Die Grundlage einer echten sozialen Interaktion ist immer ein Angebot. Wenn Sie und ich eine Beziehung aufbauen wollen, ist es eine gute Idee, wenn ich etwas mitbringe und es Ihnen gebe. Soweit ich weiß, haben kriegsführende Stämme in der urzeitlichen Stammesgesellschaft der Menschheit auf diese Weise mit dem Handel begonnen. Die Menschheit existiert seit etwa 350.000 Jahren, und erst vor etwa 20.000 Jahren haben wir uns nach allem, was wir wissen, zusammengerauft. Da stellt sich schon die Frage, was zum Teufel wir in den 330.000 Jahren davor gemacht haben.
Eine Antwort darauf lautet: Wir haben jeden vernichtet, der auch nur den geringsten Erfolg hatte, und endlose Stammeskriege geführt. An dieser Stelle muss man fragen, wie man da wieder herauskommt. Denn es handelt sich um eine sich selbst erhaltende Sackgasse. Stellen wir uns also eine Stammesgruppe hier und eine Stammesgruppe dort vor, die sich gegenseitig beobachten. Die eine Gruppe sieht, dass die andere Gruppe einiges besitzt, was sie auch gerne hätte und umgekehrt.
Stellen wir uns dann vor, dass es zwischen ihnen ein Niemandsland mit umstrittenem Territorium gibt. Manchmal kommt ein Stamm auf die geniale Idee, einige seiner wertvollen Güter zu schnappen und sie in der „Sperrzone“ zu deponieren, sie einfach aufzugeben und sich daraufhin zurückzuziehen. Dann kommt der andere Stamm und nimmt sich die Sachen. Es wäre möglich, einfach mit den Gütern zu verschwinden. Aber hin und wieder kommt der zweite Stamm zu dem Schluss: Wenn die anderen ein paar wertvolle Dinge zurückgelassen haben, dann gibt es bei Ihnen vielleicht noch mehr Wertvolles zu holen.
Ein Meta-Prinzip der Versorgung
Das Interessante an diesem Prozess ist jedoch, dass am Anfang ein Opfer steht. Man muss etwas aufgeben. Ich glaube, dass dieser Akt des freiwilligen Aufgebens die Integrität der Psyche definiert. Aber noch wichtiger ist, dass er die Gesellschaft definiert. Es ist nicht Macht. Sondern die Integrität innerhalb eines Individuums und zwischen mehreren Individuen.
Ich glaube, wir schaffen psychologische Integrität, indem wir von jedem unserer inneren Triebe etwas zugunsten einer sich herausbildenden Gesamtheit aufgeben. Genau das passiert, wenn man reift. Man beginnt, seine Launen so zu ordnen, dass jede von ihnen ihr Ziel erreichen kann, aber in einer bestimmten Reihenfolge über einen bestimmten Zeitraum hinweg und in Bezug auf ein bestimmtes Ziel. Ein Teil dieses Ziels wäre die Schaffung echter, authentischer sozialer Interaktionen. All das ist Opferbereitschaft.
Mir erscheinen die biblischen Geschichten wie eine Auseinandersetzung mit Opferbereitschaft, wie eine Infragestellung der Opferbereitschaft. (Und Christus ist die ultimative Quelle der Opferbereitschaft.) Denn wenn man einmal verstanden hat, dass freiwillige Opferbereitschaft die Grundlage von Zivilisation und Gemeinschaft ist, stellt sich als Nächstes die Frage: Was ist die höchstmögliche Form der Opferbereitschaft? Was ist die höchstmögliche Form des Opfers? Und das ist die eigentliche Frage, um die sich die biblischen Geschichten drehen, denn das Prinzip des Opfers wird bereits am Ende der Geschichte von Adam und Eva, aber sicherlich auch mit Kain und Abel verdeutlicht. Es gibt dort zwei Muster des Opfers, das Muster von Abel und das Muster von Kain. Aber das wird im Verlauf der biblischen Geschichten weiter ausgearbeitet.
Dies gipfelt in dem, was wir als das ultimative Opfer verstehen, also einem totalen Opfer. Man könnte sich also fragen: Stimmt es, dass ein umfassendes Opfer die Grundlage für sozialen Überfluss ist? Deshalb ist Christus der wundersame Spender des Wassers, das sich ewig erneuert, der Fische, die sich vermehren, und des Brotes, das nicht zu Ende geht.
Die Idee ist, dass man, wenn man das Muster des Sich-Opferns auf richtige Weise etabliert, eine Gesellschaft schafft, die unendlich reich ist. Es ist ein Meta-Prinzip der Versorgung, und es basiert auf der Idee des Opfers. Mir scheint, das Revolutionäre an unserer Zeit ist, dass wir das jetzt explizit verstehen können, anstatt dass es in unseren Geschichten verborgen bleibt.
(…)
Nationale Identität als Teil dieses Angebotes
So kommt Gott zu Abraham als Stimme des Abenteuers. Er sagt zu Abraham: Wenn du deine Komfortzone verlässt und dich in die schreckliche Welt hinauswagst, werde ich dir vier Dinge geben. Das erste ist, dass dein Leben ein Segen für dich selbst sein wird. Das zweite ist, dass dein Ansehen unter deinen Landsleuten aus guten Gründen steigen wird. Das dritte ist, dass du etwas schaffen wirst, das über Generationen hinweg Bestand haben wird. Und das vierte ist, dass du dies auf eine Weise tun wirst, die den universellen Reichtum vermehrt. Ich denke, diese vier Gaben sprechen jeweils das Herz des Menschen an.
Die Geschichte erzählt also vom Entwicklungsdrang, der sich vielleicht als Suche nach einem weitreichenden Abenteuer zeigt, das ein Kind von zu Hause wegführt und es dann zu einem Teenager und dann zu einem Mann macht. Es handelt von der Bereitschaft, sich in die Welt zu wagen. Sie stellt die Hypothese auf, dass dies ein göttlicher Instinkt ist und dass seine vollständige Manifestation die richtige soziale Ordnung hervorbringen wird. Sie vereint also den Instinkt zur individuellen Entwicklung mit dem Muster sozialer Interaktion, das dauerhaften Überfluss hervorbringt. Und das scheint mir richtig zu sein.
Eine nationale Identität wird somit eine Variante dieses Angebots sein, wenigstens in Teilen. Man bietet der Gemeinschaft von ganzem Herzen etwas an, und die Folge davon ist, dass man im Gegenzug etwas zurückbekommt.
Dies ist ein Auszug aus einem Video von Jordan B. Peterson.
Beitragsbild: Gage Skidmore CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons
„… , denn es ist unsere verdammte Pflicht , Menschen zu
verteidigen , die es nicht selbst tun können . Dafür sind wir
da . “ Rob Reiner , Eine Frage der Ehre , 1992 . – Ohne meinen
Baseballschläger kann ich nämlich auch nicht denken .