Hat Donald Trump der deutschen Pharmaindustrie den Krieg erklärt, gefährdet er womöglich gar die Forschung nach neuen Arzneien? Ein Artikel der Deutschen Presseagentur (DPA), den „Spiegel online“ und „Focus online“ – mit leicht unterschiedlicher redaktioneller Bearbeitung – veröffentlicht haben, legt dies den Lesern nahe. „Deutsche Pharmakonzerne beugen sich Trump“, titelt „Spiegel online“; „Focus online“ legt noch eins drauf: „Deutsche Pharmariesen buckeln vor Trump – für Patienten kann das gefährlich werden“.
Von DPA im Wortlaut übernommen haben beide, dass deutsche Pharmakonzerne „nach harscher Kritik von US-Präsident Donald Trump an hohen Medikamentenpreisen in den USA“ ... „jetzt Zugeständnisse“ gemacht hätten. „Sie folgen einer Reihe von internationalen Branchen-Schwergewichten, die auf Preiserhöhungen in Amerika verzichten.“
Sind also doch nicht nur deutsche Pillendreher betroffen? Tatsächlich geht aus dem Artikel – anders als aus der Überschrift – hervor, auch andere Firmen hätten „Zugeständnisse“ gemacht. Genannt werden etwa die Schweizer Unternehmen Roche und Novartis sowie der amerikanische Konzern Pfizer. „Focus online“ begründet die ausbleibenden Preiserhöhungen der Unternehmen so: Es gehe darum, „Trump nicht zu provozieren“. Dann könnte er also einen wichtigen politischen Erfolg verbuchen? Wird in der deutschen Presse doch mal ein gutes Haar an Trumps Politik gelassen? Nicht doch:
„Was für Patienten zunächst eine gute Nachricht ist, kann langfristig jedoch auch Risiken für die Entwicklung neuer Arzneien bergen, fürchten Experten.“
Einst „Profitgier“, jetzt Überlebensfrage
Niedrigere Profitmargen nämlich könnten dazu führen, dass weniger in Forschung investiert werde. Das ist eine überraschende Erkenntnis, wenn man weiß, was sowohl „Focus“ als auch „Spiegel online“ in den letzten Jahren zum Thema Medikamentenpreise geschrieben haben. So hat „Focus online“ in der Vergangenheit immer wieder die „Profitgier“ „vieler Pharmaunternehmen“ angeprangert. „Börsennotierte Konzerne wie Roche und Novartis“ würden „mit allen Mitteln versuchen, für ihre Medikamente überzogene Preise durch[zu]ziehen“.
In einem anderen Beitrag machte „Focus online“ gar die „Hochpreispolitik der Pharmakonzerne“ dafür „mitverantwortlich“, dass Krebspatienten in Osteuropa im „Vergleich zu Westeuropa“ „geringere Überlebenschance“ hätten. Die Überschrift war noch etwas plakativer: „Sie spielen mit dem Leben der Patienten. Pharmakonzerne sind schuld: Reiche Krebspatienten haben bessere Chancen“. Jetzt aber wirft „Focus online“ denselben Konzernen vor, aus Angst vor Trump auf angeblich dringend nötige Preisanhebungen zu verzichten.
Ebenso der „Spiegel“. Als der amerikanische Pharmakonzern Gilead Sciences vor einigen Jahren eine revolutionäre neue Hepatitis-C-Therapie auf den Markt brachte, veranlasste das „Spiegel online“, im Stile mittelalterlicher Mönche eine moralische Untersuchung durchzuführen, ob der Preis der Arznei namens Sovaldi „gerecht“ sei: „Münchhausen-Check: Was darf ein lebensrettendes Medikament kosten?“ Das Ergebnis: „Der hohe Preis von Sovaldi ist ungerecht: Die Hepatitis-C-Infizierten – jedes Jahr sterben 500.000 Menschen an den Folgen – befinden sich in einer Notlage, die Gilead ausnutzt. Die Firma könnte deutlich billiger anbieten und dabei immer noch einen angemessenen Gewinn erzielen.“
Trump kann’s einfach nicht recht machen
Fassen wir zusammen: Können Pharmakonzerne selbst entscheiden, welche Preise sie für ihre Medikamente verlangen, wird das als unmoralisch gegeißelt, wird ihnen sogar indirekt der Vorwurf gemacht, sie würden den Tod von Menschen aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus in Kauf nehmen. Redet aber US-Präsident Trump ihnen ins Gewissen und bittet sie, eine Zeitlang auf Preiserhöhungen zu verzichten, dann ist das auch nicht recht. Der von „Spiegel online“ und „Focus online“ veröffentlichte DPA-Artikel endet mit der eindringlichen Warnung eines „Analysten bei der Privatbank M.M. Warburg“, der sich vor zu niedrigen Medikamentenpreisen in den USA fürchtet: „Im schlimmsten Fall könnten Pharmakonzerne die Forschung an neuen Mitteln auf den Prüfstand stellen. Das wäre nicht im Sinne von Patienten."
Würde Trump sich mit hohen Medikamentenpreisen abfinden, würde man ihm zum Vorwurf machen, ein Büttel der Pharmaindustrie zu sein; stattdessen wirft man ihm nun vor, den Pharmakonzernen kein Geld mehr für die Forschung zu lassen. Er kann es einfach niemandem recht machen. Wie die Amerikaner sagen: Damned if you do, damned if you don’t.
