2005 beteiligte ich mich an Protesten gegen den „Abkopplungsplan“ des damaligen israelischen Ministers Ariel Sharon in den jüdischen Siedlungen in Gusch Katif in Gaza. Und wurde schließlich von israelischen Verteidigungsstreitkräften, die das Gebiet räumen wollten, aus einer Synagoge gezerrt. Seitdem war ich nie von Raketenangriffen der Hamas auf Israel überrascht. All die Tausenden von Demonstranten in dem jüdischen Siedlungsblock sagten voraus, dass es nur eine Frage von Tagen sei, bis die Hamas anfangen würde, Raketen auf den Süden Israels abzuschießen, sobald die „Pufferzone“ von Gush Katif entfernt sein würde.
Wir sagten damals auch voraus, dass sie eines Tages Tel Aviv erreichen würden. Und für alle, die sich darum sorgten, dass Soldaten ihr Leben verlieren, wenn sie jüdische „Siedler“ in Gaza beschützen: Seit 2005 wurden unzählige israelische Bodentruppen bei grenzüberschreitenden Operationen eingesetzt, Dutzende Soldaten kamen dabei ums Leben. Das Abfeuern von Raketen auf Israel ist im Grunde ein Sommervergnügen der Dschihadisten. Unter der Trump-Regierung ging es immerhin etwas ruhiger zu.
Jeder Krieg hat mein Herz tief getroffen, ob ich nun zu der Zeit in Israel war oder nicht. Ich wollte immer, auch nach dem Verrat der israelischen Regierung an den jüdischen Bürgern in Gaza, für Israel und sein Volk kämpfen. Und natürlich tue ich das immer noch, aber jetzt bedeutet kämpfen, Israel und niemanden sonst – nicht „die Welt“, nicht Biden und nicht einmal „die Hamas“ – verantwortlich zu machen für jede aufeinanderfolgende Niederlage, die uns der wahren Sicherheit nicht näher gebracht hat. „Nie wieder“ war 2006, 2008, 2012, 2014, aber während wir die Phrase immer wieder gerne mit Hashtags versehen, tun wir nie wirklich etwas, um #NeverAgain zu verhindern.
Die Israelis sitzen erneut im „Lockdown“
Ich habe versucht, auf eloquente und oft musikalische Weise, Israels Fall darzulegen und um das Mitgefühl und Verständnis der Menschen zu bitten. Ich tat dies ohne Gewinnabsicht und machte mich oft zum Gespött, obwohl „Hasbara“ (der hebräische Begriff für Öffentlichkeitsarbeit in Israel) eine große Industrie ist. Ich wollte nur, dass meine Familie und ich in Sicherheit sind, dass wir uns nicht mehr in Bunkern verkriechen müssen. Erst vor ein paar Tagen schlug eine Hamas-Rakete in ein Gebäude neben einem Park ein, in dem meine Tochter im Winter spielte.
Ich antwortete auf jeden Treffer der Hamas mit einem eigenen „Hit“. Zum Beispiel mit einer Miley-Cyrus-Parodie von „Wrecking Ball“ („Gaza Wrecking Ball“), die fast 150.000 Aufrufe erreichte. Dann gab es den satirischen Hit „Kill All the Jews“ von der Fake-Band „Gaza Girls“, der fast eine halbe Million Views bekam, bevor er von jeder Social-Media-Plattform gelöscht wurde. (Hier, versuchen wir es mit Rumble). Aber keine Sorge, Gaza Girls kam mit zwei weiteren Hits heraus: „Ew Jew!“ (jetzt auch auf Rumble) und „Rocket Launcher“, eine Parodie von Sias Mega-Hit „Chandelier“ (der immer noch auf YouTube zu finden ist). Das mildere „Hear the Rocket Blast“ (nach Vanessa Williams' „Save the Best for Last“) kam nicht so gut an wie die anderen, aber ich denke, es ist eine hübsche Erklärung dafür, wie es sich in Israel gerade anfühlt.
