112-Peterson: Ist Höflichkeit konservativ?

Ich habe mich in meiner Forschung stark mit dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell beschäftigt. In einem meiner Projekte haben meine Mitarbeiter und ich gezeigt, dass man die fünf Persönlichkeits-Faktoren dieses Modells (Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Extravertiertheit, Verträglichkeit, Neurotizismus) noch in zehn Unterpunkte gliedern kann. Somit erhält man noch differenziertere Skalen, um die Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen zu beschreiben. Wir haben nun untersucht, inwiefern diese Unterpunkte mit einer bestimmten politischen Einstellung verbunden sind.

Dabei zeigte sich, dass Konservative im Schnitt höflicher und Linke empathischer und vertäglicher sind. Wir wussten nicht so recht, was wir damit anfangen sollen. Denn was genau versteht man unter „Höflichkeit“ eigentlich? Diese Eigenschaft scheint mit Obrigkeitshörigkeit verbunden zu sein. Oder vielleicht eher mit Respekt vor Autorität. Andererseits ist aber auch Gewissenhaftigkeit mit Respekt vor Autorität verknüpft. Was beinhaltet also Höflichkeit als Persönlichkeitsmerkmal, was nicht bereits durch Gewissenhaftigkeit abgedeckt ist?

In jedem Fall begeistert mich an meiner eigenen Forschung sowie an der Forschung anderer in diesem Feld der ziemlich revolutionäre Ansatz, dass politische Ansichten an das Temperament der jeweiligen Person gebunden sind. Denn das würde ja bedeuten, dass unsere Biologie uns größtenteils mit einem bestimmten Filter für Fakten ausgestattet hätte.

Wir glauben ja gerne, dass wir unsere rationalen Schlüsse aus den Fakten unserer Umgebung ableiten würden. Bedauerlicherweise aber gibt es um uns herum zu viele Fakten, sodass wir eine Auswahl treffen müssen. Das Temperament bestimmt zu einem großen Teil, womit wir uns auseinandersetzen.

Das macht sich beispielsweise auch in der Wahl unserer Lektüre bemerkbar. Menschen, die hohe Werte auf der Offenheits-Skala erzielen, greifen etwa viel häufiger zu Belletristik. Die Unterschiede beginnen schon beim eigentlichen Prozess der Informationsbeschaffung.

Dies ist ein Auszug aus einem Gespräch zwischen Jordan B. Peterson und Scott Barry Kaufman. Hier geht's zum Auszug und hier zum gesamten Gespräch.

Foto: jordanbpeterson.com

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Kerstin Behrens / 23.06.2021

Zitat: “In jedem Fall begeistert mich an meiner eigenen Forschung sowie an der Forschung anderer in diesem Feld der ziemlich revolutionäre Ansatz, dass politische Ansichten an das Temperament der jeweiligen Person gebunden sind.” Nicht wenige forschen ob ihrer ganz persönlichen Langeweile ob diverser abgestandener sozial-pädagogischer Themen, manche stehen als über 40-Jährige mit breiten “Beinchen ala Bärbock” in der Gegend gerne vor Kameras rum. Wieder andere “XXl-Damen” hissen in Hamburg zum allgemeinen “Schwulentag im August ” eine etwas merkwürdige Flagge? Ich finde “Forschung” in der “Low Class” immer wieder amüsant…!

lutzgerke / 23.06.2021

Fortbildung im Knast? Mit einem Betriebswirtschaftsstudium ausgestattet, werden aus ungebildeten Kriminellen gebildete Kriminelle. Nun kann der Einbrecher in die Politik gehen und richtig großen Schaden anrichten. Was ist unsere Last? Ich denke, höflich sollte man aus Selbstschutz sein. Früher nannte man das “Herzensbildung”. Mit Höflichkeit kann man auch schwierige Menschen im Zaum halten. Distanz halten können, scheint mir in dieser fürchterlichen Gesellschaft besonders wichtig zu sein. / Der gute Ton von heute (1954): “Mit der Erkenntnis, daß unser Verhalten beim anderen Menschen Empfindungen und Beurteilung auslöst, wird der gute Ton geboren.” - Denken ist Urteil abgeben (Platon). / Die Schule scheint mir das Hauptproblem zu sein. / Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz. Was du nicht willst, das man die tu, das füg auch keinem anderen zu (Talmud). Es gibt nichts neues unter Sonne (Salomon).

Esther Burke / 23.06.2021

Höflichkeit prüft, trennt die Spreu vom Weizen ; ja, ist konservativ-bewahrend, ohne (grundsätzlich) Neues abzulehnen oder abzuwerten.  (Wenn ich - ziemlich selten - in Bundestagsdebatten reinschaue ,bin ich meist sehr geschockt über das Ausmaß an Unhöflichkeit, das dort geboten wird.)

