112-Peterson: Wie erziele ich eine Gehaltserhöhung?

Wenn man ein verträglicher Mensch ist, dann hat das den Vorteil, dass man gut im Team arbeiten kann und mit großer Wahrscheinlichkeit anderen Leuten gerne Anerkennung zollt. Die Kehrseite der Verträglichkeit ist, dass man nicht besonders gut darin ist, seine eigenen Interessen durchzusetzen. Und so ist beispielsweise einer der Faktoren, der das Gehalt im Laufe der Lebenszeit bestimmt, der Grad der Verträglichkeit eines Menschen. Und zwar wird diese Vorhersage negativ getroffen, (also je verträglicher ein Mensch ist, desto geringer würde demnach sein Gehalt ausfallen, Anm. d. Red.). Dies ist also einer der Gründe, warum Frauen weniger verdienen als Männer. (Peterson orientiert sich hier an dem Modell der fünf grundlegenden Persönlichkeitsmerkmale, den sogenannten Big Five. Statistisch gesehen, sind Frauen verträglicher als Männer, Anm. d. Red.)

(...)

Wie viel man im Laufe seines Lebens verdient, hängt natürlich von einer sehr großen Anzahl von Dingen ab. Es hängt von unseren Fähigkeiten und Fertigkeiten, unserer Position, unserem sozialen Netzwerk und vielem mehr ab. Aber eine andere Sache, von der es abhängt, ist, ob man tatsächlich nach mehr Geld fragt oder ob man es nicht tut. Das heißt, im Grunde fragt man ja nicht nach mehr Geld, sondern man signalisiert seinen Vorgesetzten, dass es notwendig ist, besser bezahlt zu werden, wenn keine negativen Konsequenzen folgen sollen. Natürlich nicht als Drohung. Wenn man mit seinem Chef wegen einer Gehaltserhöhung spricht, ist dieser natürlich nicht von sich aus bereit, mehr Gehalt zu zahlen, denn alle wollen mehr Gehalt. Es ist ein Wettstreit.

Man sollte seinem Chef also darlegen, warum die Tätigkeit, die man ausübt, unerlässlich ist und warum es gerechtfertigt ist, dass Sie dafür mehr Geld beziehen. Und Sie sollten ihm anderweitige Alternativen aufzeigen können, die Sie ergreifen werden, wenn Sie keine Gehaltserhöhung erzielen. Natürlich geht es oft nicht um das Geld des Vorgesetzten, denn dieser ist meistens ebenfalls angestellt, wenn Sie etwa bei einer großen Firma arbeiten. Das bedeutet, dass Ihr Chef einen guten Grund braucht, um Ihnen mehr Geld zu zahlen, weil ja alle ständig Geld verlangen. Somit müssen Sie Ihr Anliegen besonders nachdrücklich und unnachgiebig vorbringen. Natürlich sollten Sie es nicht übertreiben, denn sonst wird Ihr Chef denken, dass Sie ein Idiot sind, so dass Sie am Ende gar nichts erhalten und vielleicht gefeuert werden, weil Sie so vorlaut sind. Das passiert Menschen, die wiederum zu streitbar sind. Man muss einfach die richtige Balance finden.

Mehr Aufstiegsmöglichkeiten und mehr Einnahmen

Ein weiterer erwähnenswerter Punkt, der Frauen betrifft, ist, dass sie im Schnitt mehr negative Emotionen empfinden, sodass sie dazu neigen, ihren eigenen Nutzen im Geschäftsleben zu unterschätzen. Denn wenn man versucht, seinen eigenen Wert zu bestimmen und man eher zu negativen Emotionen neigt, dann stehen die Dinge, die man falsch macht, mehr im Vordergrund als die Dinge, die man richtig macht.

Wenn Sie also in eine Verhandlung gehen und vorher schon unsicher sind, weil Sie Selbstzweifel haben und darüber hinaus noch als verträglicher Mensch auftreten, dann werden sie nicht so oft gewinnen. Und ein geschäftlicher Sieg oder ein Triumph hinsichtlich Ihrer Karriere-Entwicklung bedeutet mehr Aufstiegsmöglichkeiten und mehr Einnahmen.

Die Kehrseite davon ist natürlich, dass man beim Erklimmen der Karriereleiter auch mehr Verantwortung übernehmen muss, und diese Verantwortung ist manchmal auch unangenehm, vor allem für Leute, die verträglich sind. Denn man wird nicht unbedingt gemocht, wenn man in einer Autoritätsposition ist, verträglichen Leuten ist es jedoch sehr wichtig, gemocht zu werden. Das ist ihr Hauptmotivator, weil ihnen die Aufrechterhaltung vertrauter positiver Beziehungen am Herzen liegt. Das macht sie auch konfliktvermeidend.

Dies ist ein Auszug aus einem Seminar von Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug.

