Vom 3. bis zum 6. Januar 2026 findet in den Messehallen in Augsburg das MEHR-Festival statt. Das ökumenische Glaubensfestival wird seit 2008 vom Gebetshaus Augsburg veranstaltet. Es hat sich von einem kleinen Treffen mit rund 100 Teilnehmern zu einer der größten Glaubenskonferenzen im deutschsprachigen Raum entwickelt. Für das kommende Event werden rund 12.000 Teilnehmer erwartet. Seit 2024 findet das Festival alle zwei Jahre statt. Es gibt zusätzlich zu den Präsenzkarten, die über die Webseite des Festivals erworben werden können, auch Streaming-Tickets für alle, die nicht nach Augsburg reisen können. Der Theologe und Gründer des Gebetshauses, Johannes Hartl, sagte im Interview mit dem Sender K-TV, das Glaubensfestival MEHR wolle zeigen, dass der Glaube schön sei, dass Gott Freude mache und dass es ein Geschenk sei, Gott kennenzulernen.
„Es gibt ganz wenige Leute die sagen, die Welt wird besser“, so Hartl gegenüber K-TV. Deshalb habe man den Slogan „The Sound of Joy“ (Der Klang der Freude) als Motto gewählt. „Wir wollen die Freude an Gott in den Mittelpunkt stellen“, so Hartl weiter. Johannes Hartl zeigt in seinen Vorträgen, die man auf YouTube sehen kann, wie man auch komplexe Glaubensthemen für eine moderne Gesellschaft zugänglich machen kann. Der Theologe aber auch andere Missionare des Gebetshauses sind in den sozialen Medien präsent. Entscheidend ist für das Gebetshaus und seinen Gründer das ununterbrochene Gebet. Seit mehr als 14 Jahren wird im Gebetsraum des Gebetshauses ununterbrochen Tag und Nacht gebetet. Das Gebetshaus, das von seinem Gründer zuweilen als eine Art modernes Kloster bezeichnet wird, hat rund 100 Mitarbeiter. Rund die Hälfte sind Gebetshausmissionare, die fest und dauerhaft mit dem Gebetshaus verbunden sind. Andere sind Angestellte oder Volontäre. Das Gebetshaus führt auch Kurse für junge Menschen durch, bei dem die Teilnehmer am Leben des Gebetshauses teilnehmen.
Klare Haltung eckt an
Mit seiner klaren Haltung stößt der Leiter des Gebetshauses auch innerkirchlich auf Kritik. Die kommt allerdings vor allem aus einem Lager, das sich – gleich ob katholisch oder evangelisch – eher dem gesellschaftlichen Mainstream von Gender, Vielfalt und Diversität verbunden fühlt. Von Katholischer Seite gehören dazu zahlreiche Laienfunktionäre, die dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehören oder an deutschen Universitäten Theologie lehren. Ferner sind darunter auch zahlreiche Angestellte der Kirche, die in den Gemeinden arbeiten. Der Pastoralreferent Thomas Halagan, Bistum Essen, warf dem Theologen Hartl in einem Artikel auf feinschwarz.net vor, populistisch zu arbeiten. Hartl bediene sich Spielarten der Pauschalisierung, Reduktion, Diskriminierung und der für Populismus typischen Konstruktion eines ‚gefährlichen Gegenübers‘. Was im politischen Populismus die Figur der „da oben“ sei, so der Pastoralreferent weiter, die als Elite nicht mehr zum „(einfachen) Volk“ gehörten und daher nicht mehr wüssten, was die Menschen politisch wirklich brauchen, sei bei Hartl eine exklusivistische christliche Wertegemeinschaft.
Hartl sei anschlussfähig an das dualistische Denken der charismatischen Bewegungen, die von ihm immer wieder populistisch bedient werde. Der Pastoralreferent bedient sich dabei eines in Bezug auf jüngere geistliche Gemeinschaften und Bewegungen über die Konfessionsgrenzen hinweg bekanntes Muster des Framings. Wer den Glauben in seinem Leben ernst nimmt und gerade auch in Fragen der Morallehre den Weisungen der Kirche oder der Bibel zu folgen versucht, wird nur zu gerne als rechts verleumdet. In den USA war der ermordete Charlie Kirk das bekannteste Beispiel. Auch in Europa oder hier in Deutschland wird an dieser Stelle nur zu gerne eine Nähe zur AfD herbeifantasiert oder andere rechte oder rechtspopulistische Verknüpfungen geframt. Charismatische Bewegungen geraten leicht mal in Verdacht der unreflektierten Schwarmgeisterei, was sie angeblich für radikale Gedanken anfällig machen soll. Solche Unterstellungen sind ihrerseits hochgradig populistisch und bedienen lediglich Vorurteile.
