112-Peterson: Warum ich die Psychoanalyse liebe

Eine Sache, die mir an der Psychoanalyse besonders gefällt, ist folgende: Wenn jemand behauptet, für etwas Gutes zu stehen, sollte man erstmal skeptisch sein. Denn das, was die Person sagt, ist das eine. Aber was läuft da wirklich? Ist dieser Mensch wirklich Jesus und sämtliche Heilige in einer Person, wie er behauptet? Oder hat er für seine Taten dunkle Motive und tut nur so, als würde er Gutes tun wollen?

George Orwell, einer der kreativsten Essayisten des 20. Jahrhunderts, war ein Linker. Er hat einige Texte geschrieben, in denen er sozialistische Bewegungen kritisierte und gehörte zu den ersten Kritikern der Sowjetunion zu einer Zeit, als es unter Intellektuellen gerade „in“ war, die Sowjets zu unterstützen.

Er warf den Sozialisten unter anderem vor, dass sie die Armen nicht wirklich mögen würden. Er meinte damit die Sozialisten aus der Mittelschicht, nicht diejenigen, die aus der Arbeiterschicht kamen, sich in Gewerkschaften organisierten und eine Berechtigung für ihre Kämpfe gegen jene an der Spitze der Machthierarchie hatten. Orwell knöpfte sich die Menschen vor, die bereits an der Machtspitze standen, aber so taten, als wären sie die Anwälte der Arbeiterschicht.

Er stellte die Behauptung auf, dass diese Leute die Armen nicht mögen, die Reichen aber hassen würden. Sein Buch trug den Titel „Der Weg nach Wigan Pier“, ein hervorragendes Werk über die brutalen Lebensverhältnisse der Bergarbeiter in Nordengland. Sein Verleger – das Buch erschien im „Left Book Club“ – war sehr abgeneigt, einen zum Buch gehörenden Essay zu veröffentlichen. Denn es handelte sich dabei um eine sehr vernichtende Kritik des Sozialismus der Mittelschicht.

Zurück zum Thema: Psychoanalytiker hören jedenfalls nicht auf, nach dem Monster in jedem von uns zu suchen. Denn in jedem von uns wohnt ein Ungeheuer. Wenn man es versteckt und so tut, als stünde man nur für das Gute, heißt das im Grunde bloß, dass man unwissend und naiv angesichts der eigenen Möglichkeiten ist. Auch in Ihnen steckt irgendwo ein Monster. Denn wenn man kein Monster ist, ist es nicht so einfach, am Leben zu bleiben.

Schließlich müssen wir alle mit der Brutalität des Lebens umgehen: Die Natur ist brutal, die Kultur ist brutal und andere Menschen können ebenfalls brutal sein. Wenn man darauf nicht vorbereitet ist und keinen Widerstand leisten kann, wird man einfach überrollt. Entwickeln Sie also lieber Ihr inneres Monster. Denn auch wenn es schrecklich ist – Sie brauchen es.

Dies ist ein Auszug aus einer Vorlesung von Jordan B. Peterson. Hier geht's zur gesamten Vorlesung.

Foto: jordanbpeterson.com

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Gabriele H. Schulze / 22.07.2020

Das stimmt. Monster sind überlebenswichtig. Mein gegenwärtiges heist Desinteresse. Seit Jahrzehnten zugeballert mit fremden Schicksalen, für die Mitgefühl, Empathie, Verständnis aufzubringen ist - kurz, seit Jahrzehnten im anerzogenen Modus des Menschelns, bin ich jetzt kaltschnäuziger. Das Böse der Guten hatte ich ja unterschwellig sehr wohl mitbekommen. Jetzt such ich’s mir aus. Was nicht heißt, jemandem, der vor meinen Augen in akuter Bedrängnis ist, nicht zu helfen.

Thomas Taterka / 22.07.2020

Es ist sicher nicht unfair darauf hinzuweisen, daß der schlecht verborgene Ehrgeiz heutiger Sozialisten darin besteht, sich mit allen Mitteln als Kolonialherren im eigenen Land einzusetzen gegen die Bevölkerungsschichten, denen sie entstammen. Wie das Ende dieser Erfolgsgeschichte des Parvenus in der Praxis aussehen könnte, lässt sich aus dem schwer vernachlässigten Frühwerk Orwells herauslesen, ganz ohne Mühe. Das alles geht nur, weil die lausige Anhängerschaft ihrer Widersacher ihren Gegnern auf der linken Seite verblüffend ähnelt in ihrer Borniertheit.

