In Frankreich verhindern Anwohner die Aufführung des Barbie-Films, ein Feuerwehrsport-Funktionär verliert seine Aufgaben, weil er das Lied der Deutschen hat abspielen lassen, ein Adidas-Schuh sorgt für einen mexikanischen Shitstorm.
Vor der Siegerehrung bei den Deutschen Feuerwehr-Meisterschaften im sächsischen Torgau sollte die Nationalhymne erklingen. Stattdessen wurde das Lied der Deutschen beginnend mit der ersten Strophe abgespielt. Und zwar in der Version von Heino. „Deutschland, Deutschland über alles“ – das zeitigte Konsequenzen. Der Verantwortliche für diese musikalische Untermalung, Richard Münder, wurde durch den Deutschen Feuerwehrband (DFV) auf Bundesebene seiner Funktion als Hauptwettkampfrichter enthoben. Vorsatz am Werke sieht der Landesfeuerverband Brandenburg, dem Münder angehört. Der Verband hat ihn von seinen Aufgaben im Feuerwehrsport entbunden; der Ehrenamtler darf die Verbandsuniform nicht mehr tragen. DFV-Vizepräsident Hermann Schreck: „Gedankengut, das nicht im Einklang mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht, hat keinen Platz in unseren Reihen. Ein solches Verhalten ist nicht zu tolerieren.“
Hoffmann von Fallerslebens Text aus dem Jahre 1841 nutzten auch die Nazis, in der BRD war er ab 1952 zwar Teil der Nationalhymne, gesungen wurde aber nur die dritte Strophe. Seit 1991 besteht die Hymne ausschließlich aus dieser, verboten ist die Aufführung der anderen beiden Strophen allerdings nicht. Der Darstellung des DFV zufolge habe Münder, ein Ingenieur aus Bad Belzig und aktiv beim Kreisfeuerverband Potsdam-Mittelmark, nach der ersten Strophe sogar ein Abstellen der Musik zu vereiteln versucht. Der Betroffene bestreitet dies, er will stattdessen nur vorgeschlagen haben, die Hymne nun bis Ende laufen zu lassen, damit bei der dritten Strophe alle hätten mitsingen können. Die Version Münders, der in der Feuerwehrsport-„Szene eine große Bekanntheit genießt“, lautet: Er habe sich überhaupt nur wegen Überlastung der Geschäftsstelle um die Musik gekümmert, die Nationalhymne kurz vor seiner Fahrt nach Torgau noch schnell von YouTube auf einen USB-Stick gezogen und später an den DJ übergeben, es sei „Hektik“ im Spiel gewesen.
Der DFV wirft ihm vor, sich für diese Liedauswahl gerechtfertigt, aber nicht entschuldigt zu haben. Während die erste Strophe lief – danach wurde die Musik abgeschaltet –, hätten, so Münder, „alle […] salutiert, niemand hat eingegriffen.“ Er fühlt sich ungerecht behandelt und will daher nicht die Alleinschuld tragen. Münder erklärt sich mit einer mehrmonatigen Sperre als Wettkampfrichter einverstanden, einen dauerhaften Ausschluss hielte er aber für inakzeptabel. Zudem habe er nichts mit politischem Extremismus zu tun, sondern „insistiere auf dem unpolitischen Grundsatz des Feuerwehrsports“. Da springt ihm der Interpret bei. Heino höchstselbst findet scharfe Sanktionen „übertrieben“: „Man sollte diesem Mann eine zweite Chance geben. Er hat sich jahrelang für die Kameradschaft eingesetzt und sich in den Dienst der Allgemeinheit gestellt“. Der Sänger betont, dass er das Lied der Deutschenseinerzeit nur für Unterrichtszwecke für die baden-württembergische Landesregierung aufgenommen hat; öffentlich trage er ausschließlich die Nationalhymnen-Strophe vpr.