Esther Burke / 23.06.2021

Höflichkeit,  Manieren (- das schöne Buch von Prinz Wossen Asserate ! - ) “ermöglichen uns Menschen, im Umgang miteinander nicht zu stinken “.  Sind wie eine Wiese mit Blumen, statt erzwungener steriler Monokultur. Über die grundlegende Notwendigkeit einer Ethik mit verbindlichen Werten und Normen für das Zusammenleben hinaus (10 Gebote !)  geht es hier um die verfeinerten Formen ihrer Umsetzung : Respekt ,Fairness, Angemessenheit, Balance, Geschmack, Feingefühl, Ästhetik,  Charm, Witz, Spiel, Leichtigkeit ...Not-wendiger Luxus, der die menschlichen Verhältnisse zum Tanzen bringen kann - Kultur, halt.

Holger Kammel / 23.06.2021

@Volker Kleinophorst. Ich überspitze gern in polemischer Absicht. Weil ich ein Widerporst bin. Ich halte zum Beispiel die Grundfrage der Soziologie, die Stellung des Individuums und von Gruppen in der Gesellschaft und ihre Verhältnisse und Wechselwirkungen für hochspannend und jeder Untersuchung wert. Ich zweifele auch nicht daran, das auf diesem Gebiet Hervorragendes geleistet wurde und wird. Es sind aber materiebedingt keine exakten Wissenschaften . Sie bieten viel Raum für ziemlich viel Unsinn und große Bühnen für Scharlatane.  In den letzten Jahren haben offensichtlich die Scharlatane die Meinungsführerschaft und die Außenwirkung übernommen. Wenn eine Nichtwissenschaft, nein, eine Antiwissenschaft wie die Genderei mittlerweile die Geisteswissenschaften okkupiert hat und bereits in den Bereich der exakten Wissenschaften vordringt, dann stellt sich die Frage, was der, mit Verlaub, Saftladen wert ist, der das zuläßt. @Manni Meier Sie wissen die überbordende Menschenliebe der linken Philanthropen nicht zu würdigen. Erich Mielke (bereits in jungen Jahren zum Doppelmörder geworden): “Aber ich liebe Euch doch alle.” Bei dem war es reiner Zufall, daß er nicht zum verantwortlichen SS-Führer für Vernichtungslager mutiert ist.

Manni Meier / 23.06.2021

Wir haben hier in Deutschland eine Gruppe linker, empathischer und vertäglicher Menschen, die diese Forschungsergebnisse vollauf bestätingen. Nennt sich ANTIFA.

Volker Kleinophorst / 23.06.2021

@ H. Kammel Nun war das nicht immer so. Zu meinen Fächern gehörte “Politische Wissenschaft” und “Germanistik” mit echten Highlights wie “Humor in der Literatur”, “der politische Witz”,. In “Politische Ordnungssysteme” hört ich das erste mal von “Verschwörungstheorie”, damals noch eher ein akademischer Begriff. Das Niveau war hoch, ich profitiere bis heute von diesem Wissen. Was ich allerdings damals noch eher merkwürdig fand; Mein Hauptfach “Publizistik und Kommunikationswissenschaft” gehörte nicht zu den heute so viel gescholtenen Geisteswissenschaften sondern zu den Erziehungswissenschaften. Natürlich weiß ich mittlerweile längst wie gut das passt. Mit dem Studium ist wie mit viele Dingen, es kann bewusstseinserweiternd sein. Man sollte allerdings etwas was haben, das erweiterbar ist, dessen Ausbau lohnt. Ideologie ist da natürlich DAS Brett vor dem Kopf. Ideologie ist ja quasi das Gegenteil von Wissenschaft. Aus dummen Schülern werden keine klugen Studenten. Aus dummen Kindern keine klugen Erwachsenen, schon gar nicht wenn die von “Ewigjunggeblieben” erzogen werden.

Gabriele H. Schulze / 23.06.2021

Höflichkeit ist wie Kleidung - sie deckt gnädig menschliche Unvollkommenheiten zu (Mark Manson: “humans suck”) und macht den Umgang erträglich.

Holger Kammel / 23.06.2021

“Denn was genau versteht man unter „Höflichkeit“ eigentlich? Diese Eigenschaft scheint mit Obrigkeitshörigkeit verbunden zu sein.” ...“Was beinhaltet also Höflichkeit als Persönlichkeitsmerkmal, was nicht bereits durch Gewissenhaftigkeit abgedeckt ist?” Danke, reicht! Das ist derartig irrational, das man nur den Kopf schütteln kann. Die sogenannten Geisteswissenschaften scheinen bevorzugt Leute anzuziehen, denen man die komplette Abwesenheit von Geist bescheinigen kann. Oder es ist eine Folge des Studiums. Das sollte man einmal in einer Studie untersuchen.

Volker Kleinophorst / 23.06.2021

Kant: “Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Auf unmittelbare Kritik reagierte Kant mit einem Anwendungsbeispiel in dem Aufsatz “Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen”. (Wiki) besonders der Aufsatz passt ja super zur Zeit.

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