Im Jahr 1994 führt Deutschland 22:1 gegen Südkorea bei den scharf gesiebten PCT-Patentanmeldungen. 2019 steht es 1:1. Die Ostasiaten mit heute 50 Millionen Einwohnern haben einen damals hoffnungslos wirkenden Rückstand gegen mittlerweile 83 Millionen Deutsche furios aufgeholt.
Diese Dynamik wirkt durchaus rätselhaft, weil im Koreakrieg (1950–1953) beide Hälften des Landes die Auslöschung von über 90 Prozent ihrer Industrieanlagen hinnehmen müssen. US-General Curtis Lemay (1906–1990) verkündet, dass „fast alle Städte in Nord- und Südkorea“ durch Brand- und Sprengbomben zerstört wurden. Verliert das Deutsche Reich zwischen 1939 und 1945 durch alliierte Flieger rund 500.000 Menschen, so kommen in Korea zweimal so viele um. Als Deutschland bereits acht Jahre Wiederaufbau hinter sich hat, kämpfen sich die Koreaner erst aus den Trümmern.
Und Südkorea hat weitere Handicaps. So erreicht es beim Schutz von Eigentumsrechten, ohne die es Patente nicht gäbe, 2020 zwar einen passablen Wert von 6.68, aber Deutschland kann 7.74 aufweisen. Finnland steht mit 8.65 unter 131 gemessenen Nationen an der Spitze. Das Ende markiert Haiti mit 2.66. Kritisiert wird Südkorea überdies im Bereich ethnischer Diversifizierung, von der sich deutsche Politiker so viel erhoffen. Mit 139.600 anerkannten Asylanten des Jahres 2018 schneidet die Bundesrepublik gut tausendmal stärker ab als Südkorea mit nur 107.
2:1 für Südkorea
Ungeachtet ihrer Exklusivität sind selbst unter PCT-Patenten nicht alle gleich. Es gibt die respektablen, aber darüber hinaus die für die Zukunft entscheidenden. Dabei geht es um Innovationen für die – 2011 zuerst von Deutschen ausgerufene – Industrie 4.0, also um die Vierte Industrielle Revolution (4IR) beziehungsweise das Internet der Dinge. Diese Artificial-Intelligence-Anwendungen ermöglichen das Kommunizieren von Maschinen mit Maschinen und von Programmen untereinander. Das Europäische Patentamt hat für diese Nobel-Kategorie eine Sonderauswertung von knapp 40.000 der insgesamt 253.000 Anmeldungen des Jahres 2018 vorgelegt.
2.051 Patente im 4IR-Sektor stammen 2018 aus Deutschland, aus Südkorea jedoch 4.370. Wo es rasant nach vorne geht, steht es zwischen den beiden also nicht mehr 1:1, sondern mit steigender Tendenz 2:1 für Südkorea. Deutschlands Spitzenreiter Siemens, der zwischen 2000 und 2009 noch 1,8 Prozent der globalen 4IR-Patente vorlegt, sackt – bei fallender Tendenz – auf nur noch 0,8 Prozent zwischen 2010 und 2018. Südkoreas Samsung-Erfinder hingegen klettern von 2,8 auf 5,2 Prozent und sind sechseinhalb mal stärker als die Münchener.
Seoul mit 9,9 und Tokio mit 9,8 Prozent der 4IR-Patente sind die Top-Städte der Menschheit. München mit 1,1 und Stuttgart mit 0,9 Prozent bilden keineswegs ein Nullum, kommen aber immer näher an den Ausgang des Hightech-Palasts.
Akademiker verlassen Deutschland
An welcher Schraube ließe sich in Deutschland noch drehen? Der Staat könnte mehr für Forschung und Entwicklung ausgeben. Das hat er aber durchaus brav getan. Parallel zum Absinken deutscher Firmen und Städte steigt der öffentliche Mitteleinsatz zwischen 2005 und 2018 von 9,0 Milliarden auf 17,3 Milliarden Euro. Mit insgesamt 3,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung im Jahr 2019 liegt man auf der Höhe Japans, allerdings hinter Südkorea (gut 4 Prozent). Wird man mit noch höheren Aufwendungen die Nase wieder vorne haben? Oder werden auch diese Mittel verpuffen? Denn wer könnte das Geld produktiv umsetzen? Absolventen von Sozial- oder Theaterwissenschaften und so weiter für das einfallsreiche Ausgeben von einer Milliarde Euro gegen Rechte werden sich zwischen 2021 und 2024 schon finden. Aber der 4IR-Ertrag dieser Summe dürfte bei null liegen.
