Sabine Drewes, Gastautorin / 17.06.2019 / 06:11 / Foto: CIA / 50 / Seite ausdrucken

17. Juni – Der gestohlene Ehrentag

Ich wage einfach mal, frech zu behaupten, das freiheitsfeindliche Bild, das viele Deutsche von ihresgleichen zeichnen, ist ein Trugbild – allerdings eines, dem sie seit Jahrzehnten ziemlich blind folgen. Ein Trugbild, das von Schulen und Bildungseinrichtungen, von Medien und Politik kräftig befördert wurde und das kaum hinterfragt wird. Und nun haben wir den Salat.

Fragen Sie einmal Ihre Mitbürger, besonders die jüngeren, was ihnen zum Thema Freiheitsbestrebungen der Deutschen einfällt. Ich fürchte, das Ergebnis fiele ziemlich ernüchternd aus. Was ist das Fatale daran? Je länger wir uns einreden, wir Deutschen „können“ keine Freiheit, desto größer ist die Gefahr einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Zugleich nehmen wir Etlichen den Mut, sich offen für die Freiheit einzusetzen, und sei es „nur“ für die Meinungsfreiheit.

Es ist ein hochbrisantes Ergebnis, welches das Institut für Demoskopie Allensbach (siehe hier, hier und hier) kürzlich bekanntgab: Nur noch 18 Prozent der Deutschen glauben, sie könnten in der Öffentlichkeit frei ihre Meinung äußern, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Wenn also 82 Prozent ihre Ansichten lieber für sich behalten oder nur im engsten Familien- und Freundeskreis aussprechen, werden die verschiedenen Positionen nur noch verzerrt abgebildet. Stirbt die Meinungsfreiheit, sterben am Ende auch alle anderen Freiheiten. Wollen wir das? Wenn wir dies nicht wollen, dann muss es nicht nur erlaubt sein, sondern dann ist es sogar dringend notwendig, auch die Erinnerung an deutsche Freiheitskämpfe wachzuhalten.

Einer dieser Freiheitskämpfe fand heute vor sechsundsechzig Jahren statt, am 17. Juni 1953. Um Kritikern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Natürlich ist heute kein „runder“ Gedenktag, aber man muss die Friedliche Revolution von 1989 auch im Kontext von 1953 sehen. Die Freiheitskämpfer von 1989 stehen auf den Schultern der Freiheitskämpfer von 1953. 1989/90 wurde vollendet, was 1953 begann. Aus diesem Grunde kann man die Geschehnisse vor dreißig Jahren nicht isoliert von 1953 betrachten. Dieser Zusammenhang wird kaum je beachtet, vielfach sogar negiert.

Da muss es niemanden wundern, wenn die wenigsten Menschen mit dem 17. Juni groß etwas anfangen können. Er ist seit langem völlig zu unrecht total unterbelichtet. Meine persönliche und deshalb – um es gleich zu sagen – nicht repräsentative Erfahrung geht dahin, wenn mit diesem Tag überhaupt etwas verbunden wird, dann ausschließlich eine eher vage Erinnerung an einen gescheiterten Arbeiteraufstand. Das ist allerdings eine unzulässig verkürzte Sicht und eine, die sich etliche Schulen zu eigen gemacht haben, falls sie denn diesen Aufstand im Unterricht überhaupt thematisieren. Viele verzichten seit langem gleich ganz darauf.

Der 17. Juni wäre ein idealer Feiertag

Die Jüngeren werden vermutlich nicht einmal wissen, dass der Deutsche Bundestag bereits am 2. Juli 1953 beschloss, diesen Tag ab dem 4. August zum „Tag der Deutschen Einheit“ zu erklären, was er bis einschließlich 1990 blieb. Es war im übrigen ein SPD-Politiker, von dem der Vorschlag ausging, den 17. Juni zu einem gesetzlichen Feiertag der Bundesrepublik Deutschland zu erheben: Herbert Wehner. Pikant: sein Parteifreund Egon Bahr, 1953 Chefkommentator des RIAS, befürwortete damals schon das Appeasement an die SED-Diktatur. Er forderte am 18. Juni, als noch zahlreiche Betriebe bestreikt wurden, die Menschen dazu auf, ihren Widerstand gegen die kommunistische Zwangsherrschaft aufzugeben.

