112-Peterson: Warum wir die Wahrheit sagen sollen

Eines der Dinge, die ich meinen Zuhörern immer wieder mit auf den Weg gebe – und auch eine der Regeln in meinem Buch „12 Rules for life“ – ist: Du sollst die Wahrheit sagen. Oder wenigstens nicht lügen. Denn wer von uns kennt schon die Wahrheit, was zum Teufel wissen wir eigentlich?

Aber wir sollten auf keinen Fall lügen! Denn wir alle merken, wenn wir gerade dabei sind, etwas in den Mund zu nehmen, das nicht wahr ist. Natürlich sind wir manchmal verwirrt, weil wir unwissend und voreingenommen sind und sagen daher Dinge, die nicht wahr sind, weil wir es nicht besser wissen. Aber manchmal sagen oder tun wir etwas, von dem wir genau wissen, dass es nicht wahr ist und tun es trotzdem.

Der Vorschlag der Genesis lautet sinngemäß: „Wenn Du wahrhaftig handelst, ist die auf diese Weise hergestellte Ordnung gut, egal wie sie erscheint.“ Das ist eine axiomatische ethische Aussage, dass ein Vorgang, der Ordnung aus dem Chaos extrahiert, richtig erfüllt wird, wenn er wahrhaftig ist. Und darüber lohnt es sich auf jeden Fall nachzudenken, denn es könnte stimmen. Dann wäre die nächste Frage: „Glaube ich, dass es wahr ist?“ Eine gute Frage.

Das macht doch kein Mensch!

Das ist nach meiner Ansicht noch nicht einmal eine religiöse, sondern eine praktische Frage. Und mein Gefühl sagt mir, dass Menschen tief im Inneren dazu neigen, es einfach zu glauben. Das merkt man nicht unbedingt an dem, was sie sagen, sondern an dem, was sie tun. Man bringt doch beispielsweise seinen Kindern nicht bei, dass immer und ständig zu lügen der beste Weg sei, um durch’s Leben zu kommen.

Man setzt sich doch nicht mit ihnen hin und sagt: „Also, die ganze Welt ist ein korruptes Unternehmen. Man kann keinem vertrauen, weil alle die ganze Zeit lügen. Und Eure Aufgabe ist es, die besten Lügner überhaupt zu werden. Auf diese Weise erreicht man, was man erreichen will und bringt die Welt in’s Gleichgewicht.“ Das macht doch kein Mensch!

Wenn niemand sich also so verhält, was gleichbedeutend damit wäre, dass man an die Lüge glaubt, dann müssen die Leute vom genauen Gegenteil ausgehen. Und ich glaube, dass die meisten Menschen nicht zufrieden sind, wenn sie ihre Kinder beim Lügen erwischen. Als nächstes muss man fragen, warum? Die Antwort lautet wohl, dass die Menschen glauben, dass die Wahrheit die beste Vorgehensweise ist. Er ist nicht ersichtlich, warum sie es glauben. Es ist aber ersichtlich, dass sie es glauben.

 

Dies ist ein Auszug aus einem Vortrag von Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug und hier zum gesamten Vortrag.

Foto: jordanbpeterson.com

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Leserpost

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Jo Waschl / 25.12.2019

....in diesem Multikultiweltverbesserungbezirk ( einst BRD ), wird mittlerweile immer mehr die Salamitaktik angewendet, um die Wahrheit erträglicher zu machen. Aktuelles Beispiel: Krankenkassen machen Minus, trotz Rekordeinnahmen und werden spätestens in 2 Jahren wieder angehoben. Das liegt laut Medien vor allem an dem Umbau mit dem ganzen Pi Pa Po um die zeitnahen Terminvergaben / die teuren Servicecenter etc…........... jooooooo…...................... .........also nicht an den seit 2015 über 2 Millionen / täglich ~ 500 neuen Mitbürgern, welche Vollversorgung genießen, ohne jemals etwas in genannte Kasse eingezahlt haben; dass auch in Zukunft gar nicht vorhaben und aufgrund der vielen frei verfügbaren Zeit auch weiterhin fleißig für genügend Nachschub in den Krankenhäusern , Arztpraxen & Apotheken sorgen ? Egal - der buckelnde Mittelstand hat´s ja und wir wollen ja bald Platz 1 bei den höchsten Steuerabgaben der Welt einnehmen, während SAP-Hasso Plattner wegen einer Peanutsreichensteuer mit Landesflucht droht…. Frohe Weihnachten an alle ACHSE - Schreiber; ob Autoren oder Leserbriefschreiber, die hier immer wieder fleißig drauf aufmerkam machen, welches Bullshitbingo hier seit einigen Jahren gespielt wird. Bitte weiter so im Kampf gegen die vollständige Verblödung ! :-)

Peter Holschke / 25.12.2019

@Karsten Dörre “Zeugenaussagen oder Beteiligte von Verbrechen oder Verkehrsunfällen erzählen jeder eigene Wahrheiten des gesehenen Ereignisses. Sie lügen nicht.” Aber sie irren sich vielleicht in den Tatsachen. Und sie berichten auch über die Wahrheit ihrer Wahrnehmung. Es gibt nur einen Tatsachenwahrheit - nur eine - aber durchaus unterschiedliche Wahrnehmungen oder Vernunftwahrheiten. Man sollte die Realität und die Reflexktion auseinanderhalten. Und das ist der Punkt, Tatsachenwahrheit sind nicht änderbar. Niemals. Und schon gar nicht rückwirkend. Ob man sie erkennt oder sie sich erschließt, ist eine andere Frage. Und das ist hochpolitisch, wenn Menschen vorgeben, genau das tun zu können. Und das nennt man Lüge.

Peter Holschke / 25.12.2019

Die Lüge verzerrt die Wahrnehmung der Realität, an der wir uns orientieren müssen. Anderseits enthält jeder Lüge auch eine Wahrheit, nämlich die Tatsache ihrer Realität. Das Kinderbeispiel greift nicht gut. Man stößt sich daran, das Kinder lügen, aber das ist eine Frage der Einschränkung der Kontrolle. Tatsächlich trainieren Eltern ihre Kinder unbewußt darauf, schöner zu lügen bzw. die Wahrheit zweckmäßig zurückzuhalten. Was man feststellen kann ist Folgendes. Man soll sich um Wahrhaftigkeit bemühen, Man soll niemanden anlügen, welcher Tatsachen ergründen will, wenn er das Recht dazu hat.

Karsten Dörre / 25.12.2019

Zeugenaussagen oder Beteiligte von Verbrechen oder Verkehrsunfällen erzählen jeder eigene Wahrheiten des gesehenen Ereignisses. Sie lügen nicht. Und trotzdem muss Polizei die Wahrheit zwischen den Aussagen finden. Das heisst, die Polizei muss eine eigene Wahrheit erstellen. Wahrheit gehört wie Gerechtigkeit zu den gefühlten Erfahrungen, sind universal und immer änderbar.

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