Von Monika Gruber.
Bitte seid weiter so aktiv, so kritisch, so laut und gebt den normalen, kritischen, steuerzahlenden, fleischessenden, gendersternchenverachtenden, verbrennermotorfahrenden, mitmenschenliebenden Spießern wie mir eine geistige Heimat.
Im Jahre 2004 war die Welt noch weitgehend in Ordnung. Jürgen Klinsmann wurde Bundestrainer, Michael Schumacher Formel 1-Weltmeister und Heidi Klum zum ersten Mal Mutter. Und ich – ich begann meine Bühnenkarriere als Kabarettistin. Als „Kellnerin Monique“ klapperte ich – ohne Management, dafür aber mit einem zerfledderten Falk-Plan des Freistaates Bayern auf dem Beifahrersitz meines tapferen Toyota ausgestattet – die Wirtshäuser, Kleinkunstbühnen und Gemeindesäle zwischen Neurandsberg und Garmisch-Partenkirchen ab. Heimlich träumte ich von einem möglichst PS-starken BMW, und hätte mir damals jemand gesagt, dass 20 Jahre später ein solches Fahrzeug gerade wegen seines sportlichen Verbrennermotors geächtet würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Noch verrückter ist leider, dass das inzwischen eines unserer kleineren Probleme ist.
Die Karten für die Vorstellungen hatte das Publikum im örtlichen Schreibwarenladen, bei der Raiffeisenbank oder an der Abendkasse, die aus einem Biertisch und einem Wirtshausstuhl bestand, gekauft. Es gab freie Sitzplatzwahl und in der Pause – teilweise auch während der Vorstellung – wurden von den robusten Kellnerinnen Bier, Apfelschorle, Blut- und Leberwürste sowie Schweinsbraten serviert. Meine Gage wurde mir allabendlich in bar ausgezahlt, meist wurde ich um ein paar Karten betrogen, einmal sogar um 200 Stück, und ein einziges Mal gab es gar kein Geld, weil der Veranstalter sein ganzes Vermögen – inklusive meines Honorars – seinem Zahnarzt überlassen hatte, der jedoch die gesamte Summe gemeinsam mit den Gebrüdern Lehman verzockt hatte.
Nach der Vorstellung machten wir zwei – mein Falk-Plan und ich – uns wieder auf die Heimreise, und wenn mich kurz vor dem Einsteigen auf dem dunklen Parkplatz jemand von hinten anstupste, dann bestand meist kein Grund zur Panik: Entweder hatte ein Fan vergessen, nach einem Autogramm zu fragen, oder die Frau vom Wirt gab mir großzügigerweise noch eine in Alufolie eingewickelte Schnitzelsemmel für die Fahrt mit. Heute kann man es kaum glauben, aber man fühlte sich auch in der nächtlichen Großstadt als blonde Frau noch sehr sicher.
Ein „Shitstorm“ war ein gänzlich unbekanntes Wetterphänomen
Mein Metier, das Kabarett, war zu der Zeit ganz selbstverständlich immer kritisch mit den Mächtigen und machte sich niemals zum willfährigen Gehilfen von Regierungspropaganda. Für durchaus kontroverse Meinungen gab es gefälligen Applaus oder wenigstens Anerkennung, und wenn man damals mal über das Ziel hinausschoss und einen geschmacklich grenzwertigen Witz über Blondinen, Andersgläubige, Ausländer, Franken oder andere Randgruppen machte, verursachte das höchstens ein paar hochgezogene Augenbrauen und keine mediale Hetzjagd, gefolgt von einer erzwungenen Entschuldigung für das gesamte bisherige und künftige künstlerische Lebenswerk. Ein „Shitstorm“ war nämlich zum Glück ein gänzlich unbekanntes Wetterphänomen, und die sozialen Netzwerke wurden gerade erst gegründet und dienten den wenigen Nutzern nicht zur Verbreitung von Boshaftigkeiten oder Mobbing, sondern allenfalls zur Jobsuche oder, nun ja, zu einem kleinen Flirt.