Später waren es seine Partei und die Grünen, die diesen Feiertag verhöhnten und am vehementesten bekämpften. Man muss leider konstatieren: Von Ausnahmen abgesehen, hatte sich der Westen im Zusammenhang mit dem 17. Juni nicht mit Ruhm bekleckert, obwohl es gerade an diesem Tag um die von ihm zum Essential erklärte Freiheit ging.

Der Aufstand, der am 16. Juni 1953 als Protest gegen die Normenerhöhungen der SED begann und am 17. Juni zu einem wahren Volksaufstand gegen das verhasste Regime und schließlich zu einem Freiheitskampf und zu einem Kampf für ein ungeteiltes Deutschland umschlug, verdient es, in der Öffentlichkeit mehr Beachtung zu finden und in das Bewusstsein des kollektiven Gedächtnisses der Deutschen einzugehen.

Nach meiner Überzeugung hätte Kanzler Kohl besser daran getan, den 17. Juni als Nationalfeiertag des geeinten Deutschlands zu belassen, anstatt diesen Feiertag auf das offizielle Datum der Wiedervereinigung zu verlegen. Damit wurde den Freiheitskämpfern ihr Ehrentag am Verhandlungstisch gestohlen. Mit dem 3. Oktober, der willkürlich gewählt wurde und ohne jeden weiteren historischen Bezug ist, verbinden viele Bürger kaum mehr Gefühle als mit dem 23. Mai, dem Tag der Verkündigung des Grundgesetzes und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Von einem Nationalfeiertag aber sollte idealerweise eine positive und zugleich tiefgreifende emotionale Botschaft ausgehen. Sonst ist er im eigentlichen Sinne kein Feiertag, sondern „nur“ ein Gedenktag.

Während der 9. November ein problematisches Datum bleibt, wäre der 17. Juni ein idealer Gedenk- und Feiertag. Im Vordergrund der Erinnerung an den 17. Juni steht zwar meist das Scheitern des Aufstandes. Damit aber wird man diesem Tag in keiner Weise gerecht. Der Aufstand schwoll am 17. Juni zu einer Stärke an, die die SED das Fürchten lehrte. Ihre Führung hatte sich in geradezu panischer Angst vor dem Volk im Haus der Ministerien (heute Bundesfinanzministerium) in Berlin verschanzt und die Kontrolle über die unterdrückte Bevölkerung verloren. Das Volk zwischen Ostsee und Erzgebirge, zwischen Elbe und Oder, erhob sich in allen Landesteilen und in über 700 Städten und Gemeinden sowie in über eintausend Betrieben und Genossenschaften gegen die von den Sowjets aufoktroyierte kommunistische Gewaltherrschaft und gegen die Teilung Deutschlands.

Nazis im Dienst der Kommunisten

Es war der erste große, von breiten Bevölkerungsteilen getragene, ja der erste nennenswerte Aufstand im kommunistischen Machtbereich überhaupt. Und er ging von den Deutschen aus! Ja, von den angeblich so braven, obrigkeitshörigen Deutschen, die nach Lenins Lesart erst eine Bahnsteigkarte lösen würden, bevor sie Revolution machten. Das Bild stimmt hinten und vorne nicht. Ich bin sicher, Lenin hätte 1953 seine Meinung über die Deutschen entsetzt korrigiert, hätte er noch gelebt. Denn dieser Aufstand von Millionen Menschen für die Freiheit und Einheit wäre ein riesiger Erfolg geworden, wenn er nicht durch sowjetische Panzer brutal niedergewalzt worden wäre. Die Teilung Deutschlands wäre dann schon 1953 Makulatur gewesen; dies hätte uns unendlich viel Leid und die bis heute andauernden Folgen der jahrzehntelangen Teilung erspart.