Indianer auf der Insel
Apropos Fest. Nachdem in einer Rostocker Kita – wie berichtet – kein „Indianer-Fest“ gefeiert werden konnte, fand dafür eins andernorts in Mecklenburg-Vorpommern statt. Vorletzten Montag veranstaltete die Gemeinde Insel Hiddensee erstmalig ein „Indianerfest“ mit Kinderprogramm wie „Indianer-Schatzsuche“ und dem „Bemalen von Tipis, Totems und Steckenpferden“. Kulinarisch gab es neben „leckeren Speisen“ auch „vegetarische Gerichte“. Bürgermeister Thomas Grens zufolge „setzen wir die alte Tradition einfach fort – wie wir sie aus Kindertagen kennen: Cowboys und Indianer beim Fasching, beim Spielen, beim Feiern.“ „Plötzlich wird Geschichte umbenannt, Sprache weichgespült und Kultur zur Gefahr erklärt“, ergänzt der Politiker und macht eine klare Ansage: „Sprachpolizei? Nein danke – nicht mit mir.“
Grens, seit 15 Jahren Hiddenseer Bürgermeister, blickt auf eine schillernde politische Vergangenheit zurück: derzeit bei einer lokalen Wählervereinigung, trat er mal für die Partei Die Achtsamen erfolglos bei einer Landtagswahl an, nachdem er aus der CDU geflogen war, weil er seine Tätigkeit als DVU-Funktionär um die Jahrtausendwende verschwiegen haben soll; eine Stasi-Verpflichtungserklärung als Teenager bestreitet er. Wo wir schon bei der SED sind: Linkspartei-Landesvorsitzender Hennis Herbst kritisiert die Verwendung des „historisch belasteten“ Indianer-Begriffs, der von den „europäischen Imperialisten“ stamme. „Mir ging es einfach darum“, entgegnet Grenz, „dass wir zurück zur Normalität kommen.“
Die Sandale als Kollektiveigentum
In den Sandalenfilmen, die ich als Kind geschaut habe, kam nie Mexiko vor. Und das Schuhwerk im Schatz der Azteken ist mir nicht erinnerlich. Doch nun konnte ich dazulernen: Ureinwohner im heutigen Mexiko haben schon seinerzeit Ledersandalen hergestellt, die heute unter dem Begriff „Huaraches“ laufen. Hätte ich mal beim Beach-Boys-Hit Surfin‘ USA genauer hingehört statt mich in europäischer Ignoranz zu suhlen, da werden die Treter nämlich als kalifornische Surfer-Kleidung erwähnt. Das war in den frühen 1960ern, und auch heute noch finden die Schuhe Abnehmer. Grund für einen weltbekannten Textilhersteller aus der mittelfränkischen Provinz, in Nordamerika ein neues Modell einschlägiger Prägung vorzustellen. Adidas präsentierte die „Oxaca-Sandale“, benannt nach einem südmexikanischen Bundesland, und gestaltet vom amerikanischen Designer Willy Chavarria.
Die Reaktionen gewisser Kreise beim südlichen US-Nachbarn fielen verheerend aus. Das sei illegitime kulturelle Aneignung – und auch noch illegal, schließlich besteht in Mexiko ein Gesetz gegen kulturelle Aneignung, das sogar ein merkwürdiges Konstrukt namens geistiges Kollektiveigentum vorsieht: Vertreter irgendwelcher Stämme müssen ihr Placet zur Verwendung von Ideen geben, die ihre Vorfahren vor Jahrhunderten mal hatten. Selbst die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum empörte sich in einer offiziellen Pressekonferenz über die Adidas-Schuhe (wofür sie auch Spott von Bürgern erntete, siehe die Kommentare unter diesem YouTube-Video). In der Folge entschuldigten sich sowohl der Konzern als auch Designer Chavarria – der väterlicherseits von Mexikanern abstammt – für ihr Sakrileg. Adidas werde mit einem südmexikanischen Kaff, in dem Kunsthandwerker solche Sandalen herstellen, „in einen respektvollen Dialog“ treten, außerdem stehen mit der zuständigen Landesregierung Gespräche über eine Entschädigung aus. Vielleicht müsste ich nachträglich noch Lizenzgebühren für meinen in jungen Jahren als Karnevalsverkleidung getragenen mexikanischen Sombrero entrichten.
