112-Peterson: Zwischen Liberalen und Konservativen

Unser Gehirn kann uns signalisieren, wenn wir optimal zwischen Chaos und Ordnung eingestellt sind. Und zwar, indem es in uns das Gefühl von Engagement und Bedeutung erzeugt. Gehen wir davon aus, dass es einen bestimmten Zustand gibt, in dem wir uns befinden sollten. Wir möchten uns weder zu Tode fürchten, noch so entspannt sein, dass wir jeden Moment einschlafen könnten. Sagen wir also, dass wir uns auf festem Grund befinden, aber gleichzeitig die Möglichkeit haben wollen, neues Territorium zu erkunden.

Manche von uns, mit großem Entdeckergeist und emotionaler Stabilität ausgerüstet, wagen sich dabei sehr weit in unbekanntes Gebiet vor, ohne sich dabei zu destabilisieren. Andere hingegen bekommen Probleme, wenn sie bloß einen Zeh ins Chaos stecken. Dies hat größtenteils etwas mit Neurotizismus zu tun, also der Sensibilität gegenüber Bedrohungen. Andere sind viel erkundungsfreudiger, hier arbeiten Extrovertiertheit, Offenheit und Intelligenz zusammen.

Manche Menschen tolerieren also einen größeren Anteil Chaos in ihrer Ordnung. Hier hat man es mit Liberalen beziehungsweise Linken zu tun, im technischen Sinne. Liberale haben ein größeres Interesse an neuartigem Chaos, während Konservative ein größeres Interesse an der Stabilisierung der Struktur, die bereits existiert, haben.

Wer hat nun Recht? Das hängt von der Situation ab. Aus diesem Grund sollten Liberale und Konservative miteinander reden. Denn es ist nicht so, dass die einen Recht haben und die anderen nicht. Manchmal haben die Konservativen Recht und manchmal die Liberalen. Denn unsere Verhältnisse ändern sich ständig und sind demzufolge auch nicht vorhersehbar.

Darum muss man miteinander kommunizieren und zu diesem Zweck gibt es eigentlich die Demokratie. Denn sie erlaubt Menschen mit unterschiedlichen Temperamenten, miteinander zu kommunizieren und die Gesellschaften auszurichten.

Das Universum beschreiben

Was bedeutet es also, optimal zwischen Chaos und Ordnung ausgerichtet zu sein? Dass wir ausreichend stabil, aber gleichzeitig interessiert sind. Denn bereits eine kleine Neuheit erhöht unsere Ängstlichkeit etwas. Das macht uns wach, das ist das abenteuerliche daran. Gleichzeitig führt es dazu, dass der Teil unseres Gehirns, der auf's Entdecken ausgerichtet ist, sich fokussiert. Und das wiederum nehmen wir als Vergnügen wahr, das ist der Dopamin-Kreislauf.

Dass wir optimal ausgerichtet sind, merken wir beispielsweise, wenn wir ein interessantes Gespräch führen. Eine echte Unterhaltung: Wir tauschen mit unserem Gesprächspartner Wissen aus. Und für beide ändert sich der Wissenshorizont, weil es so interessant ist. Man könnte ewig weiter sprechen. Ähnliches passiert, wenn wir ein spannendes Buch lesen. Oder wenn wir Musik hören, die etwas ausdrückt.

Denn Musik bietet uns auf mehreren Leveln vorhersehbare Formen, die genau das richtige Maß an Transformation auslösen. Musik ist eine sehr aussagekräftige Kunstform, weil sie das Universum beschreiben kann. Sie trägt Elemente des Herumwirbelns, der Wiederholung in sich, aber auch niedliche kleine Variationen, die uns überraschen und begeistern. Es ist ganz egal, wie nihilistisch man einhgestellt ist. Musik flößt uns Bedeutung ein, weil sie Bedeutung ausdrückt. Darum lieben wir sie.

Wir können dazu tanzen und das wiederum steht symbolisch dafür, dass wir uns in Harmonie mit den vielschichtigen Lagen der Realitäten begeben und uns passend dazu positionieren. Nicht umsonst bezahlen wir dafür, tanzen gehen zu können und Musik zu hören. „Wozu das ganze?“, könnte man fragen. Aber diese Frage lässt sich wohl kaum rational beantworten. Ein rationaler Zugang zur Musik erschließt sich nicht und kaum jemand würde einen Menschen ernst nehmen, der solch eine Frage stellt. Manche Dinge liegen eben auf der Hand.

Dies ist ein Auszug aus einem Seminar von Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug und hier zum gesamten Seminar.

Foto: jordanbpeterson.com

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Hermine Mut / 20.05.2020

Musik -  Klang - Wind - Geist - Pfingsten :  “Am Anfang ...war die Erde wüst und leer…Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser . Und Gott SPRACH : es werde…”(1.Mose1, 1 - 4) .  “...und es geschah…  ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus…und es wurden alle voll des heiligen Geistes.” (Apostelgesch. 2, 1-4). Die Trinität von Wahrheit - Liebe - Schönheit (“GOTT”) ist - für mich - am ehesten erfahrbar in der Musik. (Wie dies auch die “Kantorianer” sehen, in dem wunderbaren Film “Vaya con dios”).  Wir sind (auch) Wind-Wesen , sind Einatmen und Ausatmen, nehmen Töne wahr (auf) und geben sie weiter. Könnten wir hören und hätten wir eine Stimme -  ohne Luft ? Musik beseelt unser Dasein. Die eigene Stimme haben, die im größeren Ganzen aufgehoben ist, heimkommt. Das ganz individuell Eigene, eingebettet in den großen Chor.