Erinnern sollten wir uns auch daran: 1953 lagen die Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur erst acht Jahre zurück. Der 17. Juni 1953 straft all jene Lügen, die behaupten, die Deutschen hätten aus zwölf menschenverachtenden Jahren nichts gelernt und seien besonders anfällig für totalitäre Versuchungen sowie unfähig, sich für die Freiheit zu erheben. Im Gegenteil: Gerade östlich der Elbe erkannten viele, dass hier eine Willkürherrschaft durch eine andere abgelöst worden war; dass sich zwar die Farben und Embleme, nicht aber die repressiven Methoden wandelten. Niemand anders als Kurt Schumacher (SPD) hatte die Kommunisten als „rotlackierte Nazis“ bezeichnet und immer wieder vor ihnen gewarnt.

Etliche ehemalige nationalsozialistische Konzentrations-, Kriegsgefangenen- und Straflager wie Buchenwald, Sachsenhausen, Waldheim, Torgau, Bautzen (siehe hier). wurden von der sowjetischen Besatzungsmacht ab 1945 weiterbetrieben; in ihnen kamen nicht wenige ums Leben, die gar keine persönliche Schuld auf sich geladen hatten, darunter auch zahlreiche Gegner der sowjetischen Besatzungspolitik. Umgekehrt wendeten sich nicht wenige ehemalige Nationalsozialisten über Nacht zu Kommunisten, ohne dass die Sowjets und die 1946 gegründete SED dagegen Einwand erhoben hätten. Vielmehr kam es ihnen zupass. Denn auch nach 1945 ging es darum, ein Volk zu unterdrücken und ihm den Willen einer totalitären Macht aufzuzwingen. Das ging am besten mit Leuten, die sich auf ihr Handwerk verstanden.

Mehr als seelenlose Befehlsempfänger

Hubertus Knabe hat in seinem Buch „17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand“ sehr kenntnisreich, sehr eindrucksvoll, sehr präzise und unglaublich spannend die Geschehnisse rund um die denkwürdigen Juni-Tage des Jahres 1953 nachgezeichnet und analysiert. Wer das Buch gelesen hat, der wird den 17. Juni möglicherweise mit anderen Augen sehen. Er wird erkennen, dass er trotz des Scheiterns ein grandioser Erfolg war. Knabe schreibt auf den Seiten 21/22:

Dabei gab es in der deutschen Geschichte keine andere Revolution, die ein auf Gewalt und Unterdrückung beruhendes Herrschaftssystem so schnell, so flächendeckend und so vollständig aus den Angeln hob.

Der spontane Protest gegen die SED-Regierung blieb kein passiver. Und dies, obwohl es keinen Plan, kein organisatorisches Zentrum, keinen Anführer, ja nicht einmal einen zentralen Aufruf zum Sturz des Regimes gab (Knabe, Seite 153/154). In Merseburg und an weiteren kleinen Orten gab es Ansätze zur Absetzung der bisherigen Regierenden. Auf dem Lande, wo die SED noch schwächer in der Bevölkerung verankert war, gab es Beispiele für geordnete Machtübernahmen. So etwa in Kollm bei Görlitz. In Bitterfeld wurde für wenige Stunden die Macht im Rathaus von einem durch ein überbetriebliches Streikkomitee gewählten neuen Bürgermeister übernommen (Knabe, Seite 201).

