112-Peterson: Wie gelingt eine langlebige Partnerschaft?

Einer der grundsätzlichen Zwecke einer Partnerschaft ist, den Zugang zu Sexualität zu sichern, so dass Sie sich nicht länger den Kopf darüber zerbrechen müssen, mit wem Sie wann und wo ins Bett gehen. Dadurch können Sie sich mit anderen Dingen beschäftigen.

Es ist vor allem wichtig, dass Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin entscheiden, was es bedeutet, dass Sie zusammen sind. Neben der Tatsache, dass Sie Kameradschaft und Freundschaft verbindet, sollten Sie auch definieren, was Ihre gemeinsamen Interessen sind. Außerdem ist es wichtig, dass Sie nach wie vor miteinander ausgehen. Am besten ein- oder zweimal die Woche. Sonst verschwindet die Romantik.

Im Laufe der Zeit kommen natürlich Entscheidungen hinzu, die die gemeinsamen Kinder und schließlich Enkelkinder betreffen. Kinder nehmen einen großen Teil unseres Lebens ein und haben bedauerlicherweise einen schlechten Ruf bekommen. Ich weiß nicht, ob ich eine Ausnahme bin, aber ich habe nie auch nur eine Sekunde bereut, Kinder zu haben. Ich meine, plötzlich treten neue Menschen ins Leben, mit denen man ein so inniges Verhältnis hat, wie man es sonst nur aus Beziehungen kennt. Wir haben die Möglichkeit, dieses Verhältnis so unverfälscht wie nur möglich zu gestalten. Natürlich können sich auch viele Katastrophen abspielen, aber grundsätzlich sind Kinder eine Chance, und was spricht gegen ein paar mehr Menschen, die Sie lieben?

Im Laufe einer langjährigen Partnerschaft sollten Sie sich also immer mehr mit Fragen der Reife und immer weniger mit Fragen des Jugendlichseins auseinandersetzen. Es gibt schließlich nichts Absurderes als einen 40-Jährigen, der tut, als wäre er 20. Sowas ist übel. Es hat etwas von verdorbener Milch. Es ist sauer. Wir müssen in Würde die Herausforderungen jedes Lebensalters annehmen, denn alles gelingt uns besser, wenn wir genau das tun. Dazu gehört auch, Ihr Sexleben mit Ihrem Partner zu perfektionieren, auszudrücken, was Sie brauchen und wollen sowie einander beizubringen, was nötig ist, damit es aufregend bleibt. Und neu. Das ist nicht einfach, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Denn dann können Sie sexuelle Spannung mit Intimität verbinden, und es gibt wohl keine bessere Kombination.

All das können Sie in Ihre Liebe und das miteinander verflochtene Schicksal einbetten. Das ist das Beste, was Ihnen passieren kann, und mehr hat das Leben auch nicht zu bieten.

Dieser Text ist die Antwort Jordan B. Petersons auf eine User-Frage. Hier geht’s zum Originalbeitrag.

Foto: jordanbpeterson.com

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herbert binder / 17.04.2019

Zwei ACHSE-“Schwergewichte” haben sich inzwischen überlebt (stehen sich selbst im Weg). Das ist einmal 112-Peterson und zum anderen Broders Spieglein. Zugegeben, das ist ganz schwer subjektiv gefärbt. Dennoch, was Neues wäre nicht schlecht - täte vielleicht sogar gut.

Hein Tiede / 17.04.2019

Ich habe den Eindruck, dass einige Kommentatoren missverstehen wollen. “Einer der grundsätzlichen Zwecke einer Partnerschaft ist” - das bedeutet eben nicht, dass Sexualität der einzige Zweck ist, sondern ein wichtiger. Freundschaft und Kameradschaft erwähnt Peterson ebenfalls. Und dass es sich lohnt, sich Mühe zu geben. Ein Hund ist besser als nichts, aber nur eine Notlösung.

Sabine Schönfelder / 17.04.2019

So langsam beginnt der Abstieg von Mr. Peterson, vom intellektuellen Freidenker hin zum Briefkastenonkel auf Boulevardniveau. So so, zusammen ausgehen, mindestens 2x wöchentlich und regelmäßigen innovativen Sex und alles bleibt spannend und innovativ! Planen Sie das auch so akribisch wie Ihr sonstiges Leben? Wer hat den die Kiddis großgezogen? Durften die mit an die Uni? Die Tipps sind so prickelnd wie, lieber reich und schön, als arm und krank. Machen Sie mal halblang, Sie müssen nicht Konfuzius, Buddha und Jesus zusammen an Weisheit und bedeutungsschwangerer Sinnfindung übertreffen.

Charlotte Hofmann / 17.04.2019

Mr. Peterson gelingt es offensichtlich mühelos Widerstand hervorzurufen – vermutlich ohne Absicht. Mir erscheint sein Statement als sehr nützliche Antwort auf die Frage des Users, die besser nur von David Schnarch, Amerikas bestem Partnerschafts-Therapeuten gegeben werden könnte. Die Frage nach Monogamie wird heute als äußerst brisante Mischung nach Zuflucht und Romantik betrieben. So wie die zwei schwer vereinbaren Wünsche Freiheit und Sicherheit, deren Balancierung einigen Geschicks bedarf. Mit dem Schlusssatz – „das ist das Beste, was Ihnen passieren kann, und mehr hat das Leben auch nicht zu bieten“- erkläre ich mich allerdings nicht einverstanden.

