In den USA wurde der Konservative Charlie Kirk erschossen. Veranstaltungen seiner Organisation Turning Point USA (TPUSA) standen mehrfach im Fokus dieser Kolumne. Jetzt ist aus der Cancel-Culture tödlicher Ernst geworden.
„Bei einem Auftritt des konservativen Aktivisten Charlie Kirk kam es zu Gewalttätigkeiten“, musste ich Ihnen Anfang vorletzten Jahres melden. Damals randalierten Antifanten vor einem Gebäude, wo der Publizist Kirk auftrat, und verwendeten Pfefferspray. Veranstaltungen seiner Organisation Turning Point USA (TPUSA) standen mehrfach im Fokus dieser Kolumne. So wurde eine Schwimmerin, die sich gegen Transsexuelle im Frauensport ausspricht, vom woken Mob nach ihrem Vortrag an einer kalifornischen Hochschule gejagt und musste sich stundenlang in einem Kursraum verbarrikadieren. Einen jüdischen Ausländer, der zu Meinungsfreiheit referieren wollte, hinderten infantile Störer daran.
Jetzt hat es Kirk selbst erwischt, und zwar viel extremer. Bei einem Auftritt im Rahmen einer TPUSA-Veranstaltung unter freiem Himmel an der Utah Valley University im Bundesstaat Utah traf ihn eine Kugel in den Hals, er starb kurz darauf (Achgut berichtete). Der Vater zweier kleiner Kinder wurde 31. Nun werden hier nicht nur die Ausgestoßenen benannt, sondern auch diejenigen, die sie ausstoßen. Allerdings war zu Redaktionsschluss der Täter noch nicht gefasst und seine Motive lagen noch im Dunkeln. „Kirk hat sich mit so ziemlich allen gewaltbereiten Ideologen – von Israelhassern bis zur Translobby – angelegt“, fasst eine Kommentatorin unter einem YouTube-Video zusammen. Er hatte herrschende Klima- und Corona-Narrative in Frage gestellt, außerdem gehörte er seit langem zu den Unterstützern von US-Präsident Trump.
Kurz vor seinem Tod hatte er sich noch zur Ermordung der Ukrainerin Iryna Zarutska durch den Afroamerikaner Decarlos Brown in North Carolina geäußert. Beim Sender MSNBC musste Kommentator Matthew Dowd gehen, nachdem er dem Ermordeten wegen seiner „hasserfüllten“ Äußerungen selbst die Schuld an der Tat gegeben hatte – eine Argumentation, die wir beispielsweise vom Anschlag auf Charlie Hebdo kennen. Dazu passt, was Kirk am Tag vor seiner Ermordung noch geschrieben hatte: „Der Islam ist das Schwert, das die Linken nutzen, um Amerika die Kehle durchzuschneiden.“
Vor den Falschen gesungen
Seit 40 Jahren besteht die britische Rockband Radiohead, Ende des Jahres gibt sie nach längerer Tourneepause in einer Handvoll europäischer Metropolen wie London, Madrid und Berlin jeweils vier Konzerte. Nun hat die antisemitische BDS-Kampagne zu ihrem Boykott aufgerufen. Warum? Kaufen die Musiker bei Juden? 2017 hatten sie die Chuzpe, in Tel Aviv aufzutreten, und haben sich dafür noch nicht einmal entschuldigt, wie die Israelfeinde beklagen. Ein Bandmitglied, Jonny Greenwood, ist sogar mit einer Israelin verheiratet, ein Neffe fiel als IDF-Soldat im Gaza-Krieg. Greenwood arbeitet mit dem israelischen Sänger Dudu Tassa zusammen, der unter anderem Stücke seiner kuwaitisch-jüdischen Vorfahren aufführt. Im Mai 2024 sind die beiden in Tel Aviv aufgetreten, was man bei BDS keineswegs zu goutieren weiß. Zwei Konzerte des Duos, die im vergangenen Juni in England hätten stattfinden sollen, wurden wegen BDS-Drohungen vom Veranstalter abgesagt (Achgut berichtete). Greenwood kritisierte diese „Zensur“. Die Texte seines gemeinsamen Albums mit Tassa von 2023 erklingen übrigens auf Arabisch.
