Herbert Ammon, Gastautor / 30.04.2020 / 16:00 / Foto: Tomaschoff / 8 / Seite ausdrucken

In unserem Land darf man nicht mehr dürfen

Darf man in diesem unserem Land noch dürfen oder lieber nicht? Man darf, außer man gerät in die Verdachtzone. Im übrigen gilt: Wer nicht im grünen, merkelfrommen Chor mitsingt, hat in der pluralistischen, will sagen: realkonformistischen Gesellschaft nur geringe Chancen, Gehör zu finden.

Zur Klarstellung: Von der politisch-medialen Corona-Epidemie beziehungsweise Endemie habe ich mich nicht anstecken lassen. Ich weigere mich auch nicht, Mund und Nase zu verhüllen, wenn ich in meinen überschaubaren Edeka-Markt gehe, genauer: Wenn ich, ohne rechte innere grün-korrekte Überzeugung, mit dem Rad zum Einkaufen fahre. Ich weise zugleich Maskenverweigerer nicht zurecht, und ich halte mich von Berliner Massenveranstaltungen – wie integrationsförderliche Beerdigungen, Corona-Doppel-Demos auf dem Rosa-Luxemburg-Platz oder Kreuzberger Klassenkämpfe („Myfest“) – fern.

Bezüglich des vertrackten Syndroms von Infektions- und Sterberisiken, ökonomischem Niedergang, Kollaps unseres vorbildlichen (nur von einigen „Linke“-Funktionären angezweifelten) Sozial-und Gesundheitssystems bekenne ich, nicht zu wissen, welche Maßnahmen denn die richtigen sind (oder wären). Soll man darüber spekulieren, zu welchem Termin in diesem unserem Land der Shutdown/Lockdown wieder aufgehoben wird? Ob und wie die avisierte Anti-Corona-Anleihen-Injektion den notorischen Schuldnerstaaten wieder auf die Beine hilft?

Ich möche mich auch nicht am feuilletonistischen Streit über Wolfgang Schäubles eigenwillig autoritative Interpretation des Grundgesetzes beteiligen, wonach die Würde des Menschen über dem ultimativen Lebensrecht des Menschen stehen soll. Schäuble hat insofern recht, als im Kriegsfall – und bei allgemeiner Wehrpflicht – Regierungen und militärische Befehlshaber nicht dem Lebensrecht der Rekrutierten vor politisch-militärischen Entscheidungen den Vorzug geben. Den Toten bleibt dann die Würde auf den Soldatengräbern, sofern nicht die besonders wertebewusste, pazifistisch-würdevolle Tante Antifa ihren Begriff von Menschenwürde zum Ausdruck bringt. Aktuell geht es Schäuble mehr um die Abwägung der ökonomischen und sozialpolitischen Risiken eines prolongierten Shutdown, also um ein eminent politisches Thema. Über die Probleme eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs mit dem Ausgesinde sinnierte dereinst Helmut Qualtinger. Satire ist beim Thema Corona indes unangebracht, im Blick auf die eigene Zukunft im Pflegeheim irgendwie pietätlos.

Man darf also über vieles nachdenken, aber nicht alles aussprechen. Nun gibt es Gottseidank – außer meinem in sozialer (und politischer) Isolation verfassten Blog – noch ein paar Medien, die dem freien Bürger demokratisch freie Meinungsbildung (Art. 5 GG) ermöglichen, zum Beispiel die „Achse des Guten“. Über dieses Medium schreibt – unter der Überschrift: „Unsere Liste der Guten“ – der Ramadan-Verweigerer Hamed Abdel-Samad:

„Die Achse-Autoren haben Kante und Biss und keine Angst, falsch zu liegen. Das macht sie beliebt und verhasst zugleich. Viele mögen die Achse nicht und lesen sie trotzdem heimlich. Das muss man erstmal schaffen.“

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Herbert Ammons Blog.

Foto: Tomaschoff

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Leserpost

netiquette:

alma Ruth / 30.04.2020

Hamed Abdel-Samad ist einer der nicht allzu vielen gescheiten Menschen in D.  Weiß ich nicht erst seit heute. Ich habe fast alle seine Bücher und ich verehre ihn. Ein Mensch mit Anstand. Ja, so sehe ich ihn. Und ich glaube nicht, daß ich mich in dem Fall irre. Mit meinen 89 Jahren hat sich in mir eine Menge Menschenkenntnis angesammelt. Das hört sich vielleicht eingebildet an, aber so bin ich nun wirklich nicht. Alle die mich kennen, wissen dies. lg alma Ruth

Sabine Lotus / 30.04.2020

It ain’t a crime, if you don’t get caught. :)

Karsten Dörre / 30.04.2020

Man traut sich nicht zu dürfen, weil man Angst vor Kritik hat. Es ist eine gesellschaftliche Seuche. Shitstorms aushalten, wie es Politiker machen, weil die genau wissen, die paar Hansels im Web, die einen vollpflaumen, sind zu keiner Zeit eine Mehrheit. Die Seuche begann mit likes, dislikes und ähnlichem Unfug. Eine Meinung zu lesen und stehenzulassen ist für viele Zeitgenossen ein schweres Brett. Meinungsaustausch wird mit wem runtermachen verwechselt. Auch bei der Achse grassiert bei den Leserbriefen weitestgehend dieses Phänomen. So bleiben viel Beifallskommentare zu den Artikeln zu lesen.

Oliver Lang / 30.04.2020

“Satire ist beim Thema Corona indes unangebracht, im Blick auf die eigene Zukunft im Pflegeheim irgendwie pietätlos.” Gerade dann, wenn sie die eigene Lebenswelt betrifft macht Satire Spaß.

P. Wedder / 30.04.2020

Habe letzten Monat Folgendes gelesen: “Freiheit ist nicht tun zu können was man will, sondern nicht tun zu müssen was andere wollen.” Nun bringe ich meinen Kinder das Lied “Die Gedanken sind frei” bei.

Karl-Heinz Vonderstein / 30.04.2020

Wer in unserem Land noch dürfen darf oder mitsingen darf sieht man am besten daran, wer alles und wie oft in Talksendungen des deutschen Fernsehens eingeladen wird.

Jörg Themlitz / 30.04.2020

„Die Achse-Autoren haben Kante und Biss und keine Angst, falsch zu liegen. Das macht sie beliebt und verhasst zugleich. Viele mögen die Achse nicht und lesen sie trotzdem heimlich. Das muss man erstmal schaffen.“ Nach ca. 35 Jahren ist Udo Lindenberg immer noch hoch aktuell. Na ja, stimmt nicht, Herr Lindenberg ist regierungskonform. Sein damaliger Text ist aktuell: “Honey (gemeint Honecker), ich glaub`, Du bist doch eigentlich auch ganz locker, ich weiß, tief in dir drin bist Du doch eigentlich auch`n Rocker, Du ziehst Dir doch heimlich auch mal gerne die Lederjacke an, und schließt Dich ein auf`m Klo und hörst West-Radio.”

Gerd Heinzelmann / 30.04.2020

Ein freundlicher Hinweis für alle Deutschen: Wir befinden uns im Krieg! Ich mag nicht Schröder und Merkel, ich mag Trump!

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