Virtualisierung erleichtert Psychopathie und nimmt die ganze Gesellschaft in Mitleidenschaft.
Man muss sich fragen, was die Psychopathen in der normalen Bevölkerung unter Kontrolle hält. Die Antwort scheint sich vor allem auf den männlichen Teil zu beziehen, nämlich dass narzisstisch aggressive Männer von nicht-narzisstisch aggressiven Männern in die Schranken gewiesen werden.
Wenn ich in einer Gruppe von Männern unterwegs bin, kann ich einen Witz über jemanden machen, selbst einen der ihn herabwürdigt, solange der Witz lustig ist. Der Andere müsste die Möglichkeit haben, den Witz zu erwidern, und denken, dass ich ihn in gutem Geist mache.
Man muss darüber nachdenken, was Psychopathen unter Kontrolle hält. Wenn ich einfach die Gelegenheit nutze, um zu beleidigen, werde ich mir keine Freunde machen. Das wissen alle Männer, wenn sie sich gegenseitig aufziehen. Jeder weiß das, aber in den sozialen Medien gibt es diese Zurückhaltung nicht, weil jeder alles Mögliche über Andere posten kann, egal wie verunglimpfend und verächtlich es ist – vor allem, wenn es anonym geschieht. Es gibt keine Konsequenzen, ganz im Gegenteil, wenn man gut im Beleidigen ist, bekommt man eine Menge Aufmerksamkeit und die Social-Media-Firmen machen es zu Geld. So wird es nicht nur nicht im Rahmen gehalten, sondern sogar gefördert.
Das ist kein geringes Problem, denn wenn die Psychopathen immer mehr werden, nehmen sie die ganze Gesellschaft in Mitleidenschaft. Ich denke, dass die Virtualisierung Psychopathie erleichtert. Das ist schlimmer als „nur“ das Trollen, das schon schlimm genug ist, weil es den politischen Dialog hässlich macht.
Dieser Text stammt aus einem Video von Jordan B. Peterson (ab Min 9:34)
Jordan B. Peterson (* 12. Juni 1962) ist ein kanadischer klinischer Psychologe, Sachbuchautor und emeritierter Professor. In seinen Vorlesungen und Vorträgen vertritt er konservative Positionen und kritisiert insbesondere den Einfluss der Political correctness und die Genderpolitik. Sein 2018 erschienes Buch „12 Rules for Life“ war internationaler Bestseller.
Beitragsbild: Gage Skidmore CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons
Gewagte These. Evidenz? Alle Grausamkeiten pathologisch psychopathischer Ausprägung früherer Jahrhunderte wurden ganz real und nicht virtuell begangen. Ebenso sind Charaktere real und nicht virtuell. Sie können sich allenfalls virtuell kund tun, aber nicht virtuell entstehen.
Bin ich eigentlich die Einzige hier, welche die Auslassungen von Prof. Peterson als banal und „wenig hilfreich“ empfindet?
Zur Frage „Was hält Psychopathen unter Kontrolle?“ lautet meine Antwort „…die geschlossene Tür der Anstalt“ !
Das Wort Psychopathen suggeriert, es handele sich um kranke Menschen. Das sind sie meist aber gar nicht. Das sind nicht selten absolute Spezialisten. Mit den richtigen Fähigkeiten kann man als kleine und gut organisierte Gruppe oder sogar als Einzelperson ganze Nationen zu Fall bringen. Und diese Personen mit derartigen Fähigkeiten werden von bestimmten Institutionen oder sogar von Privatpersonen mit dem nötigen Geld gerne für ganz besondere Aufträge gebucht. Das ist keine Übertreibung, kein Hirngespinst und kein Hollywoodkäse. Wie effektiv das mit der Manipulation funktioniert wenn man derartige Fähigkeiten hat, habe ich im stillen Kämmerlein vorgeführt. Hoffentlich haben alle was daraus gelernt. Wie geht man also mit dem Problem um? Indem man diese Leute selbst einsammelt und gezielt in einen funktionierenden Rechtsrahmen und ein ethisch funktionierendes Gesellschaftskonstrukt einbaut. Das größte Problem was diese Welt derzeit hat, ist ihre totale Beliebigkeit und der Fokus rein auf Geld. Dass man bestimmte Dinge aus moralischen Gründen einfach nicht tun darf, dieser Gedanke ist den meisten Menschen abhanden gekommen. Es geht nur noch um die eigene Bereicherung. Und in genau so einem beliebigen Biotop werden diese Spezialisten zur Gefahr für den Weltfrieden, wenn sie von der falschen Seite für den falschen Zweck angeheuert werden. Das müssen wir abfangen. Durch andere Spezialisten alter Schule, denen ihr moralischer Kompass noch nicht abhanden gekommen ist.
„ Wenn der Mensch in den Abgrund blickt , dann sieht er da eine gähnende Leere . In diesem Moment
entdeckt der Mensch seinen eigentlichen Charakter . Und der ist dann auch seine Rettung vor dem
Abgrund . “