Den Forderungen, sich zum Gaza-Krieg zu äußern, haben mehrere Radiohead-Mitglieder nachgegeben. Frontmann Thom Yorke kritisierte in einem Statement im Mai vor allem die Netanjahu-Regierung, aber auch die Hamas. Zurecht wandte er sich dagegen, Druck auf Künstler auszuüben, sich öffentlich zu solchen Fragen äußern zu müssen. Ein anderer Radiohead-Musiker, Ed O’Brien, hatte sich vor anderthalb Jahren für einen Waffenstillstand sowie die Freilassung der Geiseln ausgesprochen, und später eher Israelkritisches gepostet. Das Fachblatt Rolling Stone rechnet nicht mit einem Erfolg des BDS-Boykottaufrufs gegen die Band.
Belgische Disharmoniker
Passend dazu lädt das Flanders Festival Gent die Münchner Philharmoniker aus. Bei dem flämischen Musikfestival, das heute beginnt, hätte das Konzert mit dem Orchester aus Bayern nach Aussage der Veranstalter zu den „künstlerischen Highlights“ gehört. Doch beim Auftritt sollte Lahav Shani den Taktstock schwingen, der ab kommendem Jahr den Posten des Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker übernimmt. Und Shani ist Israeli. Er habe sich zwar „in der Vergangenheit mehrfach für Frieden und Versöhnung ausgesprochen“, so das Festival, da er aber auch als Leiter des Israel Philharmonic Orchestra fungiert, fehle es an „ausreichender Klarheit über seine Haltung zum völkermörderischen Regime in Tel Aviv“. Daher habe man sich im Einklang mit der sozialdemokratischen flämischen Kulturministerin, dem Genter Stadtrat und der Kulturszene in der als links geltenden Stadt für die Absage entschieden.
„Das ist blanker Antisemitismus und ein Angriff auf die Grundlagen unserer Kultur“, erklärt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (CDU). Auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter stellt sich gegen die Entscheidung in Flandern. Seinerseits entließ Reiter 2022 den russischen Chefdirigenten des Klangkörpers, weil er sich nicht von der Kreml-Regierung distanziert hatte. Was Belgien betrifft, schildert der an der Uni Gent tätige Philosoph Maarten Boudry, dass er bei Themen wie Migration, Islam und Kernkraft mit kontroversen Positionen weniger aneckt als bei der Einstellung zu Israel. Hinter vorgehaltener Hand seien auch im universitären Umfeld viele gegen die Dämonisierung Israels, würden sich aber nicht trauen, das offen zu sagen.
Dialog bringt Antifa auf den Palmer
Eine Demo der AfD in Tübingen mit entsprechend großem Gegenprotest und Polizeieinsatz hätte dem örtlichen Einzelhandel „sechsstellige Umsatzeinbußen“ beschert, befürchtete Oberbürgermeister Boris Palmer, und den Busverkehr gestört. Eine Horrorvision für den ex-grünen Schwaben, und so ließ er sich auf ein Angebot der Blauen ein, auf die Versammlung zu verzichten, wenn er sich im Gegenzug bereit erklärt, öffentlich mit ihnen zu debattieren. Die Veranstaltung fand vergangenen Freitag unter großer Aufmerksamkeit in einer städtischen Turnhalle statt. Dass das Stadtoberhaupt sich der Diskussion mit AfD-Landeschef Markus Frohnmaier stellte, rief den Unmut der üblichen Verdächtigen von Antifa, Omas gegen rechts und Konsorten hervor, die so etwas nicht tolerieren wollen. Vor der Halle tobte eine Gegendemo, die Polizei war beschäftigt. Zuvor hatte Palmer – und das zeigt seine Janusköpfigkeit – auch auf dieser reden wollen. Das lehnten die Organisatoren unter Verweis darauf ab, dass sich ihr Protest „auch explizit gegen Palmer, der der AfD eine Bühne bietet“, richte.
Das Rededuell begann als „Hexensabbat des Gebrülls“, wie es der Journalist Boris Reitschuster beim Schauen eines der Livestreams vom Geschehen erlebte. Anfangs versuchten Teile der hunderten Zuschauer, vor allem Frohnmaier beim Sprechen niederzuschreien. Erst nach einer Weile entfernte die Polizei auf Bitten von Hausrechtsinhaber Palmer einige Störer, so dass eine gewisse Ruhe einkehren konnte – wenn auch nicht ununterbrochen. Der „umstrittene“ Tübinger OB machte deutlich, dass der Dialog auf keinen Fall abgebrochen worden wäre. Das Gespräch selbst und die Frage, ob einer der Diskutanten daraus als „Gewinner“ hervorgegangen ist, soll hier außer Betracht bleiben. Bezeichnend ist vielmehr, dass man heutzutage schon Polizeischutz braucht, um miteinander zu reden.