Nachdem sie wegen Corona ein Jahr im Lockdown verbracht haben, sitzen die Israelis jetzt wieder im „Lockdown“, im Bunker, und ich fühle mit ihnen mit wegen dieses unendlichen, unnötigen Leidens.
Ein blutiges Theater
Diese Gaza-Israel-Kriege sind bereits zu einem blutigen Theater geworden. Alle alten Verdächtigen können jetzt wieder die gleichen Skripte verwenden: Europa (und dieses Mal auch Amerika) sagt „beiden Seiten“, die Spannungen abzubauen. Israel schlägt Hamas-Ziele zur Vergeltung, dann schwört die Hamas Rache. Die israelische Führung bedient sich harter Rhetorik, weiß aber nicht wirklich, wie sie die Sache ein für alle Mal beenden kann. „Hasbara“-Spezialisten fühlen sich nützlich. Pro-Palästinenser-Demonstranten, die bei weltweiten Protesten „Free Palestine“ schreien, mit anschließenden Pro-Israel-Gegenprotesten. Und das allseits bekannte Bild der Juden als Opfer, die in ihren Luftschutzkellern hocken.
Das Problem ist: Die israelische Regierung mit Premierminister Netanjahu an der Spitze hat das Virus des Antisemitismus in Gaza nicht mit demselben Eifer behandelt, mit dem sie mehr als die Hälfte ihrer Bevölkerung geimpft hat. Während Israel Corona eroberte, verbreitete sich der Gaza-Virus unkontrolliert. Leider haben sich die Juden in Israel so sehr daran gewöhnt, ihr Leben für die „Nation“ zu opfern, dass es nicht mehr als Opfer angesehen wird, in einem Luftschutzkeller zu sitzen. Es ist eine heilige Pflicht.
Irgendwann wollte ich nicht mehr öffentlich weinen, damit alle unseren Schmerz sehen. Ich wollte meinen eigenen Brüdern und Schwestern in Israel gegenüber weinen, um ihnen zu zeigen, dass sie etwas Besseres verdient haben. Und so wurde das in diesem Beitrag angeteaserte, originelle Musikvideo „Protect You“ über einen Vater und eine Tochter in einem Luftschutzkeller eines meiner Lieblingsvideos – und eines der traurigsten. Sehen Sie es sich bis zum Ende an, um die wahre Tragödie hinter diesen Kriegen zu verstehen.
Ich bin sicher, dass noch weitere meiner Videos in diesen Zusammenhang passen würden, aber ich werde sie hier nicht anführen, damit dieser Beitrag nicht wie eine Übung in Eigenwerbung aussieht. Es ist nur so, dass ich schon so viel über die Situation in Gaza veröffentlicht habe – warum also das Rad neu erfinden? (Ich habe sogar einen Roman über das Thema geschrieben, namens „The Settler“.)
Ich weigere mich, mal wieder ein Opfer zu sein
Ich will keine Schauspielerin in diesem Drama mehr sein. Ich richte meine Wut gegen eine israelische Regierung, die lediglich in ihrem Theater schwelgt und keine Abschreckung aufbaut. Wenigstens scheint es dieses Mal nicht so, als würde Israel Bodentruppe schicken, also es wurden keine Reserven einberufen. Sie schlagen den Feind aus der Luft.
Sicher, ich könnte mich über die deutsche Regierung aufregen, weil sie nicht auf Israels Seite steht, aber letzten Endes hat nicht einmal Deutschland die Verantwortung, Israel zu verteidigen, obwohl es Israel viel mehr Kraft geben würde, wenn Deutschland Israel signalisieren würde, dass es das Recht hat, seinen Feind zu vernichten. Aber es sollte sich nicht auf die Erlaubnis Deutschlands verlassen.
Also jedes Mal, wenn ein neuer Krieg ausbricht, werde ich vielleicht einfach eines meiner alten Videos posten. In der Zwischenzeit bin ich froh, dass ich meine Reise nach Israel dieses Wochenende abgesagt habe, noch bevor dieses Gaza-Drama begann. Ich bin dankbar für die Lockdown-Langeweile in Berlin. Ich bin froh, dass ich mit meiner kleinen Tochter nicht in einen Luftschutzkeller flüchten muss.
