112-Peterson: Schaden Medikamente mehr als sie nutzen?

Im Folgenden geben wir ein Gespräch zwischen Jordan B. Peterson und dem Biologie-Professor Bret Weinstein wieder:

Bret Weinstein: Wir wissen im Grunde sehr wenig darüber, wie der Körper funktioniert. Ich bin immer wieder bestürzt darüber, dass unser Narrativ über die Medizin von einer völlig falschen Prämisse ausgeht. Nämlich der, dass wir einen Großteil über unseren Körper wissen und auf dieser Basis zahlreiche nützliche Eingriffe entwickelt haben. Manchmal ist uns immerhin einer der Effekte dieser Behandlungen bekannt. Wir verstehen jedoch kaum das Spektrum hinter bestimmten Kollateralschäden. Hier sind mehrere Körper-Systeme miteinander verknüpft. Doch praktisch niemand verfolgt die langfristigen Auswirkung irgendwelcher medizinischen Eingriffe.

Wir haben also einen fast schon obsessiven Fokus auf die Faktoren, die innerhalb sehr kurzer Zeit messbar sind. Und gleichzeitig eine fundierte Unkenntnis darüber, was dieselben Pharmazeutika oder andere medizinische Methoden auf lange Sicht mit uns anstellen.

Jordan B. Peterson: Ich vermute, dass wenn man zuverlässige Langzeitstudien hätte, herauskäme, dass Medikamente, unabhängig vom Gesundheitssystem, mehr Menschen töten als heilen. Ich vermute, wenn man Phänomene wie multiresistente Krankenhaus-Keime und so weiter miteinbezieht, herauskäme, dass der Nettobeitrag von Krankenhäusern negativ ist. Natürlich ist das nur eine Schätzung und ich kann mich genauso gut irren. Aber ich entwickle solche Gedanken als Konsequenz aus meinen Überlegungen darüber, was wir eigentlich alles nicht wissen. Bei gleichzeitiger Kritik dessen, was wir tun.

Bret Weinstein: Allein die Tatsache, dass es immerhin denkbar wäre, ist doch schon erstaunlich.

Jordan B. Peterson: Behandlungsfehler sind die dritthäufigste Todesursache. Und da sind ja beispielsweise die bereits angesprochenen multiresistenten Keime noch gar nicht mitgezählt.

Bret Weinstein: Oder man denke an die Gerüchte über den Laborursprung von Corona. Mal ganz abgesehen davon, dass die Frage nach der Herkunft des Virus noch nicht geklärt ist: Wenn es stimmt, dass dieser Erreger für die Gain-of-function-Forschung im Labor gezüchtet wurde und entwichen ist, dann muss man das in die Kostenrechnung für medizinische Fehler miteinbeziehen. Denn wenn diese Wuhan-Labor-Theorie stimmt, dann entwich das Virus innerhalb von Experimenten, die stattfanden, um einen Impfstoff gegen künftige Coronaviren zu entwickeln. Bewiesen ist nichts. Aber wenn es stimmt, dann wäre diese Geschichte die Mutter aller Selbstverstümmelungen. Und letztlich eine Folge des naiven Denkens über die Kosten-Nutzen-Rechnung von einer Steigerung der Infektiosität von Viren.

Dies ist ein Auszug aus einem Gespräch zwischen Jordan B. Peterson und Bret Weinstein. Hier geht's zum Auszug und hier zum gesamten Gespräch.

Foto: jordanbpeterson.com

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Klaus Müller / 02.06.2021

Bitte entschuldigen Sie meine deuliche Sprache: wie kann man nur auf eine so bescheuerte Idee kommen Medizin als Ganzes zu bewerten. Weil es Krankenhauskeime gibt sind nicht Krankenhäuser schlecht. Vielleicht sollten wir an der Hygiene arbeiten und vorsichtiger mit Antibiotika sein. Ja ohne Antibiotika gäbe es keine multiresistente Keime - aber ohne Antibiotika wäre das auch vollkommen Wurscht. Die Leute würden einfach an einer Infektion, die heute relativ harmlos ist einfach streben - nein nicht einfach sie würden elendig verrecken.

