112-Peterson: Zwiespalt der Gewissenhaftigkeit

Gewissenhafte Menschen bevorzugen harte Arbeit, Regeln, Ordnung, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Struktur. Sie sind pflichtbewusst. Wir haben analysiert, welche Eigenschaft zu militärischer Leistung führt, zum Beispiel in der amerikanischen Armee, und es ist in überwältigender Weise die Eigenschaft „Gewissenhaftigkeit“. Das ist keine Überraschung, weil die Armee eine sehr strukturierte, durch Regeln und festgelegte Verfahren „von oben nach unten“ geordnete Art von Unternehmen ist. 

Die Streitkräfte hatten aber – zumindest bis zu einem gewissen Grad – ein Problem mit diesem Ergebnis, weil man dort auch nach Leuten Ausschau hielt, die unabhängig, auf ihren eigenen Füßen stehend, denken können, weil man im Feld manchmal außerordentlich schwierige Entscheidungen selber treffen muss, besonders, wenn man von der Befehlskette abgeschnitten ist.

Wenn man jemanden aber hauptsächlich wegen Pflichtbewusstsein ausgewählt hat, wird das nicht seine Stärke sein. Denn wenn man eine gewissenhafte Person ist, führt man vor allem Abmachungen gewissenhaft aus, die man mit anderen – oder sogar mit sich selbst – geschlossen hat. 

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Vortrag „Personality 14: Introduction to Traits/Psychometrics/The Big 5“. Hier geht’s zum Original-Vortrag auf dem YouTube-Kanal von Jordan B. Peterson.

Foto: jordanbpeterson.com

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost (2)
Werner Arning / 26.09.2018

Im günstigsten Fall gehen Entschlussfreudigkeit und Gewissenhaftkeit auch zusammen. Bei Piloten etwa, sind beide Qualitäten gefragt. Oft tun sich gerade sehr gewissenhafte Menschen schwer, Entscheidungen zu fällen. Es quält sie regelrecht, wenn sie sich entscheiden müssen. Denn die getroffene Entscheidung könnte sich ja im Nachhinein als die Falsche erweisen. Diese Menschen planen lieber, als dass sie umsetzen. Informieren sich lieber, als den ersten Schritt zu tun. Nicht selten bleibt es dann bei der Planung. Angst hält sie davon ab, aktiv zu werden. Sie haben Angst etwas zu riskieren. Manchmal kann es solchen Menschen helfen, sich bewusst zu machen, dass das Leben kurz ist. Dass selbst die falschesten Entscheidungen keine ewig anhaltenden Konsequenzen zur Folge haben. Es fehlt ihnen häufig an Grundvertrauen. Einigen, die davon betroffen sind, hilft der Glaube an Gott aus der Misere heraus. Denn die hilft Angst zu teilen und dadurch erträglich zu machen. Gebet etwa hilft in solchen Momenten der verzweifelten Entscheidungsfindung, oder kann helfen. Außerdem relativieren sich die Konsequenzen der Entscheidung. Oft auf ein zu vernachlässigendes Mindestmaß. Aber alles vielleicht leichter gesagt, als getan. Ein Versuch schadet nicht.

Peter Volgnandt / 26.09.2018

Das ist mir schon aus meiner Bundeswehrzeit (1975-76) bekannt. Unsere Ausbilder haben uns immer wieder darauf hingewiesen, dass wir in Erfüllung eines Auftrags immer die Freiheit haben, zu entscheiden, wie man das am besten hinkriegt, was im Gegensatz zur amerikanischen Armee steht, wo man einen Befehl nur stur befolgen darf.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Jordan B. Peterson, Gastautor / 21.11.2018 / 10:00 / 5

112-Peterson: Warum Studenten immer intelligenter werden

Wie kommt es, dass der durchschnittliche IQ von Universitätsstudenten irgendwo zwischen 120 und 130 Punkten, also weit über dem Durchschnitts-IQ der Allgemeinbevölkerung, liegt? Um diese…/ mehr

Jordan B. Peterson, Gastautor / 14.11.2018 / 10:00 / 7

112-Peterson: Wo die Postmodernisten irren

Postmodernisten sind keineswegs dumm. Ganz im Gegenteil. Jacques Derrida und Michel Foucault beispielsweise, zwei berühmte französische Intellektuelle, welche an der Spitze der postmodernen intellektuellen Revolution…/ mehr

Jordan B. Peterson, Gastautor / 07.11.2018 / 11:00 / 8

112-Peterson: Auch Nimmerland hat eine Obergrenze

Peter Pan ist ein magischer Junge. „Pan“ bedeutet, grob gesagt, „der Gott von Allem“. Es ist also kein Zufall, dass er den Namen „Pan“ trägt.…/ mehr

Jordan B. Peterson, Gastautor / 31.10.2018 / 11:00 / 30

112-Peterson: IQ und Erfolg

Viele Leute mögen das Konzept „IQ“ nicht, weil es so willkürlich erscheint. Menschen mit einem hohen IQ haben diesen nicht „verdient“, sie sind von Geburt…/ mehr

Jordan B. Peterson, Gastautor / 24.10.2018 / 10:00 / 3

112-Peterson: Wenn Papa nicht mehr Gott ist

Carl Jung sprach von einem Phänomen, das er als „regressive Wiederherstellung der Persona” bezeichnete. Es ist ein kompliziertes Konzept, aber im Grunde bedeutet es, dass…/ mehr

Jordan B. Peterson, Gastautor / 17.10.2018 / 10:00 / 2

112-Peterson: Die Psychologie des kapitalistischen Systems

Jean Piaget ist ein sehr interessanter Psychologe, der nie richtig gelehrt wird, denn er war ein merkwürdiger Mann. Viele große Denker waren merkwürdig, und ihre…/ mehr

Jordan B. Peterson, Gastautor / 10.10.2018 / 10:00 / 21

112-Peterson: Wie entsteht der totalitäre Staat? 

Solschenizyn beschreibt, wie die Insassen im GULAG selbst zur Aufrechterhaltung des GULAG-Betriebs beitrugen. Dies ist eine perfekte Metapher für den totalitären Staat. Oft wird das…/ mehr

Jordan B. Peterson, Gastautor / 03.10.2018 / 10:00 / 3

112-Peterson: Vergessen Sie das Publikum!

Jemand fragt mich Folgendes: „Ich absolviere momentan ein Lehramtsstudium und bin gleichzeitig ein introvertierter Mensch. Kann das zum Problem werden? Kann ich dennoch ein erfolgreicher…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com