112-Peterson: Wie erfahren wir Belohnung?

Wir glauben, dass wir belohnt werden, wenn wir etwas erreichen, aber das ist nicht ganz richtig, zumindest nicht beim Menschen. Meistens fühlen wir Belohnung und damit den positiven Wunsch, im Leben voranzukommen, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass wir uns auf ein lohnendes Ziel zubewegen. Also, dass wir Fortschritte machen. Wir erfahren einen neurochemischen Kick, ungefähr das gleiche, was Kokain und Amphetamine auslösen. Auf diese Weise kann man zum Beispiel bei Ratten Kokainsucht auslösen, wenn sie allein in ihrem Käfig sind. Sie werden das Kokain von selbst zu sich nehmen, im Grunde genommen, bis sie sterben. Aber wenn sie mit anderen Ratten zusammen sind, sind sie nicht so sehr an Kokain interessiert. Das heißt also, dass eine Ratte, die mit ihren Rattenfreunden zusammen ist, daraus genügend Belohnung zieht, sodass Drogen für sie nicht so attraktiv sind.

Einer der Gründe, warum Menschen Drogen wie Kokain nehmen, ist, dass sie nicht genügend Dinge tun, die tiefgründig sind. Aber Bedeutung bekommen Dinge erst, wenn man auszieht und Ziele verfolgt, denn unser Nervensystem ist verkabelt, um uns einen Klaps auf den Rücken zu geben, wenn wir uns unseren Zielen nähern. Also brauchen wir ein Ziel und das Ziel sollte hochgesteckt sein, denn sonst gibt es keinen Grund, es zu verfolgen. Aber wir sollten es auf einzelne Schritte runterbrechen, die wir mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit erreichen können. 

Kindern sollte man natürlich ihre Zeit geben, sich zu entwickeln. Man sollte ihnen keine unmöglichen Aufgaben zuteilen, sondern etwas, das nur ein wenig schwerer ist, als das, was sie schon können, sodass sie erstmal beschäftigt sind. Vielleicht sind sie zunächst verunsichert, aber am Ende schaffen sie es und haben ihre Kompetenzen erweitert. Was sie tun müssen, ist kein Spiel, sondern eine wirklich große Sache. Kinder lieben sowas. Denn man lernt am besten, wenn man sich selbst zwingt, etwas weiter zu gehen, als man schon gekommen ist.

Dies ist ein Auszug aus dem „H3 Podcast #37“. Hier geht es zum Ausschnitt.

Foto: jordanbpeterson.com

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Leserpost

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Anna Frieda / 15.05.2019

Ist das Ihr Ernst, Herr Arning? Die Welt des Spiels verlassen und in der Welt des Erwachsenseins ankommen? Sie sprechen damit jeglicher Forschung das Spielerische und Experimentelle ab! Natürlich spielen auch Erwachsene, und das ist gut so. Viele Kinder spielen heute viel zu wenig Spiele, die sie geistig und körperlich fordern. Und Spielen mit anderen Kindern stärkt das Selbstvertrauen und hilft, Niederlagen zu verkraften, die in jedem Leben vorkommen werden. Auch Sport ist Spiel, wenn es nicht gerade Leistungssport ist. Ich spiele übrigens täglich auf Neuronation.de Gedächtnis-, Logik- und Konzentrationsspiele. Habe gerade den vierten Kurs abgeschlossen.  Die Spiele wurden u.a. von der Charité entwickelt. Seien Sie also nicht so streng in Ihren Ansichten über das Spielen. ;-)

Thomas Taterka / 15.05.2019

In mir kommt der Verdacht auf , daß das ” Ziel “ des protestantischen Tiefsinns nichts anderes ist , als die wohlgenährte Senilität. Na ja - Ist ja auch was.

beat schaller / 15.05.2019

Ein echter “Peterson”, der eine ganz tiefe Wahrheit in sich trägt. Sehr gut beschrieben! Danke Herr Peterson. Das ist ein echter Aufsteller zum heutigen Schrott zur EU-Wahl. Wohltuend. b.schaller

Sabine Schönfelder / 15.05.2019

Bei Peterson fällt mir immer ein Spruch von Marie von Ebner-Eschenbach ein: “Sag etwas, was sich von selbst versteht zum ersten Mal, und du bist unsterblich.”

Werner Arning / 15.05.2019

Früher passierte so etwas wohl auf ganz natürliche Weise, weil Kinder mithelfen mussten. So wurden sie Schritt für Schritt in die Welt der Erwachsenen eingeführt. Sie übernahmen altersgerechte Aufgaben. Sie lernten Verantwortung für Andere zu übernehmen und erweiterten Zug um Zug ihre Kompetenzen. Heute glaubt man, Kinder nicht überfordern zu dürfen, ihnen nicht zu viel zumuten zu dürfen. Man glaubt, sie möglichst lange spielen lassen zu müssen. Ihnen jegliche Verantwortung abnehmen zu müssen. Man erhebt keine Ansprüche an die Kinder. Im Gegenteil, viele Eltern lassen sich als Diener ihrer Kinder missbrauchen. Diese Eltern möchten ihre Kinder beschützen, vor dem Leben beschützen. Und erreichen auf diese Weise, dass den Kindern wichtige Erfahrungen vorenthalten bleiben. Kinder erleben dann nicht, wie förderlich und gesund es für ihr Selbstbewusstsein ist, die eigenen Kompetenzen zu erweitern. Ernst genommen zu werden. Erwartungen zu erfüllen. Verantwortung zu übernehmen. Die Welt des Spiels langsam aber sicher einzutauschen gegen die Welt des Erwachsenseins. Diese Erfahrung ist es, die berauschend sein kann und die wahrscheinlich der Natur und der Natur des Menschen entspricht. Doch glaubt man heute, es käme auf die Rechte an. Auf Menschenrechte, Rechte von Minderheiten, Rechte der Kinder. Kinderarbeit gilt als mittelalterlich. Es kommt auf das richtige Maß an.

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