Hier verlinkte Szenen stammen teils aus dem Livestream des hier öfters schon erwähnten YouTubers Sebastian Weber alias Weichreite. Der „offizielle“ Stream filmte nur die Bühne, nicht die Geschehnisse im Saal. Webers Akkreditierung für die Halle war von der Stadt Tübingen abgelehnt worden – mangels bundeseinheitlichen Presseausweises. Den erhält man nur von staatlich diesbezüglich privilegierten Vereinigungen; eine für ihn zuständige habe ihm die Ausstellung verweigert, so Weber, der der AfD angehört. Dem blauen Landtagsabgeordneten Sandro Scheer liegen städtische Mails vor, in denen der Streamer als „umstritten“ bezeichnet worden sein soll. Weber gab sein Equipment an den AfD-Funktionär Uwe Freiherr von Wangenheim weiter, der im Innern als sein „Praktikant“ den Livestream fortführte. Für OB Palmer ein „schweres Foulspiel“. Darüber berichten die Stuttgarter Nachrichten, die ihrerseits aber auch Bewegtbildmaterial über die Störer im Saal bereitstellen. Weber kündigte an, auf den Druck hin das Video zu schneiden – manche Links könnten also nicht mehr funktionieren.
Unsere (kommunale) Demokratie
Zu denen, die in Tübingen einem AfD-Mann die Bühne verweigern wollten, gehörte auch die Linkspartei. Deren Essener OB-Kandidatin Liesa Schulz – die Schreibweise ihres Vornamens wirkt legasthenisch – blieb einer Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl fern. Die örtliche Industrie- und Handelskammer hatte letzten Monat die Essener OB-Kandidaten eingeladen, offenbar auch den der unberührbaren Partei. Schulz („für […] feministische Planung“) will mit den Blauen keine Bühne teilen: „Wir werden nicht dazu beitragen, dass Faschismus in unserer Stadt salonfähig gemacht wird.“ Apropos NRW-Kommunalwahl: In einem Interview bekennt sich der römisch-katholische Pfarrer Franz Meurer aus Köln reuelos dazu, dass er mal AfD-Wahlplakate abgehängt und gestohlen hat. „Das habe ich aus Gründen der Demokratie gemacht“, erklärt Meuer, ein linker CDUler und Islamfreund, der mal einen „Lockdown für Ungeimpfte“ gefordert hat.
Pinkeln gegen rechts
Vom Gegenwind, der der Osnabrücker Kneipe Parkhaus Rink um die Ohren bläst, weil dort ein AfD-Stammtisch abgehalten wurde, habe ich Ihnen letzte Woche berichtet. Vor allem dem Unmut des Verpächters war wohl geschuldet, dass Betreiberin Melanie Kahr den für vergangenen Samstag geplanten Bürgerdialog der blauen Partei in ihrer Gaststätte abgesagt hatte und künftig keine politischen Veranstaltungen mehr bei sich sehen möchte. AfD-Kreisvorsitzender Florian Meyer zeigte daraufhin Verständnis für die Wirtin und kündigte öffentlich an, das Lokal als Privatperson aufzusuchen, um sich die Gegendemo anzuschauen. Meyer und einige Parteifreunde saßen am Samstagnachmittag im Biergarten des Parkhaus Rink und blickten auf Antifa, Omas gegen Rechts und Co., die „Den Rechten die Räume nehmen“ wollen.
Kahr sind die Blauen als Gäste weiterhin willkommen: „Wer sich benimmt, darf rein.“ Auch der Landesvorsitzende der WerteUnion, Steffen Grüner, soll zugegen gewesen sein, so ein parteiloses Stadtratsmitglied, der darin ein „Stelldichein der Osnabrücker ultrarechten Szene“ zu erkennen glaubt. Hauseigentümer Lothar Rink war „entsetzt“, dass seine Pächterin dort Seite an Seite mit AfDlern gestanden habe. Den Protestierern wurde einem Medium zufolge Mineralwasser angeboten und sogar Freibier, wenn sie sich in die Gaststätte zum Dialog begeben hätten. Dies schlugen sie zwar aus, zeigten sich dafür aber am anderen Ende des Stoffwechsels großzügiger: Eine Gegendemonstrantin habe sich vor die Kneipe gehockt und auf den Bürgersteig uriniert.
