Es ist wahnsinnig schwer, ein guter Verkäufer zu sein. Gute Verkäufer sind unglaublich selten – und unglaublich wertvoll. Ein Problem, das von den kreativ und womöglich auch den unternehmerisch veranlagten Menschen der Gesellschaft ausgeht (siehe die Big Five der Persönlichkeitstypen), ist, dass sie dem betriebswirtschaftlichen Bereich oft Verachtung entgegenbringen. Und das ist ein großer Fehler.
Menschen, die künstlerisch ausgerichtet sind (und damit gehören sie nach dem Big-Five-Modell zu den Unternehmertypen), sage ich oft: Es ist für Sie aus eigener Kraft nahezu unmöglich, Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung zu monetarisieren. Es sei denn, Sie haben Glück und Ihnen fällt eine Verkaufsstrategie in den Schoß. Aber wenn Sie mit Ihrer Konstitution noch Verachtung für den Vertrieb- und Marketingprozess entwickeln, können Sie gleich einpacken. Ändern Sie Ihre Einstellung, wenn Sie durch's Leben kommen wollen.
Nur, wer auch den kaufmännischen Teil ernst nimmt, kann als Künstler bestehen. Die Kunsthochschulen versagen an dieser Stelle total und vermitteln ihren Absolventen nicht, wie sie von ihrer Kunst leben können. Künstler sind in einer sehr prekären Situation. Als Bildender Künstler beispielsweise konkurriert man nicht nur mit den vielen anderen gegenwärtigen Bildenden Künstlern, sondern auch noch mit allen verstorbenen, die bereits renommiert und berühmt sind und deren Nachlass noch immer auf Kunstmärkten gehandelt wird.
Das letzte, was man in dieser Situation gebrauchen kann, ist Abscheu gegenüber einer Vertriebs- und Marketingstrategie. Ich würde auch sagen, dass es für alle Künstler wichtig ist, noch einen anderen Job zu haben, wenn sie nicht vor Verzweiflung die Wände hochgehen wollen. Ich habe viele begnadete Künstler kennengelernt und nur sehr wenige davon konnten von Beginn ihrer Karriere an als nicht-kommerzieller Bildender Künstler existieren.
Als Verkäufer braucht man Nerven aus Stahl
Natürlich ist mir auch bewusst, dass Kommerz aus der Sicht eines gehobenen ästhetischen Anspruchs durchaus geschmacklos wirken kann. Ein großer ethischer Fehler ist es jedoch, sein mangelndes Verständnis von Vertrieb und Marketing mit moralischer Reinheit zu verwechseln.
Um im Vetrieb- und Marketingbereich arbeiten zu können, braucht es wiederum ganz bestimmte Persönlichkeitsmerkmale. Man muss extrovertiert, durchsetzungsstark und nach Möglichkeit emotional stabil sein. Die Wahrscheinlichkeit zu scheitern liegt beim Verkauf bei ungefähr 50:1. Als Verkäufer braucht man daher Nerven aus Stahl. Wie lautet die Standardantwort auf „Wollen Sie etwas von mir kaufen?“ – „Nein, hauen Sie ab!“
Am schlimmsten ist wohl die Antwort: „Ich weiß nicht, vielleicht.“ Das passiert häufig, wenn man versucht, mit großen Firmen ins Geschäft zu kommen. Da heißt es dann vonseiten der Unternehmen oft, dass sie eventuell in den nächsten 6 bis 12 Monaten interessiert wären – eine Zeitspanne, die sich hundertprozentig nach hinten verschieben wird. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass es für mich lohnender ist, direkt an den Konsumenten zu verkaufen. Man verspricht sich natürlich viel vom Handel mit großen Unternehmen und glaubt, dass man dafür lediglich ein paar Verträge unterzeichnen muss und dann sofort loslegen kann. Bis aber alles ausgehandelt ist, ist man verhungert.
Mit so etwas im Hinterkopf fällt einem dann schließlich auf, wie hinfällig die marxistische Kapitalismuskritik ist. Bei Marx heißt es ja immer, dass sich das Kapital in den Händen einer stetig geringer werdenden Zahl von Individuen sammeln wird. Das stimmt auch. Doch die Individuen ändern sich im Laufe der Zeit, das hat Marx nicht bedacht.
Nun denkt man, die großen Unternehmen würden das ganze Kapital absorbieren. In Wahrheit schaffen sie das nicht. Denn am Ende sind sie so groß und schwerfällig, dass sie sich nur noch langsam bewegen können und aussterben. Das fällt jedem auf, der versucht, einem großen Unternehmen etwas zu verkaufen. Regeln über Regeln, und am Ende braucht es spezielle Anpassungen, die man mit 20 Leuten abstimmen muss. Sehr schwierig.
Dies ist ein Auszug aus einem Interview mit Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug und hier zum gesamten Interview.