Manche mögen mich Verräterin nennen, vor allem, weil ich all das vor deutschem Publikum ausbreite, während ich es mir in Berlin kuschlig mache. Manche mögen sagen, ich wurde besiegt. Ich glaube hingegen, das ich mich einfach weigere, mal wieder ein Opfer zu sein.

Natürlich kann man Netanyahu und Benny Gantz nicht mit Ben Gurion, Golda Meir oder Moshe Dayan vergleichen. Was in Ihrer Heimat läuft, ist allerdings ein Stellvertreterkrieg des Iran gegen Ihr Land. Was Ihre Regierung vielleicht versäumt hat, ist wahrscheinlich, mit noch intensiverer Geheimdienstarbeit, auch international, die Waffenlieferungen in den Gazastreifen zu unterbinden, und gleichzeitig den Mullahs zu signalisieren, dass jeder aufgefundene Blindgänger aus iranischer Lieferung als Kriegserklärung des Iran gegen Israel gewertet werden kann. Damit zündelt niemand gern; und auch Ihre Regierung wird das Leben ihrer Bodentruppen nicht gern riskieren, und selbstverständlich dürfen Sie froh sein, jetzt nicht in Israel leben zu müssen. Nur, machen Sie sich bitte keinerlei Illusionen, und wiederholen Sie bitte nicht die entsetzlichen Fehler der Vergangenheit: Vergessen Sie nie, wer sich jetzt zu Israel bekennt. Es ist derselbe Mann, der einen Kranz am Grabe Yassir Arafats niedergelegt hat. Erinnern Sie sich, wer NGOs finanzieren hilft, deren Gelder als „Renten“ an Terroristen und deren Hinterbliebene fließen, die das Töten von Juden betreiben oder befürworten. Sehen Sie hin, wer in der UN gegen Israel stimmt. Hören Sie zu, wie leisetreterisch die Meldungen über das Verbrennen israelischer Fahnen durch Muslime hierzulande sind. Achten Sie darauf, wen dieses Land zur Einwanderung einlädt. Hören Sie zu, wer in Detuschland von „Frieden“ schwafelt, während er gegen Israel hetzt. – Der Schutz Deutschlands für Juden und seine Solidarität mit Israel sind nichts als ein verlogener verbaler Koloss auf den winzigen tönernen Füßchen der Wirklichkeit. Singen Sie vor allem dieses Lied, wenn Sie hier leben. – Danke, und herzliche Grüße!
Liebe Orit, Ich weiß, dass das alles unglaublich anstrengend ist. Nicht nur für euch. Ich gehöre zu den wenigen Deutschen, die wohl einen etwas genaueren Blick hinter die Kulissen bekommen haben und deshalb genau wissen, was ihr da durchmacht. Ich sage es jetzt direkt: Ein wenig muss es noch krachen. Denn dieses „Krachen“ ist mittlerweile in Deutschland angekommen und wird damit auch für diejenigen sichtbar, die bisher keinen Blick hinter die Kulissen bekommen haben und deshalb immer die falschen Schlüsse gezogen haben. Die Toleranz schwindet mit der Nähe zum Problem. Diese Nähe ist jetzt da. Und damit wird die falsch verstandene Toleranz gegenüber der totalen Intoleranz, die ihr seit Uhrzeiten erleiden müsst und die von uns in totaler Ignoranz auch noch Jahrzehnte lang unterstützt worden ist, alsbald ihr Ende finden. Noch ein wenig Geduld. Es fängt gerade an zu rollen. Dieses Momentum muss voll genutzt werden. Jetzt oder nie. Sonst war alles umsonst.
Alle Geldhähne zudrehen. Waffenlieferanten der Hamas und ihre Freunde an den Pranger. Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen.
