Nicolaus Fest ist Jurist, Journalist (u.a. Ex-BILD) und ein exponierter AfD-Politiker, man kann auch sagen, dass er inzwischen zu einem der bekannten Gesichter der Partei geworden ist. Obwohl in einer freiheitlichen Demokratie die Grundrechte für alle gelten und niemand, sofern er nicht den Rahmen der gesetzlichen Legalität verlässt, wegen seiner Weltanschauung diskriminiert werden sollte, scheint man es beim Haltung zeigen gegen rechts nicht ganz so genau nehmen zu müssen. Das Haltung-zeigen-gegen-rechts richtet sich heutzutage vor allem gegen die AfD. Die Neonazis vergangener Tage scheinen sich seit Erscheinen der Partei nahezu aufgelöst zu haben. Aber darum soll es hier nicht gehen.
Selbstverständlich gibt es etliche vollkommen legal verbreitete Ideologien und Gesinnungen, gegen die sich Anhänger einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft stellen sollten. Doch die gezielte Zerstörung wichtiger persönlicher und privater Existenzgrundlagen gehört ausschließlich in den Instrumentenkasten einer willkürlich agierenden Obrigkeit, beispielsweise einer Diktatur. Undenkbar eigentlich, dass einem in einem freiheitlichen Rechtsstaat so etwas passieren kann.
Doch Nicolaus Fest ist soetwas nach eigener Aussage geschehen: Die Deutsche Bank hat ihm alle seine Konten gekündigt, ohne Ankündigung, ohne Begründung, völlig aus heiterem Himmel. Es hätte keine Unregelmäßigkeiten gegeben, die Konten wären nicht überzogen gewesen und es gäbe einen regelmäßigen Zahlungseingang, sagt er. Damit wäre er das, was man sich als problemlosen Bankkunden vorstellt. Sollte Fest also nun wirklich wegen seines AfD-Engagements seiner Bankverbindung beraubt worden sein? Das wäre ein ungeheuerlicher Vorgang in Zeiten scheinbar umfassender Diskriminierungsverbote.
Der Pressesprecher der Deutschen Bank, Christoph Blumenthal, sagt auf Achgut-Nachfrage: „Es ist zutreffend, dass wir entsprechend unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen das Recht haben, Kundenbeziehungen ohne Angaben von Gründen zu beenden. Von diesem Recht machen wir auch Gebrauch.“ Zum konkreten Fall heißt es nur: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns weder zu vermeintlichen noch tatsächlichen Kundenbeziehungen äußern können.“ Nach einem klaren Dementi klingt das nicht.
"Linke ebenso wie Rechte gefährdet"
Nicolaus Fest hat die Nachricht schon vor ein paar Tagen verbreitet, doch bis auf die Junge Freiheit und einschlägige Blogs war den meisten Medien dieser ungeheuerliche Vorgang keine Erwähnung wert. Weil es sich um einen AfD-Politiker handelt? Halten all die selbsterklärten Demokratie-Verteidiger eine solche Zersetzungsmaßnahme bei Vertretern dieser Partei für legitim?
Das war einmal anders. Im Jahr 2001 hatte die Postbank der „Jungen Freiheit“ sämtliche Bankverbindungen gekappt. Daraufhin hatte es einen Protest- „Appell für die Pressefreiheit“ gegeben, der von etlichen Persönlichkeiten unterstützt wurde, beispielsweise von Franz Alt, Herbert Ammon oder Helmut Markwort. Aber nicht nur das, auch Journalisten verschiedener Zeitungen, die ansonsten vehement gegen die „Junge Freiheit“ als rechtes Blatt anschrieben, wandten sich dagegen, solche Mittel zu akzeptieren. Der Tagesspiegel kommentierte seinerzeit:
„Wenn das Beispiel der Postbank Schule macht, dass nämlich Geldinstitute ihren Kundenkreis nach politischen Kriterien aussieben, dann sind viele gefährdet, Linke ebenso wie Rechte. Kein Gastwirt kann gezwungen werden, Bier an einen Kunden auszuschenken, dessen Nase ihm nicht passt - das stimmt. Aber Zeitungen sind etwas Besonderes. Sie sollen nicht schikaniert werden, hat der Alte Fritz gesagt. Und es gilt dabei der Grundsatz: Wer nicht verboten ist, der soll auch nicht behindert werden. Wenn die "JF" ein Naziblatt ist, möge sie verboten werden. Aber das ist sie ja nicht. Die "JF" bewegt sich im Grenzbereich des Erlaubten. Man mag sie ignorieren oder sich mit ihr auseinandersetzen. Aber so, wie es die Postbank macht, geht es nicht. Pressefreiheit gilt auch für die Schmuddelkinder.“
Nun sollte man sich vorstellen, was es analog bedeutet, wenn das Beispiel der Deutschen Bank bei Nicolaus Fest Schule macht. Der damalige freiheitliche Geist, der aus dem zitierten Kommentar sprach, ist bislang in diesem Fall leider noch nicht wahrnehmbar. Heute ist die Angst, sich mit den Falschen zu solidarisieren zu groß, obwohl es dabei nicht ansatzweise darum geht, sich an die Seite der AfD zu stellen, sondern die Stimme gegen die Etablierung einer illiberalen Unkultur zu erheben.
