Sie wollen etwas haben, an dem Sie sich abarbeiten können, etwas, das das Beste aus Ihnen herausholt. Also brauchen Sie Probleme. Oder würden Sie sich lieber all ihrer Probleme entledigen, würden Sie sich aufs Bett legen wollen, um sich mit irgendwelchen Soaps im Fernsehen abzufüllen? Tatsächlich möchten Sie lieber Probleme haben, aber solche, die Sie lösen können. Denn da ist diese Sache mit dem Überwinden von Schwierigkeiten, an denen wir wachsen.
Sie merken das zum Beispiel, wenn Sie Kinder haben. Die psychologische Fachliteratur ist sich einig, dass Leute, die keine Kinder haben, glücklicher sind. Daraus ziehen mache Psychologen den voreiligen Schluss, dass es nicht gut ist, Kinder zu haben. Unser Ziel, glücklich zu sein und Kinder zu haben, bedeutet offenbar ein Risiko für das Glücklichsein.
Aber Moment mal, ist das nicht der falsche Maßstab? Natürlich sind Sie weniger glücklich, sobald Sie Kinder haben, denn Sie müssen sich Sorgen um sie machen. Meine Nachbarin sagte einmal zu mir, wir können nur so glücklich sein, wie das unglücklichste unserer Kinder. Das ist eine sehr kluge Erkenntnis. Aber dass Kinder uns in dieser Hinsicht nicht glücklich machen, bedeutet nicht, dass man keine haben sollte.
Seien Sie nicht so dumm, wenn es ums Glücklichsein geht. Im Streben nach Glück liegt etwas Erhebendes. Wenn Sie zum ersten Mal Eltern geworden sind und ihr frisch geborenes Baby in den Armen halten, spüren Sie natürlich eine große Verantwortung. Sie denken, verdammt, was mache ich jetzt? Von da an sind Sie erledigt, für den Rest Ihres Lebens. Sie werden nie wieder ruhig schlafen, denn Sie werden sich um dieses Wesen Sorgen machen, für das Sie verantwortlich sind. Aber zu was taugen Sie eigentlich, wenn sie so etwas nicht hinbekommen? Erst wenn Sie diese oder eine ähnliche Verantwortung auf sich nehmen, sind Sie wirklich herausgefordert.
Nirgends steht, dass Glück Sinn des Lebens ist
Wenn das Glück Ihnen hold ist, sollten sie natürlich begeistert sein. Aber die Vorstellung, dass man nur diesen Zustand anstreben müsse, das ist eine extrem schwache Auffassung von dem, was unser Leben ausmacht. Denn sobald etwas Schreckliches passiert, sind Sie erledigt. Sie denken dann, dass Ihr Leben eigentlich glücklich sein sollte. Aber was ist, wenn Sie plötzlich Krebs haben? Was dann? Wie läuft das jetzt für Sie mit dem Glücklichsein? Oder es geht gar nicht um Sie selbst, vielleicht hat Ihr Vater Alzheimer. Es gibt selten jemanden, der nicht einen Handschlag von sich entfernt mit einer Katastrophe konfrontiert ist. Das, was unser Leben ausmacht, ist eben nicht das Glücklichsein an sich, wenigstens diese Erkenntnis können wir aus solchen Geschichten ableiten.
Gott gewährt den Menschen, mit denen er in den biblischen Geschichten einen Bund eingeht, sehr gerne Glück und Wohlergehen, aber nirgends steht, dass dies der Sinn ihres Lebens ist. Stattdessen gilt folgender Grundsatz: Setze dir hohe Ziele und reiß dich verdammt nochmal zusammen! Verpflichte dich diesem höchsten Plan. Genau das ist es, was uns Katastrophen bewältigen hilft. Und meiner Meinung nach ist das eine sehr viel erwachsenere Perspektive auf das Leben, denn Sie brauchen nicht sehr aufmerksam zu sein, um zu sehen, dass das Leben im Wesentlichen aus Tragik und Leid besteht. Das ist unvermeidbar. Das heißt nicht, dass das Leben deshalb unerträglich ist oder unser Dasein keine Berechtigung hat.
