Vera Lengsfeld / 13.08.2014 / 13:48 / 1 / Seite ausdrucken

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Elfter August

Die Situation in den besetzten Botschaften der Bundesrepublik kann von der Politik nicht länger ignoriert werden. Das Bundeskanzleramt und das Außenministerium der DDR konferieren erstmals zu der Frage, wie mit den Flüchtlingen in den besetzten Botschaften zu verfahren sei. Gleichzeitig versuchen immer mehr DDR-Bürger, in Ungarn die Grenze nach Österreich zu überqueren.

Zwölfter August

Das Neue Deutschland widmet sich in seiner Wochenendausgabe dem Mauerbau. „Der 13. August brachte Ruhe, Stabilität und Sicherheit für unseren sozialistischen Aufbau“ heißt es auf Seite 3. Der Westen sei gegen die DDR mit Sabotage, Hetze, Diversion, Menschenhandel, Abwerbung und Wirtschaftsboykott vorgegangen. Es habe Planungen von hohen Offizieren der nazistischen Wehrmacht für einen militärischen Überfall auf die DDR gegeben. Warum die Mauer dann aber gegen ein Überklettern von innen gesichert war, nicht von außen, war eine Frage, die nicht gestellt werden durfte.
Während die ND-Leser diese Ausführungen lesen oder ignorieren, wird auch in Budapest die Botschaft der Bundesrepublik wegen Überfüllung durch Flüchtlinge geschlossen.

Dreizehnter August

Zum Jahrestag des Mauerbaus demonstrieren Ausreisewillige vor dem Brandenburger Tor. Die beobachtenden Stasileute müssen sich „Die-Mauer-muss-weg!“-Rufe anhören.
In Budapest ist die Lage durch die DDR-Flüchtlinge, die unter freiem Himmel in den Parks und Grünanlagen kampieren, so angespannt, dass die Bonner Regierung einen Abgesandten in die Budapester Botschaft schickt, um über eine Lösung zu beraten. Davon hört auch Freifrau Csilla von Boeselager, die in der Residenz des Deutschen Botschafters Urlaub macht. Kurz entschlossen verkündet die Malteser-Frau, dass sie sich um die Flüchtlinge kümmern wolle. Am 13. August eröffnet sie dann mit dem Malteser-Hilfsdienst und mithilfe eines befreundeten Pastors auf dem Gelände der katholischen Gemeinde „Zur Heiligen Familie“ das erste Lager für Ausreisewillige aus der DDR.

Während des „Sonntagsgesprächs“ der Berliner Bekenntnisgemeinde ruft der Synodale Hans-Jürgen Fischbeck vom Aktionskreis „Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung vor etwa 350 Menschen zur Bildung einer oppositionellen Sammlungsbewegung auf – als Alternative zur Fluchtbewegung nach Ungarn. Fischbeck möchte, dass die Menschen die DDR verändern, statt ihr zu entfliehen. Der Aktionskreis ist eine Neugründung innerhalb der Opposition in der DDR.
In der Bekenntniskirche in Berlin Treptow fand eines der bedeutensten oppositionellen Liedermacherkonzerte in der DDR statt

Vera Lengsfeld: 1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Horst Jungsbluth / 13.08.2014