Juliane Mertz / 17.04.2019

Also das ist einer der romantischsten Texte, die ich je über die Liebe gelesen habe.

Helmut Driesel / 17.04.2019

Wenn ich solche fulminanten Sätze voller erlebter Weisheiten lese, frage ich mich, was ich dem Herrn Peterson 112 mal raten könnte. Und da ist einfach gar nichts. Nichts! Was unterscheidet uns? Peterson 112 hat sich ausgelebt, hat Spuren hinterlassen, hat andere ihn ertragen und aushalten lassen. Noch hier und jetzt geht er mir auf den Geist. Ich habe es ausgehalten, wenn auch nicht stillschweigend. Ist das Ausbeutung? Die Menschen beuten einander aus, die Kinder ihre Eltern, die Männer die Frauen, manchmal umgekehrt, Eigentümer beuten Mieter und Beschäftigte aus, die Informierten die Neugierigen, die Geldbesitzer die Kreditnehmer, die Arbeitslosen beuten das Arbeitsamt aus, die Ärzte die Kranken und die Kirche die Ängstlichen, die Ratgeber die Ratsuchenden oder umgekehrt. Die Künstler, Musiker und Schriftsteller beuten aus oder werden ausgebeutet. Die Wirkrichtung wird unscharf. Nichts ist gesetzt, alles ist möglich. Aber der Status Quo vergeht, alles wird älter, je klüger die Ratschläge, um so schneller vergreisen sie. “Wie gelingt eine langlebige Partnerschaft?” Ich weiß nicht, ob ich lachen will oder ob es mir im Halse stecken bliebe. Partnerschaft ist eine flüchtige Entität. Sie gelingt am besten, wenn zwei im Gleichtakt auf der Stelle treten. Solange der Untergrund nicht in Bewegung gerät. Partnerschaft ist vor allem eine Diagnose, die man rückblickend stellen kann. Und die einzige Diagnose, die man regelmäßig gerne hört, ist: Sie sind kerngesund!

H.Roth / 17.04.2019

“Das ist das Beste, was Ihnen passieren kann, und mehr hat das Leben auch nicht zu bieten.”...???  Selbst die beste und idealste Partnerschaft reicht nicht aus, um der Seele das zu geben, was sie wirklich braucht. Eine stabile Ehe kann eine solide Grundlage sein, für Erfolg im Beruf, Verwirklichung von Idealen, aber mehr nicht. So hoch ich auch über Ehe denke, und den Vorrang, den sie gegenüber allen anderen Beziehungen haben sollte (manchmal ist leider die Bindung an die Kinder stärker, als die an den Ehepartner), so sehr möchte ich auch davor warnen, darin Sinn und Erfüllung zu suchen. Spätestens beim Tod des Ehepartners bricht sonst alles zusammen. Ich vergleiche einmal die Ehepartner mit zwei Schiffen, die im selben Hafen liegen. Beide müssen einen eigenen Anker haben, der sie davor schützt, bei einem Sturm aneinander zu zerschellen. Dieser Anker muss stabil sein. Er ist ein Bild für eine noch stärkere Beziehung, nämlich die persönliche Beziehung zu Gott. Es ist wahr, was Augustinus sagte.” Meine Seele ist unruhig, bis sie ruht in dir, o Gott!”

Wolfgang Kaufmann / 17.04.2019

Der Feind einer langen Partnerschaft ist der infantile Wille, sich jederzeit neu zu definieren: „Heute ist Murat eine Prinzessin…“ Freiheit bedeutet, jederzeit neu zu entscheiden; Verantwortung bedeutet, der einmal getroffenen Entscheidung treu zu bleiben. – Eine Gesellschaft, die sich nicht festlegen will, wird aussterben mangels Kindern; dann leben Sechzigjährige genauso unverbindlich, maßlos und genusssüchtig in den Tag hinein wie Sechzehnjährige. Zur Not wird eine Kultur das Rennen machen, in der diese Optionen nicht existieren, in der die Rollen von Geburt an festgelegt sind.

Gabriele Klein / 17.04.2019

Natürlich können sich auch viele Katastrophen abspielen, aber grundsätzlich sind Kinder eine Chance, und was spricht gegen ein paar mehr Menschen, die Sie lieben? Sie haben meinen ganzen Respekt für das was Sie versuchen zu bewegen.  Auch in obiger Aussage gebe ich Ihnen Recht unter EINER Voraussetzung, dass die Kinder nicht “enteignet” werden, wie hierzulande der Fall.  Ihr Artikel, scheint mir irgendwie nicht für deutsche Verhältnisse zu passen. ich würde in Deutschland niemals ein Kind zur Welt bringen wollen…..

Gerhard Schuster / 17.04.2019

“Einer der grundsätzlichen Zwecke einer Partnerschaft ist, den Zugang zu Sexualität zu sichern” - jep, das hat mein Prof. für Evolutionspsychologie auch immer gesagt, allerdings gewähren die Frauen den Männern den Zugang zu Sex, wofür die Männer die Frauen mit Ressourcen versorgen. Eine Partnerschaft erfüllt, je nach Geschlecht, einen anderen Zweck. Sex für Ressourcen und Ressourcen für Sex.

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