Foto: jordanbpeterson.com

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Leserpost

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Hermine Mut / 18.03.2020

Ich wurde NICHT befördert bzw. entsprechend meiner Qualifikation und Potentiale gehaltlich eingruppiert, weil diese nicht in das Konzept meines Anstellungsträgers passten.  Es hätte wohl Konkurrenzängste der Berufsgruppen verursacht, die ihre Privilegien logischerweise verteidigen wollten. Meine an der Uni etc. erworbenen Kompetenzen waren durchaus willkommen , die formale Anerkennung (die sich im Gehalt niedergeschlagen hätte) war “leider nicht möglich”.  Konsequenz : 32 Jahre tätig im “mittleren” statt “höheren” Dienst. Die Tatsache, dass die Familie existenziell auf mein Gehalt angewiesen war, hat meine Verhandlungsposition nicht besser gemacht. @J.Probst : ich finde die Peterson-Beiträge nicht belanglos und überflüssig, aber gltl. ergänzungsbedürftig mit der sozialen/gesellschaftl. Perspektive.

Jörg Klöckner / 18.03.2020

Es ist bei angelsächsischen Intellektuellen durchaus noch üblich, die Themen in dialoghaft-lockerer Form darzustellen, sodass man das Gefühl hat, das Ganze sei ja einfach. Das ist allerdings eine Leistung, eine Kunst. Peterson ist kein Leichtgewicht. Wie er in der Öffentlichkeit gegen den Genderwahn antritt und in allen Talkrunden zu bestehen weiß, ist grandios! Wer meint, Peterson rede belangloses Zeug, der sollte sich mal selbst fragen, ob er auch nur in einer einzigen solchen Situation zu bestehen wüsste. Im Gegenteil sind es doch gerade die Schwurbeleien und die nebulösen Scharaden der Wort- und Satzungetüme, mit denen die Vertreter der Gender- oder Multikulti-Ideologie sich selbst und die Menschen in die Irre führen. Wie Peterson mit einem marxistischen Scharlatan wie Zizek umzugehen weiß, findet man hier (YouTube, “Marxism: Zizek/Peterson: Official Video”). Wunderbar auch, wie er einen Klimajünger, der sich bei seinem Statement geradezu in Selbstverzückung verliert, vor die Wand laufen lässt (YouTube, “Professor Jordan Peterson on climate change and climate policy at the Cambridge Union”). Bei allen philosophischen Themen weiß er Interessantes beizutragen, und man spürt immer, dass er bereit ist, das zu leben, was er sagt (ein willkürliches Beispiel: YouTube, “Jordan Peterson vs Susan Blackmore • Do we need God to make sense of life?”). Er ist in diesem Sinne pragmatisch und ehrlich, und er fragt sich, wozu die Gedanken und Vorstellungen, die in der Welt herumgeistern, gut sein sollen. Das halte ich für ein durchaus wirksames Verfahren, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Peterson formuliert einfach, aber er ist kein Schwätzer - er ist ein Phänomen. In ihm arbeitet ein blitzgescheiter Geist, der im besten Sinne aufklärerisch ist. Ich persönlich lese immer wieder gerne seine Seminarmitschriften hier auf der Achse!

Sabine Lotus / 18.03.2020

Herr Probst, dieser Beitrag z.B. erklärt das Phänomen “Gender pay gap” mit einem kurzen Wisch. Schlecht verhandelt gleich wischiwaschi auf dem Lohnzettel. Den Rest erledigen Berufswahl und (das habe ich noch ganz herausgefunden, wann DAS reinzählt und wann nicht:) die liebe Teilzeit. Ich mag den Peterson. Der bringt es immer so schön auf den Punkt. Schlicht mit einer Bücherei im Kopf, meine Lieblingskombi.

Andreas Roller / 18.03.2020

Peterson ist gut. Ich empfehle seine Videos von längeren zusammenhängenden Vorträgen zu schauen. Am besten erst einmal ältere Vorlesungen oder Vorträge. Wenn es geht Originale unter Vermeidung derjenigen, die sich der eine oder andere “schöner Leben Guru” zueigen gemacht und mit seinen Kommentaren “angereichert” hat. Dann merkt man, was wirklich dahinter steckt und erkennt, daß hier einer aus jahrzehntelanger klinischer Erfahrung spricht. Leider und hier habe ich Verständnis für einige der Kommentare hier, sind die hier auf der Achse gebotenen Auszüge aus Petersons Reden, nicht mehr als Bruchstücke, die außerhalb Ihres Kontext viel an Kraft verlieren und, vermutlich aus Zeitgründen, oft auch nicht sehr geschickt übersetzt sind. Das wird Prof. Peterson meiner Meinung nach nicht gerecht. Zum Thema Gehaltserhöhung: Das mag statistisch mit Sicherheit stimmen, daß der der fragt eher was bekommt. Aber schließlich sind die allermeisten Menschen eben doch keine unersetzlichen Überflieger. Deshalb verpuffen die ganzen Ratschläge der Gehaltscoaches und alle Argumente wie gut man doch ist, in dem Moment wirkungslos, in dem es Ihren Chef einfach nicht interessiert. Auch wenn Sie ihm vorrechnen könnten (können Sie das wirklich immer?), daß jemanden neuen “von der Straße” einzustellen, der es angeblich “genauso gut kann” wie Sie ihn teurer kommt, als Ihnen etwas mehr Geld zu geben, nützt Ihnen das gar nichts, wenn er Ihnen nicht glaubt oder aber - und das kommt oft genug vor - es ihm schlicht egal ist.