Stephan Bender / 02.06.2021

“Ich vermute, dass wenn man zuverlässige Langzeitstudien hätte, herauskäme, dass Medikamente, unabhängig vom Gesundheitssystem, mehr Menschen töten als heilen.”—- Das ist der Kernsatz seiner Aussage in einer Wohlstandsgesellschaft und über den darf man streiten.  Zum einen kann die Medizin den Tod des Menschen nicht verhindern und bleibt daher immer Hilfsmittel, zum Zweiten verhindert eine zu rigide Hygiene- und Gesundheitspolitik die natürliche Lebensqualität.

Werner Arning / 02.06.2021

Ich weiß nicht. Mit Medizin und Medikamenten lebt man länger und beschwerdenfreier. Die zu erörternde Frage wäre höchstens, ob es denn darum in erster Linie geht. Ob nicht andere Dinge möglicherweise wesentlicher sein könnten. Aber das wäre dann wiederum ein anderes Thema.

Rainer Nicolaisen / 02.06.2021

Geht’s noch simpler? - Ich schaue mal an die heutige Lebensart und vergleiche sie mit der von vor 70 Jahren, die in vielerlei Hinsicht vernünftiger/ gesünder gewesen ist, und sehe mir die Sterbealter an…

Gerhard Hotz / 02.06.2021

Unser “obsessive Fokus auf Faktoren, die messbar sind” (und sich demnach in Zahlen ausdrücken lassen) unter gleichzeitiger Vernachlässigung anderer Einflussfaktoren, die sich nicht oder nicht so gut in Zahlen pressen lassen, ist weit verbreitet und kann zu krassen Fehlurteilen führen. Gegen diesen “Availability Bias” anzukämpfen ist schwierig, aber unbedingt notwendig. Oft fehlt uns einfach die Zeit, nicht-bezifferbare Aspekte zu prüfen, also beschränken und stützen wir uns bei der Urteils- und Entscheidungsfindung auf das, was leicht verfügbar ist, d.h. auf irgendwelche Zahlen.

Dieter Kief / 02.06.2021

1) Jordan B. Peterson sagt hier was, was er auch anderswo gesagt hat, und was er nicht sagen sollte. Nämlich, dass Krankenhäuser schädlich seien. Ein simpler Denkfehler in seiner Ableitungskette führt ihn zu einem vollkommen irreführenden Schluss. Hm. Es geht ihm auch nicht besser als allen anderen: Er verheddert sich eben gern in den Fallstricken unserer Sprache - und unserer Denkmethoden. - 2) Man kann das an seinem eigenen Beispiel überpüfen: Er wäre ohne Krankenhäuser vermutlich sowenig am Leben wie seine Frau. - Es mögen auch in diesen Fällen Behandlungsfehler vorgefallen sein, ok. - Doch dass in der Institution X Fehler passieren, spricht nicht grundsätzlich gegen diese Institution. Denn wir haben nicht die Alternative, solche Institutionen fehlerfrei zu betreiben. - Eine solche Alternative wäre - unmenschlich, wie schon die Lateiner wussten, die sagten: Irren ist menschlich. 3) Brett Weinstein macht einen ähnlichen Fehler, wie mir scheint. Er will, dass man wissenschaftlichen Fortschritt erzielen solle, ohne existentielle Risiken einzugehen. Er will eine Welt in Watte. Die gibt es nicht - und das hat seinen guten Grund, wie mir scheint. Denn vermutlich wäre die - gefährlicher, als unsere - bestehende, zugegeben rauhe Welt. - 4) Zur besseren Einordnung empfehle ich den beiden Wissenschafts-Apokalyptikern oben Hans-Magnus Enzensbergers einsichtsreichen Essay “Einige Bemerkungen zum Weltuntergang” - aus dem Jahr des Herrn 1978 - - zu finden in dem Buch “Politische Brosamen”, das sowieso unverzichtbar ist. 5) Die Alternative für geduldige Leser von dicken Büchern: Steven Pinker - “Aufklärung Jetzt! - Für Vernunf, Wissenschaft, Aufklärung, Fortschritt” - eine einlässliche und belegreiche Verteidigungsschrift unserer komplexen modernen Welt - einschließlich der Krankenhäuser!

Bernhard Piosczyk / 02.06.2021

Ich gehe morgen wieder Brennesseln sammeln. Bald kommt Johanniskraut, Hollunder,....Es ist alles da was man braucht.

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