Zum Vergeben gehört auch immer Urteilen. Ich glaube nicht, dass diese beiden Dinge jemals voneinander getrennt werden können. Man könnte ja denken, dass Vergebung das Gegenteil von Urteilen sei. Im Grunde genommen ist es jedoch das Gleiche.
Ich wurde gefragt, wie sich das christliche Ethos der Vergebung mit dem Bedürfnis vereinbaren lässt, sich nicht alles gefallen zu lassen und Trittbrettfahrer zu bestrafen? Vergebung ist kompliziert. Sie ist kein Freifahrtschein, der einem Anderen gestattet: „Alles, was du tust, ist in Ordnung.“ So funktioniert Vergeben nicht.
Wenn jemand zum Beispiel von einem Elternteil misshandelt wurde und dieser stirbt, dann ist es womöglich psychologisch gesehen im besten Interesse der geschädigten Person, ihrem Vater oder ihrer Mutter zu vergeben. Obwohl der Prozess der Vergebung viel komplizierter ist als die bloße Weisung „vergebt einer dem anderen“. Wie denn?
Wenn man im Allgemeinen über das Vergeben innerhalb einer zwischenmenschlichen Beziehung spricht – dann gehört zum Vergeben auch immer Urteilen. Ich glaube nicht, dass diese beiden Dinge jemals voneinander getrennt werden können. Man könnte ja denken, dass Vergebung das Gegenteil von Urteilen sei. Dies ist jedoch überhaupt nicht der Fall. Im Grunde genommen ist es das Gleiche.
Wer war der Idiot und wieso, weshalb, warum?
Wenn meine Frau und ich nach einem Streit den Frieden wiederherstellen wollen, dann unterscheiden, differenzieren – und diskriminieren wir, weil wir herausfinden wollen, was eigentlich passiert ist. Wer war der Idiot und wieso, weshalb, warum? Damit dasselbe hoffentlich nicht noch einmal passiert. Diese Analyse erfordert eine sehr differenzierte Beurteilung. Wir müssen schließlich entscheiden, was wir wollen und was wir nicht mehr wollen.
In dem Maße, in dem wir fähig sind, uns ehrlich darauf einzulassen, können wir dann die Vergangenheit auch ruhen lassen und das Vertrauen wiederherstellen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie man das ernsthaft betreiben will, ohne diese Fähigkeit zum Unterscheiden und Beurteilen.
Und selbst wenn es darum geht, einer bereits verblichenen Person zu verzeihen: Auch das geschieht nicht dadurch, dass man einfach mit einem Tuch eine Leiche abdeckt. Man muss auch hier verstehen, was eigentlich passiert ist. Da muss ich nur an meine Arbeit mit traumatisierten Patienten denken – die können nicht einfach nur loslassen. Vor allem solche, die betrogen wurden, müssen häufig eine sehr ausgeklügelte Philosophie des Bösen entwickeln, bevor sie die traumatische Erfahrung hinter sich lassen können.
Aus ethischer Sicht extrem faul
Vergebung und mit allem davonkommen sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Und nur eine idiotische Gesellschaft würde diese beiden vermengen. Unsere Gesellschaft versucht sehr stark, in Richtung Barmherzigkeit, Mitgefühl und Vergebung zu kippen. Wir sind an einem Punkt, wo schon die Idee der Verurteilung als unethisch betrachtet wird. „Sei nicht so verurteilend!“ Doch!
Wie heißt es in der Bibel? „Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt.“ Schön und gut. Benutze dein Schwert auf eigene Gefahr, denn das, was du von Anderen erwartest, wird man auch von dir erwarten. Das heißt aber nicht, dass man ganz auf ein Urteil verzichten kann oder Derartiges moralisch machen würde. Das ist vollkommen unsinnig und aus ethischer Sicht extrem faul.
Man will doch die Spreu vom Weizen trennen. Und das meiste im Leben ist nun einmal Spreu. Die Dinge von allerhöchstem Wert sind hingegen selten. Und um sie zu erkennen und vom Geringeren unterscheiden zu können, ist wiederum sorgfältigstes Differenzieren gefragt. Dieses Beurteilen ist also ungemein wichtig. Ohne ein durchdringendes Urteil, das zwischen wertvoll und nicht wertvoll unterscheidet, ist wahre Vergebung nicht möglich. Wenn man in Harmonie leben will, müssen wir uns an den Frieden halten, der durch Beurteilung entsteht.
Dies ist ein Auszug aus einem Vortrag von Jordan B. Peterson.
Das, was man uns bei der angeblichen „Pandemie“ angetan hat, werde ich weder vergeben noch vergessen. Und man fängt gerade wieder an zu trommeln…
Das hat schon Schopenhauer ( und auch später Einstein ) erkannt, aber schön das nochmal hier zu lesen. Man ist frei zu tun was man will. Aber nicht frei zu wollen was man will. Ein ursachenfreies Wollen gibt es nicht. Es gibt deshalb auch kein Prinzip der Alternativen Möglichkeiten. Fehler müssen benannt und analysiert werden um sie in Zukunft zu vermeiden. Insofern ist der Moralismus des heutiges Zeitgeistes mit seiner Gut/Böse Dualität ( in ÖRR und Politik ) getragen von völliger Ahnungslosigkeit in die Bedingtheit des menschlichen Denken und Handelns und an selbstgerechter Blödheit kaum zu überbieten
Ich Frage mich welche Funktion die Vergebung hat. Geht es darum das ich mich selber beruhige und teile dem anderen mit das ich keine Rache will? Dann wäre sie ein Mittel zur Befriedung eines Konflikts. Der nächste Schritt ist: Liebet eure Feinde. Das übertragen wir nun auf das Verhältnis der Deutschen und der Franzosen seit 1870/71. Der erste Schritt ist die Aufforderung, vergelte Auge um Auge, Zahn um Zahn, was bedeutet das man auf dem gleichen Level der Gewalt bleiben soll. Eine Vergewaltigung rechtfertigt keinen Ehrenmord. Im Extrem: Eine Militär-Strategie, die beinhaltet das man Atomwaffen nicht zu erst einsetzt. Bis zu dem Punkt liebet, die euch hassen, brauchen manche US Amerikaner und Russen mindestens so lange wie Deutsche und Franzosen. Jetzt können wir uns überlegen in wie weit die Bundesregierung hilft in Osteuropa oder anders wo an der Gewaltspirale zu drehen oder ob sie eine wechselseitige Vergebung anstrebt.
Wie schwer es selbst katholischen Bayern fällt lebenden zu vergeben, sieht man an der Causa Aiwanger. Es gibt in dem Fall aber auch keinen Grund der SZ zu vergeben. Man kann sich aber über einen vernünftigen Artikel freuen, der vielleicht eines Tages kommen könnte.
„Ich haue dir in die Fresse und reiche dir sofort die Hand zur Versöhnung. Bist du etwa nachtragend und rachsüchtig?!“
„112-Peterson: Vergeben und vergessen?“. Für den Artikel brauche ich nicht zu vergeben, weil vergessen die bessere Wahl ist. „Wer war der Idiot und wieso, weshalb, warum?“. Für die Politik bedeutet es, die Wähler sind die Vollidioten, die diese Leute wählen. Und die gewählten Vollidioten werden sagen, um mit den Worten Picards zu sprechen: Bin ich meinem Amte in der Tat nicht gewachsen, so ist der Chef zu tadeln, der es mir anvertraut und mit meinem schwachen Talent so oft seine Zufriedenheit bezeugt.