Buch böse, aber nicht böse genug
Wie im vergangenen Jahr behandelt, will der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Druckkostenzuschuss zurück, den er aus Steuermitteln für das Buch Kulturkampf um das Volk. Der Verfassungsschutz und die nationale Identität der Deutschen von Martin Wagener gezahlt hat. Seit Jahren wird versucht, den Professor an der Hochschule des Bundes als Verfassungsfeind zu framen. Wegen entsprechender Inhalte verstoße das Werk gegen die Förderrichtlinien, argumentiert der Börsenverein. „Uns als Mitglied des Börsenvereins so in der Pressefreiheit einzuschränken, das finde ich erstaunlich“, beschwert sich Willi Lau, Chef des Lau-Verlages, bei dem das Buch erschienen ist, gegenüber der Welt. Aus einem eigenen Meinungsfreiheits-Arbeitskreis des Börsenvereins habe sich niemand zu Wort gemeldet. Den 78-Jährigen ärgert „dieser vorauseilende Gehorsam, der sich seit geraumer Zeit in unserer Gesellschaft immer stärker ausbreitet, und der in meiner Generation undenkbar war“.
Wagener werden unter anderem Äußerungen zu Grenzen bei der Ausländerintegration und zur deutschen Kultur zur Last gelegt. Nun urteilte das Landgericht Frankfurt/Main und zwar zugunsten des Verlages. Wageners Buch sei nämlich nicht verfassungsfeindlich, so der Richter, dafür aber „‚reaktionär‘, ‚inhaltlich schwer zu ertragen‘, ‚irritierend‘, ‚grenzwertig‘ und ‚vorurteilsbeladen‘“, berichtet Mathias Brodkorb im Cicero. Eine solche „persönliche Ablehnung einer rechtskonservativen politischen Weltanschauung“ gehört für Brodkorb nicht in ein Gerichtsurteil.
Wenn Blicke diskriminieren könnten
Zuletzt ein weiterer Fortgang. Die Sylter Gaststätte Pony war vergangenes Jahr in die Schlagzeilen geraten, als junges Publikum dort zu L’amour toujours ungehörige deutsche Textzeilen anstimmte. Inzwischen hat das Lokal, wie Nius berichtet, einige Plakate platziert, die seiner Reinwaschung dienen sollen. „Love diversity“ heißt es dort, „Rassismus hat hier keinen Platz“. „Awareness“ wird hochgehalten, ein „Safe Space“ eingerichtet, und natürlich muss man seine „Privilegien“ checken. „Witze, Blicke oder Worte“ können rassistisch sein, Gäste sollen dann eingreifen. Woran erkennt man eigentlich einen rassistischen Blick? Vielleicht kann das Pony dazu mal ein Gäste-Seminar abhalten, wird bestimmt von Demokratie leben gefördert.
Und so endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de.
Und so endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de.
Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde am 13. September 2025 aktualisiert.
Christoph Lövenich ist Novo-Redakteur und wohnt in Bonn. Er hat zum Sammelband „Sag, was Du denkst! Meinungsfreiheit in Zeiten der Cancel Culture“ beigetragen.
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„Der Islam ist das Schwert, das die Linken nutzen, um Amerika die Kehle durchzuschneiden.“
Das trifft es ziemlich gut.
Ersetze dann noch Amerika durch Europa, Deutschland, England, Frankreich, …
Das Blut Charlie Kirks klebt an den Händen der Medien. Diese perfide, niederträchtige und widerliche Propaganda, die selbst nach dem Tod Kirks noch nicht aufhört, treibt die Menschen in die Hysterie. Die Medien wollen offenbar diesen Terror.
Militante Linksextreme sprechen in Sachen Kirk inzwischen ganz offen von Hinrichtung und Erschiessungstod.
Wobei ich befürchte, dass womöglich tatsächlich ukrainische Geheimdienste damit begonnen haben könnten, Nichtunterstützer auch im Ausland zu „canceln“. Angekündigt wurde es immerhin mehr als einmal.