Barbie im Banlieu
In Noisy-le-Sec bei Paris sollte am vergangenen Freitagabend der Film Barbie, einer der großen Kinohits von 2023, bei einer Open-Air-Veranstaltung aufgeführt werden. Während des Aufbaus soll aber eine Gruppe Jugendlicher das Personal bedroht haben: Man werde die Vorführung verhindern und dafür notfalls alles demolieren. Der Film propagiere Homosexualität und verletze die Würde der Frau, behaupteten die jungen Leute. So teilt es Olivier Sarrabeyrouse, der kommunistische Bürgermeister der Stadt, mit. Aus Sicherheitsgründen sagte er die Vorführung ab. Er kritisiere diesen „Obskurantismus und Fundamentalismus“ und habe Anzeige erstattet. Kulturministerin Rachida Dati zeigt sich empört. Um welche „Jugendlichen“ handelt es sich eigentlich? Valérie Boyer, Senatorin der Mitte-Rechts-Partei Les Républicains, erinnert daran, dass Barbie in Algerien und Kuwait nicht in die Kinos durfte. „Islamistische religiöse Fundamentalisten üben eine starke und effektive Kontrolle aus“, so Boyer, nun auch in einem Pariser Vorort. Ins gleiche Horn stößt das Rassemblement National (RN).
Vereinsprobleme
„Sie steigen in den Hauptbahnhof ein“, frohlockte einst Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), „Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen, an den Flughafen Franz Josef Strauß“. Draus geworden ist bekanntlich: nichts. Aber es gibt noch letzte Aufrechte, die die Magnetschwebebahn-Technologie in Deutschland vorantreiben wollen. Darunter der 21-jährige David Harder, Betreiber der Website MagnetBahn und Mitglied des Fördervereins Transrapid Emsland, der die stillgelegte Transrapid-Versuchsanlage Emsland (TVE) der Öffentlichkeit zugänglich macht. Harder startete eine Online-Petition für den Einsatz des Transrapids im deutschen Fernverkehr, „um die technischen Hürden der konventionellen Eisenbahn zu überwinden.“ Kürzlich wollte er sie mitsamt den über 60.000 Unterschriften an Verkehrspolitiker auf Bundesebene übergeben. Doch fast alle winkten nach Harders Darstellung ab oder ignorierten das Anliegen ganz; ein SPD-MdB sagte wieder ab.
So kam es dazu, dass Ende Juni nur Vertreter der AfD-Fraktion die Petition entgegennahmen. Die Überreichung an blaue Abgeordnete war für Harder, der parteipolitische Neutralität für sich in Anspruch nimmt, kein Problem. Er „sehe es als meine Verantwortung als Aktivist und Fachvermittler, jede sachliche Auseinandersetzung mit dieser Technologie zu ermöglichen und zu begleiten – parteiunabhängig, respektvoll und lösungsorientiert“. Er habe in diesem Zusammenhang schon mit Vertretern von Grünen, Volt und FDP zusammen gearbeitet. Als jüngst drei AfD-Bundestagsabgeordnete und ein ‑Landesparlamentarier die TVE besuchen wollten, lehnte der Vereinsvorstand – mit einem CDU-Bürgermeister an der Spitze – das ab und enthob David Harder seiner Funktionen. Der junge Mann führte die Gruppe stattdessen außen am Gelände entlang.
Nun hat Harder – zusammen mit anderen Ehrenamtlern – seinen Vereinsaustritt verkündet. Er spricht von jahrelangem „Mobbing“ innerhalb der Organisation. „Es ist nur als skandalös zu bezeichnen, wie der Verein ,Transrapid Emsland e.V.‘ mit seinem Mitbegründer umgeht“, heißt es seitens der AfD. Der Vollständigkeit halber sei aber angemerkt, dass es vereinsinterne Querelen schon vor der Petitionsüberreichung und dem AfD-Besuch gab – bei denen mutmaßlich auch Kleinigkeiten und Eitelkeiten eine Rollen spielten – sowie Kritik an Harders fachlichen Einschätzungen. Der Verein wollte gegenüber Achgut keine Stellung beziehen. Hier sieht man den Betroffenen übrigens bei einer Transrapid-Fahrt – in China.