Man vermag es kaum mehr zu glauben, aber seinerzeit waren sogar Arbeit und Leistung etwas Erstrebenswertes, das nicht nur Respekt verdiente, sondern auch durchaus erfüllend sein konnte. Beim Wort „Work-Life-Balance“ hätte man schließlich eher an die aktuelle Brigitte-Diät gedacht denn an eine Lebenseinstellung, die schon eine Drei-Tage-Woche mit mindestens einem Tag Home Office als kaum zumutbare Belastung definiert. Als Deutscher wurde man im Ausland noch für Tugenden wie Fleiß, Organisationstalent und Ordnung bewundert und nicht mitleidig angeschaut, weil selbst die einstige Bundesbahn mittlerweile unzuverlässiger ist als der Nahverkehr in Bangladesch.
Und jemand, der an einer narzisstischen oder sonstwie gearteten Persönlichkeitsstörung litt, bestellte höchstens auf dem Münchner Oktoberfest eine Magnumflasche Champagner und spritzte diese unter dem Gejohle der regenbeschirmten Gäste ins Publikum. Man bestand jedenfalls nicht hysterisch darauf, eine strikt frutarische Ernährung zu sich nehmen zu müssen, eine eigene Toilette für das dritte Geschlecht aufsuchen zu dürfen oder von seinen Mitmenschen als Fuchs oder Katze anerkannt zu werden.
Die Privatmeinung der linksalternativen Redaktionsleitung
Unsere Jugendlichen klebten nicht an Ausfallstraßen oder Flughafen-Rollfeldern fest, sondern allenfalls am Geländer des Autoscooters oder blieben bei einem Asbach-Cola an der Bar der Katholischen Landjugend hängen. Im Freibad brauchte man damals nur einen einzigen mürrischen Bademeister anstatt einer Hundertschaft bewaffnetes Security-Personal, und unsere einzige Sorge in solchen Umgebungen war, ob die Pommes für alle in der Clique reichen würden und nicht, ob Horden von jungen Männern mit Migrations- oder auch nur Idiotenhintergrund uns erst im Wasser begrapschen und dann in folkloristischer Manier mit Baseball-Schlägern, Stühlen oder Eisenstangen aufeinander losgehen würden.
In den Kindergärten und Schulen wurde St. Martin gefeiert, Nikolaus und Christi Himmelfahrt, während der Ramadan und all seine Begleiterscheinungen einer durchschnittlichen Vorschulklasse noch weitgehend wurscht war. Sogar der Wintermarkt hieß damals noch Christkindlmarkt und war mit einer Hecke aus geschmückten Christbäumen eingezäunt und nicht mit Betonpfeilern (im Volksmund auch liebevoll Merkel-Poller genannt), die lastwagenfahrende Hobby-Dschihadisten davon abhalten sollten, möglichst viele glühweinberauschte Ungläubige zu töten.
Bei großen Fußballturnieren indes holten Bürger, Spieler sowie Politiker anfänglich verschämt und seit der Heim-WM 2006 etwas stolzer ihre Deutschlandfahnen aus dem Keller und keine Armbinden in Regenbogenfarben. Gerhard Schröder war noch ein bisserl Kanzler und ging als solcher mit dem Geld der Steuerzahler weniger freigiebig um als mit seiner Zuneigung zum weiblichen Geschlecht. In der Tagesschau und dem Heute Journal wurden dem geneigten Gebührenzahler belastbare Fakten präsentiert, anstatt ihm mit moralingeschwängertem Gesichtsausdruck die Privatmeinung der linksalternativen Redaktionsleitung aufzudrängen. Auch in unseren Universitäten wurde Bildung und Wissen anstatt fragwürdiger Ideologien gelehrt. Für die allabendliche TV-Unterhaltung waren wirklich lustige Menschen wie Harald Schmidt und Thomas Gottschalk zuständig und nicht öffentlich-rechtliche Hassprediger wie Jan Böhmermann oder fremdgesponserte Humorverwalter wie Eckhart von Hirschhausen.