Thomas Taterka / 20.05.2020

In der Musikgeschichte versichert man sich des Werts von Traditionen durch spielerische Erneuerung, in der Kunst der Komposition, der Instrumentation und der Interpretation. Man bezeugt seinen Respekt vor den Leistungen der Vorbilder nicht durch Wiederholung oder gar Imitation, sondern durch Ideen -Fortschreibung unter anderen zeitgenössischen Voraussetzungen. Man antwortet auf die Vorbilder in einer anderen Zeit durch das , was man hinzutut, weil es nötig ist, damit die Tradition überlebt . Das ist in allen Künsten so. - In der Politik entspricht das den Linken, die zu Konservativen geworden sind. Sie retten nicht, sondern erneuern - umfassend - die Fundamente, indem sie erkennen , daß sowohl Rechts und Links Bestandteile einer Tradition sind, die Grundlagen enthält für die Bewältigung komplexerer Zusammenhänge , die erkannt werden müssen über die bekannten politischen Lager hinaus. Konservativ heißt eigentlich nichts anderes als sich der Grundlagen gewissenhaft zu vergegenwärtigen - seriös arbeiten mit dem Willen zur Klärung. Die Motivation zur Aufklärung eines Problems ist allerdings historisch immer links verwurzelt, (niemand ,der hat , fängt an zu denken) . So entsteht die historisch absurde Situation, daß geläuterte Linke als Konservative… Linke in der Regierung daran erinnern müssen , daß sie Linke sind , die keine mehr sein wollen. Das ist der Stand der Dinge. Verkehrte Welt.  

H.Störk / 20.05.2020

Es ist extrem verwirrend, daß amerikanische Linke sich als “liberal” bezeichnen. Linke wollen kein Chaos, um frei neue Wege auszuprobieren - sie wollen Macht, um anderen ihre “neuen Wege” aufzuzwingen.

Werner Arning / 20.05.2020

Bei ehemals Linken ist es häufig so, dass sie anfangs dem Chaos zugeneigt waren und später das Sinnvolle am Konservativen entdeckt haben. Sie kennen beide Seiten, legen auch ihre „linke Seite“ nie vollständig ab, bekennen sich jedoch fortan zum Konservativen. Sie treffen eine Wahl. Sie entscheiden sich bewusst und nicht weil die Prägung ihrer Persönlichkeit dieses bereits mit sich brachte, zum Konservativen. Sie tun dieses aus rationalen Gründen, aus Gründen der Vernunft und aufgrund von Erfahrung. Sie legen das „Chaos“ ab, „verstehen“ dieses jedoch nach wie vor, denn es entspricht ja ihrem vormaligen Sein. Nun bringen sie neue Elemente (dieses vormaligen Seins) in den Konservativismus ein. Sie sind Konservative mit linken Wurzeln. Sie tragen etwas Revolutionäres hinüber ins Konservative. Sie erfüllen das Konservative mit neuem Leben, „verjüngen“ es, machen es interessanter,  verleihen ihm Schwung. Das Konservative ist nicht mehr nur auf Erhalt des Bestehenden ausgerichtet, sondern eher auf die Rückeroberung des vormals Bestehenden. Denn das Konservative ist auf dem Rückzug, ist völlig in die Defensive geraten, wird allgemein als unzeitgemäß hingestellt, verliert vermeintlich seine Daseinsberechtigung. Der aufmerksame Beobachter erkennt jedoch den Wert des Konservativismus. Es gilt, diesen zu retten vor der zeitgeistigen Beliebigkeit, welche einer Seelenlosigkeit gleichkommt. Die Seelenlosigkeit kleidet sich manchmal in linksgrünem Gewandt, aber liebt auch das kleine Schwarze. Sie ist schamlos, eben völlig beliebig. Legt sich mit jedermann ins Bett und verkauft sich dem Meistbietenden. Die Aufgabe des Konservativen ist es, dem Ausverkauf der Gesellschaft, der „Entseelung“ des Menschen etwas entgegenzusetzen. Es gilt, einer einseitigen Medienpropaganda, durch welche dem Konservativismus der Garaus gemacht werden soll, etwas entgegenzusetzen. Es gilt, sich zum Konservativismus und zur Liberalität zu bekennen (und damit ist nicht das heutige „linksliberal“ gemeint).

Paul Braun / 20.05.2020

Auch auf der linken politischen Seite finden wir Angst vor Veränderung. Dennoch stimme ich Peterson zu, denn es bedarf schon der göttlichen Allwissenheit, um immer recht zu haben. Daher ist alle Behinderung von Meinungsaustausch zum Schaden der Menschheit.

Ulla Schneider / 20.05.2020

Hallo Herr Peterson. Ich empfehle Ihnen, zu Ihrem letzten Absatz die Schrift von Augustinus: ” Mensch, lerne tanzen…...” . Der Mensch ist ein bewegender! Es gibt dazu excellente Veröffentlichungen,  siehe unter anderem Bücher von M. Trautmann- Voigt(first class).

Gerd Heinzelmann / 20.05.2020

Sie sind ein Pseudorichter. Dann haben Sie Ihre Grenzen wahrscheinlich schon kennengelernt. Das ist nicht böse gemeint.

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