Ihr Gehirn kann Ihnen sagen, wann Sie optimal zwischen Chaos und Ordnung positioniert sind, indem es ein Gefühl von Engagement und Sinn erzeugt.
Ich würde sagen, dass der Mensch versucht, an der Grenze zwischen Ordnung und Chaos zu leben. Es ist ein realer Ort, eine Art Meta-Ort, aber trotzdem realer als andere Orte. Es ist ein so alter Ort, dass er wirklich existiert. Ihr Nervensystem weiß, dass es die Welt auf diese Weise sieht. Tatsächlich ist die rechte Hemisphäre Ihres Gehirns grob auf Chaos und die linke Hemisphäre grob auf Ordnung spezialisiert. Deshalb neigt die linke Hemisphäre zu den sprachlichen Elementen. Menschen, bei denen sie dominant ist, sind rechtshändig.
Die rechte Hemisphäre hat eine diffusere Struktur und wird eher mit negativen Emotionen und Imagination assoziiert. Die beiden Hirnhälften kommunizieren untereinander über den Corpus callosum, und die rechte Hemisphäre scheint die linke Hemisphäre in Träumen oft langsam zu beeinflussen.
Wenn die rechte Hemisphäre geschädigt ist, z.B. im Frontallappen (Lobus frontalis), dann verliert man das Gefühl seiner linken Körperhälfte, man kann sie nicht mehr bewegen und hat auch keine Vorstellung mehr, dass man einen linken Teil des Körpers besitzt. So als hätte man eine Art Blindheit nach links.
Wenn also jemand kommt und sagt, dass Sie Ihren linken Arm nicht bewegen, werden Sie vielleicht antworten: „Ja, meine Arthritis macht mir zu schaffen.“ Oder Sie bewegen Ihren linken Fuß nicht und behaupten: „Na ja, ich bin nur zu müde.“
Es ist schwer, sein Körperbild zu verändern
Was passiert ist, ist, dass die linke Hemisphäre eine Repräsentation des Körpers hat, die nicht aktualisiert wird, weil der Teil des Gehirns, der bemerken würde, dass die linke Hemisphäre wegen eines Schlaganfalls weg ist, nicht ausreicht. So hat die linke Hemisphäre bereits ein Modell, das sich nicht ändern wird.
Es ist schwer, sein Körperbild zu verändern. Wenn man sich einen Zahn ziehen lässt, wird die Zunge für die nächsten sechs Monate versuchen, den Zahn in dem Loch zu finden. Das ist so, weil man sein neurologisches Modell des Körpers neu aufbaut. Man kann das mit der ganzen linken Seite versuchen und sehen, wie gut man damit zurechtkommt.
Ein Forscher namens Ramachandran hat Experimente mit Menschen durchgeführt, die solche Probleme hatten. Eine der Dinge, die er tat, war, ihr Gleichgewicht zu überprüfen. Das kann man erreichen, indem man das Ohr mit kaltem Wasser spült.
Das führt dazu, dass die Augen der Personen hin und her zucken, weil es das vestibuläre System durcheinanderbringt. Was er herausfand, war, dass wenn er kaltes Wasser ins linke Ohr einer Person mit rechten Hirnschäden und linksseitiger Vernachlässigung goss, die Person plötzlich in einer dramatischen Weise aufwachte. Sie reagierten schockiert und erschrocken, weil sie plötzlich merkten, dass sie auf der linken Seite gelähmt waren. Sie erkannten es und begannen zu weinen, fühlten sich völlig hilflos und in großem Stress – was auch verständlich war. Aber nach etwa 20 Minuten kehrten sie wieder in ihren gewohnten Zustand zurück. Sie leugneten die Lähmung nicht, sondern waren schlichtweg nicht in der Lage, ihr mentales Modell der Realität zu aktualisieren.
Sie gingen zurück zu dem Zustand, in dem sie es nicht bemerken konnten, und erfanden Geschichten darüber.
Wie passt man sich an diese Welt an?
Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie die rechte und linke Gehirnhälfte zusammenarbeiten und wie sie auf seltsame Weise kartiert sind. Wir sind auf die Meta-Realität angepasst. Das bedeutet, wir sind an das angepasst, was über die längsten Zeiträume hinweg konstant bleibt.
Das sind nicht die Dinge, die täglich um Sie herum passieren – die sind wie Wolken, die sich auflösen. Es gibt darunter Dinge, die fundamentaler sind – fundamentalere Realitäten wie Hierarchien, Stämme, Gefahren außerhalb der Gesellschaft, die Bedrohung, die andere Menschen für Sie darstellen, und die Bedrohung, die Sie für sich selbst darstellen. Das sind ewige Realitäten, und wir sind daran angepasst. Das ist unsere Welt, und deshalb drücken wir das in Geschichten aus.