"Es ist wahnsinnig schwer, ein guter Verkäufer zu sein. Gute Verkäufer sind unglaublich selten" Gibt es in der heutigen Zeit überhaupt noch gute Verkäufer ? Ich vermute, eher sehr wenig. Bei den meisten habe ich das Gefühl, die würden auch ihre "Großmutter" anpreisen. Hauptsache der Umsatz stimmt. Abgesehn davon, daß viele Stundenkräfte wahrscheinlich kaum richtig ausgebildete Verkäufer sind. "Künstler sind in einer sehr prekären Situation." In meiner Zeit im Unrechtsstaat war ich absolut in keiner prekären Situation, ich mußte mich um den Absatz meiner Malerein nicht kümmern. Erst als ich 1975 hier im Westen arbeiten wollte, wurde mir von einem freundlichem AA Mitarbeiter gesagt, "Sie sind Künstlerin? Da werden Sie ewig arbeitslos sein, München ist gepflastert mit arbeitslosen Künstlern." Also habe ich mich noch mal hingesetzt und was "seriöses" studiert. Zumal ich in Dresden die letzten Jahre in der Fotothek gearbeitet habe, was mich sehr erfüllt hat. Ist es nicht so, wer im Vertriebs-und Marketingbereich erfolgreich sein will, muß besonder harte "ELLBOGEN" besitzen? Offensichtlich erwartet von der Führungsriege ! Wahrscheinlich bedarf es beim Verhandeln mit Chinesen und Japanern besonders viel Fingerspitzengefühl. Sie wollen ihr Gesicht nicht verlieren. Aber das sind wahrscheinlich auch "Verkäufer", die den Namen verdienen. Fazit für mich, der "kleine" Kunde ist in den meisten Fällen schon lange kein "König"mehr. In den "höheren Etagen" wird eine gute Ausbildung und Engagement verlangt, schließlich geht es teilweise um sehr hohe Summen. Verkaufspsychologie kann sehr einfach sein, "unten" solala "oben" dafür um so mehr "Honig", schließlich hängt die Provision davon ab.
Man verkauft am besten mit dem Gleichmut eines Barkeepers, Fahrers oder Consiglieres. Die Menschen sind stolz darauf, selbst wählen zu dürfen , das darf man ihnen auf keinen Fall ausreden. - Geduld ist alles, wie bei wilden Tieren. Man will ja nicht gebissen werden. Recht haben zählt nur , wenn es das Gegenüber von selbst einsieht.
@Lucius De Geer------Petersen gehört zu den grossen Denkern unserer Zeit. Und er würde Ihnen sagen: "Keiner zwingt Sie mich zu lesen."
Vielen scheinen die einfachen Dinge zu trivial zu sein, als dass man sie für voll nimmt. Beispiele? Spazieren gehen(lange), Brot(natürlich gebacken), Ruhe, klare Ansagen, klare Meinungen, klare Sprache. Man könnte auch die Bibel zitieren, wenn ihr nicht werdet wie die Kinder... solche Menschen werden regelmässig verlacht und für naiv gehalten. Dem ist aber mitnichten so.
@Lucius De Geer: "Mit den Banalitäten, die Peterson regelmäßig von sich gibt, Geld zu verdienen, ist schon ganz große Kunst." Ja, da gebe ich Ihnen z.T. sogar Recht, wenngleich vieles was er sagt, durchaus tiefsinnig, durchdacht u. auf argumentativ festem Fundament (a. was die Basis seines Wissens betrifft) steht. Er formuliert dabei in klarer u. verständlicher Sprache, aber sehr präzise u. wählt mit bedacht jedes Wort aus, das a. nicht ohne weiteres austauschbar ist, ohne das Gemeinte zu verzerren. Leider sind die Übersetzungen oft nicht adäquat u. man sollte sich unbedingt bei ausreichenden Englischkenntnissen die Originale, u. dann auch in der Vollversion anschauen, um die Komplexität der behandelten Themen würdigen zu können. Für Menschen, die tiefe Gedanken nur in geschraubter u. vernebelter Sprache vermuten, mag Vieles, was J.P. sagt, banal erscheinen. J.P. gehört aber noch einer akademischen Schule an, die sich zum Ziel setzte, komplexe Sachverhalte möglichst klar zu formulieren u. argumentativ darzulegen, so dass selbst Menschen mit 4 Klassen Volksschule sie noch verstehen. Und das ist weitaus schwieriger, als akademische Geschraubtheit. J.P. ist aber v.a. Phänomen unserer Zeit, weil er Dinge u. Kenntnisse darlegt, die Fragen (mit einer großen Bandbreite von Themen wie Notwendigkeit freier Markwirtschaft bis zur empfehlenswerten Bibelserie u. Behandlung menschl. Mythen) behandeln, deren Antworten einmal Selbstverständlichkeiten waren, die aber durch die Krankheiten unserer Zeit (Narzismus, Hybris, Geschichtsvergessenheit, Relativismus, linke Ideologien etc.) verschüttet wurden u. deren Werte neu erklärt verteidigt werden müssen.
"Um im Vetrieb- und Marketingbereich arbeiten zu können, braucht es (...) bestimmte Persönlichkeitsmerkmale." Mit den Banalitäten, die Peterson regelmäßig von sich gibt, Geld zu verdienen, ist schon ganz große Kunst.