Es kommt ja immer mal wieder vor, dass ein Autofahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert. Er gerät dann oft in Panik, und seine Reaktionen machen das Problem größer statt kleiner: starkes Gegenlenken, Vollgas statt Bremsen, hektisches Treten aller Pedale. Ich erinnere mich an ein Verkehrssicherheits-Training, das auf der riesigen Landebahn eines ehemaligen Militärflughafens abgehalten wurde. Ganz am Rand parkte einsam das Auto des Instruktors, kein weiteres Hindernis war in Sicht. Dann geschah etwas, das mich sehr, den Instruktor aber gar nicht amüsierte: Bei einem simulierten Ausweichmanlöver schaffte es ein Proband tatsächlich, dessen in 100 Meter Entfernung deponiertes Auto anzusteuern und voll zu treffen. Ein Phänomen, das man seit einiger Zeit auch in der deutschen Politik beobachten kann. Allerdings gibt es da keinen Airbag, der sich automatisch entfaltet.
Jüngstes Beispiel ist der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (Audi A8L 50 TDI quattro, 286 PS). Der gab – wie hier schon letzte Woche berichtet – in der Sendung „Markus Lanz“ mächtig Gas und träumte öffentlich von Medien-Zensur und anderen Folterwerkzeugen zur Disziplinierung kritischer Stimmen im Lande. Dabei traf er das an der Sendung unbeteiligte und weit entfernt in Berlin geparkte Medienportal „Nius“ von Julian Reichelt frontal, was dessen Lenker nicht amüsierte.
Im Englischen nennt man diese Situation „The Shit hits the Fan“, was wörtlich ins deutsche Übersetzt heißt: „Die Scheiße trifft auf den Ventilator“. Dies führte dazu, dass Reichelt den Ventilator kurzerhand umdrehte und Hochwürden Günther bitter und befleckt in die Papiertaschentücher weinte. Des Ministerpräsidenten Argumentation würde ich so zusammenfassen: Er habe nicht gesagt, was er gesagt hat. Es folgte: starkes Gegenlenken, Vollgas statt Bremsen, hektisches Treten aller Pedale.
Schließlich musste Markus Lanz in seiner folgenden Sendung noch ein zweites Mal in die Bütt, um Günther quasi amtlich zu bescheinigen, der habe nicht gesagt, was er gesagt habe. Dummerweise hatte Lanz zuvor aber mit Julian Reichelt telefoniert und im Gespräch ziemlich entsetzt bestätigt – so der Nius-Chef –, dass Günther gesagt habe, was er gesagt hat. Aber egal wie die Sache nun ausgeht, steht nun auch der öffentlich-rechtliche Lanz mit einem Totalschaden am Rande des Übungsgeländes. Die Sache dürfte uns aber noch eine Weile unterhalten wie die Geissens, als sie bei einem Anlegemanöver in Dubai auf eine Sandbank liefen.
Atmen sie etwa vier Sekunden lang durch die Nase ein
Als Erste Hilfe gegen Panik-Attacken empfehle ich daher Günther und Lanz die sogenannte „Schmetterlingsumarmung“: Überkreuzen Sie Arme vor der Brust und klopfen abwechselnd sanft auf ihre Schultern. Dies kann beruhigend wirken! Konzentrieren sie sich auf ihre Atmung. Atmen sie etwa vier Sekunden lang durch die Nase ein und sechs Sekunden lang durch den Mund aus. Eine längere Ausatmung signalisiert Ihrem Nervensystem Entspannung. Sprechen Sie danach ein ausgedehntes „Omm“. Im Buddhismus taucht das meist im Zusammenhang mit längeren Mantras auf, wie im berühmten „Om mani padme hum“ – was man grob mit „Sei gegrüßt, du Juwel in der Lotusblüte“ übersetzen kann.
Ich gebe diese Empfehlung hier nur, weil der Vorgang so exemplarisch ist für das Schleudertrauma des herrschenden politmedialen Komplexes, der inzwischen so hohl dreht wie eine Schraube, die man nach einem Umzug wieder in ein altes Ikea-Regal drehen will. Um zu diesem Befund zu kommen, muss man lediglich der Bundestagsdebatte vom vergangenen Donnerstag zur Meinungsfreiheit folgen. Die könnte direkt dem klassischen Repertoire in Panik geratener Systeme entsprungen sein. Aus Angst vor Kontrollverlust werden Überwachung und Zensur intensiviert. Widersprüchliche Aussagen, plötzliche Kurswechsel und unglaubwürdige Beschwichtigungen untergraben das letzte Vertrauen. Intellektuell war das Ganze auf dem Niveau der Doktor-Arbeit von Robert Habeck und vom Überlebenswillen einer Gnu-Herde getrieben, die den Sambesi überquert.
