Gegen vorweihnachtlichen Trubel hilft traditionell am besten ein entspannter Bummel über den Weihnachtsmarkt bei Bratwurst und Glühwein. Doch angesichts von Anschlägen wie in Berlin 2016 und Magdeburg 2024 hat dieses adventliche Vergnügen mittlerweile leider seine Unschuld verloren. Die sogenannten „Merkel-Poller“ legen darüber seit fast einem Jahrzehnt ein trauriges Zeugnis ab. Aktuell illustrieren zwei Meldungen der letzten Wochen beispielhaft, dass Massenmigration und Tradition sich einfach nicht vertragen: Kürzlich wurde bekannt, dass ein von einem Ägypter, einem Syrer und von drei Marokkanern geplanter Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Niederbayern vereitelt wurde. Und schon am ersten Adventswochenende hatte ein Marokkaner auf dem Weimarer Weihnachtsmarkt ein Messer gezogen.
Sich täglich mit Politik auseinanderzusetzen, kommt demnach schon fast einer Mutprobe gleich. Meldungen über islamistische Attentate, Pleitewellen in der Industrie, explodierende Strompreise oder eine Neuverschuldung in Milliardenhöhe scheinen sich gegenseitig zu überbieten. Der Verdruss wird nur noch gesteigert durch einen Bundeskanzler, dessen Wort schneller an Wert verliert als der Euro. Als Publizist kommt man sich mitunter vor wie ein Papagei, da man tagein, tagaus die immergleichen Missstände anprangert, die von den immergleichen, da austauschbaren Politikern wahlweise negiert, wegdiskutiert oder scheinbehandelt werden.
Es wäre daher leicht, angesichts der aussichtslos erscheinenden Lage im Land in Pessimismus und Zynismus zu verfallen. Vor allem in der zwiespältigen Phase der Adventszeit, die emotional oft zwischen Freude, Nachdenklichkeit, Melancholie, Beschwingtheit und Erschöpfung changiert.
Vermutlich ist es jedoch gesünder, dem Wahnsinn mit einer guten Portion Galgenhumor zu begegnen. Denn auch die dümmsten Politiker sind immerhin noch gut dafür, dass man über sie lacht. Einen schönen Anlass liefert hierfür das neue Buch von André Lecloux, das passenderweise den Titel „Tiefflieger. Die schönsten Bankrotterklärungen prominenter Deutscher“ trägt. Der schön gestaltete Bildband liefert laut Autor „132 eher unfassbare Fehlzündungen“ aus schrägen Zitaten unterschiedlichster Berühmtheiten, jeweils garniert mit einem Porträt.
Ein hervorragendes Weihnachtsgeschenk
Von mittlerweile geflügelten Beleidigungen („Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.“ – Joschka Fischer) über Frivolitäten („Ich bin früher auch viel geritten, aber nicht auf Pferden.“ – Heidi Klum), Entlarvendes („Moral ist in der Politik keine Kategorie, außer wir wollen jemandem schaden.“ – Markus Söder) bis hin zum Verbalausfall („Was die Ratten in der Zeit der Pest waren, sind Kinder zurzeit für Covid-19: Wirtstiere“ – Jan Böhmermann) sind unterschiedliche Güteklassen rhetorischer Fehltritte dabei. Jeder Zitierte bekam zudem vom Autor eine inoffizielle Berufsbezeichnung verpasst, die er sich dank seiner Äußerungen verdient hat.

Bei der Lektüre schwankte ich zwischen Empörung, Ungläubigkeit, Aha-Effekten – und einem Lachkrampf. Besonders arge Rhetoriker haben es sogar mehrmals ins Buch geschafft, darunter Friedrich Merz, Helmut Kohl, Jan Böhmermann, Annalena Baerbock und Katrin Göring-Eckardt. Auf jeden Fall liefert der Band die Erkenntnis, dass auch in vergangenen Zeiten viel Unsinn geredet wurde – und selbst die empörendsten Äußerungen mitunter zum Lachen sind. In gedruckter Form zumindest sind diese sprachlichen Eskapaden weniger ärgerlich als vor allem unterhaltsam. Daher eignet sich dieses Werk auch hervorragend als Weihnachtsgeschenk für alle, denen das Lachen trotz allem noch nicht vergangen ist.

Eine bittersüße Note erhält die Veröffentlichung dadurch, dass Autor André Lecloux im Oktober dieses Jahres, wenige Tage vor Veröffentlichung von „Tiefflieger“, verstorben ist und sein Buch daher nicht mehr selbst in Händen halten konnte. Wie seine Familie mitteilte, starb er nach schwerer Krankheit. Lecloux wurde 1963 in Ost-Berlin geboren, wo er auch aufwuchs. 1988 schloss er sein Studium an der Technischen Hochschule Leipzig mit Diplom ab. Er war als selbstständiger Ingenieur, IT-Dienstleister, Werbeunternehmer, in Geschäftsführungsfunktion bei Gruner + Jahr sowie als Marketingberater in Berlin tätig.
Nebenher kommentierte er auf Facebook humorvoll und scharfzüngig das Zeitgeschehen, wodurch er viele Anhänger gewann. Immer wieder teilte er pikante Zitate berühmter (politischer) Persönlichkeiten, sodass schließlich 2022 im Solibro Verlag der erste humoristische Bildband „Treffer, Versenkt“ entstand (Achgut berichtete). Die erste Auflage von „Tiefflieger“ nähert sich dem Ausverkauf.
André Lecloux: „Tiefflieger. Die schönsten intellektuellen Bankrotterklärungen prominenter Deutscher.“ Solibro Verlag 1. Auflage 2025. ISBN 978-3-96079-130-0. Hardcover, Fadenheftung, 22 breit x 19 cm hoch, 144 Seiten, 615 g. Mit 142 zum goßen Teil farbigen Abbildungen, Originalausgabe. 28,00 Euro (D) gebundener Ladenpreis. Hier bestellbar.