Debanking, zum Drölfzigsten
Wieder hat wer sein Konto gekündigt bekommen. Wieder ohne Begründung. Diesmal trifft es ein Unternehmen namens Etica, das unter den Marken corage.media und etica.media Bücher verlegt. Dazu gehören kritische Werke zur Corona-Transformation, zu Jeffrey Epstein oder auch eines, das den Abwurf von Atombomben auf Japan im Jahre 1945 bezweifelt. Anderthalb Monate vor der Kontokündigung war in dem Verlag das Buch Donbassdonner – Ein Reisebericht von der anderen Seite der Geschichte erschienen, in dem der Journalist Flo Osrainik aus russischen besetzten Teilen der Ukraine erzählt. Osrainik stellt zumindest diesen zeitlichen Zusammenhang zwischen seinem Werk und dem Handeln der Bank her. Das betreffende Kreditinstitut ist ein niederländisches.
Kontaktschuld durch Gebäude
Auf Plattformen für Online-Petitionen findet sich auch wildes Zeug. Außerdem räkeln wir uns im Sommerloch. Da berichtet selbst der NDR über eine Petition des SPD-Ortsvereins Schelfstadt, die Anfang der Woche gerade einmal 100 Unterzeichner aufwies. Die Sozen aus der mecklenburg-vorpommerschen Hauptstadt Schwerin halten eine lokale Veranstaltung der CDU in einer ganz anderen Ecke der Republik für weltbewegend. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner soll nämlich am kommenden Sonntag beim Sommerempfang ihrer Partei im rheinland-pfälzischen Koblenz sprechen. Soweit normal – Mitglieder des Bundestagspräsidiums bleiben Parteipolitiker. Allerdings findet der Empfang auf dem Firmengelände der CompuGroup Medical statt. Dieses Unternehmen wurde von Frank Gotthard gegründet, der auch dem Verwaltungsrat vorsitzt. Und Gotthard ist der große Finanzier hinter Nius.
Nius wiederum habe, so zitiert die SPD Schleifstadt Wikipedia, die ihrerseits Leute zitiert, irgendwas mit „rechtsextrem“ zu tun. Als wäre das nicht schlimm genug, hat sich das Medium auch noch „an der Demontage der Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, Frauke Brosius-Gersdorf“ mitschuldig gemacht. Was fordern die Petenten deshalb? Dass Klöckner der Veranstaltung fernbleiben möge? Dass die Koblenzer CDU sich nach einem anderen Ort umsehe soll? Nein, die Bundestagspräsidentin soll als solche gleich zurücktreten. Darunter macht man’s nicht. Auch ein grünes MdB und die unvermeidliche Renate Künast wittern Kontaktschuld. „Klar, wer Reichelt & Co. schon für Voldemort hält“, kommentiert jemand auf Twitter, „sieht in Frank Gotthardt wohl gleich Sauron – und im Sommerfest das dunkle Tor von Mordor“.