Solche Machtübernahmen geschahen in aller Regel friedlich, wie auch die Demonstranten selbst in der Mehrheit friedlich und diszipliniert für ihre Belange stritten. In Halle rief das dortige Streikkomitee zu einer zentralen Kundgebung auf dem Hallmarkt auf; sein Sprecher forderte freie Wahlen, eine 40-prozentige Senkung der HO-Preise und den Rücktritt der Regierung. Es wurde zum Generalstreik aufgerufen, und am nächsten Tag wollte man die Stadtverwaltung übernehmen. Wie in Berlin am Brandenburger Tor sangen auch hier die Demonstranten gemeinsam das Deutschlandlied (Knabe, Seite 207).

In der seit 1945 geteilten Stadt Görlitz gelang es den Aufständischen, für wenige Stunden, die Macht zu übernehmen. Hier waren sie deshalb so erfolgreich, weil es schon in den Mittagsstunden zu einer Massenkundgebung kam. In dieser Stadt waren etwa 40 Prozent der Einwohner Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten; ihre Abneigung gegen das SED-Regime war besonders groß (Knabe, Seite 217/218). An etlichen Orten wurden die Gefängnisse gestürmt, um die politisch Inhaftierten freizulassen (Knabe, Seite 189ff.).

Neben den bekannten Bauarbeitern aus der Berliner Stalinallee erhoben sich, was weniger bekannt ist, auch die Bauern massiv gegen das SED-Regime (Knabe, Seite 232f.). Es bleibt festzuhalten: Ein Teilvolk der Deutschen, quer durch alle Schichten, hatte in jenen Junitagen alles riskiert – für die Freiheit. Dabei erreichte es fast sein Ziel. Dass es diesen Kampf am Ende verlor, ist nicht seine Schuld und umso tragischer zu bewerten. Sowjetische Truppen setzten diesem kurzen Tag der Freiheit ein blutiges Ende. Aber dieser Kampf um die Freiheit war nicht umsonst und verdient unser aller Respekt – und Dank. Dieser zu recht heroisch zu nennende Freiheitskampf hat den Deutschen ein Stück ihrer Würde zurückgegeben; er hat der Welt gezeigt, dass die Deutschen keine seelenlosen Befehlsempfänger sind.

Das ist vielleicht der Hauptgrund dafür, warum der 17. Juni bis heute besonders in linken Kreisen wie eine peinliche Entgleisung behandelt wird, an die man möglichst nicht erinnert werden möchte. Diesen Gefallen sollten wir ihnen nicht tun. Vor allem aber haben das die Menschen nicht verdient, die in jenen Tagen des Aufstandes ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre kurz wiedergewonnene Freiheit verloren.

Unser Selbstbild ist negativ eingefärbt

1989 war die Lage in Deutschland und auf der weltpolitischen Bühne eine andere als 1953. Trotzdem wussten die Menschen auch 1989 nicht, was sie erwarten würde. Ihre Proteste waren ebenfalls mit hohem persönlichem Risiko behaftet. Die blutige Niederschlagung des Aufstandes auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 zeigte ihnen sehr deutlich, was auch ihnen im schlimmsten Falle blühen könnte. Für ihren Mut, gegen die Repressionen, gegen die Wahlfälschungen vom 7. Mai und für die Freiheit auf die Straße zu gehen, verdienen unsere ostdeutschen Landsleute alle Anerkennung. Auch die Proteste auf Kirchentagen, die über eine Million Ausreiseanträge sowie die stetig anschwellende Massenflucht sorgten neben der wirtschaftlichen Pleite dafür, dass das SED-Regime 1989 in seinen Grundfesten erschüttert wurde.

Doch in dem Maße, wie das Regime die Kontrolle über den unterdrückten Teil der Deutschen verlor, in dem Maße stieg auch das Risiko an, dass die Machthaber im Bewusstsein ihres nahenden Endes noch einmal mit voller Gewalt um sich schlagen könnten. Sie taten es dann auch in den Tagen und Nächten des 7./8. Oktober 1989. Es gab entsprechende Pläne und fertige Anweisungen, die landesweiten Proteste blutig zu beenden. Ich will hier nicht die Ereignisse vom Herbst 1989 vorwegnehmen. Noch ist es nicht soweit. Aber es begann merklich zu brodeln hinter Mauer und Stacheldraht. Trotz der unvermindert bestehenden Gefahr für Leib und Leben ließen sich immer weniger Menschen einschüchtern.