Aber vielleicht beruhigen sich die einst kritischen Geister ja auch damit, dass heutzutage immerhin niemandem ein sogenanntes Basis-Konto für die nötigsten Zahlungsvorgänge verwehrt werden darf. Seit 2016 ist das Anrecht auf so ein Konto gesetzlich festgeschrieben, damals hatten die Gesetzesinitiatoren noch die eher sozial Gestrauchelte, Schuldner und Obdachlose im Blick, die bis dato keine Chance auf ein Konto hatten. Heutzutage können vielleicht auch politisch Aussätzige von diesem Gesetz profitieren.
Der Beitrag erschien auch hier auf sichtplatz.de
Beitragsbild: Christian Demiegeville CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Auch dem MdBT Tino Chrupalla (AfD Sachsen) wurde das Konto, glaube sogar das Geschäftskonto, er ist selbstständiger Handwerker mit einem Malerbetrieb, von der *Deutschen gekündigt. Ist also kein Einzelfall. Gibt noch mehr.
Als ob die Deutsche Bank angesichts der sehr erheblichen Menge italienischer Staatsanleihen, die sie in ihren Assets hat, nicht genügend echte Probleme hätte.
"Kauft nicht bei Juden". Das war früher. Heute erscheint das abgewandelt in anderem Kostüm. Siehe hier den Herrn Fest von der AfD. Oder die AfD-Politikerin, die aktuell aus einem Münchner Restaurant verwiesen wurde. Oder die Buchhandlungen, bei denen in einem überschaubaren Bereich auch Literatur zu kaufen ist, die dem nichtlinken, aber eher rechtem Spektrum zuzuordnen ist; ich meine den M-Stokowski-Fall. Alles irgendwie ein Verstoß gegen den Geist des Antidiskrimierungs-Artikels im deutschen GG. Gut, dass es die Achse gibt, die dazu beiträgt, ein Stück der kulturellen Hegemonie (s. A. Gramsci) zurück zu erobern, was dringendst notwendig ist.
Nikolaus Fest möge es positiv sehen. Kein Geld mehr auf einer EU Bank liegen haben, und vor allem das Guthaben nicht in Euro. Dann sieht die Zukunft gleich besser aus.
Ahh - grade gelesen: Deutsche Bank auf allzeit Aktien-Tiefststand. Das auch noch - und dann m u s s einfach etwas passsieren. Also kündigen wir erst mal das Konto dieses AfD-Mannes, dann sehen wir weiter... Wie ich schon sagte: Es ist tragikomisch...
Wir stehen nahe an den Zeiten 1933-45 und 1949-89 im Osten. Anstatt sich die Deutsche Bank(schade um den Namen) um ihre Geschäfte kümmern und gegen den Niedergang kämpft, kämpft sie lieber gegen räääächts. Wenn ich Kunde wäre, ich würde freiwillig gehen.
Es mag theoretisch rechtens sein, einem langjährigen guten Kunden ohne Angabe von Gründen seine Konten abzunehmen. Es belegt allerdings das vollständige Fehlen geschäftlichen wie menschlichen Anstandes. Wie Herr Fest beschreibt, bekam er vom zuständigen Vorstandsmitglied auf seine Anfrage nicht einmal eine Antwort! Kann man einen Menschen mehr demütigen und kränken, mit dem man jahrelang in offenbar ungestörter und vertrauensvoller Geschäftsbeziehung stand, als ihm sogar eine höfliche Ausrede zu verweigern, wenn man als Bank schon glaubt, sein Tätigkeitsfeld auf politische Repression erweitern zu müssen? Wir haben den Vorgang im erweiterten Umfeld diskutiert und beschlossen, auch als Nicht-AfDler unsere Geschäftsbeziehungen zu verlagern (natürlich ohne Angabe von Gründen). Menschliche Schäbigkeit und Kundenselektion nach Gesinnung unterstützen wir nicht.