Spende von der ‚falschen‘ Seite
Apropos Sommerloch und Sommerfest: Hans-Christoph Berndt, der AfD-Fraktionschef in Brandenburg, hat mit einer Spende für Empörung gesorgt. Berndt hatte sich erdreistet, für das kommunale Sommerfest in seiner Heimatgemeinde Golßen am vergangenen Wochenende eine private Geldzahlung zu leisten. 24 Spender hatten 7.000 Euro zusammengetragen, zur Freude der parteilosen Bürgermeisterin der kleinen Kommune, Andrea Schulz. Auch eine Überweisung einer Privatperson habe ihre Richtigkeit. In der Stadtverordnetenversammlung sprach sich die Fraktion Gemeinsam für Golßen allerdings gegen die Annahme der Spende aus und verließ sogar aus Protest den Saal. Schließlich ist Berndt nach Geheimdiensteinschätzung gesichert rechtsextrem. Anlässlich der Sitzung demonstrierte eine Initiative Golßen für alle – außer für die AfD natürlich, die bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr dort fast die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen konnte. So nimmt es auch nicht Wunder, dass letzte Woche vor dem Rathaus nicht nur Gegner Bernds, sondern auch viele seiner Anhänger zusammenkamen. Aber wo sind eigentlich die Proteste dagegen, dass der Staat Berndts Steuern, Abgaben und Rundfunkbeiträge annimmt?
Interview mit dem ‚Falschen‘
„Sie haben das Recht zu schweigen. Alles, was Sie jetzt sagen, wird den Behörden übergeben.“ So sollte die Lippische Landes-Zeitung (LZ) ihre Interviewpartner warnen – jedenfalls, wenn sie von der AfD stammen. Dieser Tage befragte das Regionalblatt Jirka Möller, Bürgermeisterkandidat der Blauen in der Gemeinde Extertal. Die liegt im Kreis Lippe, und da ist es nicht selbstverständlich, dass die AfD überhaupt für einen Bürgermeisterposten antreten darf. Uwe Detert, der in der Kreisstadt Lage aufgestellt war, wurde erst vom städtischen und dann von Kreiswahlausschuss abgelehnt – aus Anlass eines Welt-Artikels über seine Social Media Posts und wohl aus dem Grund, dass er den etablierten Parteien zu chancenreich wirkte – seine Partei hatte in Lage bei der Bundestagswahl die meisten Zweistimmen geholt.
Aber zurück zu Möller aus Extertal. Teile seines Interviews mit der LZ erschienen nicht, da sie der Redaktion zu extrem waren (Achgut berichtete hier und hier). Diese wurden stattdessen den Behörden gemeldet – welche gemeint waren, wollte das Medium zunächst nicht verraten. Wie die JF erfahren hat, liegen die Äußerungen beim polizeilichen Staatsschutz. Der Rest wurde sogenannten „Faktenchecks“ unterzogen, also mit Kommentaren versehen. Das hatte die LZ Tage zuvor bereits grundsätzlich erklärt, wie Apollo News berichtet: Man wolle AfD-Kandidaten „gleich“ behandeln, indem man sie anders behandelt: „Aussagen, die unserer Meinung nach der Verfassung widersprechen könnten, werden wir […] nicht veröffentlichen, sondern an die verantwortlichen Behörden zur Prüfung weiterleiten“. Im vorliegenden Fall war außerdem von „Aussagen, die unserer Meinung nach […] rechtsextremistische Tendenzen des Interviewten offenbaren könnten“. Die Rede – diese wurden den Lesern vorenthalten.
Andere Aussagen Möllers, die nicht den offiziellen Narrativen entsprechen, etwa zu Klima, Gendern und Schülern und Migrationshintergrund, konterte die LZ mit Hinweisen, wie man stattdessen korrekterweise zu denken habe. Auch wird zeitungsseitig vor „Verschwörungsmythen über die ‚Islamisierung‘ Europas“ gewarnt. Neben Möller wurde auch das Interview mit seinem Parteikollegen, dem Detmolder Bürgermeisterkandidat Viktor Hübner mit „Faktenchecks“ beladen. Bei Kandidaten anderer Parteien kam es zu solchen „Faktenchecks“ nicht, lediglich im Falle einer Linkspartei-Bewerberin wurde in einer redaktionellen Anmerkung ein Detail richtiggestellt. Vor Jahrhunderten hieß die LZ mal Lippisches Intelligenzblatt, aber auf die Intelligenz der Leser setzt man heute nicht, und informiert statt ihrer lieber staatliche Behörden. „Das ist die absolut kaputteste und kränkste journalistische Praxis, die mir bisher untergekommen ist“, findet Jan A. Karon von Nius.