Entrückte Bundeskanzlerin mit aberwitzigen Allmachtsphantasien
Wenn ich in diesem besagten, für mich richtungsweisenden und schicksalhaften Jahr 2004 geahnt hätte, dass wir nur zwei Jahrzehnte später in einem Land leben werden, in dem es nicht möglich beziehungsweise offenbar von der Politik nicht gewünscht ist, die eigenen Grenzen zu schützen; in dem es in vielen Städten Ghettos und No-Go-Areas gibt; in dem Gruppenvergewaltigungen, Clan-Kriege und Messerstechereien zu unser aller Alltag gehören wie weiland das „Wort zum Sonntag“; in dem wir unsere Schlüsselindustrien sehenden Auges an die Wand fahren, funktionierende und sichere Atomkraftwerke abschalten und dadurch unsere gesamte Energieversorgung gefährden, weil eine „Bundesregierung“ genannte Ansammlung von Polit-Amateuren beschließen würde, das Weltklima im Alleingang zu retten – ich hätte mich sofort in eine Nervenheilanstalt für chronisch defätistische Endzeitfanatiker einweisen lassen.
Dort hätte man mir hoffentlich auch ausgeredet, dass eine grippeähnliche Viruserkrankung die ganze Welt lahmlegen könnte und unsere Grundrechte daraufhin über mehrere Jahre durch Ausgangssperren, Kontaktverbote sowie Masken- und Impfzwänge eingeschränkt würden. Und dass das Ganze zuerst von einer entrückten Bundeskanzlerin mit aberwitzigen Allmachtsphantasien und später von einem sich salzlos ernährenden, verhaltensauffälligen SPD-Hinterbänkler verantwortet werden würde, die Kinder über Monate zum Hausarrest und Alte und Kranke zum einsamen Sterben zwingen sollten, wäre eine derart irre Annahme gewesen, dass man mir in besagter Klapse vermutlich sehr starke Medikamente und eine ziemlich enge Zwangsjacke verordnet hätte. Selbst diese letzten Mittel aber hätten gegen ein Heizungs- und ein Selbstbestimmungsgesetz, gegen das vereinfachte Staatsbürgerschaftsrecht und den grassierenden Gender-Wahn mit seinen 72 verschiedenen Geschlechtern rein gar nix mehr geholfen.
Doch wie konnte das alles geschehen? Wie konnte es so weit kommen? Wie konnten wir als Bürger dieses Landes das alles geschehen lassen? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Was in den letzten 20 Jahren passiert ist, lässt sich in der ganzen Dimension seiner Blödheit wahrscheinlich erst in einigen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten erfassen. Deshalb weiß ich auch, dass ich mich ohne die Lektüre von „Achgut“ entsetzlich verloren fühlen und mich täglich fragen würde, ob nicht ich diejenige bin, die den Verstand verloren hat.
Daher wünsche ich mir von allen Autoren, Mitarbeitern, helfenden Händen und Hirnen von „Achse des Guten“: Bitte seid weiter so aktiv, so kritisch, so laut und gebt den normalen, kritischen, steuerzahlenden, fleischessenden, gendersternchenverachtenden, verbrennermotorfahrenden, mitmenschenliebenden Spießern wie mir eine geistige Heimat. Damit nicht auch noch die letzten Vernünftigen in diesem Land dem grassierenden Wahn anheimfallen. Denn wie pflegt meine Freundin Anni immer zu sagen: „Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein!“
In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag. Ich freue mich schon auf unser Resümee im Jahre 2044!
Monika Gruber ist eine deutsche Kabarettistin, Schauspielerin und Autorin. Ihr zuletzt erschienenes Buch: "Willkommen im falschen Film" im Piper-Verlag.
Ich kenne achgut erst seit 18 Jahren. Aufmerksam machte mich Leon de Winter auf „The Free West“. Er lobte seinen Freund Broder und den Blog. Sechs waren es damals, Maxeiner, Miersch, Broder, Stein Kaufmann und ich denke Müller-Ulrich oder Stephan. Auf Quote achtete damals kein Mensch. Ich wünsche das Beste für die nächsten zehn Jahre, den Gründern gute Gesundheit und bedaure, dass damals die Welt „The Free West“ eingeschläfert hat, statt es ernst zu nehmen. De Winter ist ein Visionär. Er visionierte mal bei einer Buchvorstellung in Bln, 2024 würde Israel eine Zerreißprobe erleben, ob wir das glaubten. Ich votierte dagegen. Beide, Broder und De Winter sind so visionär wie Franz Kafka, doch Broder hat sich in einem Punkt geirrt. Mit Maxeiner teilen sie den Humor. , doch Broder hat sich in einem Punkt geirrt. Er meinte in „Hurra, wir kapitulieren“, Dänemark würde das erste islamisierte Land werden. Nope. D, F und GB. Zu Beginn war der Blog lustiger, aber er veränderte sich in Anlehnung an die trübsinnige, einseitige, problematische BR und die im Wesentlich angepassten Medien unter dem steten Schatten von Cancel Culture. Aber gut, dass er da ist. Gab hoffentlich Champagne heute.
