Bertha Stein, Gastautorin / 31.05.2019 / 16:30 / Foto: Pixabay / 5 / Seite ausdrucken

Gruppentanz, Teetrinken und politische Klangschalen

Nach der EU-Wahl am vorigen Sonntag braut sich ein Drei-Fraktionen-Sturm, bestehend aus EVP (Europäische Volkspartei), S&D (Sozialdemokraten) und Liberalen oder Grünen in Europa zusammen. Nun heißt es mit den nationalen Spitzenkandidaten, dem bayerischen Manfred (CSU), der „Martin-Schulz-Kata“ (SPD), der Locken-Nicola (FDP), der dauerfröhlichen Ska (Grüne), der „migrationshintergründlerischen“ Özlem (Die Linke) und dem „Protest-Jörg“ (AfD): durchmischen, ausprobieren, sondieren. Sturmtief „Axel“ sorgt schon dafür, dass auf dem Sondierungsbalkon kein jamaikanisches Flair wie letztes Jahr in Berlin entsteht.

Nicht nur das Wetter, sondern auch die deutsche Parteienlandschaft ist vom Klimawandel betroffen, befindet sich im politischen Klimakterium. Die politischen Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen sprechen Bände, erste Politgewitter entladen sich zwischen Stadt und Land, West und Ost, Establishment und Protest, zwischen der grünen, urbanen Elite mitsamt den jungen Klimarettern und den Kaffeefahrtenteilnehmern mit Ziel zur letzten Ruhe, inklusive den frustrierten Protestlern.

Und was geschieht? Nichts! Obwohl sich alle einig sind, Journalisten und Politiker stänkern und zetern, dass es so nicht weitergehen kann, wird weiter Kurs gen Sturmtief gehalten. Egal ob CDU, FDP, Linke oder Grüne, sie alle sind entweder vom sozialdemokratischen Thanatos, dem Todestrieb, infiziert worden; sie alle klammern sich zu sehr an Herbert Marcuses Spruch „Weitermachen!“ und zeigen somit, was passiert, wenn halbfertig Ausgebildete in Bildungslektüren herumschmökern. Oder sie grübeln, mehr erfolglos als erfolgreich, über einen Ausweg nach, um der gesellschaftlichen Windhose auszuweichen.

Helfen politische Klangschalen?

Sie haben zwar eine Wahl, aber in ihrer eigenen Logik eine zwischen Skylla und Charybdis, Selbstmord und Fremdmord. Zwar soll mit den „Kräften der Natur“, namentlich den „Grünen“, das politische Gleichgewicht wiederhergestellt werden, so zumindest die journalistisch-politische Europakampagne und jugendliche Logik der FFMs, Fridays-for-Future-Mädels, doch selbst gegen Krebs sind homöopathisch-kuschelpädagogische Mittel zwecklos. Es müssen stärkere Medikamente zum Einsatz kommen.

Denn was politische Klangschalen und Gesprächstherapien bewirken, verdeutlicht ein verbaler Aderlass nach dem anderen bei den Sozialdemokraten, allen voran von zum Hobbyphilosophen mit Schwerpunkt Existentialismus avancierten Sigmar Gabriel, dessen Gesicht pünktlich zu seinen Gedankenreisen ein Brillengestell ziert. „Alles und alle gehören auf den Prüfstand“, philosophiert der Mann mit der Brille im „Tagesspiegel“: „Es geht um mehr als eine Wahlniederlage, es geht jetzt um die Existenz der SPD als politische Kraft in Deutschland.“

Obwohl sich auch der philosophieaffine Knuddelbär Robert Habeck heilpädagogischer Mittel bedient, bleibt die Erfolgswelle der Grünen ein Placebo. Warum? Weil insbesondere junge Menschen, die Hauptwählergruppe der neuen Wohlfühlpartei, anfällig für esoterische Späße sind, aber auch älter werden. Was früher freie Liebe, Cannabis und Jimi Hendrix war, heißt heute Blümchensex, Mate-Tee und Mark Forster. War es Zufall, dass es auf der Grünen-Wahlparty statt Sekt Bio-Fairtrade-Tee gab?

Was bleibt, ist der politische Wirbelsturm, der nicht mit schamanischem Gruppentanz und Teetrinken gebändigt werden kann. Die Sozialdemokraten steckten zwar all ihre Hoffnung in Europa (#europaistdieantwort), doch das Gesellschaft-Klima-Radar schlägt weiter aus – und nicht nur für die Sozialdemokraten – in Richtung Unwetter. Lange werden die Taktik von Brillen-Sigmar und Wuschelhaar-Robert nicht funktionieren. Denn reden kann zwar jeder, handeln aber nicht, oder mit den Worten des Schriftstellers August Langbein gesprochen: „Tadeln können zwar die Toren, aber klüger handeln nicht.“

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Karla Kuhn / 31.05.2019

“Lange werden die Taktik von Brillen-Sigmar und Wuschelhaar-Robert nicht funktionieren. Denn reden kann zwar jeder, handeln aber nicht, oder mit den Worten des Schriftstellers August Langbein gesprochen: „Tadeln können zwar die Toren, aber klüger handeln nicht.“  Das sagt doch alles !!

Hubert Bauer / 31.05.2019

Zwischen den “Blauen” (AfD & Co.) und den Konservativen Reformern (PiS) gibt es kaum Unterschiede. Und die Christdemokraten aus den östlichen EU-Staaten sind wiederum näher an den Blauen und den Konservativen Reformern als an Manfred Weber. Wenn sie sich zusammentun, könnten sie zumindest Manfred Weber verhindern. Mit Merkel-Bewunderer Weber nimmt doch die unkontrollierte Massenzuwanderung aus Afrika und den islamischen Ländern wieder enorm Fahrt auf. Bei dem Wahlausgang muss doch zumindest ein konservativer Christdemokrat möglich sein.

Stefan Riedel / 31.05.2019

Hier und heute. Ich als anerkannter mathematischer- naturwissenschaftlicher Kulturbanause!  So ist es. Danke (darf man das heute noch sagen?).

Dr. Hans Wilhelm Meier / 31.05.2019

Es ist doch ganz einfach: Warum hat die SPD so schlecht abgeschnitten?  “EUROPA IST DIE ANTWORT”  Warum sagt Gabriel „Es geht um mehr als eine Wahlniederlage, es geht jetzt um die Existenz der SPD als politische Kraft in Deutschland.“?  “EUROPA IST DIE ANTWORT”  Ließe sich unendlich weit fortsetzen. Als ich an einem Wahl-Infostand der SPD fragte, worauf denn Europa die Antwort sei, das reichte ja schließlich bis zum Ural und hier ginge es nur um das EU-Scheinparlament, war der Herr gar nicht mehr freundlich. Und mein “Wenn Sie am Wahlabend ihre 15 % sehen, werden Sie an mich denken” fand er auch gar nicht gut.

Rudolf George / 31.05.2019

Die Politikerkaste Deutschlands erinnert mich immer mehr an eine Gruppe von Kokainsüchtigen, nur dass die Drogen der Wahl „Klimarettung“ und „Antipopulismus“ heißen. Sobald der Verstand beginnt den Süchtigen klar zu machen, dass die Drogen sie ruinieren, wird eine zunehmend starke Dosis eingenommen, um danach rauschinduzierten Kokolores zu reden und sich stark und mächtig zu fühlen. Bis die Wirkung wieder nachlässt und die nächste Verabreichung ansteht.

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