Copyright: Hamas
Das Toronto International Film Festival (TIFF) war bei uns im letzten Jahr schon Thema, als es einen Film mit angeblicher russischer Propaganda wegen dagegen gerichteter Bedrohungen absetzte. Jetzt verweigern die Kanadier einer Doku die Aufführung: Out of Nowhere: The Ultimate Rescue wurde auf TIFF-Wunsch bereits in The Road Between Us: The Ultimate Rescue umbenannt. Darin geht es um einen pensionierten israelischen General, der am 7. Oktober 2023 Familienmitgliedern zur Hilfe eilt. Dem Festival zufolge gebe es rechtliche Probleme: Für Video-Material von Hamas-Terroristen mangele es an einer Urheberrechts-Freigabe durch selbige (Achgut berichtete). Sicher, Medienanwälten der Hamas möchte man nicht unbedingt begegnen. Für viele klingt das jedoch nach einem Vorwand. Festival-Chef Cameron Bailey bestreitet hingegen zensorische Absichten. Man arbeitete mit den Filmemachern an einer rechtlichen Klärung, damit das Werk doch noch kommenden Monat beim TIFF gezeigt werden kann.
Kriegsaufruf
Nichts übrig für Israel hat Prof. Ramsi Woodcock, der Jura an der Universität Kentucky lehrt. So forderte er in einer online verbreiteten Petition, dass alle Länder der Welt Krieg gegen Israel führen müssten, bis zu dessen Unterwerfung. Wegen seiner Positionen hat ihn die Uni jetzt von seinen Lehraufgaben entbunden und prüft rechtliche Konsequenzen. Während Woodcock über eine Website einen „antizionistischen Safe Space“ propagiert, verweist sein Arbeitgeber auf die Gefahr eines „feindlichen Umfeldes“ durch dessen Aktivitäten und den möglichen Bruch von Bürgerrechten Dritter. Das sieht die Bürgerrechtsorganisation FIRE anders. Woodcocks Aussagen seien von der Meinungsfreiheit gedeckt, als Angehöriger einer öffentlichen Hochschule müsse er sie ohne berufliche Konsequenzen äußern dürfen. Sonst drohe ganz anderen Meinungen irgendwann das gleiche Schicksal.
Angst vor Konsequenzen
Zuletzt noch ein Abstecher in die Demoskopie. Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA zufolge bejahen 84 Prozent der Befragten die Frage „Glauben Sie, dass manche Personen ihre Meinung nicht äußern, weil sie Angst vor Konsequenzen haben?“ Das ist sind sechs Prozentpunkt mehr als noch im November. Selbst bei den Grünen-Wählern ist dieses Problem – man höre und staune – 77 Prozent bekannt. Selbst die Erfahrung gemacht, eine Meinung besser für sich zu behalten, haben sie nur unterdurchschnittlich: zu 41 Prozent, während das Mittel bei 54 Prozent liegt und satte 76 Prozent der Blauen-Wähler so etwas schon mal erlebt haben. Angst ist übrigens nicht der beste Ratgeber.
Und so endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de.
Christoph Lövenich ist Novo-Redakteur und wohnt in Bonn. Er hat zum Sammelband „Sag, was Du denkst! Meinungsfreiheit in Zeiten der Cancel Culture“ beigetragen.
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Beitragsbild: Beercha Flickr CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Alle Feuerwehrleute und andere, die sich täglich – oft sogar ehrenamtlich – für andere Menschen einsetzen, sollten einmal für nur eine Woche darauf verzichten, ihre Arbeit, ihre Gesundheit und sogar ihr Leben für andere einzusetzen.
Wie viele von diesen „Helden des Alltags“ blieben denn wohl übrig, wenn man alle aussortieren würde, die mit der derzeitigen – unser Land vernichtenden Politik nicht einverstanden sind und es auch noch wagen, dies zu äußern?-
Aber halt! Es warten ja schon Zehntausende einsatzbereite Jungmänninnen darauf, sich endlich sozial engagieren zu dürfen!