Wir Deutschen neigen dazu, das Negative unserer Geschichte mit Verve herauszukehren und uns selbst auf die Anklagebank zu setzen. Und zwar gnadenlos. Unser Selbstbild ist entsprechend negativ eingefärbt. Dabei vergessen wir, dass dort, wo harte Schatten fallen, die Sonne umso heller scheint. Es geht nicht um die Glorifizierung der deutschen Geschichte. Doch kann man nicht ständig darüber jammern, dass wir Deutschen in Sachen Freiheit und Demokratie versagt hätten und gleichzeitig die Erinnerung an den Einsatz jener Deutschen für eine freiheitliche Demokratie – wenn schon nicht tilgen, so doch zumindest stark relativieren wollen.

Gerne beneiden wir andere Nationen um ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Freiheitskämpfe oder verklären diese. Eigene Leistungen für die Freiheit und Einheit der deutschen Nation in einer langen, wechselvollen Geschichte eines Volkes, das stets mitten in Europa lebte und deshalb immer auch ein Spielball vieler Mächte war, achten wir vergleichsweise gering. Diese Selbstherabsetzung zieht sich wie ein roter Faden durch unser Geschichtsverständnis.

Elisabeth Noelle-Neumann hatte recht: Wir sind eine verletzte Nation. Aber es steht nirgendwo geschrieben, dass wir dies auf immer und ewig bleiben müssen. Das haben viele Ostdeutsche besser begriffen als jene Westdeutsche, die in die Freiheit hineingeboren wurden. Ausgerechnet jene, die seit 1968 die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland verhöhnten und gegen die Einheit Deutschlands in Freiheit wetterten, lassen wir ein schäbiges Spiel auf der Klaviatur des ewigen Verletztseins spielen. Sie sind die Letzten, die ein Recht hätten, den mutigen Einsatz unserer Landsleute für die Freiheit schlechtzureden. Für so viel Niedertracht sollten sie sich schämen.

Eine eindrückliche Biuldersammlung vom 17.Juni 1953 findet sich hier im Archiv des Spiegel.

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G. Brenz / 17.06.2019

“Die Freiheitskämpfer von 1989 stehen auf den Schultern der Freiheitskämpfer von 1953. 1989/90 wurde vollendet, was 1953 begann.” Ja, Frau Drewes, dieses von Ihnen gezeichnete Bild trifft in meinem Fall vollkommen zu. Mein Vater, damals Straßenbahnfahrer in Leipzig, hatte für die Transparente, die er an seiner Bahn angebracht hatte, ein Jahr Stasi-Haft aufgebrummt bekommen. Ich war damals zwar erst 3 Jahre alt, habe aber im Herbst 1989 mit den Montagsdemos geglaubt, in seinem (und natürlich meinem) Sinne den Freiheitskampf mit zu einem guten Ende gebracht zu haben. Es stimmt nicht nur traurig, sondern auch wütend, dass man sich nun als Nazi beschimpfen lassen muss, nur weil man den heutigen Zustand unseres Landes so nicht will und wollte. Sie beschreiben meine Gefühle in Ihrem letzten Absatz sehr genau.

Klaus Weißmann / 17.06.2019

Ich könnte in den heutigen Ausgaben von “Süddeutsche” und “Welt”,, - in Österreich durchgeblättert- keinen einzigen Hinweis auf den Aufstand am 17.Juni 1953 in der DDR entdecken. Lückenpresse!

Udo Kalipke / 17.06.2019

Ein bewegender Artikel, zu einem großartigen Gedenktag. Danke dafür Frau Drewes.