Beitragsbild: Rama CC BY-SA 2.0 fr, via Wikimedia Commons

Toll, wieder mal der böse, böse Onkel Trump! Wer regt sich eigentlich darüber auf, dass unsere deutschen Kranken Kassen seit Ulla Schmidt Rabattverträge aushandeln dürfen nach dem Motto immer billiger und Geiz ist geil? Wer regt sich über Generika- und Reimport-Quoten und Austauschpflicht verordneter Medikamente in der Apotheke nach Rabattvertrag auf? Diese Rabattverträge sind geheim, der Kassenarzt soll trotzdem mittels Richtgrößen für die Arzneikosten haften und die Industrie versucht auf Deibel komm raus die Produktionskosten zu senken. Folge: Handel mit geklauten Reimporten, verfälschten Krebsmedikamenten und Verunreinignung der Grundsubstanzen, weil der Blutdrucksenker Valsartan in irgendeiner Bude außerhalb der EU in China zusammengerührt wird. In der Praxis und der Apotheke und an der ministeriellen Hotline in Brandenburg verängstigte Patienten, die fürchten, ihr Medikament nicht mehr gefahrlos nehmen zu können. DAS isrt der Skandal der Patienten betrifft und Ärzten die Therapiefreiheit nimmt - aber das seit Jahrzehnten! Diesen "faulen Pfuhl auch abzuzieh'n" wäre das Gebot der Stunde!
Schöner Artikel über journalistisches Scambaiting oder "wie generiere ich Klicks durch Bashing?". @ Michael Hofmann: wovon sollen denn die armen Pharmariesen ihre Dividenden generieren? Tun Ihnen etwa die Aktionäre nicht zumindest ein bisschen Leid?! :)
Wenn ich schon das Wort "Experte" lese, wird mir übel...- Übrigens steckt die Pharmaindustrie MEHR Geld ins Marketing, als in die Forschung nach neuen Wirkstoffen, werden oftmals "alte" Medikamente nur zeitgemäß "aufgehübscht", vielleicht eine Komponente ausgetauscht und das Ganze dann als "Innovation" verkauft...- teurer, als das "Urprodukt", versteht sich, schliesslich wollen die Aktionäre etwas verdienen! (Und der CEO natürlich auch...da muss die Marge schon stimmen...)
Was bringt es, wenn solche Menschen sachlich kritisiert werden, Nichts , sie machen einfach weiter.... Die verlogenen Äußerungen haben Bestand und Wirkung. Deshalb meine Bitte um angemessene Reaktionen : Diese Menschen sind verdammt dumm, sie kapieren nichts. Sie erklären andere für dermaßen dumm, dass sie davon ausgehen, man würde ihnen auf den Leim gehen. Sie sind verdammt arrogant, weil sie die alleinige Wahrheit gepachtet haben. Sie sind unverschämt, weil sie nichts anderes zulassen. Sie sind Denuntianten und Rufmörder, weil sie wider besseres Wissen mit falschen Behauptungen gegen Personen vorgehen. Sie sind Faschisten, weil sie mit der Rute (fascis) andere zu Verhaltensweisen zwingen wollen. Sie sind Verfassungsfeinde, weil sie selbige unterminieren. Sie sind Kriminelle, weil sie andere durch Manipulation um ihr Leben betrügen. Sie sind Betrüger, weil sie sich zwangfinanzieren lassen (ÖR), ohne die geschluldete und bezahlte Leistung, nämlich sachgerechte Information, zu liefern. Also, bitte, bezeichnet sie auch so, es ist angemessen und es soll wirken ! ...und, werter Herr Frank, Ihr Artikel ist sachlich, richtig, informtaiv, und ich danke dafür, aber leider wird die einzige Wirkung für mich nur Ärger sein, deshalb, siehe oben.
Der Niedergang der pharmazeutischen Industrie in Deutschland ist Teil des deutschen Wegs in die Mittelmäßigkeit. Deutschland war mal das Land der Forschung, heute gibt es praktisch keinen pharmazeutischen Konzern von Bedeutung mehr im früheren Land der Dichter und Denker. Auch die deutschen Unis sind international nur Mittelmaß, da sind Großbritannien, die USA etc. besser, und die Schweizer freuen sich, daß Spitzenkräfte aus Deutschland zu Ihnen kommen. Deutschland lebt von der Substanz. Beim Gendern und Flüchtlings-Ködern sind wir allerdings Spitzenklasse. Es gilt die alte Weisheit : Wenn der letzte deutsche Industriezweig seine Spitzenstellung verloren hat, wird man sehen, daß man von Gesinnung nicht leben kann.
Dieses massive Trump Bashing durch die Medien nehme ich zum Anlass mich für diesen Präsidenten näher zu interessieren und ich muss sagen, bislang machte er meiner Meinung nach einen guten Job. Vieles wird verzerrt berichtet. Die kompletten Weltuntergangsszenarien kurz nach seiner Wahl, von den Medien heraufbeschworen, sind nicht eingetroffen. Er ist eben anders als alle die weichgespülten Politiker, die bei jedem klitzekleinen Hauch von Gegenwind gleich zurückrudern und relativieren.
Die Pharmapreise in den USA sind für US-Amerikaner tödlich. So kostet Standartinsulin mit einem Weltmarktpreis von 69€ in den USA zwischen 600 und 700 US$ pro Monat. Das können sich nur noch Reiche leisten. Das hat nichts mehr mit freier Marktwirtschaft zu tun. Der pharmakologische US Profit korreliert direkt mit der Todesanzahl US amerikanischer Zuckerkranken. Bei den US Krankenkassen das gleiche. Mittlerweile sind sogar die Geschäftsfürhrer der größten Privat-Kassen Dollar-Milliardäre durch "Gehälter", wie wunderbar. Nochmal für Pharma Dummy's: Je mehr Kranke sterben, desto größer der Profit. Aber demokratisch!