Wie passt man sich an diese Welt an? Die Antwort darauf ist meiner Meinung nach eine neurologische. Ich glaube, dass Ihr Gehirn Ihnen sagen kann, wann Sie optimal zwischen Chaos und Ordnung positioniert sind. Und es zeigt Ihnen das, indem es ein Gefühl von Engagement und Sinn erzeugt. Stellen Sie sich vor, es gibt einen Ort in der Umgebung, an dem Sie sein sollten. Wie sollte dieser Ort sein? Sie wollen dort keine Angst haben – was bringt das? Aber Sie wollen auch nicht so komfortabel sein, dass Sie vor Langeweile einschlafen könnten. Du willst an einem Ort sein, an dem du dich auf festem Boden fühlst, aber auch ein wenig neues Territorium erkundest.
Dieser Text stammt aus einem Video von Jordan B. Peterson.
Jordan B. Peterson (* 12. Juni 1962) ist ein kanadischer klinischer Psychologe, Sachbuchautor und emeritierter Professor. In seinen Vorlesungen und Vorträgen vertritt er konservative Positionen und kritisiert insbesondere den Einfluss der Political correctness und die Genderpolitik. Sein 2018 erschienes Buch „12 Rules for Life“ war internationaler Bestseller.
Die neurologischen Erklärungen für ungewöhnliche körperliche Phänomene sind das eine, aber ich kenne die Funktionen der Gehirnhälften trotzdem völlig anders. Die linke Hirnhälfte hat demnach ihre Hauptzuständigkeit für lineares Denken, Logik, Mathematik, Sprache. Die rechte Hirnhälfte für bildhaftes Denken, Kreativität und soziale Fähigkeiten. Deshalb gibt es für mich auch nur ordnende Anteile des Gehirns, immerhin ist der Mensch dringend darauf angewiesen, wie sollte er sich sonst in einer komplexen Umwelt zurechtfinden? Ich kann zum einen linear denken, diese Fähigkeit brauchen wir beispielsweise für die Mathematik. Die Fähigkeit, die Welt über Bilder und Emotionen aufzunehmen, ist aber mindestens genauso bedeutsam. Ich kann ein Bild mit vielen Einzelheiten auf einmal aufnehmen und kann mich nachher innerhalb dieses Bildes bewegen und die verschiedenen Aspekte und Zusammenhänge dieses Bildes beschreiben, so kann man auch gut komplexe Zusammenhänge lernen, man speichert sie als Bild ab. Eine Emotion ist ähnlich, wie eine Karte. Diese Emotion kann sehr viele Erinnerungen enthalten, sie kann differenzierte Bewertungen enthalten, die man in Bruchteilen von Sekunden trifft. Ich kann einer Emotion folgen und diese führt mich zu dem gespeicherten Inhalt oder zur nächsten Emotion, das ist wie eine komplexe dreidimensionale innere Karte. Und diese Struktur ist nicht chaotisch, sondern sie hat nur eine andere Ordnung. Und wenn man sich darin bewegen kann, kann man auch gut Zusammenhänge erkennen und auch neue kreative Lösungen finden, indem man das innere Bild verändert und die Details neu kombiniert. In meinen Augen ist nichts davon chaotisch, im Gegenteil. Ich sehe das Gehirn also als zwei ordnende Systeme völlig verschiedener Qualität, die sich gegenseitig unterstützen. Um dem Chaos der Welt Herr zu werden, das uns umgibt. Um dem Chaos Herr zu werden, das der innere Spiegel dieser äußeren Realität werden würde, hätten wir keine ordnenden Systeme.
Vielleicht sollte Ramachandran den Mitgliedern von Olafs Resterampe mal die Ohren mit kaltem Wasser spülen.
Sinn ist kein Gefühl. Sinn wird auch nicht gemacht. Wenn ich mir Schuhe anziehen, dann hat das den Sinn, daß meine Füße sonst kalt werden. Wenn ich einen Nagel in die Wand haue, hat das den Sinn, daran ein Bild aufzuhängen. Wenn ich mein Fahrrad repariere, hat das den Sinn, daß ich hernach wieder damit fahren kann. Ein Glas hat den Sinn, daß das Bier nicht über meine Hose gekippt wird. Ein Glas macht keinen Sinn. Es hat den Sinn, das Bier darin aufzufangen.
@Taterka: Bei „Missionarsstellung unter Trump“ entstehen in meinem Kopf wüste und unkeusche Bilder!
Na ja , seine Ergebenheitsadresse hat er bereits hinter sich , vielleicht bekommt er ja noch ‚ne Missionarsstellung unter Trump . Wer kann schon wissen , was morgen sein wird ?