Normalerweise schreibe ich hier ja nicht, aber ich möchte mich hiermit für den Tip mit den Gaza-Girls bedanken. Die sind geil. Dankeschön. Das übliche Mainstream-Gedüdel geht mir schon lange auf die Nerven. Abgesehen davon unterhielt ich mich die Tage mit jemanden mit einer Israel-Flagge in den Chans. Dieser sagte, dass er es nicht verstünde, weshalb man nicht einfach die Wasser- und Strom-Lieferung in die Palästinensergebiete einstelle. Die sind da so zusammengepfercht, dass sie keine Woche ohne überleben würden. Immerhin haben die den Krieg erklärt, und man kann ja wohl kaum erwarten, dass man seinen Feind im Krieg mit den Lebensnotwendigkeiten versorgt. Darüber hinaus sagte er, dass es die Juden mal wieder in den Arsch beißt, dass sie einen humanistischen Staat errichtet haben, und sie auch kein Mitleid erwarten können, wenn sie die Konsequenzen einer Ideologie trifft, die sie selbst seit Ewigkeiten weltweit verbreiten. Das klang für mich ziemlich vernünftig. Völkerverständigung und Minderheitenrechte und so ein Quatsch führen halt zu Problemen, und manchmal ist Gewalt halt die beste Lösung. Und wenns die Wurzel trifft, wer kann da klagen.
Shalom Israel, Ihr seid die Demokratie, Ihr seid das Land, welches es uneingeschränkt zu verteidigen gibt, aktuell und historisch gesehen. Radiert die Aggressoren aus. Und lasst uns alle an den Mann erinnern, der gegen iranische, türkische und sogenannte palästinensische Widerstände Araber und Israelis zum Frieden an den Tisch gebracht hat: Donald J. Trump! Man sieht was bei Nightmare Sleepy Joe jetzt passiert.
@Reinhard Lange
Nun, was die „Vertreibung“ der arabischen Familien aus den von ihnen bewohnten Häuser anbetrifft, haben Sie doch, einige Fakten „vergessen“ zu erwähnen. Diese Gegend wurde (in der Neuzeit) , seit Mitte des 19. Jahrhunderts bewohnt. Erst nach dem Unabhängigkeitskrieg (1948), haben die siegreichen Jordanier ethnische Säuberung durchgeführt und sämtliche Juden aus Ostjerusalem vertrieben, auch die Bewohner/Eigentümer dieser Häuser. Seit der Rückeroberung Ostjerusalems, bemühen sich die Erben um deren Eigentum, wobei es vermutlich ausreichen würde, wenn die jetzigen Bewohner Miete zahlen würden. Dies taten sie nicht und es ist auch in dem so friedlichen Deutschland durchaus üblich, säumnige Mieter auf die Strasse zu setzen, oder kennen Sie es anders. Natürlich kann man nicht ausschliessen, dass auch hierzulande, z.B. die „antiisraelische Protestierer“ aus Gelsenkirchen aufhören werden, die Miete zu bezahlen. Wir werden schauen, was dann passiert.
Werte Frau Arfa, Sie sollten sich in Berlin nicht allzu sicher fühlen. Das „Nie wieder“ wird – um mich auf Deutschland zu beziehen, hier in Deutschland gar nicht anfangen. Dafür das „Bald wieder“. Man betrachte, wie sich der Antisemitismus in die Linkspartei, in die Grünen, in die SPD sowie in die Massenmedien, Universitäten, Bildungswesen usw. hineingefressen hat. Das ist schlicht die Mitte der jüngeren und jüngsten Gesellschaft in Deutschland – die zum Antisemitismus erzogen wird. Verantwortlich mache ich all die, welche aus falsch verstandenem Liberalismus bzw. falsch verstandener Toleranz, vulgo aus Gleichgültigkeit und Desinteresse, zugelassen haben, dass der Linksextremismus in Deutschland seinen Marsch durch die Institutionen nehmen konnte. Der Linksextremismus, der mit „Antisemitismus“ gleichzusetzen ist. Juden gelten als „reich“ – und deshalb sind sie zu enteignen und in Arbeitslager zu sperren – nachdem „Erschießen der Reichen“ z.B. auf dem Parteitag der Linken offen ausgesprochen, bei vielen „alten weißen Männern des Nachkriegsdeutschlands vor der Jahrtausendwende“ nicht so gut ankam…