Man muss also den Gründen für den Aufstieg der Ostasiaten nachgehen. Bei PISA 2018 hat Südkorea unter 1.000 Fünfzehnjährigen 69 mathematisch Fortgeschrittene („level 6“), während es in Deutschland 28 sind. Bei TIMSS 2015 (S. 115), wo die Gleichwertigkeit der Talente genauer beachtet wird, sind unter 1.000 südkoreanischen Kindern 409 „advanced“, in Deutschland aber lediglich 53.
Unter Nationen mit ähnlich solidem Eigentums- und Vertragsschutz kommen diejenigen nach oben, die ihre Kompetenz bewahren oder gar ausbauen können. Wie schlechtes Geld gutes Geld verdrängt, so verdrängen schlecht qualifizierte Migranten gut qualifizierte Einheimische. Die Besten erkennen diesen Zusammenhang zuerst. Schließlich müssen sie den 4IR-Karren für die Prosperität der Nation ziehen. Sie verstehen also, dass selbst bei ihrem Hierbleiben das Abrutschen der Heimat nicht zu verhindern ist. Deshalb klopfen sie vorsorglich bei Kompetenzfestungen an. Auch zwischen Rhein und Oder gibt es noch junge Leute, die eine solche Analyse anstellen können. Deshalb ist „der durchschnittliche deutsche Auswanderer unter vierzig, beruflich erfolgreich und hat einen akademischen Abschluss.“ Diese Könner entstammen demografisch noch stärkeren und zugleich smarteren Jahrgängen. Unter den Nachwachsenden sind solche Köpfe von vornherein rarer, aber das Finis Germaniae werden sie ebenso schnell verstehen wie die heute Weggehenden.
Gunnar Heinsohn (*1943) lehrte von 2011 bis 2020 Kriegsdemographie am NATO Defense College in Rom. 2019 hat er sein Buch „Wettkampf um die Klugen“ (Orell&Füssli) publiziert. Weitere Informationen finden Sie auf seiner Homepage.
Beitragsbild: Staff Sgt. Marianique Santos via Wikimedia Commons

Wir können den Vorsprung Südkoreas bei Hochtechnologie nicht mehr aufholen. Ich war 2005 in Südkorea auf einer Studienreise. Schon damals habe ich gestaunt, WAS alles möglich ist. Das geht bei den einfachsten Alltagsgegenständen los, alles Hightech. Mir sind förmlich die Augen übergelaufen. Dagegen war damals schon Deutschland rettungslos bei den Technologien hinterher. Seit 2015 haben wir endgültig den Anschluss verloren und durch den Import ungebildeter Menschen werden wir in ein Drittweltland abrutschen. Dazu kommen noch ideologische Vorgaben, wie Windmühlen, Sonnenkollektoren, die die normale Stromerzeugung ersetzen sollen, das Fahrrad als gehyptes "Transport"mittel, die Zerstörung der Autoindustrie, die Zerstörung der Energiewirtschaft, die Zerstörung der Landwirtschaft, die Zerstörung bröckchenweise der Chemieindustrie. Wir zerstören Arbeitsplätze, weil gewissen Kreise Plastik hassen und gehen wieder zurück in die 1950er Jahre mit schlechten Ersatzstoffen. Maschinenbau wird es auch bald kaum noch geben, Es wird nicht nur die Industrie zerstört, sondern das Wissen geht für immer verloren. Auch die Schüler in Südkorea haben eine ganz andere Einstellung zum Lernen. Wir haben es selbst gesehen, beim abendlichen Spaziergang in deren Bildungsferien. Da wurde wiederholt, was am Tage im Völkerkundemuseum gelernt wurde und erst danach gab es Party. Deutschland ist nicht mehr gewillt Leistung zu erbringen. Leistung ist das A + O für einen florierenden Industriestaat. Ein Siedlungsgebiet, wo das Matriarchat herrscht mit Gefühl und Gendergaga, wird untergehen bzw. von anderen geschluckt werden. Wir sehen in Echtzeit, warum das Matriarchat in der Geschichte der Menschheit untergegangen ist.