Letzte Woche boten die Herrschaften zahlreiche Beispiele panikgetriebenen Irreseins, hier nur drei davon:
– Friedrich Merz bezeichnet den Atomausstieg vor zwei Tagen als „schweren Fehler“. Das hatte er vor fast genau einem Jahr am 17.01.2025 schon mal in fast den gleichen Worten getan. In der Zwischenzeit wurden unter seiner Regentschaft die Kernkraftwerke Grafenrheinfeld und Gundremmingen gesprengt.
– Nachdem man die deutsche Autoindustrie und damit eine Säule des Wohlstandes in Deutschland ruiniert hat, beschloss man nun, den toten Gaul wieder zu satteln und eine Prämie für E-Autos von bis zu 6.000 Euro aufzulegen, gestaffelt nach Einkommenshöhe und Kinderzahl, damit sich endlich auch die Notleidenden ein E-Auto für 40.000 Euro anschaffen können. Ich schlage vor, nach dem gleichen Prinzip auch goldene Klodeckel zu subventionieren.
– Um zu unterstreichen, was wirklich wichtig ist, wurde ein Dutzend Bundeswehr-Soldaten nach Grönland entsandt, die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird seit gestern morgen auf der grönländischen Eisscholle verteidigt, die Kölner Domplatte ist ja leider zu heiß. Und seit gestern abend kostet es zehn Prozent Strafzölle für Exporte in die USA, also pro Soldat ne geschätzte Milliarde, Deal! Oder vielleicht doch besser Domplatte?
Wenn ich Johann Wadephul länger als 15 Sekunden lausche
„Kollektive Panik entsteht dort, wo Unsicherheit nicht mehr individuell verarbeitet wird, sondern sich wie eine Welle durch Gruppen, Institutionen oder ganze Gesellschaften bewegt“, belehrt mich eine Anfrage bei Google, und die Bundeszentrale für politische Bildung meint: „Alle Despoten oder Diktatoren leben in ständiger Angst, gestürzt oder ermordet zu werden. Die Machteliten demokratischer Staaten haben ebenfalls politische Ängste – sei es, im politischen Geschäft zu versagen oder die politische Position und die damit verbundenen Privilegien und Einflussmöglichkeiten bei der nächsten Wahl wieder zu verlieren“.
Bei mir entsteht kollektive Panik allerdings schon, wenn ich Johann Wadephul länger als 15 Sekunden lausche. Bei den deutschen Arbeitgebern entsteht kollektive Panik, wenn sie Bärbel Bas länger er als 15 Sekunden zuhören. Und bei Bärbel Bas ensteht kollektive Panik, wenn sie nach 15 Sekunden von denselben ausgelacht wird.
Aber jetzt mal streng theoretisch: Herrschende Systeme geraten in existenzielle Angst, sobald sie spüren, dass ihre Deutungshoheit, ihre Legitimität oder ihre Gewaltmittel bröckeln. Je mehr Macht verloren geht, desto verzweifelter versucht das System, sie zu sichern. Panik führt dann nicht zu Anpassung, sondern zu Erstarrung oder Überreaktion. Die eigene Bevölkerung wird nicht mehr als Träger des Staates verstanden, sondern zunehmend als Risiko, das man zügig minimieren sollte. Solange dies noch nicht vollendet ist, ist Realitätsverweigerung das Gebot der Stunde: Warnsignale ignorieren, Statistiken schönen (oder nicht mehr veröffentlichten wie die aktuellen Insolvenz-Zahlen), Kritik als feindliche Propaganda oder „Zersetzung“ abtun. Oder wie Daniel Günther so schön sagte: „Stimmungsmache ist keine Berichterstattung“.
Weil sie nur noch das Ende fürchten
Wenn politische Systeme ihrem eigenen Zerfall nahekommen, zeigt sich häufig ein ähnliches Muster: Angst ersetzt Strategie, Kontrolle ersetzt Vertrauen, und Machterhalt wird wichtiger als Wirklichkeitsbezug. Diese Form der Panik durchzieht Eliten, Institutionen und Entscheidungsprozesse. Panik verengt den Horizont politischer Systeme. Sie macht sie unfähig zu denken, weil sie nur noch das Ende fürchten, besonders das der pensionären Vollversorgung, denn alles hat ein Ende nur die Wurscht hat zwei.