Es heißt vielmehr, dass Sie mit dem Leben, wie es nun mal ist, fertig werden müssen, dass Sie vorbereitet sein müssen, und die Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft, für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen. Und wenn Sie das richtig machen, dann haben Sie möglicherweise ab und zu Phasen, in denen Sie glücklich sind. Wenn Sie abends dasitzen, vielleicht für eine halbe Stunde, und Ihr Gewissen Sie nicht plagt, es nichts gibt, was Sie gerade tun müssten, Sie sich entspannen können und denken, alles ist gut, Gott sei Dank. Dann ist das der Moment, in dem Sie Ihr Glück finden können. Sich das bewusst machen heißt, erwachsen zu werden.
Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Vortrag „Biblical Series X: Abraham: Father of Nations“. Hier geht’s zum Original-Vortrag auf dem YouTube-Kanal von Jordan B. Peterson.
I like Mr. Peterson. Warum? Eigentlich erzählt er nichts Neues. Eigentlich wissen wir , was er uns erzählt auch selbst, oder wir könnten es , nach eigenen Überlegungen selbst herausfinden. Eigentlich gibt er uns, genau wie tausend andere Besserwisser, Ratschläge für ein optimiertes Leben durch Beobachtung, Reflexionen und Empathie. Da er ein kluger Mann ist, bewegen sich allerdings seine Vorschläge und Schlußfolgerungen in einem realistischen Bereich, und vermitteln nicht den Eindruck der ultimativen Problemlösung und unbegründeten Hoffnung, was den Rezipienten ohnehin über kürzer oder länger in den alten Frustrationsmodus fallen lassen würde. Kinder verursachen auch Ärger und Sorgen, brauchen je kleiner desto mehr zuverlässige Betreuung, und sind ein teures Hobby. Wer sich dessen vor der Zeugung bewußt ist, und nicht nur das evolutionär angelegte Kindchenschema bedienen möchte, weil das Kind der Nachbarin so goldig ist, verfügt automatisch über höhere Frustrationstoleranzen, als der emotionale Mensch. Peterson desillusioniert, weist auf die Realitäten hin und ganz entscheidend, erklärt seinem Leser, daß die Bewertung einer Sache ganz allein im Auge des Betrachters liegt oder zurecht gelegt werden kann. Wie gesagt, ich mag Peterson.
Wer einen Zustand des Glücklichseins anstrebt, wird wahrscheinlich schwerlich glücklich werden. Glück lässt sich nicht anstreben. Zumindest entzieht es sich möglicherweise dem, der diesen Versuch unternimmt. Die Wahrscheinlichkeit ein zufriedener Mensch zu werden, lässt sich dadurch erhöhen, indem Unbewusstes ins Bewusstsein geholt wird. Auf diese Weise bin ich nicht mehr Spielball der Umstände. Ich erlebe mein Leben bewusst und kann steuernd eingreifen. Mir bleibt die Möglichkeit, eine Beziehung zu Gott herzustellen, bzw. mir der Existenz dieser Beziehung bewusst zu werden. Kinder zu haben, macht per se weder glücklich noch unglücklich. Auch hierbei hängt vieles von der Reife der Beziehung zueinander ab. In reifen Beziehungen vermeidet man beispielsweise Abhängigkeiten, man versucht der geliebten Person ein Erwachsenwerden zu erleichtern. Das geht jedoch nur, wenn ich selber einen gewissen Grad von Erwachsensein und Reife erlangt habe. Dann macht es mich beispielsweise glücklich, wenn ich sehe, dass etwa mein Kind erwachsen und eigenverantwortlich im Leben steht. Reife bedeutet, sich zu erkennen. Seine Schwächen, Stärken und Grenzen einschätzen zu können. Sich keine Illusionen über sich zu machen. Reife bedeutet, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können. Das Hineinwachsen in all diese Erkenntnisse und Fähigkeiten kann glücklich machen. Dann werde ich zum Zuschauer meines persönlichen Reifens. Alle Menschen um mich herum profitieren davon. Die Rückmeldungen werden positiv sein. Glück hat also mit Erwachsenwerden zu tun, mit Reife. Grundvoraussetzung ist Ehrlichkeit. Vor allem sich selbst gegenüber. Ehrlichkeit erfordert mitunter Mut. Wir brauchen uns unserer Schwächen nicht zu schämen. Wir sind nur Menschen. Aber es ist dem Menschen eben auch gegeben, ein gewissen Erkenntnisgrad zu erreichen. Diese Chance sollten wir nutzen. Vielleicht ist das unsere Aufgabe und nicht das Streben nach Glück. Dieses kommt möglicherweise als Zugabe obendrauf.