Rolf Lindner / 22.07.2020

Füttere hiermit mein Monster. Dieses besteht jedoch nicht darin, geil auf den Besitz oder die Macht eines Mitmenschen zu sein. Dass die Macht- und Besitzgeilen gute Absichten nur vortäuschen, dazu braucht es keinen Freud und sonstige Psychodingsda. Das ist eine uralte Weisheit im Range einer Banalität. Ich reibe mich vor allem an Menschen, die sich aus purem Egoismus in ihrem gutmenschlichen Heiligenschein sonnen und dadurch nicht nur ihre Zukunft und vor allem die ihrer direkten Nachkommen, sondern mein eher relativ bescheidenes, aber beschauliches Dasein zerstören. Ich gehöre zu den Menschen, die furchtbar enttäuscht wurden, nachdem sie im “bösen” Kapitalismus angekommen waren, aber damit umgehen können, dass in diesem nicht dauernd Friede, Freude, Pizza herrschen, sich seit einiger Zeit zusätzlich und wieder den alten Kräften gegenüber sehen, die das Banner des Sozialismus schwingen, um die ihnen und dem Sozialismus/Kommunismus innwohnende Machtgeilheit zu befriedigen. Mein Monster ist, dass ich beim besten Willen nicht Freund von Menschen sein kann, die auf meine Kosten ihre Gutmenschengeilheit befriedigen, indem sie diesen verlogenen Bannerschwingern hinterhertaumeln.

Martin Landvoigt / 22.07.2020

Ich denke nicht, dass die Geschichte vom Monster passt. Denn die Wehrhaftigkeit und das Vertreten von Eigenintressen als monströs zu titulieren ist, als wolle man den Hypermoralisten das Wort reden. Gerade wer Moral aber für wichtig hält sollte diese weder den Heuchlern, noch den Feinden überlassen. Moral ernsthaft zu suchen heißt, überzogene Forderungen nicht zum Standard werden zu lassen. Das tötet die Moral. Wer dagegen das ‘Monster’ für notwendig hält, enthemmt sich auf der anderen Seite. Tatsächlich kann man durchaus das Böse in sich selbst erkennen und für monströs halten. Dieses brauchen wir dann aber keineswegs. Eine Polarisierung schadet hier mehr, als das es nutzt.

Dieter Kief / 22.07.2020

Die Psychoanalyse - ein Schwindelunternehmen reinsten Wassers (Dieter E. Zimmer)! Pseudowissenschaft. Alles, was der Wirr-Hirner Sigmund Freud auskochte, ist seit Jahrzehnten widerlegt, nichts davon hat der wissenschaftlichen Überprüfung standgehalten (Hans J. Eysenck). Die grundbegrifflichen Strategien der Psychoanalyse sind bereits falsch, sodass man sagen kann, es habe keinen Sinn, nach dem Sinn der Psychoanalyse zu fahnden (der Philosoph Adolf Grünbaum).  Die Psychoanalyse als “Geisteskrankheit” - cf. “Koal Graus” ( = Karl Kraus). Freud als wissenschaftlicher Scharlatan und - Ehebrecher (Der Spiegel in ca. 40 Titelgeschichten), den die Hirnforschung schon längst widerlegt hat (Gerhard Roth und Gerald Hüther)  .... Haha, aber alle haben überssehen, dass Freud ein bedeutender Goethekenner war und ein großer Mythomane und Mythenkenner ( = Monsterdeuter) - - - und der beste Briefpartner der sowieso brillanten Psychoanalytikerin und Schriftstellerin Lou-Andreas Salomé - direkt hinter Rainer Maria Rilke und Friedrich Nietzsche. Sigmund Freud ist emt wer. Auch Carl G. Jung, sowieso, trotz seiener Hitler-Verehrung, würisäggä (würde ich meinen). Kurzum: Jordan B. Peterson hat mal wieder ganz recht! - Die Psychoanalyse ist wirklich etwas Wertvolles & Wichtiges!