Steffen Huebner / 18.03.2020

Habe alles ausprobiert, hat nichts genützt - Alsooo… Ratschlag. KEINESFALLS einen Mint- Beruf oder “was mit die Pfoten” machen. Wer sehr gutes Einkommen in Deutschland auf entspannende Art erzielen will - ja, auch das gehört zum Lebenswerten - setzt auf Banker, Finanzunternehmer oder richtige Partei. Nur mal sich den Werdegang von Herrn Ackermann, Maschmeyer, Frau Roth, KGE, Joschka, Kipping, dem Robert… u.v.a.m., zu Gemüte führen! Alles gesagt - bitte weiter!

Lutz Serwuschok / 18.03.2020

@#1, Probst. @achgut. Bitte lassen Sie Raum für Allgemeines. Es gibt mehr als den gegenwärtigen Tag und es gibt Menschen, die den vermeintlichen Gemeinplatz noch nie gehört haben. Danke.

Karl Eduard / 18.03.2020

Also so als Supermarkregaleinräumerin werde ich das beim nächsten Gespräch mit der Chefin beherzigen. “Chefin”, werde ich sagen, “niemand räumt so selbstlos und effektiv Regale ein (wie ich), da können Sie landauf, landab gucken, eine Bessere finden Sie nimmermehr.” Außer vielleicht in Bremen. In Anlehnung an ein bekanntes Märchen. Und was wird sie dann antworten: “Dann geh doch zu Netto!” Aber mal im Ernst, in diesen schweren Zeiten sind solche uralten Bauernweisheiten, vorgetragen im Singsang keltischer Druiden,  so kostbar wie nie zuvor. Wo es ums nackte Überleben geht, da sind einige Euro mehr für Toilettenpapier nicht zu verachten. Danke Herr Peterson. Sie haben mir den Mut zurückgegeben.

G. Kramler / 18.03.2020

Die Lösung für die Verträglichen liegt nun darin, dass sie sich zusammen schliessen und gemeinsam, im Kollektiv, mehr Lohn fordern. Es ist die linke Seite der Gesellschaft so. Wobei, die Verträglichkeit scheint sich, mit der Höhe der Position, in hohle Sprüche aufzulösen.

Werner Arning / 18.03.2020

Schon während seiner Kindheit entwickelt jeder Mensch unbewusst Strategien, mithilfe derer er meint, am besten durch das Leben zu kommen. Wenn ein Kind in der „Erkenntnis“ aufwächst, dass es am günstigsten für es ist, wenn es sich brav, lieb und unterwürfig verhält, dann behält der spätere Erwachsene diese Strategie häufig für sein ganzes Leben bei. Denn diese Strategie war schließlich schon einmal erfolgreich. Und es fällt ihm schwer, diese einmal angeeignete Rolle zu durchbrechen. Damit würde er seine „Sicherheit“ verlieren. Er müsste sich neu erfinden. Deshalb fällt er immer wieder aufs Neue zurück in die einmal erwählte Strategie. Alles andere würde ihm fremd erscheinen. Er würde sich selber als fremd erleben. Wurde bei einem Kind seitens der Eltern etwa ein freches, draufgängerisches Verhalten gefördert und geschätzt, wird derjenige dieses Verhalten sicherlich auch später als erfolgversprechende Verhaltensweise ansehen. Es ist kein Wunder, wenn Frauen (früher) gemäß ihrem Selbstbild zu nachgiebigem Verhalten neigten. Es kann jedoch auch sein, dass die Eltern, sich ein rebellisches Kind wünschten und so wird dieses Kind jenem „Erfolgsrezept“ später wahrscheinlich weiterhin folgen (heutzutage häufig anzutreffen). Auch an der Berufswahl lässt sich erkennen, welche „Überlebensstrategien“ in der Kindheit vermutlich vorherrschten. Wichtig ist, welche Erwartungen bei den Eltern vorherrschten. Wer eher konfliktscheu ist, wird sich in einem Beruf, der Entscheidungsstärke verlangt, nicht wohlfühlen.

Jürgen Probst / 18.03.2020

Ich glaube, Achgut kann sich und den Lesern Peterson ersparen. Dieser Beitrag war doch schon wieder belanglos, voller Allgemeinplätze, einfach überflüssig. Was soll das?

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