Richard Kaufmann / 17.06.2019

Es ist ja schön, dass es noch Menschen in diesem Land, die glauben, dass das Volk von sich aus Systemwechsel erzwingen kann. Frau Drewes, Der Volksaufstand von 1953 wurde nicht von “Millionen” geführt, und die Führungsschicht in der stalinistischen Zeit war auf Repression aus. 1989 war es auch nicht das Volk, dass den Fall der Mauer erzwungen hat, auch wenn man es gerne so verkauft. Es wäre für Moskau ein Leichtes gewesen, alle zurückzupfeifen, Regierungsbeamte des Verrats zu bezichtigen ... und Tschüss! Es war gerade dieses neue Russland, das dies gestattet hat. Die Folge ist, dass Deutschland wieder größenwahnsinnig geworden ist, Russland für einen Feind hält und vieles unternimmt, um es zu zermürben. Glauben Sie nicht alles, was geschrieben wird, schon gar nicht, wenn man es selbst erlebt hat. “Es steht schwarz auf weiß” ist ein bon mot aus alten Zeiten.

Sabine Drewes / 17.06.2019

Noch ein Hinweis an Moderator, Redaktion und an interessierte Leser: Gestern hat Hubertus Knabe über den Umsturz in Görlitz 1953 auf Tichys Einblick einen sehr interessanten Beitrag veröffentlicht. Er kann auch gerne in meinem Artikel an entsprechender Stelle mit verlinkt werden. [Anm. d. Red.: Link wurde hinzugefügt]

Anders Dairie / 17.06.2019

Sie haben, Frau DREWES, Ursachen und Anlässe sowie das politische Klima um den 17.Juni 1953 klar und einfühlsam dargestellt.  Ob man über dieses und jenes streiten kann,  ist eine Sache des Blickwinkels.  Ein Aspekt wird nicht genügend beleuchtet.  Weil er auch heute unangenehm bliebe.  Das ist die Verhaftung der Rebellen im Nazi-System.  Eine geschlossene Weltanschauung.  Viele Streikende waren aktive Soldaten,  ehem. Kriegsgefangene und sonstig Beeinflusste.  Es ging um die Halbierung der ohnehin geringen sozialen Standards. HITLER hatte bis zum Tode alles versucht, um Hunger und Not nicht Raum zu geben. Ihm wa-ren die Folgen bereits nach dem WK I.  bewusst.  Die soz. Kürzungsmaßnahmen der SED kollidierten mit den sozialen Ansprüchen ehem. kleinerer und größerer, jedoch schnell entschlossener Fans der alten Ordnung.  Es musste zur Entladung der Spannungen kommen. Die Kürzungen wurden später liquidiert.  Ein Schwer-punkt war der Russenhass.  Darin hat sich ein Rest Herrenmenschen-Denkens offenbart.  Es gab in den Köpfen nur die militärische Niederlage und die Ansicht, ohne die Luftangriffe wäre “...der Russe an der Ostfronst”  aufgerieben worden.  Dies hätte den “...gerechten Frieden” im Westen zur Folge.  Mit dem Auftreten der Roten Armee war das Rebellentum schnell zuende. Dieser Brocken blieb allen unverdaulich.

Sabine Drewes / 17.06.2019

Ein herzliches Dankeschön an die Achse-Moderation und -Redaktion für die eindrucksvolle Bildersammlung aus dem Spiegel vom 24. Juni 1953, die auch zeigt, wie die rote Fahne vom Brandenburger Tor heruntergeholt und zerfetzt wird. Wegen der Länge des Artikels hatte ich auf eine Extra-Erwähnung schweren Herzens verzichtet; schön, wenn dies auf diese Weise doch noch Beachtung findet!

