Ganz Deutschland diskutiert über die schwindende Beliebtheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In den neun Fernsehanstalten plus Phoenix und Deutsche Welle scheint man von dieser Krise noch nichts gehört zu haben.
Anders als mit Ignoranz ist die große Jubiläumsshow, die sich die „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“ am Samstag, 5. April, drei Stunden lang gönnte, nicht zu erklären. Man darf sie getrost als blanken Hohn der ARD-Verantwortlichen auf die breite Kritik im Land am Fernsehprogramm und seinen Kosten bezeichnen.
Diese Kritik ist leicht in zwei Punkten zusammenzufassen: Erstens ihr viel zu großer Anteil an seichtem Zeitvertreib, inhaltsloser Aufmunterung, der in keiner Weise mehr ihrem Auftrag, nämlich Information, Bildung und Unterhaltung gleichermaßen zu liefern, gerecht werden. Zweitens die exorbitanten Kosten, die vor allem in der Sparte Unterhaltung – sprich Mega-Shows – generiert werden, und die das Budget der ARD inzwischen auf über zehn Milliarden Euro pro Jahr getrieben haben – einkassiert zu mehr als zwei Dritteln über die Beitragspflicht aller Bürger. Und dann noch über die Einnahmen aus der Werbung in einer Höhe, die den wirtschaftlich arbeitenden Medien damit entzogen sind.
Am Samstag nun die große Party im „Ersten“: 75 Jahre ARD. Gefeiert wurde dabei lediglich das Fernsehen, der Hörfunk spielte nicht die geringste Rolle, so dass der Eindruck entstand, das Deutsche Fernsehen sei gerade ein Dreivierteljahrhundert alt geworden. Gut, dass niemand auf die Idee kam, die ersten Bilder aus dem Jahr 1950 zu zeigen. Allerhöchstens ein Testbild wäre nämlich da zu sehen gewesen. Das Fernsehen startete in Wahrheit erst am 25. Dezember 1952, vier Tage nach dem Beginn des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in der DDR, wo man es noch vor Heiligabend geschafft hatte. Das Ganze also irgendwie zwei Jahre zu früh. Aber kann man ja 2027 nochmal aus der Konserve holen. Geschenkt. Bezeichnender war der Inhalt der Show.
Als wes Geistes Kind sich die Programmverantwortlichen präsentierten
Ein Rückblick auf seine eigene Geschichte war es schließlich, was uns das Erste am Samstag bot. Was aber hatte das Deutsche Fernsehen uns allen im Land zu bieten gehabt über all die Jahrzehnte, in denen wir zusammen groß geworden sind? Information? Bildung? Unterhaltung? Ein Blick auf die eingeladenen Gäste bei der Jubiläumsshow deutet an, was man bei der ARD selbst als das Wesentliche ansah und weiterhin ansieht, wie man seinen Sendeauftrag interpretiert. Sie brauchen den folgenden Absatz mit den Namen nur zu überfliegen und können dann gleich zum übernächsten springen – es reicht, um zu erkennen, als wes Geistes Kind sich die Programmverantwortlichen selbst präsentierten, was sie als „Deutsches Fernsehen“ interpretieren.
Die eingeladene Prominenz, unter anderen: Günther Jauch, Barbara Schöneberger, Ingo Zamperoni, Iris Berben, Maria Furtwängler, Miroslav Nemec, Ulrike Folkerts, Jan Josef Liefers, Dietmar Bär, Charles Brauer, Ulrich Wickert, Jens Riewa, Dagmar Berghoff, Esther Sedlaczek, Alexander Bommes, Lea Wagner, Lothar Matthäus, Bastian Schweinsteiger, Sepp Maier, Dieter Hallervorden, Carolin Kebekus, Jürgen von der Lippe, Paola Felix, ESC-Gewinnerin Nicole, Hinnerk Schönemann, Jana Klinge und Patrick Duffy aus der Serie „Dallas“. Zugeschaltet außerdem Florian Silbereisen, Katarina Witt, Torsten Sträter, Marie-Luise Marjan sowie Ernie und Bert aus der „Sesamstraße“.
Diese Anwesenden, liebe Leser, haben den Abend geschmissen, und dann lag die Moderation auch noch bei Kai Pflaume, da ist es nicht schwer, sich den Abend vorzustellen, wenn man ihn „verpasst“ hat. Er stand erklärtermaßen auch unter dem Motto „Nostalgie und Gefühle“ beim Zuschauer zu produzieren. Nicht dass es den Fernsehmachern missgönnt sein sollte, ihre 73 Jahre ausgelassen zu feiern.
Witz komm raus
Entscheidend aber ist, was diejenigen, die den Abend konzipiert haben, für ein Bild vom Deutschen Fernsehen ins Land hinaus strahlen wollten. Und da kann nach diesem Abend nur eines hängenbleiben: Witz komm raus. Ach war das lustig, als Karl-Heinz Köpcke mal ein paar Tage mit Bart erschien, und dann war er wieder weg. Als Dagmar Berghoff eines Abends die Zuschauer mit „Guten Morgen“ begrüßte, und Uli Wickert irgendwann einmal von „ausgeschiss“ sprach, aber gerade noch rechtzeitig die Kurve kriegte. Ha. Ha. Ha. Die „Tatorte“ wurden durchgekaut, und – raten Sie mal – natürlich der aus Münster war der beliebteste. Lindenstraße, Dallas (Patrick Duffy alias Bobby Ewing war extra eingeflogen worden) und Karl Dall und so weiter.