Also: Die Feuerwehr des geschassten ehrenwerten Mannes wird sich vor dem Zustrom neuer Anwärter nun sicher kaum retten können.
BRAVO! Gut gemacht!
Nichts gegen die erste Strophe. Das Deutschlandlied in der Version von Heino zu spielen ist allerdings ein Grund für Schmerzensgeldforderungen und eine Entschuldigung an Hoffmann von Fallersleben.
@Emil.Meins, an Ihnen ist ein Gutachter verloren gegangen. Emil.Meins, sicher nur ein Pseudomyn, in Wirklichkeit rauchen Sie Zigarren.
@ Grimm Erlebe Volkers Wirtschaftswunder. Gerade zur kulturellen Aneignung hätte ich eine Idee nach der anderen. Die Nummer könnte man mit „Eat your own dog food“ so auf die Spitze treiben. Z.B. Kein elektrischer Strom für Nichtweiße. Und keine Atombomben, nicht mal ne Waschmaschine, keine Markenklamotten. Gut wir müssten auf die Astrologie verzichten. Ich komm drüber weg. Bin ich schon. PS.: Und natürlich jeder Stützescheck. man kommt da ja richtig in Fahrt.
Für Sie , Herr @Thomas Szabó: „Kennen Sie die Argyronete?“ bzw. „Luft von oben“ lautet die Überschrift des Buchkalenders „Die gute Saat“ vom gestrigen Tage (im Internet frei abrufbar). Alles Gute beim Durchatmen!
@Walter Weimar /„Ist das Foto oben echt? Hats wirklich geklappt, eine Barbeipuppe großzuziehen, so für den häuslichen Gebrauch. Sie muß ja nicht mal sprechen können, ein paar Laute reichen. Mit Hirn ist es ja gründlich schief gegangen, es wurde leider nur Blumenkohl. Es war wie bei Böttger, statt Gold, dann Porzellan. Zweitverwertung, Plan B, hat damals bis heute geklappt.“===>Falls Sie Bedürfnisse haben, und so hört es sich fast an: zwar wachsen sie nicht im Gemüsebeet, aber die Chinesen sind sehr geschickt: dort bekommen Sie lebensechte Love Dolls, aus Silikon oder TPE, auch mit Sprachprozessor, lebensgroß, mit allen Finessen. Die können Sie, so wie viele Männer sich das ja wünschen, bei Bedarf aus dem Schrank holen, und hinterher wieder zurückstellen. Nur Bierholen können sie noch nicht, aber es gibt auch welche mit eingebauter Vibration und Absaugung. Sie sehen, alle Wünsche werden erfüllt, keine Ansprüche gestellt, außer Waschen mit Wasser und Seife. Und für die etwas abseitiger orientierten gibt es auch Exemplare mit extremen Körpermaßen/-massen, oder mit Kuhkopf, alles auf Wunsch. Da könnte sich Recep sogar eine Ziege bestellen, mit allem Komfort. Vielleicht könnten wir ja einfach das Problem der Messerkünstler lösen, indem wir jedem Migranten ein Wunschexemplar zur Verfügung stellen, absolut gehorsam, kein Widerspruch, mit Sprachprozessor der während der Benutzung immer „Allahu akbar“ ertönen läßt? Na, Giesemann, was meinen Sie dazu? oder wollen Sie auch eine? Im Internet finden Sie alles, mit ein paar Klicks bestellt, wird im neutralen Karton angeliefert, ganz diskret. Angeblich soll das ja den Druck aufs Hirn etwas verringern, bei regelmäßiger Benutzung, und für die älteren Herren nutzt es auch noch gegen Prostata-Verhärtung, fragen Sie mal bei der Krankenkasse nach, ob es übernommen wird! Das nützt dann auch beim Kommentarschreiben, verhilft zu mehr Gelassenheit.
@V.Kleinophorst: Gute Idee → Sandalen gegen Autos!