In der DDR ging die Staatsmacht lange davon aus, dass Furcht vor Repression stärker sei als der Wunsch nach Veränderung. Doch kollektive Panik kann kippen: Wenn die Angst vor dem System kleiner wird als die Angst vor dem Ruin und der Beschneidung der Freiheit, verwandelt sie sich mitunter in Mut. Muss nicht sein, kann aber sein. Genau dieser Moment markiert oft den Anfang vom Ende autoritärer Ordnungen oder solcher, die es werden wollen. Nach Insa-Umfrage sind derzeit 71 Prozent der Bundesbürger unzufrieden mit der aktuellen Bundesregierung, also viel schlechter könnte Dschingis-Khan auch nicht abschneiden, ich vermute eher deutlich besser.
Im Übrigen: Die Existenz und der trotz aller Schikanen wachsende Einfluss alternativer und unabhängiger Medien hierzulande ist nichts anderes als eine Reaktion auf die Staatsmedien, die von einem wachsenden Bevölkerungsanteil inzwischen gemieden werden wie ein Heringstopf mit Sahne und Gurken vier Wochen jenseits des Verfallsdatums. Würden die großzügig allimentierten Medien ihrem Auftrag nachkommen, müsste man die Konkurrenz nicht verbieten. Sie wäre gar nicht erst entstanden (das Gleiche gilt übrigens für neue Parteien). Aber jetzt sind die nun mal da (um mit unserer ehemaligen Bundeskanzlerin zu sprechen) und obendrein kampagnenfähig.

Haben Sie das journalistische Grundprinzip beachtet, dass mehrere Quellen für eine Meldung gehört werden sollen?
Danke für die mit leicht verständlichen Beispielen versehene Beschreibung des Zustandes unseres Landes und der darin tätigen Politik-Schaffenden. Allerdings befürchte ich, daß zum Beispiel jener in Teilen der CDU als Genosse angesehene Herr Günther kaum in der Lage sein wird, seine Arme über der Brust zu kreuzen oder gar mit den daran befindlichen Händen die eigene Schulter konfliktlösend zu bearbeiten. Was den Herrn Lanz von das ZDF betrifft, er käme im schlimmsten Fall sicher noch als Berater beim Böhmermann-Team unter oder könnte Kurzzeit-Nachfolger des Herrn Weimer werden. Denn das mit „Kürzen-Können“ hat er ja jüngst bewiesen.
Das System von Staaten, ist von Prinzip aus starr, grundlegende Veränderungen, ,außerhalb von Wahlen , werden im sog. Westen nur sehr beschränkt zugelassen. Bis zum letzten Bleistift ist der Staat in Regeln und Gesetzen gefangen. Der Buerger ist lästig. Ich denke dieser Zeit stehen wir. 70 Jahre BRD ist wirklich morsch.
Der Hamburger Philosoph und Geisteswissenschaftler Lars Grünewald schreibt: ,,Wir leben in einer Zeit der Dekadenz. Krise und Dekadenz sind zwei durchaus unterschiedliche, einander in gewisser Weise entgegengesetzte Begriffe: Eine Krise ist eine Entscheidungssituation, in der die bisherigen Verhaltensweisen nicht mehr ausreichen, eine gegebene Situation zu bewältigen. Die Frage ist dann: Gelingt es, neue Verhaltensformen zu entwickelt, die eine konstruktive Weiterentwicklung ermöglichen, oder führt ein Festhalten an alten Mustern bzw. eine Reaktion mit ungeeigneten Mitteln zu Stagnation und weiterer Rezession? Mit jeder Krise sind demnach Entwicklungschancen verbunden.
Bei der Dekadenz hingegen sind die Würfel bereits gefallen: Die Abwärtsentwicklung ist unumkehrbar und unaufhaltsam. einer fortgesetzten Auflösung und Zerstörung gesellschaftlicher Strukturen, die in einem unaufhaltsamen politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang resultieren. Als logische Folge des Strukturverlustes zeigt sich Chaos, das letztlich schrankenlose Willkür ermöglicht, .„
Dirk Maxeiner: „Wenn die Angst vor dem System kleiner wird als die Angst vor dem Ruin und der Beschneidung der Freiheit, verwandelt sie sich mitunter in Mut.“ Diese Aussage gilt, wenn in einem Regime Wahlen rückgängig gemacht werden, Kandidaten der Opposition von der Wahl ausgeschlossen werden oder eine staatlich finanzierte kriminelle Vereinigung darüber entscheidet, ob die Opposition „rechtsextrem“ ist.
Man kann es drehen und wenden wie man will, entweder sind die Politiker in ihrem einfach gestricktem Wesen nur ein Abbild ihrer Wähler, oder der Wähler will, ob nun mit oder ohne einer prüfenden Auswahl, solche Versagertypen haben. Dabei spielt Bildungsniveau letztlich wohl keine Rolle, auf er einen wie anderen Seite. Sie sind bodenständig. Wer nur zwei Schritte voraus denken kann, sollte weder Schach oder Skat spielen, allenfalls Schwarzer Peter.