Zugegeben, gute zehn Minuten lang im Rahmen der dreieinhalb Stunden sah man auch die Zwillingstürme in New York einstürzen, die Ahrtal-Flut wüten, die Mauer fallen und Kennedy sich als Berliner outen. Allerdings nur der Vollständigkeit halber und alles für das „Narrativ“: Schaut her, liebes Publikum, auch das haben wir alles gesendet. Was diese Fakten der Weltgeschichte aber mit dem Deutschen Fernsehen zu tun hatten und ob überhaupt, war offenbar gleichgültig. Der Eindruck lautete: Sowas läuft ja nebenher auch und sowieso, und wir kommen daran irgendwie nicht vorbei, sorry liebe Zuschauer. Also: Wenn schon Politik, dann natürlich lieber die strickenden Grünen im Bundestag. Und ansonsten weiter im Text: Schimanski, Fußball, Didi Hallervorden und zurück zur „Lindenstraße“. Auch Talkshow-Fetzen kamen natürlich, allerdings nur die unterhaltsamsten. Nicht dass dem Vergnügen hier die Berechtigung abgesprochen werden sollte, Spaß muss sein. Aber ist das alles (abgesehen von seiner seichten Qualität)?
Das Deutsche Fernsehen ist sein Geld nicht wert.
73 Jahre Deutsches Fernsehen. Man versetze sich in die Redaktionen von Report, Monitor, Kontraste und die anderen Politmagazine, die Wissenschaftsformate, Kulturprogramme. Nicht dass sie hier jetzt als internationale Vorreiter des aufklärerischen, investigativen Journalismus hingestellt werden sollen. Dafür haben sie sich über die Jahrzehnte – grosso modo jedenfalls – zu sehr angepasst und ihre Bissigkeit nach dem Ende der Kohl-Ära eingebüßt, freiwillig.
Aber all die Mitarbeiter in diesen Sparten mussten am Samstag abend das zur Kenntnis nehmen, was zuletzt, spätestens seit dem Gebühren-Zwangseinzug, im Zuge immer offenerer und heftigerer Kritik am öffentlich-rechtlichen Fernsehen bereits breiter Tenor in der Bevölkerung ist: Sie spielen eine untergeordnete Rolle. Mit dem Ergebnis dass nicht nur der Gleichklang zwischen Information, Bildung und Unterhaltung schwer gestört ist, sondern daraus wiederum die deprimierende Erkenntnis resultiert: Das Deutsche Fernsehen ist sein Geld nicht wert. Und nein, Quoten sind hier nicht der Maßstab.
Genau das ist das Ergebnis des Abends, eine Frechheit eigentlich: Die Programmverantwortlichen waren überhaupt nicht auf die Idee gekommen, wenigstens zur Feier des Tages diesem Eindruck einmal entgegenzuwirken. Geschafft hätten sie es sowieso nicht.
Ulli Kulke ist Journalist und Buchautor. Zu seinen journalistischen Stationen zählen unter anderem die „taz“, „mare“, „Welt“ und „Welt am Sonntag“, er schrieb Reportagen und Essays für „Zeit-Magazin“ und „SZ-Magazin“, auch Titelgeschichten für „National Geographic“, und veröffentlichte mehrere Bücher zu historischen Themen.

Nicht sehen hilft nicht ! Nicht zahlen schon !
Ich mag keine Hamburger, ich esse Wiener Würstchen zum Führstück. Das sind vor allem die untertänigsten Billigblätter wie der Stern, die ihre Felle davon schwimmen sehen. Laßt sie motzen. Morgen sind sie weg.
Karl Dall war auch da ? Wie gruselig. Kam er als Geist oder als verzögerte Heimsuchung, die sich erst später zeigen wird. Puuuh…
Das sind Beiträge bei der Achse auf die ich sehr gut verzichten könnte. Ganz einfach weil ich mir diesen und ähnlichen Mist, schon seit mehreren Jahren nicht mehr antue. Warum man die Leser und Mitkommentatoren hier glaubt immer noch überzeugen zu müssen, dass von dort nur Mist kommt, ist mir schleierhaft. Man könnte/sollte das ganz locker dort liegen lassen, wo es liegt, und hingehört. Auf einem stinkenden Misthaufen z.B.
Augenpulver. Und sie zeigen es dir auch noch. Aber du merkst nicht. „I am the slime from your TV Set.“ (Frank Zappa). Gut das Hallervorden denen kurz die verlogene Maske vom Gesicht zog.
Gut, dass der Hörfunk speziell erwähnt wird! Hier ist der Niedergang, meiner Meinung nach, besonders katastrophal. Vor zwei Jahrzehnten noch war ich ein begeisterter Stammhörer des Deutschlandfunks. Aber seit Merkels Willkommenspolitik ist der Anteil an regimetreuer AgitProp von 20 auf 85 % gestiegen und mittlerweile müsste man, wenn man das Einschalten denn unbedingt mal wieder wagen will, unbedingt ein Allergie-Notfallset griffbereit halten. Schon wegen dieser überhandnehmenden Vortragenden mit keifig-rechthaberischer Hexenstimme oder dem Gender-Gestammel der ultraorthodoxen linksgrünwoken Jungfunktionäre! Bezahlen darf man natürlich trotzdem seine „Demokratieabgabe“ –´auch wenn Fragen, Wünsche, Anmerkungen und offizielle förmliche Programm-Beschwerden selbstverständlich nicht einmal ignoriert werden.
ZwangsDummFunk,
Alles RechtDumm.
…mein Eindruck.