Noch am 12. August 1989, als die DDR trotz der enormen privaten und staatlichen Hilfen aus der BRD bereits bankrott und flächendeckend zerstört war,  die Botschaften der Bundesrepublik in den sozialistischen Bruderländern mit DDR Flüchtlingen überfüllt waren, lügt und verdreht das Parteiorgan der SED die Fakten in abenteuerlicher Weise. Denn nicht die Bundesrepublik plante den Überfall auf die DDR, sondern umgekehrt die Warschauer-Pakt-Staaten planten einen Angriffskrieg gegen die NATO-Staaten und rechneten mit 3 Millionen Toten, davon allein 2 Millionen im “Aufmarschgebiet” und das war die Bundesrepublik Deutschland. Auch die Besetzung Westberlin war geplant, da man sich das dortige Vermögen aneignen wollte und mit den Bürgern als Geiseln den Bonner Staat erpressen wollte. Für jeden der 12 Westberliner Bezirke standen nach den letzten Plänen aus dem Jahre 1987 die Strasi-Führer und ihre jeweiligen Stellvertreter bereits namentlich fest. O.W. Rot (ein Pseudonym) hat dieses Szenario bereits 1985!!! in einem selbst verlegten Buch beschrieben, da er für diese sensationelle Enthüllung keinen Verleger fand. Auch der Menschenhandel wurde von der DDR betrieben, die andererseits nicht einmal den ausgereisten Rentnern ihre kümmerlichen Renten überwies.  Selbst im Drogenhandel mischte die Stasi kräftig mit, konnte sie doch zwei Flliegen mit einer Klappe schlagen: Steuerfreie Einnahmen erzielen und gleichzeitig beim verhassten, weil erfolgreicheren “Klassenfeind” die Jugend “anfüttern”, weil leider dort auch viele Lehrer dieses böse Spiel mitspielten, da man außer an Diskotheken gezielt an Schulen dealte. Eigenartig in der ganzen Zeit ist die Tatsache, dass weder die Politiker (von der Justiz ganz zu schweigen) noch die Medien diese Ungeheuerlichkeiten thematisieren. Ganz im Gegenteil: Bei dem einstmals bürgerlichen Berliner “Tagesspiegel” wird jegliche Kritik an der zig Mal umbenannten SED und ihren Funktionären sofort im Keim erstickt und bei anderen ist es auch nicht viel besser.  Die Täter sind immer noch “über” uns!

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Vera Lengsfeld / 01.06.2023 / 15:00 / 50

Viel Lärm um eine Mogelpackung

Im Winter kann die Wärmepumpe mehr CO2 ausstoßen als Gas und fast so viel wie Öl. Es gibt also keine CO2-Einsparung. Wie soll diese Technik…/ mehr

Vera Lengsfeld / 24.05.2023 / 10:30 / 5

Über alle Gräben hinweg

Cora Stephan legt mit „Über alle Gräben hinweg“ den dritten Roman vor, der sich mit der alles entscheidenden Frage befasst, was im schrecklichen 20. Jahrhundert…/ mehr

Vera Lengsfeld / 17.05.2023 / 15:00 / 31

Graichen weg – Wann folgt Habeck?

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Wirtschaftsminister Habeck musste seinen Staatssekretär aufgeben. Das ist zweifellos ein Erfolg, den die freien Medien erzielt haben.  Es…/ mehr

Vera Lengsfeld / 23.04.2023 / 14:00 / 6

„Die Katze im Käfig“

Thüringen ist das Land mit der größten Theaterdichte, doch die Finanzierung ist nicht gerade leicht. Von daher kann ich nur appellieren: Geht ins Theater, Leute!…/ mehr

Vera Lengsfeld / 09.04.2023 / 14:00 / 6

„Der kleine Horrorladen“ – Ein Musical wird zur Warnung

Die Aufführung im Haus der Kunst Sondershausen ist nicht nur sehr gelungen. Sie gibt uns auch eine Warnung mit auf den Weg. Langsam wird es…/ mehr

Vera Lengsfeld / 07.04.2023 / 16:00 / 20

Wie viel von Orwells 1984 ist heute Realität?

Zensur, Geschichte, Familie, Jugend, Krieg, Planwirtschaft, Überwachungsstaat, Unperson. Was in Orwells Dystopie beschrieben wird, kommt einem oft auf beängstigende Weise bekannt vor. Zu Recht? Ein…/ mehr

Vera Lengsfeld / 19.03.2023 / 11:00 / 24

Die letzte Reise des Matthias Domaschk

Der Schriftsteller Peter Wensierski schildert die letzten drei Tage von Matthias Domaschk, der sich am Freitag, dem 10. April 1981, vom Bahnhof Jena-Paradies auf den Weg…/ mehr

Vera Lengsfeld / 14.03.2023 / 11:00 / 44

Berliner Klima-Volksentscheid: Millionen aus New York und der Solarszene!

Die Initiatoren der Berliner Klima-Volksabstimmung haben mal eben die schlanke Summe von 1,2 Millionen an Spendenunterstützung aus obskuren Quellen bekommen. Das Beste, was man dagegen…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com