dort bekämen sie einen weitaus niedrigeren Lohn, wenn sie überhaupt Arbeit fänden. 

Eine Schließung der Fabrik hätte also viele von der dortigen Beschäftigung abhängende palästinensische Familien in existenzielle Not gestürzt. Wie schon bei dem bekannten Fall Sodastream zeigt sich einmal mehr: Das Wohl der Palästinenser ist der BDS-Kampagne völlig egal.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Mena-Watch.

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Leserpost

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Wilfried Düring / 21.06.2022

‘Das Wohl der Palästinenser ist der BDS-Kampagne völlig egal.’ Widerspruch, Herr Frank. So einfach darf man sich das nicht machen. Die BDS-Kampagnen-Kumpanei hat ein Interesse daran, daß es möglichst vielen Palästinensern möglichst SCHLECHT geht. Nachrichten von entlassenen palästinensischen Arbeitern und ggf. Bilder von deren hungernden Kindern rühren die Welt und eignen sich vorzüglich für die nächste Kampagne. Und wenn dann ein (vielleicht verzweifelter) junger Palästinenser einen Terror-Anschlag begeht (auf welchen die Israelis reagieren), dann ist das aus Sicht der BDS’ler logischerweise prima. Dem Frieden in Nahost wurde ein neuer Schlag versetzt und die (reagierende) ‘Gewalt’ Israels kann wirkmächtig angeprangert werden. Das Ziel der BDS-Kampagnen ist NICHT, dass irgendein ‘Palästinenser’ ein besseres Leben hat. Ziel der Kampagnen ist die Zerstörung Israels. Die Palis -  von ihren verblendeten und verbrecherischen ‘Führern’ getäuscht - sind nur die Bauern im großen medialen Spiel, die im Interesse des ‘Großen Ganzen’ selbstverständlich geopfert werden! Und dieses perfide Spiel der BDSler, ihrer korrumpierten und steuerfinanzierten Kollaborateure in Kultur, Presse und sogenannter ‘Wissenschaft’ bis hin zu jenen Politikern, die gerne Gelder für die DOKUMENTA+Machwerke freigeben ist alles in allem - leider - durchaus erfolgreich. Der DOKUMENTA-Skandal zeigt das wie in einem Brennglas. Antisemitische sogenannte ‘Künstler’ verbreiten die gewünschten Haßbotschaften, die von den eigentlichen Drahtziehern (z. B. ‘Kuratoren’) mit Beschwichtigungen, Verharmlosungen und kaum verhüllter ‘klammheimlicher Freude’ begleitet werden. Deutschland ist dank Woken, Gruenen und Jusos + Presstituierten dabei, sich vom ‘Judenknacks’ (Zitat des ehemaligen Berliner AL-Abgeordneten Dieter Kunzelmann) zu ‘BEFREIEN’. Der ‘globale Süden’ möchte das angeblich so. Dabei gilt im Zweifel (wie auch bei vielen anderen Themen): ‘Wer nichts kann und wer nichts ist - nennt sich heute ‘AKTIVIST’!

Helmut Kassner / 21.06.2022

Es wird Zeit, das die palästinensischen Topfunktionäre endlich die israelischen Gesundheitseinrichtungen boykottieren. Das würde Israel besonders schaden. Also ein lohendes Ziel für den BDS.

H.Milde / 21.06.2022

Was die, sich “Pax Christi” nennenden -Erklärung für diese anscheinend überforderten Analoguhrziffernableser:  Jesus war JUDE!- & sog. “BDS"ler zu den vielen, auch seit 2015 “geschenkten” Friedensreligionsanhängern sagen würden, wenn die mal wieder von linksgrün sekundiert: “Juden in´s Gas” jubilieren? Vielleicht: “Wohlan! Drehet ihn auf, den Gashahn. Aber voll auf!” Massel tov.

Thomas Holzer Österreich / 21.06.2022

Aus dem Artikel: “und Künstler betrifft, schaffen es die BDS-Unterstützer zumindest, immer wieder als Ärgernis wahrgenommen zu werden und die Karrieren mancher palästinensischer Musiker zu zerstören” Wirklich so gemeint, daß BDS die Karriere mancher palästinensischer! Musiker zerstört?!

Gudrun Meyer / 21.06.2022

Zu BDS fällt mir im Augenblick eine “Karikatur” ein, die einen Phantasiejuden mit Kippa und SS-Rune zeigt. Ist vermutlich mal wieder ironisch gemeint. Schließlich ist jede noch so plumpe, noch so leicht widerlegbare, Täter-Opfer-Umkehr ironisch, oder etwa nicht? Was sagt BDS eigentlich, wenn Muslime auf deutschen Straßen “JUDEN INS GAS!” brüllen und die deutschen Staats- und staatsnahen Journalisten mal wieder zu feige sind, um darüber zu berichten? Über den mutmaßlich islamistischen Mord an der Auschwitz-Überlebenden Mireille Knoll in Paris haben sie übrigens noch berichtet, sich allerdings damit zufriedengegeben, dass der Täter psychisch krank sei (was auch der Richter in Frankreich behauptete). Inzwischen hört, sieht und liest man einfach gar nichts mehr über antisemitische Verbrechen, die unmittelbar mit individuellen Namen und Lebensläufen verbunden sind. Übrigens ist es vielleicht schon bemerkenswert, dass BDS auch unter Linken umstritten ist. Aber wo ein durchschnittlicher, durchaus linker, Soziologie- oder Politologie-Prof diese Gestalten noch vor 30 Jahren schnell mal aus der Uni geprügelt hätte, unter Mithilfe durch die meisten Studenten, wird heute über sie und ihre Forderungen entweder geschwiegen oder sogar “diskutiert”. Wahrscheinlich auch unter den Schneeflocken im Safe space der jeweiligen Uni.

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