112-Peterson: Verantwortung schafft einen tiefen Sinn

Die Beziehung zum eigenen Vater ist oft ambivalent, nicht wahr? Einerseits stärkt der Vater seinem Kind den Rücken. Tut er es nicht, steht der Vater nicht mit Körper, Geist und Seele hinter seinem Kind, wird es das Kind auf der Welt sehr schwer haben. Den Verlust der Mutter wird es nie verkraften. Aber das Zweitschlimmste, was ihm passieren kann, ist, dass es vom Vater zurückgewiesen wird. Es ist dann, als wäre es von der Zivilisation ausgeschlossen und sei nicht mehr viel wert.

Andererseits kann der Vater auch eine erdrückende, tyrannische Macht sein. Ein Vater sollte seinem Kind die höchsten Verhaltensnormen auferlegen – mit dem Ziel, das Beste aus ihm hervorzulocken. Er sollte alles, was sein Kind tut, beurteilen. Jedoch darf der Vater (oder die Mutter) nicht darin verfallen, zu streng zu urteilen; Maß und Mitte zu halten, ist sehr schwierig. Wenn der Vater pathologische Züge hat, kann er seiner Rolle nur ungenügend gerecht werden. Vielleicht vereinnahmt er seinen Sohn vollständig, vielleicht ist er neidisch auf seine Jugend oder die Aufmerksamkeit und Liebe der Mutter oder Geschwister. Es gibt vieles, was in einer Vater-Kind-Beziehung furchtbar schiefgehen kann.

Es gibt ein Bild, das zeigt den Vater als weisen König: ein Symbol, das schon lange verloren gegangen ist. Man hat uns beigebracht, dieses Vaterbild niederzureißen – sodass wir nicht einmal mehr merken, dass es überall gegenwärtig ist. Das gilt besonders für Universitäten mit ihren fast idealsten Lebenswelten, die Menschen je erschaffen haben. Wer nicht dankbar sein kann für unsere Universitäten mit all ihren Fehlern, der ist blind für diesen Archetypus.

Und es gibt ein Bild, das stellt das Gegenteil dar: ein König, der seinen Sohn verschlingt. Er ist die männliche Version einer überbehütenden Mutter. Sie will, dass ihrem Kind niemals etwas passiert, allumfassend möchte sie diejenige sein, die ihr Kind stark macht. Sie sagt: „Dir kann stets alles Erdenkliche passieren. Aber ich werde immer da sein, wenn du Hilfe brauchst.“

Die richtige Einstellung wäre jedoch: „Geh hinaus in die Welt!“ Mit den Worten eines Vaters: „Reiß dich zusammen, geh hinaus und mach etwas aus deinem Leben. Wenn es darauf ankommt, bin ich an deiner Seite. Ich will dich damit nicht zerstören oder klein machen. Sondern ich will das Beste aus dir hervorlocken.“ Genau das wollen die Leute nämlich hören: Verschwende dein Leben nicht. Reiß dich zusammen und mach was aus dir!

Tue etwas Schwieriges und Heldenhaftes

Kürzlich fragte mich einer der Chefs der Konservativen, über was er mit jungen Leuten reden könne. Ich sagte, er solle mit ihnen über das sprechen, was niemand sonst tut: über Verantwortung. Jeder klärt heute junge Leute über ihre Rechte auf. Dabei haben sie längst mehr Rechte, als irgendjemand jemals zuvor. Es ist doch langweilig, pathetisch und gleichzeitig erniedrigend für die jungen Leute zu hören, dass sie geschützt werden müssen und Aufklärung über ihre Rechte benötigen.

Das jedoch hat einen riesigen Bedarf für das Thema der Verantwortung geschaffen, ein Thema, das die Konservativen heute den jungen Leuten anzubieten haben.

Also, Jungs: Reißt euch zusammen und macht etwas aus eurem Leben! Das Leben bekommt einen Sinn, wenn man freiwillig Verantwortung übernimmt. Je mehr man übernimmt, desto mehr Bedeutung bekommt das Leben. Je höher die Verantwortung, desto reicher wird es. Zwar ist es hart und kompliziert, beispielsweise die Verantwortung für eine Familie mit vier Kindern zu tragen. Da gibt es viele Probleme, viele Komplikationen, viel Stress, und es kostet viel Kraft, sich fürsorglich um seine Lieben zu kümmern. Aber das Leben hat damit Gewicht. Diese Verantwortung ist eine Ehre und schafft einen tiefen Sinn.

Nur wird das heute niemandem mehr gesagt. Dabei sehnen sich die jungen Leute danach, sich einer Verantwortung zu stellen und Sinn zu erfahren, zu spüren, dass ihr Leben bedeutsamer ist als sie denken. Deshalb nochmals: Steh auf, Mann! Tue etwas Schwieriges und Heldenhaftes. Brich aus deinen alten Gleisen aus.

Denn diese gute Nachricht brauchen wir: Wir müssen mehr sein als wir sind. Wenn nicht, werden wir nicht überleben.

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Vortrag „Maps of Meaning 9: Patterns of Symbolic Representation“. Hier geht’s zum Original-Vortrag auf dem Youtube-Kanal von Jordan B. Peterson.

Foto: jordanbpeterson.com

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Leserpost (8)
Harald Igo / 22.02.2018

@armin Wacker Er sagt es den Feministen und Genderisten und zwar ziemlich deutlich. Dafür wird er von den Mainstreammedien gehasst und stigmatisiert. Tipp: Schauen Sie sich mal das Interview mit ihm und Cathy Newman von Chanel 4 News auf youtube an…

Mark Schild / 22.02.2018

Ein sehr beeindruckender Text und für mich persönlich die bisher wichtigsten Worte des Autors.

armin wacker / 22.02.2018

Danke Herr Peterson. Sagen sie das mal den Feministen und Genderisten. Da werden sie nur verhöhnt. Aber wenn man liest, dass immer mehr junge Leute Depressionen haben, dann schließt sich langsam der Kreis.

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