Toll geschrieben, danke! Alles problemlos nachempfindbar. Und oh, was haben wir manchmal gemeckert über Kohl und danach Schröder. Wir wussten nicht, dass wir es 250 PS-bratwurstmäßig gut hatten, der Benzinpreis sollte auf 5 DM steigen, grüne Idee, doch die SPD machte einfach nicht mit, manches war schlicht Gedöns. Den Ausdruck Gedöns habe ich liebevoll behalten und verwende ihn gelegentlich. Ich muss gestehen, einmal habe ich Frau Merkel gewählt, 2005. Das war mein und unser Fehler.
Wir befinden uns im Jahre 2024 n. Chr., im besten Germanien aller Zeiten. Das ganze Land ist von linksgrünen Wokisten besetzt. Ganz Germanien? Nein! In einem kleinen, bayerischen Dorf lebt die schöne Gruberin und hört nicht auf, dem Gesinnungsstaat den Gehorsam zu verweigern. Dabei werden die Besetzer, die in Berolinum den kulturellen, sozialen und ökonomischen Verfall und Untergang herbeisehnen, immer wieder von der rebellischen Gruberin aufs Feinste vermöbelt. Der Eierlikör ist es, ein Zaubertrank, der der Moni die Kraft zum Kampf und Überleben in hysterischen Zeiten gibt. Ach, gut macht sie das. WestGermanien wird, wenn es so weiter macht und nicht auf Moni hört, sein Blaues Wunder erleben. Das Ostgermanische Reich aber, das schon immer Blau trug, Preußischblau, wird überleben. Gruberin, übernehmen Sie!
Frau Gruber: das war ebenso vergnüglich wie treffend, treffender als manche Analyse von angeblich bürgerlichen Journalisten.
Ja, wie hat sich dieses Land verändert – und es ist nicht der Lauf der Dinge, es sind nicht die sich ändernden Zeiten – das ist so gewollt von bestimmten Akteuren gegen den Willen und die Interessen der Mehrheit.
So musste es nicht kommen und es muss auch nicht so weitergehen – liegt gerade ein Hauch von Umkehr in der Luft? Aber wie oft dachte man das schon….
Dass das alles nicht so sein muss, zeigt auch ein beliebiger Blick ins Ausland, dafür muss man kein Ausnahme-Intellektueller und Weltgeist sein.
Alles richtig. Wie konnte es soweit kommen? Wie kam es dazu, dass den Herrschenden, Söder und Aiwanger, von einer angeblich kritischen Künstlerin die Bühne für deren grässliche, grundrechtsfeindliche Parteipolitik geboten wurde, bei der sie die eigentliche Opposition diffamieren konnten. Wie naiv kann man sein? Und bezahlt hat das doch alles die CSU bzw. der BR, stimmts?
Liebe Monika Gruber, oder wie man in meiner nordhessischen Heimat sagen wuerde, Liebes Moni, das passt! Wunderbare kurze Zeitreise in mein Deutschland. Seit 2008 lebe ich mit Familie gluecklich in den USA, hoffentlich bald wieder Trump regiert. Ich erinnere ich mich wehmuetig an mein Deutschland wie es mal war. Die Achse ist meine taegliche Lektuere um den Verstand nicht vollends zu verlieren und Monika Gruber……was soll ich sagen? ERSTKLASSIG, MUTIG, LUSTIG. Bitte weiter so und der Achse Happy Birthday from America!
Auf den Punkt! Warum stehen wir ( Boomer) nicht auf und beenden dieses Desaster. Hilft eigentlich nur, bei den Wahlen das Elend zu beenden. Ich frag mich auch, warum gesunder Menschenverstand, wie hier Monika Gruber zeigt, in dem Mainstream nicht gefragt ist. Haben die alle Angst? Hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben.