Das gab es zuletzt vor über zehn Jahren. Die De-Industrialisierung fordert ihren Preis, obwohl die Bundesagentur für Arbeit dies wie üblich auf „saisonbedingte Effekte“ schiebt.
Nun ist eingetreten, was schon seit einiger Zeit erwartet worden war: Die Arbeitslosenzahl erhöhte sich im August im Vergleich zum Vormonat Juli um 46.000 auf 3.025.000, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtete. Im Vergleich zum Vorjahresmonat August 2024 stieg die Zahl um 153.000. Die Arbeitslosenquote liegt damit nun bei 6,4 Prozent, was 0,3 Prozentpunkte über dem Vorjahr liegt. Dabei gab es regionale Unterschiede: In den Stadtstaaten Bremen (11,8 Prozent) und Berlin (10,5 Prozent) ist sie weiterhin am höchsten, in den südlichen Bundesländern Bayern (4,2 Prozent) und Baden-Württemberg (4,7 Prozent) am niedrigsten. Das letzte Mal, dass die Arbeitslosigkeit auf über 3 Millionen stieg, war vor 10 Jahren, im Februar 2015, meldet welt.de.
Die BA-Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles macht vor allem saisonale Effekte dafür verantwortlich: Die Arbeitslosigkeit steigt über im Sommer oft an, da weniger Unternehmen einstellen und Ausbildungsverträge auslaufen. Sie gab allerdings auch eine weiterhin schwierigen Wirtschaftslage zu, ohne allerdings die Ursachen, für die sie als Bundesarbeitsministerin von 2013 bis 2017 mitverantwortlich war, zu benennen.
Angeblich gibt es aber laut den Experten beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) den Hoffnungsschimmer, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit gestoppt wird und die Beschäftigung wieder steigen könnte. Derartige Hoffnungen auf eine Konjunkturbelebung erwiesen sich allerdings in den letzten Jahren schon mehrmals als trügerisch. Die Erwartung, dass die neue Bundesregierung wesentliche wirtschaftliche Reformen auf den Weg bringen wird, haben sich bereits zerschlagen, nachdem neue Rekordschulden gemacht wurden und die Sozialausgaben höher als jemals zuvor liegen. Dass die Deindustrialisierung und damit massiver Verlust an einst gutbezahlten und sicheren Arbeitsplätzen eine Realität ist, zeigten kürzlich Daten einer Studie von EY (Achgut hatte berichtet).