Ich glaube, wenn man heute ein Studium beginnt, macht man es sich in gewisser Hinsicht leicht. Denn es ist möglich, an die Uni zu gehen, um nichts sein zu müssen, anstatt dorthin zu gehen, um etwas zu sein. Ein bisschen wie auf der Vergnügungsinsel im Disney-Film „Pinocchio“.
Doch das bezahlt man, vor allem in den USA, mit Schulden. Man wird da hineingezogen, weil die Uni-Verwaltungen einem das Geld aus der Tasche ziehen. Sie rauben das zukünftige Selbst ihrer Studenten aus (da diese Studienkredite aufnehmen, Anm.d.Red.), indem sie ihnen erlauben, so zu tun als besäßen sie eine Identität. Ziemlich gemein.
Es ist nicht möglich, in den USA aufgrund eines Studienkredites Insolvenz anzumelden. Man könnte hier von einer Art Vertragsknechtschaft oder Indentur sprechen. Die Vergnügungsinsel bei „Pinocchio“ lässt grüßen.
Dies ist auch ein Grund dafür, warum Universitäten nicht mehr von ihren Studenten verlangen. Warum sollten sie sie mit Forderungen verjagen? Die Uni verdient doch 100.000 Dollar pro Nase oder sogar mehr (im Verlauf eines kompletten Studiums, Anm.d.Red.). Da können sie sich erlauben, was sie wollen.
Ewiger Reigen aus Teilzeit-Jobs bei Starbucks
Der andere springende Punkt ist der, dass der technische Wandel und die „Umschlagshäufgkeit“ der Dinge sich so schnell vollziehen. Das macht es für die jungen Leute nicht einfach. Als ich Jugendlicher war, lag die schwierige Phase des Erwachsenwerdens zwischen 14 und 17. Heute befindet sie sich wohl zwischen 18 und 25.
Der Grund dafür liegt auch darin begründet, dass die ganzen Jobs, über die die Hippies sich in den 1960ern beklagten, verschwunden sind. Ihre größte Sorge lautete: „Oh, mein Gott, ich muss für ein Unternehmen arbeiten und den Rest meines Lebens ein Gehalt beziehen. Soll das etwa alles sein?“
Nun, das hört sich zumindest besser an als ein ewiger Reigen aus Teilzeit-Jobs bei Starbucks. Es besteht in unserer Gesellschaft also eine Lücke an der Stelle, wo junge Leute an der Schwelle vom Jugend- zum Erwachsenenalter stehen. Was uns das kosten wird, ist absehbar.
Das Problem mit den Uniabschlüssen ist, dass heutzutage jeder einen hat. Denn natürlich spielt das Ausmaß der Knappheit immer eine Rolle. Dann kommt noch hinzu, dass bei immer weniger Uniabschlüssen augenscheinlich ist, für welchen Beruf man dadurch qualifiziert ist. Im Grunde sollte man an der Universität lernen, zu denken und Argumente zu formulieren. Denken – Sprechen – Schreiben. Wenigstens in den Geisteswissenschaften sollte es vor allem darum gehen. Sie sollten die Absolventen gefährlich machen. Denn wenn man denken, sprechen und schreiben kann, ist man nahezu tödlich.
Was soll man mit Hochschulabsolventen anfangen?
Wenn man dann einen komplexen Job übernimmt, hat man alles, was es dazu braucht. Wenn man einen solchen Job jedoch nicht findet, fragt man sich, wozu der Abschluss gut sein soll. Denn als solches bereitet einen ein Abschluss in „Englischer Literatur“ nicht auf einen Job vor. Es könnte einen jedoch lehren, zu denken, zu sprechen und zu schreiben, was einen dann wiederum zu einem komplexen Job befähigen würde.
Letztere Entwicklung sollte während eines Studiums passieren, ich glaube jedoch, dass dies verstärkt nicht mehr geschieht. Und ziemlich abrupt scheinen das auch die Arbeitgeber zu merken. Denen war im Grunde schon immer klar, dass sie für die meisten komplexen Aufgaben ihre Leute selber ausbilden müssen. Nun fragen sie sich langsam, was sie eigentlich mit Hochschulabsolventen anfangen sollen, wenn sie sie doch sowieso selbst schulen müssen und ein Studium am Ende keinen Mehrwert bringt. Solche Tendenzen kann man selbst in Bereichen wie Jura beobachten.
2017 war ich zu einer Podiumsdiskussion an der Queen's University eingeladen. Sie konnten niemanden finden, der in der Lage war, mit mir zu debattieren. Mein Diskussionspartner musste sich hinter der Rolle des Advokats des Teufels verschanzen. Es ging um das kanadische Bill C-16-Gesetz (Ein Gesetz, das u.a. die Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität unter Strafe stellt. Peterson wurde durch den Protest gegen dieses Gesetz berühmt, da er die Gefahr sah, bestraft werden zu können, wenn man beispielsweise Transgender-Menschen nicht mit dem von ihnen gewünschten Pronomen anredet, Anm.d.Red.). Es wurde ziemlich pathetisch.
Nur Wohltätigkeit im Kopf
Ich dachte bei mir: „Es geht hier um Fragen des Rechtes. Ich befinde mich an einer namhaften Universität. Und sie finden keinen, der fähig ist, mit einem bekloppten Psychologie-Professor über Jura zu diskutieren?“ Sie mussten sich hierfür einen Advokat des Teufels suchen. Es war wirklich entmutigend, als ich hinterher mit ein paar der Studenten sprach. Die lernen nichts in Jura. Bis auf Nonsens über „soziale Gerechtigkeit“. Unterm Strich ist das alles aber schon abgegessen, denn Juristen werden in Zukunft durch Automatisierungs-Prozesse ersetzt werden.
Das heißt also, das meiste, was Jura-Studenten heutzutage tun, ist Informationen aufzunehmen. Naja, das kann man im Grunde auch alleine. Die Möglichkeiten des Selbst-Studiums wachsen kontinuierlich. Das bedeutet unterm Strich, dass das besondere eines Jura-Studiums sein sollte, dazu zu befähigen, ein „Monster“ im Gerichtssaal zu werden. Das sollte man als Jurist zumindest sein. Doch man verlässt die Uni und hat nur Wohltätigkeit im Kopf.
Sie sind dann also ein fertiger Jurist und möchten nett zu den Menschen sein. Das ist wirklich toll! Dann suche ich mir jemanden, der etwas kann und Sie können weiterhin nett zu den Menschen sein. Mal sehen, wie effektiv Sie damit sein werden.
Dies ist ein Auzug aus einer Vorlesung von Jordan B. Peterson. Hier geht es zum Auszug und hier zur gesamten Vorlesung.
Ich kann natürlich verstehen, dass man für die Übersetzungen der Vorträge von Jordan Peterson nicht gleich einen professionellen Übersetzer anstellt, aber ein wenig Sorgfalt würde ich mir doch wünschen, zumal Jordan Peterson sehr viel Wert auf Präzision legt. Hier ist ihnen u.a. ein falscher Freund untergekommen: "pathetic", bedeutet mitnichten das deutsche "pathetisch" (dramatisch, ausdrucksvoll, feierlich...), sondern so ziemlich das Gegenteil: erbärmlich, armselig, mitleiderregend. Übrigens eine Vokabel, die bei ihm ziemlich häufig kommt, also vormerken.