Das jüngste Beispiel dafür wie so etwas die kirchliche Filterbubble durchbricht ist eine Reportage des Bayrischen Rundfunks (BR) über das Gebetshaus in Augsburg, die Loretto-Bewegung in Salzburg und in Passau, wohin der örtliche Bischof, Stefan Oster sie eingeladen hat und großzügig unterstützt. Ferner waren auch die aus dem USA stammenden Focus-Missionare im Blick der Reportage. Letztere sind eine Bewegung von Studenten, die vorwiegend Studenten ansprechen und für die Bibel und den Glauben interessieren. In Passau ist den Focus-Missionaren die Studentenseelsorge anvertraut. Zwei Jahre lang hatte der BR für seine Reportage recherchiert. Das Ergebnis war so dünn, dass das Werk im Nachtprogramm versteckt werden musste. Doch wie immer, wenn man mit Dreck wirft, bleibt etwas kleben. So wurde in Zweit- und Drittberichten selektiv aus der Reportage zitiert. Bezogen auf das Gebetshaus Augsburg hatte man eine Frau gefunden, die sich von Aussagen einer Mitarbeiterin negativ berührt oder verletzt fühlte. Diese ehemalige Mitarbeiterin des Gebetshauses ist seit vielen Jahren nicht mehr im Gebetshaus, so dass die Aussagen nicht mehr überprüft werden konnten. Ähnlich dünn war es bei der Loretto-Gemeinschaft und den Focus-Missionaren. Der BR konnte nichts als verdünnte Wassersuppe liefern. Dass Christen für das Leben sind und Abtreibungen ablehnen, dürfte niemanden überraschen. Eine Pro-Choice-Aktivistin, die zur Firmvorbereitung bei den Lorettos war, behauptete, man hätte gegen eine Abtreibungsklinik gebetet. Das ist natürlich Unsinn. Es wurde, das erklärte ein Mitarbeiter von Loretto für die Frauen und für die Kinder gebetet. Dass Christen beten und die Bibel lesen ist vermutlich auch nicht unbedingt verwunderlich. Viel mehr konnte der BR als Ergebnis nicht vorweisen und versuchte sich stattdessen in Framing.
Hauptsache „rechts“
Irgendwas mit Rechts muss da ja sein, wenn Christen sich nicht dem woken Mainstream anschließen. Auch die ARD-Sendung Monitor versucht immer wieder mal, dieses Narrativ zu bedienen und bringt dabei nur übelste Verschwörungstheorien zustande. Tatsächlich war der Gründer des Gebetshauses im Februar 2025 in London auf der ARC, einer von Jordan Peterson mitgegründeten Zusammenkunft konservativer und liberaler Denker vor allem aus dem britischen und nordamerikanischen Raum. Wie könnte es anders sein, wird auch diese Konferenz, an der zahlreiche Christen, so auch der Soziologe und Evangelikale Os Guinness, teilnahmen. Selbstverständlich ist auch das alles rechts und damit von Übel. Es ist bezeichnend, dass sich hier in die Kirche hinein fortsetzt, was wir aus der Gesellschaft kennen. Feindliches Framing, Ausgrenzung, Verleumdung und Cancel culture. Der linke Mainstream in den Medien ist hier innerkirchlich anschlussfähig, wo der Glaube dem Zeitgeist geopfert wird.
Evangelische und katholische Christen dürfen sich allerdings ganz sicher sein, dass es beim MEHR-Festival mit rechten Dingen zugeht. Der Bischof der Diözese Augsburg, Bertram Meier, wird im Rahmen des Festivals eine Messe feiern, ebenso der Augsburger Weihbischof Florian Wörner. Der evangelische Landesbischof Tobias Bilz von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens wird einen Abendmahlsgottesdienst feiern. Jugendliche bitte festhalten: Die O’Bros kommen und geben ein Konzert. (Für Boomer: Das Rapper-Duo verbindet modernen Hiphop und christlichen Glauben. Mit ihrem neuesten Album schafften sie es auf Platz Eins der deutschen Albumcharts.) Weitere Sprecher auf der Konferenz sind der Bestsellerautor John Eldredge, der Astrophysiker Heino Falcke, der Iraner Mojtaba Barahimi, der als Christ in seiner Heimat einige Jahre inhaftiert war und nun in London lebt, die Staatsanwältin Jana Ringwald und mehrere Lobpreisbands. Das Festival ist bekannt für seine beeindruckende Optik und Lichtshow, die auf den ersten Blick verstörend wirkt, denkt man bei Christen doch eher an Gotik oder Barock. Doch man sollte bedenken, das auch Gotik mal modisch der letzte Schrei war und ein Dom aus Licht auch ein Dom ist.