Werner Arning / 22.07.2020

Was den „Sozialisten aus der Mittelschicht“ meist antreibt, ist sein Neid. Sein unbändiger Neid auf die Reichen, auf alle, „die es geschafft haben“. Eine angebliche Interessenvertretung zugunsten der Unterschicht, dient ihm als Rechtfertigung seines Handelns. Sein wirkliches Ziel lautet, den Platz der verhassten Reichen einzunehmen. Ihre Privilegien zu genießen, vor allem jedoch ihre Machtposition übertragen zu bekommen. Der „Mittelschicht-Sozialist“ sehnt sich nach Macht. Einmal an der Macht drangsaliert er diejenigen, die tatsächlich helfen wollen, denen es tatsächlich um die Interessen einiger Benachteiligter geht. Der „Mittelschicht-Sozialist“ hasst auch diesen Personenkreis. Er befürchtet, von diesem entlarvt zu werden. Deshalb entmachtet (oder tötet) er sie. Hat er die angestrebte Machtposition erreicht, versucht er diese, mit allen Mitteln abzusichern. Vor Gewalt schreckt er dabei nicht zurück. Im Gegenteil, sein von Neid zerfressener Charakter ist der Gewaltanwendung nicht abgeneigt. Sein Durst nach Rache ist kaum zu stillen. Litt er (oder seine Eltern) doch vormals unter dieser „Demütigung“, nicht zu den Reichen zu gehören. Daher sein Hass auf diese. Seine Kindheit war geradezu geprägt von einem unerbittlichen Neid und von Missgunst. Sein „Ehrgeiz“, es den Reichen später einmal heimzuzahlen, formierte sich in dieser Zeit. Eines Tages würde er ihren Platz einnehmen. So oder so. Der Sozialismus hilft ihm dabei, verschafft seinem Hass eine passende Ideologie. Denn für eine Ausbildung/ Studium reicht es häufig nicht. Dieser Weg hin zu Reichtum erscheint ihm zu lang und zu beschwerlich. Auch dafür macht er die Reichen verantwortlich. Deshalb wählt er die Abkürzung „über die Politik“. In Partei oder Gewerkschaft bekämpft er fortan das Objekt seines Hasses.

Rupert Reiger / 22.07.2020

Ob man nun in den zehn Geboten liest „Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen“, oder ob man die Geistesgifte des Buddhismus liest, als da wären „Dummheit/Verblendung, Hass und Gier“, wobei die Gier als Steigerung den Neid, als Gier nach etwas was einem anderen gehört beinhaltet, stets wird der Neid als eine wesentliche Ursache für das Schlechte in der Welt gesehen. Und was die Dummheit/Verblendung betrifft: Je dümmer einer ist, desto mehr reißt er das Maul auf und dessen einfache Aussagen haben den Vorteil, dass eine empfängliche Mehrheit sie gut aufnimmt. Ob wir nun über das, was in der Welt geschieht, von Aktivisten, Journalisten und Politikern lesen oder sie im Fernsehen diskutieren hören, es werden immer gutmenschliche Argumente wie der Klimawandel instrumentalisiert. Man ist froh diese Argumente zu haben, denn die immer präsenten „Dummheit/Verblendung, Hass und Gier/Neid“ sind nie ein Thema. Diese Generallüge definiert den Gutmenschen! Jedoch so ergibt sich nie eine Lösung, da alles am tatsächlichen Grund des Neides vorbei läuft!! Im Gegenteil, vielmehr noch liefert der moralische Vorschub, nicht mal für sich selbst sondern als Religion vorgeschobenen Fühlens für andere und die Welt zu handeln, dann die moralische Grundlage zu radikalem Handeln. Das ist dann das durchtrieben-vermeintlich Gute, welches den bösen Grund verdeckt. Ist nun aber, mit dem Hass und der Dummheit, der Neid ein Hauptgrund für das Schlechte in der Welt, kann aber als Grund nicht auf den Tisch kommen sondern nur Ersatzargumente, dann kann keine Diskussion auf den Grund kommen, muss also ins Leere stoßen! Warum nicht dazu stehen? Nietzsche meint in seiner Umwertung der Werte: Neid schadet nicht, wenn es zu Ehrgeiz führt, schadet aber schon, wenn es zum Diebstahl des Sozialismus führt. Denn dann werden durch die Politik zur Erlangung der Macht diejenigen instrumentalisiert, die aus Neid gut dafür taugen. Denn es geht auch den Gutmenschen nur um eines: Es geht immer ums Geld.

A.Engel / 22.07.2020

Many thanks for the excerpt and the link to your lecture!!

Rainer Niersberger / 22.07.2020

Wohl wahr, aber leider “erkennen” die postmodernen, westlichen Menschen seit geraumer Zeit die Monster nicht mehr. Sie sind nahezu klassisch diejenigen, die auf Monster im “Mutti Tarnkleid” hereinfallen,wofuer es diverse Gruende gibt. Voellig un - oder postmodern ist es zum Beispiel, Menschen an ihrem Tun zu messen, was Monstern enorme Optionen zur totalitaeren Herrschaft bietet. Der postmoderne Mensch, die Dame Noch deutlich mehr als der Herr, ist weder willens, noch in der Lage, sich nicht von Worten und Narrativen blenden zu lassen, wenn sie nur ein “gutes Gefuehl” vermitteln. Das bietet RattenfängerInnen, die hier triggern, im Privaten, aber heute leider auch im politischen Raum, enorme Chancen. Sie nutzen sie, amoralisch, skrupellos und ohne schlechtes Gewissen. Ein Ende ist nicht in Sicht.

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