Karla Kuhn / 17.06.2019

Herbert Wehner, das war ein SOZI mit Intelligenz, Egon Bahr dagegen habe ich nie getraut !  POLITIKER wie Wehner scheinen ausgestorben !! Frau Uta Buhr, ich unterschreibe jede Zeile Ihres Leserbriefes. Auch ich bin in einem bildungsbürgerlichem Elternhaus groß geworden,  was im Osten einem Spagat gleichkam. Ich hatte immer Nachteile in der Schule dadurch, mich hat das nicht tangiert, ich war zum Glück eine sehr gute Schülerin. Zu meiner Zeit war der Kommunismus der alleinige Heilsbringer, ich war nicht bei den Jungen Pionieren aber Dank meiner Eltern habe ich diese Zeit gut überstanden und wir hatten sehr viele Vertriebene ( die leider heute mit Flüchtlingen verwechselt werden!) in unserer Klasse, so konnte die kommunistische Propaganda nicht richtig Fuß fassen und auch etliche altgediente Lehrer haben uns davor bewahrt. Gefährlich waren die “Neulehrer” Keine ausgebildeten Akademiker, sondern linientreue Arbeiter, die in Schnellkursen zur Lehrkraft ausgebildet wurden. Es gab wenig Männer, viele waren tot oder noch in Gefangenschaft. Die letzten russischen Gefangenen wurde erst 1955 freigelassen und die waren zum großen Teil wirklich traumatisiert.  Den 17. Juni 1953 habe ich als Kind erlebt, es war Ausgangssperre, AGIT PROPAGANDISTEN auf Lastwagen mit Megaphon dröhnten ohne Unterlass ihre Lügen ins Volk, allerdings hatten fast alle die Fenster geschlossen, es fuhren auch Panzer durch die Straßen, obwohl der Aufstand in unserem Vorort von Dresden gar nicht zu bemerken war. Das schönste für uns Kinder, wir hatten schulfrei.  Überall schnüffelten die STASI Verbrecher in den Häusern rum, auch bei uns und haben alles durchwühlt.  Mein Vater war schwer krank aber meine couragierte Mutter meinte, KEIN UNTERSCHIED zu den SA- Hitler - LUMPEN. Meine Mutter hat mehr als einmal gesagt, es hat sich nichts geändert, erst braun, jetzt rot !  Ich wünsche allen “Kommunismus Besoffenen” ein Aufwachen im “Gulag” ! (Solchenizyn) Und allen andren AUGEN AUF !!

Kopsch, Axel / 17.06.2019

Nach meinem soeben abgesendeten Leserbrief möchte ich auf keinen Fall den Eindruck erwecken, daß dieser Artikel zum 17.Juni von mir nicht gewürdigt würde. Nein - der Artikel ist großartig geschrieben und auch notwendig in der heutigen Zeit patriotischer Blässe allenthalben. Für Einigkeit und Recht und Freiheit!

Petra Wilhelmi / 17.06.2019

Ich war 3 Jahre alt zu diesem Zeitpunkt. Mein Vater war Meister in einem großen Betrieb. Auch dort hatte man die Arbeit niedergelegt. Nach der Niederschlagung des Aufstandes, wurde mein Vater gezwungen Mitglied der SED zu werden. Man unterstellte ihm, dass, wenn er SED-Mitglied gewesen wäre, seine Abteilung nicht gestreikt hätte. Meine Mutter hat mir das immer wieder erzählt, da mein Vater frühzeitig verstarb. Ich selbst erinnere mich immer noch daran, dass mein Vater immer 1.-Mai-Plakate aus seinem Betrieb mitgebracht hatte, die mir meine Mutter zum Bemalen gab. Mein Vater sollte die eigentlich in die Fenster hängen, was eben meine Mutter erfolgreich verhindert hatte, obwohl mein Vater Angst hatte, dass kontrolliert werden würde, ob die Plakate klebten und er in Teufels Küche gekommen wäre. Das war aber nicht der Fall. Ich will nicht, dass Menschen wieder in so einer Diktatur leben müssen, obwohl sie heutzutage - vor allem die jüngeren Menschen und die Jugend - leider viel dafür tun, besser gesagt, nichts tun, dass sich die Geschichte wiederholt.

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