In zwei Hallen finden sich rund 170 Aussteller ein, die von christlicher Literatur über Kunsthandwerk, Medien, Lebenshilfe und Informationen über geistliche Gemeinschaften und Bewegungen ein buntes Angebot vertreten. Außer einem Event, bei dem viel gebetet, gesungen, getanzt, gelacht und nachgedacht wird, ist die Veranstaltung eben auch ein großes Familien- und Freundestreffen. Auch für Intellektuelle bieten die Veranstalter mit MEHRdenken ein Forum an. Neun namhafte Theologen diskutieren über Fragen der Relevanz und der Zukunft des Glaubens. Mit Blick auf 1700 Jahre Geschichte der Kirche seit dem Konzil von Nicäa stehen auch aktuelle Fragen auf der Agenda, zum Beispiel die geistigen und geistlichen Herausforderungen der digitalen Welt. Wem alles zu viel wird, hat die Möglichkeit sich in einen Raum der Stille zurückzuziehen.
@Frau Grimm: Grandios, Ihr Kommentar! Recht so!
@Sam Lowry:
Zu den beliebtesten Namen:
Na, da hat der Namensforscher aus Ahrensburg wohl doch ein wenig an der Statistik herumgebastelt.
Kein Mohammed oder etwas abgewandelter Jungenname?
Und das, obwohl muslimischen Frauen hier 2- 6 Kinder in die Welt setzen – und die werden sie bestimmt nicht Mats oder Emma nennen.
Ich gehe einmal davon aus, dass der Namensforscher ganz gezielt nur nach Namen von gebürtigen deutschen Kindern Ausschau gehalten hat – und so konnte er – einfach durch Verschweigen und ohne zu lügen – ein völlig verzerrtes, nicht der Realität entsprechendes Bild entwerfen.
War es nicht Berlin, wo der häufigste Jungenname inzwischen Mohammed in allen Variationen lautet?
Es gilt das ewig gültige Motto:
Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!
Hartl bekommt sein Festival voll, ohne dass er mit Muschi-Mal-Meetings woke Zwielichter anlocken muss?
Dagegen dieser inklusive Halagan betreibt selber schäbigen Populismus, weil er genau wie die „Amtskirchen“ sich wie eine billige Nutte dem woken Zeitgeist anbiedert und unterwirft, wohl meinend, anders seinen Laden nicht mehr voll zu kriegen.
Hartl bekommt sein Festival voll, ohne dass er mit Muschi-Mal-Meetings woke Zwielichter anlocken muss?
Dagegen dieser inklusive Halagan betreibt selber schäbigen Populismus, weil er genau wie die „Amtskirchen“ sich wie eine billige Nutte dem woken Zeitgeist anbiedert und unterwirft, wohl meinend, anders seinen Laden nicht mehr voll zu kriegen.
Danke für die gute Beschreibung der MEHR. Ich werde wieder dort sein, für mich ist es ein Abkommen.
Ich finde es toll mich mit den unterschiedlichen Menschen auszutauschen und hoffe auf neue Gedanken und Impulse. Besonders gut finde ich, dass die MEHR offen ist, jeder kann teilnehmen und jeder kann offen reden und sich austauschen. Das gibt es in den Kirchen kaum noch, dabei ist es so wichtig.
Natürlich gefällt das vielen nicht, denn anders als der Rest der Kirchen ist das Christentum auf der MEHR jung, modern und wächst und es zeigt auch, dass die unterschiedlichen Konfessionen sehr gut zusammen harmonieren, ja sich gegenseitig bereichern.
„…und der für Populismus typischen Konstruktion eines ‚gefährlichen Gegenübers’.„
so wie die afd für die altparteien, altmedien und all die anderen guten?
@Hans Buschmann, „Schon im Römischen Reich wurden die Christen verfolgt, weil sie sich weigerten die Allmacht des Kaisers anzuerkennen.“ – Hollywood-Schinken und Romane sind keine Wissenschaft. Jesus wurde durch römische Rechtsprechung verurteilt und bestraft. Eine göttliche Anbetung eines Verurteilten unterminierte römisches Recht und den römischen Staat. Zudem verhielten sich die Urchristen wie eingefleischte Sektierer (sie verachteten offen andere Religionen), was in der römischen Gesellschaft äußerst unangenehm auffiel. Kein römischer Kaiser verlangte eine eigene Anbetung.