Es mag schon sein, dass es nicht am Geld liegt, wohl aber daran, wo selbiges denn letztlich landet, wer davon profitiert und wer über die Verwendung dieser Mittel entscheidet. Es hängt an der Frage, ob entsprechende Institutionen wie zum Beispiel die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG zukunftsentscheidende Forschung tatsächlich fördern oder aus ideologischen Gründen blockieren. Und natürlich stellt sich die Frage nach der Qualität der Bildung bei den Generationen, welche dann in Zukunft den Forschungsbetrieb in Deutschland betreiben sollen. --- Wenn ein Großteil der Abiturienten inzwischen erst einmal Wiederholungs- und Grundlagenkurse benötigen bevor sie halbwegs im Unibetrieb klarkommen, wenn Studenten während des ersten Lockdowns motzen; weil sie zu doof sind mal selbst ein Buch aufzuschlagen, wenn ein großer Teil der Schüler gerade mal noch ein "ungenügend" in den Lesefähigkeiten erreicht, während ein grüner Ministerpräsident schwadroniert, man benötige heute gar keine Rechtschreibkenntnisse mehr, dafür gebe es doch schlaue Maschinen... dann kommt im Forschungsbetrieb auch nicht auf magische Weise besser ausgebildetes Jungvolk an. Und was glaubt der Mann eigentlich, wer diese klugen Maschinen baut? Die Deutschen jedenfalls nicht mehr. --- Und sonst? Klima, Gender und all der andere ideologische Müll sind doch schon lange im Forschungsbetrieb angekommen. Die DFG jedenfalls fördert schon seit Jahren lieber Forscher mit 'Haltung'. Und wenn die Internettussi der Regierung von Flugtaxis träumt und nicht mal ansatzweise begreift, dass immer noch ganze Teile des Landes ohne Internet sind, wenn die 'Internet-Botschafterin' der Regierung, Gesche Joost, eine DESIGNFORSCHERIN ist, deren Beitrag zu Deutschlands Vorankommen in diesem Bereich darin besteht, Elektronik in Strickjacken einzunähen, natürlich auf Kosten des Steuerzahlers und mit ihrer eigenen Firma, dann weiß man doch eigentlich, warum wir so abgehängt werden. So ein wenig wundert mich diese Frage dann schon.
@Albert-Pflüger: "Wir brauchen mehr Freiheit und weniger Förderung von Minderbegabten. Weniger Quoten und mehr Leistungsbereitschaft.": Wenn man auf die vorgeblichen Reste von Hochbegabtenförderung in GER schaut, stellt man fest: Auch dort ganz viel Quotenanbetung und sekundäre Kriterien. Vor 30 Jahren konnte man noch ein Begabtenstipendium einfach nur mit Top-Leistungen bekommen. Heute ist das hochsuspekt, wenn es nicht gepaart ist mit auf Hochglanz poliertem "sozialem Engagement". Jemand, der als erster in der Familie studiert, aber das nur so einigermaßen hinkriegt, hat bessere Chancen auf ein Prestige-Stipendium als ein Top-Student, der das Pech hat, aus einem Akademiker-Elternhaus zu kommen. Und das sind keine Gerüchte über drei Ecken, sondern meine Eigenwahrnehmung aus jahrelangem Mitwirken in Auswahlgremien für solche Stipendien. Interne Proteste dagegen helfen natürlich ganz genau gar nichts. Während wir das Bildungssystem systematisch ruinieren, zerschießen wir uns gleichzeitig auch noch solche Instrumente, aus rein ideologischer Verblendung. Den durchschlagenden "Erfolg" all dessen kann ich im über die letzten 30 Jahre nachweislich stetig sinkenden Durchschnittsniveau meiner Chemie-Erstsemesterstudenten sehen. Es gibt nach wie vor noch einige "Ausreißer" hin zu sehr guten Leistungen, aber leider werden mir systematisch Zeit und Möglichkeiten genommen, sie so zu fordern und zu fördern, wie sie es verdient hätten.
@Albert Pflüger – Zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer. Selbst Minderleister wie Malte-Torben und Maite-Malvine haben heute einen Rechtsanspruch auf Abi, Studium und Vollversorgung im politisch-medialen Komplex. Handwerker, Lageristen, Mechaniker bestellt man hingegen einfach im Internet. Wenn das kein Rassismus ist!
Wie sieht es eigentlich mit der Gleichberechtigung im südkoreanischen Management aus? Gleiche Arbeit, gleiches Geld, gleiche Verantwortung? Oder unterdurchschnittliche Verfügbarkeit, überdurchschnittliches Gehalt, große Klappe, geringe Lebensleistung, null Verantwortung für Fehler?
Eigentlich klar. Aus a=b folgt b=a. D ist weder a noch b. Höchstens -a oder -b. Gute Nacht Mathe in D.
Das ist doch alles gar nicht so schlimm! Wenn in Deutschland im Jahre 2030 das Kalifat ausgerufen wird, benötigt man in diesem Lande keine Bildung mehr. Im Gegenteil: Naturwissenschaft gilt als Gotteslästerung und der Ziegen- und Schafzüchtende Habeck-Deutsche wird im Fellmantel - Co2-frei - seine Ökoprodukte in die asiatischen Industriestaaten transferieren. Natürlich per Karawane auf der neuen Seidenstraße.